| neu hier • Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen? |
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Aufbruch2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.07.2010 Beiträge: 44 Alter: 54
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Verfasst am: 24.08.2010, 08:30 Titel: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... |
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Hallo Violetta,
ich glaube auch nicht, dass Dein Mann es schafft, die Alkoholmenge, die er bisher konsumiert hat, auf Dauer auf ein Maß zu minimieren, das in Deinen Augen tolerabel ist. Diese Steuerungsmechanismen sind ja eben bei einer Alkoholsucht NICHT vorhanden, das macht die Krankheit letztendlich aus. Die Mengen, die er momentan konsumiert, sprechen m.E. schon für eine starke Ausprägung der Sucht.
Seine cholerischen Wesenszüge werden durch das regelmäßige Trinken auf jeden Fall verstärkt, so habe ich das in den letzten Jahren auch bei meinem Mann beobachtet.
Du schreibst, " Eine Neigung zu Impulsivität oder negativer ausgedrückt Cholerik hatte er schon immer, aber ich habe das Gefühl, dass die Reizschwelle für seine unberechenbaren Ausbrüche sinkt. Er wird richtig gemein und demütigend, es ist aber auch schon mehrfach zu körperlichen Gewaltandrohungen/Drohgebärden gekommen und vereinzelt zu Übergriffen." (Leider beherrsche ich das Zitieren immer noch nicht).
Genau so ist es bei meinem Ehemann - deshalb werde ich mich in diesem Jahr trennen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass cholerische Wesenszüge zwar durch den Alkohol verstärkt werden, aber grundsätzlich als Anlage im Charakter manifestiert sind. Aus einem Menschen, der von seiner Anlage her friedvoll und ausgeglichen ist, wird durch Alkohol kein Monster, er wird weder 'unberechenbar' noch 'gemein' oder demütigend'. Schon gar nicht übt er körperliche Gewalt aus, wie er es bei Dir offensichtlich bereits getan hat. (Übrigens: mein Mann hat, neben seiner Cholerik, auch eine ganze Reihe wertvoller Charaktereigenschaften!! Aber die zerstörerische Kraft seiner dunklen Anteile macht vieles zunichte.) Mein Mann war in seinem trockenen Jahrzehnt, das jetzt leider hinter ihm liegt, auch immer jähzornig - und er hat mich in trockenem Zustand geschlagen. Fazit: ich glaube nicht, dass der Jähzorn durch Abstinenz verschwindet.
Du solltest Dich sehr eingehend fragen, ob Du Dein Kind all diesen Einflüssen aussetzen möchtest... Das Szenario, dass Dein Mann irgendwann die Mutter seines Kindes vor dessen Augen in einem Jähzornsanfall schlagen wird, ist denkbar, sogar wahrscheinlich, wenn sich nichts ändert. Du schreibst sehr klar, dass eine Trennung für Dich nicht infrage kommt.
M.E. gibt es nur die Möglichkeit einer 2-gleisigen Therapie für Deinen Mann: das Ziel der vollständigen Abstinenz, Suchtberatung, SHG. Darüber hinaus langfristige Verhaltenstherapie, um den Jähzorn in den Griff zu bekommen. Jähzorn ist wohl therapierbar, es gibt ein neues Buch zu dem Thema von einem Schweizer Psychotherapeuten.
Dass Dein Mann bald Vater wird, sollte Grund genug für ihn sein, grundlegende Veränderungen zu wollen. Auch dass Du dich selbst mittlerweile als "verzweifelt" bezeichnest, sollte er wissen!
Ich wünsche Dir viel Kraft
Aufbruch |
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| Aufbruch2010 hat zum Thema: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... geschrieben
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*Violetta* neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.08.2010 Beiträge: 9 Alter: 35
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Verfasst am: 31.08.2010, 17:49 Titel: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... |
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Ich danke Euch allen für Eure wunderbaren Antworten! Teilweise harter Tobak, aber gleichzeitig zeigt es mir Wege auf, die ich gehen kann. Zudem fühlt man sich in einer solch "empathischen Betroffenengemeinschaft" gut aufgehoben.
Es ist schon erschreckend, dass es so viele zu geben scheint, die ähnliche Lebensgeschichten mit ihren Partnern erleben/erlebt haben - und dass diejenigen, die es "geschafft" haben, letztendlich nur über eine Trennung wieder "ihr Leben" zurückbekommen haben, in dem sie glücklich und zufrieden sind.
Hmmm.
Ich bin - obwohl ich mit der Problematik in meinem Bewusstsein ja nun schon recht lange lebe - nun wohl auf einem Beginn des Weges, auf dem ich Verantwortung für mich übernehme. Auch wenn es noch schwer ist, ihn dabei hintenanzustellen. Noch ist zugegebenermaßen die Hoffung da, dass wir es als Paar/Familie schaffen können. Allerdings nur mit weitreichenden Konsequenzen. Ich gehe am Donnerstag in eine Beratung für Angehörige Alkoholkranker. Er weiß davon.
Vorgestern hatte ich ihm auch eine E-Mail geschrieben, dass ich so nicht bereit bin, weiterzumachen und er in meinen Augen klar ein Alkoholiker ist. Er ist seitdem recht "geschmeidig" und will irgendwie auf mich eingehen (sonst kam oft auch viel Ablehnung/dass ich übertreiben würde usw.), er hat versprochen, dass er den Wein weglassen will (aber statt dessen abends Bier trinkt... Hab ihn nur kopfschüttelnd angeschaut. Als er sich dann noch beschwert hat, dass ich das gar nicht honorieren würde, habe ich ihm auch gesagt, dass das letztendlich nicht das ist, was ein tolerables Ziel in meinen Augen wäre und obendrein hätte ich schon genug Versprechungen gehört und würde mich emotional so weit es mir möglich ist deshalb rausnehmen. Er solle ja schließlich nicht für mich, sondern für sich sein Trinkverhalten ändern.
Nun ja, mal sehen, welche Inputs mir das Gespräch am Donnerstag bringt.
Alles Liebe,
Violetta |
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| *Violetta* hat zum Thema: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... geschrieben
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Waldliebende neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.06.2010 Beiträge: 205 Alter: 52
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Verfasst am: 31.08.2010, 18:04 Titel: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... |
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Hallo Violettea, auch ich gehe am Donnerstag zum ersten mal
in eine SHG, bin CoAbhängig.
Ich finde es sehr gut, dass du es machst und hoffe, dass es dir weiterhilft.
Bin sehr gespannt, ob ich da Zuhörer finde.
Dort sind Alkoholiker und CoAbhängige, habe aber nichts anderes gefunden.
Ist ein Anfang und unsere Männer merken nur so, dass wir
was umsetzen und nicht nur reden.
Bin sehr gespannt, wie es dir dort ergeht.
Viel Glück und Kopf hoch.
LG Waldliebende |
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| Waldliebende hat zum Thema: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... geschrieben
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Aufbruch2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.07.2010 Beiträge: 44 Alter: 54
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Verfasst am: 02.09.2010, 19:22 Titel: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... |
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Hallo Violetta,
ich wünsche Dir, dass der heutige Besuch in der SHG ein Erfolg für Dich war, vielleicht magst Du davon berichten. Zu dem Wechsel von Wein auf Bier .... mein Mann ist Alkoholiker und trinkt NUR Bier.
Alles Gute
Aufbruch |
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| Aufbruch2010 hat zum Thema: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... geschrieben
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*Violetta* neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.08.2010 Beiträge: 9 Alter: 35
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Verfasst am: 02.09.2010, 22:10 Titel: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... |
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Ich habe ja deshalb auch das Statement nicht wirklich ernst nehmen können, dass das jetzt "toll" sein soll, dass er den Wein weglassen will. Er ist halt weiter mit Augenwischerei und dem Zurechtrücken der Scheuklappen beschäftigt...
Ich berichte mal eben von dem Gespräch
Ich war in keiner SHG, sondern in einem persönlichen Beratungsgespräch. In der Suchtberatungsstelle unserer Stadt gibt es an zwei Tagen Zeiträume, in denen man ohne Termin solche Gespräche in Anspruch nehmen kann.
In dem Gespräch ist mir auch noch mal ganz klar geworden, dass Abgrenzung das ist, was ich jetzt leben muss. Es geht nun darum zu überlegen, wie genau diese Abgrenzung aussehen kann. Es muss ja etwas sein, hinter dem ich stehe, mit dem es mir besser geht und was ich konsequent durchziehen kann - und die Lösung muss ich eben selber finden (dass ich mir z. B. nachts woanders mein Bett aufschlage - was ich eigentlich als ganz gute Lösung leben könnte - geht leider wegen Platzmangels bei uns nicht. Und schwanger in den letzten Wochen die ganze Zeit im Wohnzimmer auf ner Gästematratze muss ich dann auch nicht haben...).
Gleichzeitig ist meine Hoffnung ja weiter, dass mein Mann (vielleicht auch dann durch meine Abgrenzung) doch das Bedürfnis aus sich heraus spürt, dass er eine Beratung in Anspruch nimmt.
Klar ist mir im Gespräch jedoch auch geworden, dass das aber unter anderem deshalb schwierig ist (zumindest schätze ich das so ein), weil er der "Macher-Typ" ist, der der Auffassung ist, es aus eigener Kraft mit allen Hindernissen aufnehmen zu können... Das macht die Erkenntnis, dass man Hilfe annehmen sollte, sicher nicht einfacher...
Aber ich versuche jetzt meinen Weg zu gehen. Auch wenn ich noch nicht konkret das gefunden habe, wie ich meine Abgrenzung im Besondern verdeutlichen und leben kann. Aber darüber mache ich mir jetzt Gedanken. Und kann mich jederzeit wieder bei der Beraterin melden.
Ich denke, sie würden einem auch eine SHG vermitteln, aber dort sehe ich mich gerade nicht. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt. Habe also auch gar nicht danach gefragt und ich denke, die Beraterin hat das auch gespürt, dass ich mich erst noch mal mehr mit mir selber und meiner Situation auseinandersetzen muss. Für ne SHG ist es glaube ich zu früh.
So, jetzt ruft mein Bett
LG Violetta |
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| *Violetta* hat zum Thema: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... geschrieben
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Gotti sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.02.2008 Beiträge: 3355 Alter: 51 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 03.09.2010, 04:49 Titel: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... |
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Hallo Violetta!
Ein bisschen schmunzeln muss ich schon!
Für eine SHG ist es meiner Meinung nach nie zu früh.
Wenn man für sich die richtige gefunden hat, mit den Leuten dort Kontakt findet, dann ist es eine große Hilfe.
Ich bin sehr, sehr dankbar über das Forum hier, aber die ersten Überlegungen zu MEINER HEILUNG habe ich in meiner SHG bekommen.
Der direkte Kontakt kostete mir viel Mut, brachte aber hinterher viel Erleichterung, weil es eine Art "Outing" war. Endlich mal vor meinen Ansprechpartnern offen reden. Zugeben, was daheim abläuft.
Nicht mehr schweigen, verheimlichen müssen! Und dort erfuhr ich
VERSTÄNDNIS.
Aber, da ich im Moment auch in der Zwickmühle stecke, kann ich dich auch sehr gut verstehen, dass du erst mal ANFANGEN musst, etwas zu ändern. Für DICH.
Auch mir wurde geraten, Schritt für Schritt vorzugehen. Damit man nicht unterwegs stolpert, oder wieder zurückfällt.
Dazu wünsche ich dir Kraft, Mut und Durchhaltevermögen.
LG Gotti. |
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| Gotti hat zum Thema: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... geschrieben
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*Violetta* neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.08.2010 Beiträge: 9 Alter: 35
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Verfasst am: 03.09.2010, 07:57 Titel: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... |
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Ich kann Dein Schmunzeln auch verstehen, es hört sich vielleicht kurios an, wenn ich schreibe, es sei zu früh für eine SHG, denn hat man eine gefunden, in der man sich gut aufgehoben fühlt, gibt sie einem sicher über lange Zeit gesehen größtmöglichen Halt und immer wieder neue Impulse.
Aber wie Du schreibst: bei mir ist es der Anfang. Ich wäre derzeit überfordert mit einer SHG. In zwei Monaten kommt unsere Tochter zur Welt, womit ich mich emotional und mental natürlich sehr auseinandersetze. Glücklicherweise bestimmt dieses Thema mein Leben auch mehr als das Thema Alkohol :/
Diese Lebenslage bald Mama zu sein hat mich aber immerhin so weit gebracht, dass ich nun "wirklich" etwas bzgl. des Themas Alkohols unternehme. Gestern habe ich auch gemerkt, wie sehr es mich belastet (und wie sehr ich es imAlltag anscheinend schaffe, immer wieder zu verdrängen: ich war fürchterlich aufgeregt, zu dem Gespräch zu gehen, das kenne ich nur aus wenigen Situtionen, z. B. als ich als Jugendliche die Weisheitszähne rausbekommen habe und den Termin am liebsten geschmissen hätte vor Bammel...). Ich hatte jedenfalls auch kurz den Gedanken, gar nicht erst hinzugehen und den Termin aufzuschieben - habe das weitere Aufschieben aber dann brav gelassen Auch während des Gesprächs war ich total aufgewühlt. Na ja, kein Wunder, wenn man jahrelang die Belastung weitestgehend verdrängt...
Mich Fremden zu öffenen würde mir - wenn ich nicht gerade so sehr mit dem Thema Baby beschäftigt wäre - glaube ich gar nicht so schwer fallen. Es ist zwar richtig, dass in meinem engeren Kreis nicht so viele Bescheid wissen (meine Eltern gar nicht, von den Freundinnen weiß die engste BEscheid, die anderen engen Freunde wissen zwar, dass es ein Alkoholproblem gibt, aber nicht das Ausmaß), aber richtig verheimlicht, dass bloß gar niemand Bescheid wissen darf, habe ich es nie. Und Fremden gegenüber, die im Rahmen der der SHG ja auch mit mir "in einem Boot sitzen",hätte ich glaube ich gar keine Offenbarungsängste. Aber eben derzeit kein POtential, mich ausreichend auf sie und ihre Geschichten einzulassen. In diesem Sinne ist es zu früh für mich (wahrscheinlich auch auf längere Zeit gesehen) und ich gehe meine ersten Schritte eben über das Vieraugengespräch.
LG Violetta |
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| *Violetta* hat zum Thema: Re: Problembewusstsein mal mehr, mal weniger vorhanden... geschrieben
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