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Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten???

 
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hilfloseTochter
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.08.2010
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 29.08.2010, 12:33    Titel: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

So, nachdem ich absolut nicht mehr weiß, was ich noch machen soll habe ich mich gerade hier angemeldet.

Ich bin 30 Jahre alt und meine Mutter trinkt seit meinem 6. Lebensjahr (teilweise auch kombiniert mit Tabletten wg. Depression).
Es wurde mit den Jahren immer schlimmer. Meine Mutter ist mehr eine "Quartals-Trinkerin", allerdings wurden die Abstände dazwischen immer kürzer. Dadurch gab es natürlich oft Streit zu Hause und auch gewalttätige Auseindanersetzungen mit meinem Vater und mit mir, da sie uns im alkoholisierten Zustand oft bedroht hat (Messer, Treppe innerhalb der Wohnung runterstürzen,...).
Inzwischen schätze ich hat sie an die 10 -15 Entgiftungen hinter sich gebracht, zum Großteil mit Polizeieinsatz und zum Teil auch mit Ordnungsamt, aber nach den diesen 14 Tagen unternimmt sie nichts mehr.
Eine Therapie über ca. 3 Monate hat sie vor ca. 12 Jahren gemacht, auch diese hat nichts gebracht (Schuld an Ihrer Krankheit waren zu diesem Zeitpunkt mein Vater (Ehe unglücklich) und ich (nur für mich bei meinem Vater geblieben...).
Mit 20 Jahren bin ich von zu Hause ausgezogen und habe versucht, mich zu distanzieren, konnte aber natürlich auch meinen Vater nicht alleine lassen, wenn sie mal wieder betrunken auf dem Boden lag oder aggressiv wurde.

Nun ist mein Vater letztes Jahr nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Sie hat sich in den letzten Tagen wirklich um ihn gekümmert, war aber leider sogar betrunken im Krankenhaus (das Personal sprach mich darauf an, ob meine Mutter Alkoholprobleme habe).
Als mein Vater sein Testament aufsetzte war ich dabei, sie war mal wieder zur Entgiftung! Daher kenne ich natürlich die Inhalte.

Mit der Abwicklung seines Todes (Vorsorge-Vollmacht, Beerdigung, Amtsgericht wegen Erbe, Finanzamt,...) ließ sie mich vollkommen alleine, weil sie nach seinem Tod erstmal tagelang nicht ansprechbar war.
Auch wollte sie mit diesen Dingen nichts zu tun haben, das hatte ja 35 jahrelang mein Vater erledigt.
Hinzukommt, dass meine Mutter schwer gehbehindert ist und sich der Alkohol und die damit verbundenen Stürze natürlich nicht förderlich auf ihre Knochen auswirken - sie geht seit Jahren nur an Krücken.
Auch nach dem Tod meines Vaters musste ich sie erneut in eine Entgiftung einweisen lassen, dort blieb sie diesmal ca. 21 Tage.
Danach stürzte sie mal wieder zu Hause (unter Alkohol), brach sich das Fußgelenk und musste nach dem Krankenhaus 3 Monate in ein Pflegeheim, da sie sich alleine zu Hause nicht versorgen konnte.

In dieser Zeit hatte ich eine Wohnung für sie gefunden, den gesamten Umzug erledigt, mal eben noch nen Wasserschaden in der neuen Wohnung gemanagt und und und...

Tja, jetzt wohne ich mit meinem Mann in dem Haus, das mein Vater meiner Mutter zur Hälfte (als Vorerbin, mir als Nacherbin) und mir zur Hälfte vermacht hat. Als Ausgleich zahle ich ihr die Miete für ihre Wohnung, dies wurde auch alles notariell festgehalten. Die entsprechenden Unterlagen habe natürlich ich, da sie damit nichts zu tun haben wollte (siehe oben). Auch alle ihre Versicherungsunterlagen liegen bei mir, da sie von solchen Sachen keine Ahnung hat.

Ich habe sie nun nach dem Tod meines Vaters mehrfach gebeten, endlich eine Therapie zu machen. Die "Anfälle" sind zwar weniger geworden, aber weiterhin vorhanden, zum Teil über mehrere Tage, so dass sie nicht mehr weiß, welcher Wochentag ist.
Nein, sie brauche keine Therapie.
Ich habe ihr auch klar gesagt, dass sie unter diesen Bedingungen ihr Enkelkind niemals alleine um sich haben werde...egal, sie könne ja eh mit dem Kind nix machen wegen der Gehbehinderung.

Im Dezember letzten Jahres haben mein Verlobter und ich den Termin für unsere Hochzeit festgelegt (august bzw. september 2010), ich wollte zum Andenken an meinen Papa am gleichen Tag heiraten wie meine Eltern, das war meinr Mutter schon mal gar nicht recht.

Dann wurde ich im April schwanger (Wunschkind), Kommentar meiner Mutter: ach Du ***, na ja, in nem halben Jahr hätte ich mich vielleicht gefreut...(angeblich aus Angst um mein Kleid).

Dann brachte sie so Aktionen, wie meine Frauenärztin anrufen, ob ich dies und das überhaupt dürfe in meinem Zustand - ich kann ja quasi keine Verantwortung übernehmen...

Und nun der Super-Gau:
Letzten Freitag haben wir also standesamtlich geheiratet - meine Mutter hat sich aus meiner Sicht kein bisschen für mich gefreut, beim anschließenden Essen schön nen Prosecco verdrückt und ist dann nach der Vorspeise nach Hause, weil ihr schwindelig war - klar, sie hatte ja morgens auch Beruhigungstabletten genommen, die vertragen sich ja auch blendend mit Alkohol.
Aus ihrer Sicht hätte ich zum Andenken an meinen Vater meinen Namen behalten müssen und das ich mir für meinen schönsten Tag des Lebens dieses Datum ausgesucht habe geht ja gar nicht.

Nun steht nächsten Samstag die kirchliche Hochzeit an.
Da wir einige bauliche Veränderungen am Haus vornehmen müssen haben wir in der Einladung um Geldgeschenke gebeten.
Nein, sie möchte uns kein Geld schenken (kann ich ja noch irgendwie verstehen), macht sich jetzt aber seit genau 1 Woche Gedanken, was sie uns schenken kann (evtl. ne Küchenmaschine war meine Antwort). Das nahm sie dann Freitag in Angriff.
Vorgestern bat sie mich dann, mit ihr Einkaufen zu fahren - habe ich auch, hab ihr aber auch gesagt, dass mein Mann und ich ihr nachmittags nen Kasten Wasser bringen, weil ich den ja nicht tragen darf.
Tja, da war sie dann wieder betrunken...

Gestern rief sie mich dann an, wie es mir geht...ich sagte ihr, ich wolle nicht mit ihr reden, da sie wieder getrunken habe.
Kommentar: Ja und??? aber dann brauche sie mir ja auch nicht das halbe Haus zu schenken. Ich fragte sie dann, was das solle, ich seie doch sowieso ihre Nacherbin. Ja, sie habe ja keine Unterlagen, ich hätte ja alles festgehalten und sie sei ja auch 18 Jahre alt und hätte da Anspruch drauf.
Außerdem sei sie mein Verhalten satt, sie müsse betteln, damit ich mit dem Auto mit ihr einkaufen fahre (ich bin der Meinung, so lange sie sich Alkohol beschaffen kann, kann sie auch einkaufen gehen) und andere Töchter gingen mit ihren Müttern auch mal ins Kino oder so (sind die Mütter auch seit mehr als 20 jahren alkoholkrank???).
Sprich alles, was ich auf ärztlichen Rat getan habe (Rückzug) wird von ihr wieder als Grund gesehen zu trinken.

Ich weiß absolut nicht mehr, was ich tun soll...
Gestern hatte ich am Telefon mit ihr den reinsten Nervenzusammenbruch, mein Mann hat mir dann den Hörer weggenommen, aus Angst um das Kind. Ihr letzter Kommentar war nur, dann müsse sich ja auch nicht zur Hochzeit kommen...

Ich mein, es ist doch meine Mutter...aber ich hab jetzt Angst vor meiner kirchlichen Hochzeit!!!
Wenn sie nicht kommt, weiß ich nicht, wie ich reagieren soll (meine Familie besteht nur noch aus ihr und meiner Tante) und wenn sie kommt hab ich Angst vor Streit bzw. wird ja auf jeden Fall auch Alkohol am Tisch getrunken. Sie kann ja nicht erwarten (auch wenn sie das tut), dass wenn die Leute von ihrem Problem wissen, keiner mehr einen Schluck Alkohol in ihrer Gegenwart anrührt...

Ich bin echt kurz davor, ihr alle Unterlagen einfach vor die Füße zu werfen...

Sorry für den ellenlangen Text aber hat gut getan, dass einfach mal runterzuschreiben...
Vielleicht hat jemand ne Idee, die mir helfen kann?
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hilfloseTochter hat zum Thema: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? geschrieben
Vivian1
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 03.12.2009
Beiträge: 32
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 29.08.2010, 19:15    Titel: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Du schreibst, dass deine Mutter deinen sogenannten Rückzug als Grund zum Trinken sieht.

1. Du hast dich niemals zurück gezogen.
2. Deine Mutter trinkt, weil sie alkoholkrank ist.

Dein Arzt meinte mit Rückzug, du sollst dich komplett aus dem Leben deiner Mutter zurück ziehen. Nicht, dass du nicht mehr mit ihr einkaufen gehen sollt.

Stelle dir folgende Fragen: Ist deine Hochzeit mit einer vollgesoffenen Mutter schön ??? Ist es nicht so, dass Sie dir das Fest versauen würde. Möchtest du dein ungeborenes Baby aufgrund des psychischen Stresses in Gefahr bringen ???
Du schreibst, dass deine Mutter schon etliche Entgiftungen hinter sich hat und gleich das trinken wieder anfängt. Sie möchte es noch nicht mal versuchen trocken zu werden. Sie wird es weder für dich noch für ihr ungeborenes Enkel tun. Du musst dir bewusst werden, dass du es nicht schaffen wirst, dass sie nicht mehr trinkt.

Ich kann dir nur raten, dich von deiner Mutter so gut wie möglich fern zu halten und dich auf deine kleine Familie zu konzentrieren. Es tut weh, aber es ist der einzige Weg, dich und deine Lieben vor der Sucht zu schützen.

Nimm dir die Zeit und lese hier im Forum. Du wirst viele ähnliche Geschichten hören ... und vielleicht auch dort deine Antworten finden.

Ganz viel Kraft.

Gruss
Vivian
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Vivian1 hat zum Thema: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? geschrieben
Jessie1983
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.06.2010
Beiträge: 81
Alter: 28

BeitragVerfasst am: 30.08.2010, 06:49    Titel: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo hilflose Tochter,

ich kann gut verstehen wie es Dir geht denn ich war in einer ähnlichen Situation wie Du. Ich kann mich Vivians Text nur anschließen denn ich sehe es genauso. Gehe auf Abstand und versuche, Deine Familie zu schützen. Als ich schwanger war dachte ich auch, wenn meine Kleine erst mal da ist wird sich meine Mutter ändern. Sie wird wieder Freude am Leben haben und versuchen, ihr Alkoholproblem in den Griff zu kriegen - um eine gute Oma zu sein. Weit gefehlt denn es wurde NOCH schlimmer als es eh schon war und als meine Kleine 6 Monate alt war, zogen wir weg (wir waren zuvor fast Nachbarn) und ich brach den Kontakt ab, weil ich dem seelisch nicht mehr gewachsen war. Auf der einen Seite meine kleine Familie, die viel Kraft gekostet hat und auf der anderen Seite meine Mutter, die mich ja schon seit Jahren psychisch fertig machte mit ihrer Sucht.
Ich kann Dir nur raten, konzentriere Dich auf Dich und Deine Familie. Lass nicht zu, das Dein Baby in irgend einer Art und Weise in die Sucht Deiner Mutter hereingezogen wird. Es ist IHR Problem und solange SIE daran nichts ändern will, solltet IHR auf Abstand gehen.
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Jessie1983 hat zum Thema: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? geschrieben
hilfloseTochter
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.08.2010
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 30.08.2010, 10:16    Titel: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke für Eure Einschätzung.
Es tut gut, von fremden, objektiven Menschen zu hören, dass man nichts anderes machen kann, als sich zurückzuziehen.

Wisst ihr, nach dem Tod meines Vaters hatte ich zwischenzeitlich wirklich das Gefühl es geht aufwärts, die "Zustände" wurden seltener, es gab sogar Phasen von mehreren Wochen, in denen ich zumindest keinen Alkohol-Konsum feststellen konnte.
Aber es reicht halt nach wie vor ein Auslöser wie ein bestimmtes Datum, Vollmond oder ähnliches, um einen Rückfall auszulösen. Und Dank des Pizza-Taxis kommt man ja auch einfach an Wein, Pizza bestellen und 5 Flaschen Wein dazu liefern lassen...

Es tut halt wahnsinnig weh, meine Mutter ist der letzte Teil meiner Familie und ich sehe, wie sie sich und mich langsam kaputt macht.
Ich habe meinem sterbenden Vater versprochen, auf sie aufzupassen, aber ich muss mir halt immer wieder vor Augen halten, dass er damit bestimmt nicht meinte, ich solle mich aufgeben...

Meine Mutter ist nach wie vor der Meinung, ich trage keinen Schaden von ihrer Erkrankung, ich habe die Schule gut beendet, studiert, einen super Job, tolle Freunde und und und...das sei ja auch ihr Verdienst...

Klar, Burn out mit 25 Jahren, Workaholic etc. leider wohl auch...
Ich habe mir mal diese beiden Bücher bestellt, die hier empfohlen werden, vielleicht werf ich ihr eins davon mal in den Briefkasten, wenn ich es gelesen habe, um ihr zu zeigen, welche Folgen Alkoholismus der Eltern auf die Kinder haben kann.
Mein Mann guckte jedenfalls gestern nur auf die Symptome der Co-Abhängigkeit und erkannte einiges bei mir wieder...

Und selbst wenn ich mehr Zeit mit ihr verbringen würde (was sie mir ja vorwirft, dass ich es nicht tue wie andere Töchter), käme irgendwann wieder der Rückfall und je größer die Hoffnung vorher umso tiefer der Fall.
Auch den Rückzug in die Gefühlskälte machte sie mir beim Tod meines Vaters zum Vorwurf, ihre Schuld daran sieht sie jedenfalls nicht...

So, wie gesagt, vielen Dank, dass ich Euch mein Herz ausschütten darf -
ich muss jetzt mal zur Anprobe meines Kleides.
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hilfloseTochter hat zum Thema: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? geschrieben
Sarana
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 02.08.2010
Beiträge: 20
Alter: 34

BeitragVerfasst am: 30.08.2010, 22:16    Titel: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Hilflose Tochter

Beim Lesen Deiner Zeilen ist mir auch vieles bekannt vorgekommen. Ich denke, es ist zum Teil auch eine Art von emotionaler Erpressung, was deine Mutter dir gegenüber betreibt.... Schuldgefühle einjagen, wenn auch unbewusst fühlst du dich doch für sie verantwortlich, aber es ist so, dass eigentlich DU die Tochter bist, und SIE eigentlich diejenige hätte sein sollen, die ihr Kind behütet aufwachsen lässt. Statt dessen hat eine Rollenumkehr stattgefunden, die weder sein sollte noch gut tut. Wie schon erwähnt würde ich auch denken, dass du versuchen solltest sie auf Distanz zu halten.... du kannst ihr nicht helfen, wenn sie sich selber nicht helfen lassen will, so weh das tut, aber solange von ihrer Seite keine Einsicht kommt, oder sie sich helfen lassen will kannst du nichts tun, ausser, dass du schaust, dass es DIR gut geht und du nicht runtergezogen wirst. Alles einfacher gesagt als getan... Wir EKA's haben es uns so angeeignet, uns verantwortlich zu fühlen und uns riesige Bürden aufzuladen.

Ich wünsche dir viel Kraft auf deinem Weg.

Viele Grüsse

Sarana
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Sarana hat zum Thema: Re: Was kann ich noch tun bzw. wie soll ich mich verhalten??? geschrieben

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