| Fragen • habe angst |
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rose1412 Gast
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Verfasst am: 02.04.2006, 18:23 Titel: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? |
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Hallo zusammen,
mich würde mal eure Meinung interessieren, ob wirklich immer eine Entgiftung und Entwöhnung, sei es nun in der Klinik oder ambulant, nötig ist, um sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen.
Ich habe seit 20 Jahren ein, wie ich mir jetzt eingestehe, Alkoholproblem.
Hatte längere Trockenphasen, aber der Rückfall kam wieder.
Ich hatte nie irgendwelche Entzugserscheinungen, ich vermute mal, darum hat es auch solange gedauert, bis ich an den Punkt gekommen bin zu sagen. Ich will nicht mehr trinken.
Ich hatte 3 Jahre lang eine Psychotherapie in der auch mein Alkoholproblem ein Thema war.
Ich habe heute meinen 5. Trockentag, bin jetzt in einer SHG, und ein mal im Monat weiterhin Kontakt zu meinem Psychotherapeuten, bei Bedarf auch öfter.
Also, keine Entgiftung und keine Entwöhnung, trotzdem eine Chance dauerhaft trocken zu bleiben ???
Eure Meinung ist gefragt.
Danke, rose1412 |
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| rose1412 hat zum Thema: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? geschrieben
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fiftyniner Gast
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Verfasst am: 02.04.2006, 18:43 Titel: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? |
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Hallo rose,
unbedingt und zwingend ist eine stationäre Entgiftung im Prinzip nicht; man kann auch zuhause ambulant entgiften. Dabei sollte aber unbedingt der Hausarzt hinzugezogen werden; er kann bei Bedarf (starke Entzugserscheinungen usw.) Medikamente verschreiben und Dich durchchecken.
Die Erfahrung sagt jedoch, daß die Erfolgsquote eines stationären Aufenthalts und besonders einer anschließenden Langzeit- Therapie höher ist. Viele, die zuhause entgiftet haben, wurden danach schneller wieder rückfällig als die stationär Entgifteten. Ein Grund dafür ist sicher auch, daß man in einer Suchtfachklinik nen Haufen kompetenter Ansprechpartner hat. Damit meine ich nicht nur die Ärzte, sondern vor allem die Mitpatienten!
Auf meiner HP habe ich ein paar Sachen zu Entgiftung und EWB (Entwöhnungsbehandlung, also Langzeit) geschrieben...
LG Ralf |
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| fiftyniner hat zum Thema: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32808 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 02.04.2006, 18:59 Titel: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? |
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Hallo rose1412,
die Entscheidung, ob man den körperlichen Entzug zu Hause macht, ohne Arzt oder sich ins Krankenhaus begibt, liegt bei jedem selbst.
Ich habe viele kalte Entzüge hinter mir. Zum einen, weil ich so schwere Kreislaufprobleme hatte und zu nichts mehr in Lage war, oder auch weil ich einfach nicht in Krankenhaus gehen wollte.
Da so ein Entzug zu Hause sehr gefährlich ist, würde ich jeden raten, zumindestens zu einem Arzt zu gehen und sich dort körperlich untersuchen zu lassen.
Ich habe mehrere Delir gehabt, wo es keine Wahrnehmung der Realität mehr gab und hatte mächtig Glück, dass ich nicht auf so einem Geisteszustand hängen geblieben bin.
Auch eine Therapie habe ich nie gemacht, weil ich der Meinung bin, nur ein selbst Betroffener kann mir zeigen, wie man nüchtern leben kann, weil er es selbst erlebt hat, was uns allen wiederfahren ist.
Jemand, der sich durch Bücher gelesen hat oder es von anderen Betroffenen hat, kann sich nie so gut in einem Suchtmittelabhängigen hineinversetzen. Ihn feht einfach die eigene Erfahrung.
Der Unterschied, der meiner Meinung nach, hier auch sehr oft durcheinander gebracht wird, ist die Herangehensweise.
In der Psychologie geht es um die Ursachenerforschung und der Aufarbeitung der Vergangenheit.
In der Selbsthilfe geht es um das Akzeptieren der Alkoholkrankheit. Dabei spielt es keine Rolle, warum man abhängig geworden ist, also ob es eventuell eine Vererbung gibt, ob man eine umweltformende Kindheit hatte oder warum nan sonst abhängig geworden ist.
Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist auch eher darauf beschränkt, dass man versucht, bestimmte Merkmale, in dem man besonders häufig den Alkohol mißbraucht hat, zu erkennen und andere Lösungswege zu finden.
Dieser Unterschied ist für mich sehr wichtig. Eine Therapie kann helfen, solange sie dauert, dass neue Leben ist schwieriger zu erlernen.
Mich selbst interessiert es nicht, warum ich abhängig geworden bin. Ich kann es nicht mehr ändern. Ich habe es für mich akzeptiert und habe gelernt, damit zu leben.
Wie im richtigen Leben geht es bei der Alkoholabhängigkeit darum, das Leben zu akzeptieren und es sich nicht durch bewußtseinsbeeinflussende Mittel, anders zu gestalten.
Am Anfang meines Alkoholkonsums habe ich auch immer getrunken, um mir die Welt zu formen, wie ich sie gerne haben wollte. Ich war dadurch lockerer, selbstsicherer und eben der Größte.
In Laufe der Nüchternheit habe ich gelernt, dass ich dadurch nur meine Sichtweise der Dinge änderte, aber nicht mich selbst. Alle anderen sahen mich weiter so wie vorher.
Was ich eigentlich sagen wollte. Es geht nicht darum, ob man eine Entgiftung, Entwöhnung, Therapie oder eben nicht macht.
Die Chance zur langfristigen Nüchternheit hat jeder, der bereit ist, sich selbst so zu sehen und zu akzeptieren, wie man eben ist.
Aus einer eigentlich kurz gewollten Antwort, ist es doch länger geworden. Aber wenn ein Thema mich anzieht, denke ich auch viel über mich nach, warum ich mit meinem Weg das Richtige für mich entschieden habe. |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? geschrieben
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maria44 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.03.2006 Beiträge: 2106 Alter: 48
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Verfasst am: 02.04.2006, 19:34 Titel: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? |
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Hallo,
Ich hatte auch über Jahre hinweg die Rückfälle gehabt, obwohl ich muss dazu sagen ich habe das gar nicht so gesehen. Ich habe mich nicht als Alkoholikerin gesehen also wenn ich es richtig verstanden habe, hätte ich jetzt doch größere Schanze trocken zu bleiben? weil ich es mir endlich zugestanden habe dass ich Alkoholikerin bin weil ich nicht mehr so lebe kann und will. Ich habe doch auch keine Therapie gemacht und ehrlich gesagt habe ich gar nicht vor SHG ja das möchte ich machen, ich brauche doch jetzt nicht mein Leben lang vor einem Rückfall Angst zu haben wenn ich es akzeptiert habe dass ich krank bin oder???
Grüsse Maria
_______
Achte auf Deine Gedanken! Sie sind der Anfang Deiner Taten.
Chinesische Weisheit |
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| maria44 hat zum Thema: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32808 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 02.04.2006, 19:46 Titel: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? |
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Hallo maria44,
eine gesunde Angst ist nicht verkehrt.
Auch wenn ich es lieber als Vorsicht bezeichnen möchte. Leichtfertig und als geschafft, sollte man es nicht mit seiner Nüchternheit nehmen.
Ich hatte diese Phase auch oft gehabt, wo ich mir sagte, Du hast es hinbekommen und Dir kann nichts mehr passieren. Die Überheblichkeit hat mit nach einen Jahr Nüchternheit öfter zum Rückfall gebracht.
Heute weiß ich einfach, dass es ein schönes und besseres Leben ohne Alkohol gibt und ich den Alkohol nicht mehr brauche, um mir ein schönes Leben vorzutäuschen.
Es gibt einfach nichts auf der Welt, was mir unter Alkohol besser gefallen könnte, als nüchtern. Warum soll ich also trinken?
Früher, bei meinen Anfängen habe ich getrunken, um mir die Welt schön zu trinken und habe die wirklich schönen Dinge nicht gesehen.
Als die Alkoholabhängigkeit dann vorhanden war, hatte ich die Wahl, entweder ganz aufzuhören oder weiter trinken. Eine andere Altanative gab es nicht.
Bis ich mich aber richtig entschieden hatte, brauchte es mehrere Jahre.
Heute stehe ich zu meiner Entscheidung, weil es nichts schöneres für mich gibt, als nüchtern zu leben. |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? geschrieben
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maria44 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.03.2006 Beiträge: 2106 Alter: 48
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Verfasst am: 02.04.2006, 20:10 Titel: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? |
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Hallo Karsten,
ja, Vorsicht dass ist das was ich immer nach einiger Zeit vergessen habe oder auch verdrängt, und mir dann immer gesagt habe ein Glass kann doch schaden, das war die Überheblichkeit und auch vielleicht Unwissenheit.
Danke für Deine Antwort Karsten
Rose, Entschuldigung dass ich mich einwenig bei Dir reingedrängt habe aber ich komme nie auf solche Fragen.
Liebe Grüsse
Maria
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Chinesische Weisheit |
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| maria44 hat zum Thema: Re: Immer eine Entgiftg.,bzw. Entwöhng. nötig ?? geschrieben
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