| taubheit und leere • Es ist schon alles aus |
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Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 13698 Alter: 46
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Verfasst am: 17.08.2010, 22:24 Titel: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Hallo liebe EK's!
Mir ist gerade aufgefallen, daß ich den Satz "Meine Mutter trinkt solange ich denken kann" selber schon x mal hier geschrieben habe. So war es ja auch. Und ganz vielen hier geht es mit ihren Müttern oder Vätern ganz genau so. Bei meiner Traumatherapie kam in den letzten Wochen immer wieder mal das Thema Wut und Trauer in Bezug auf die alkoholkranke Mutter auf. Deswegen eröffne ich dieses Thema.
Ich frage mich, warum ich selber und viele andere hier immer schreiben "seit ich denken kann". Das Denken alleine ist es ja nicht. Warum schreibe ich nicht den Satz "Meine Mutter trinkt, solange ich fühlen kann"?
Das Fühlen habe ich quasi abgestellt, das Denken ließ sich aber nicht abstellen? Ich weiß es nicht so genau. Hm.
Analysiert und angeschaut und reflektiert habe ich die Familenkrankheit Alkoholismus aus x Blickwinkeln. Aber gefühlt habe ich noch nicht so recht, merke ich in letzter Zeit. Vorgestern ging ein Türchen ein wenig auf, da ist viel Traurigkeit dahinter und ungelebte Wut. Beides sind uralte Gefühle, die ich als Kind wohl nicht fühlen, geschweige denn zeigen konnte.
Der Kopf als letztes Schlupfloch, damit man das Elend nicht fühlen muß?
Ich freu mich sehr über eure Erfahrungen und Ansichten, bin was das Thema angeht wirklich überwiegend im Kopf.
Viele Grüße, Linde |
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| Linde66 hat zum Thema: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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equity neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.08.2010 Beiträge: 10
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Verfasst am: 18.08.2010, 07:31 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Hallo Linde,
ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht, warum man das so sagt,aber ich schreibe mal meine spontane Auffassung darüber. Ich glaube, dass man eher denkt was man fühlt, denn wenn man fühlen würde was man denkt, würde man wohl daran zerbrechen. Ich habe mal den Spruch gelesen "Denken ist die Flucht vor dem was man fühlt" und das trifft es eigentlich.
Ich halte das also eher für einen Schutzmechanismus, den aber vermutlich jeder Mensch hat und das ist auch gut so. Gefühle wie Trauer und Wut sind natürlich wichtig, aber wenn sie permanent da sind, macht es einen seelisch krank. Man lässt also nur soviel an Gefühl zu, wie man ertragen kann und dann schaltet man um.
LG equity |
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Penta sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2010 Beiträge: 2878 Alter: 41
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Verfasst am: 18.08.2010, 07:50 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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| Zitat: | | Der Kopf als letztes Schlupfloch, damit man das Elend nicht fühlen muß? |
Das ist bei mir wohl so. Mit dem Kopf „zaubere“ ich meinem Hirn Dinge vor, die es dann irgendwann in Gefühle umwandelt oder sie unterdrücken lässt. Manchmal klappt es im positiven Sinne, manchmal eher nicht. Und nicht immer tu ich das bewusst.
Bis ich denken konnte, war ich noch voll und ganz gefühlgesteuert. Das ist ja spätestens beim Entwickeln meiner Fähigkeit zu verstehen, mehr oder weniger im Sinne des „Normalen“ abtrainiert worden.
Ich sag mal so. Wenn es so ist, dass mein Hirn mir antrainierte Dinge vorspielt, die Gefühle nicht zulassen sollen, kann es doch auch andersherum funktionieren. Vielleicht läuft das ähnlich wie beim Entzug, vielleicht ist es sogar einer. Vielleicht ist es deshalb so schwer, es anders zu erleben. Kann ich jetzt noch ohne Kopf fühlen? Keine Ahnung.
Interessantes Thema...
LG penta |
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MrHardcore neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.12.2009 Beiträge: 149 Wohnort: Nähe München
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Verfasst am: 18.08.2010, 08:29 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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hi Linde66,
heute kreuzen sich unsere wege scheinbar öfter...
meine gefühle waren als kind sehr abhängig von äusseren einflüssen, die ich nicht kontrollieren oder beeinflussen konnte.
seien das die stimmungsschwankungen meines saufenden vaters, oder seien es die permanenten ortswechsel meiner familie durch die halbe welt. ich musste jeden moment damit rechnen, dass irgendetwas unangenehmes, bedrohliches, bedrückendes aus dem nichts auftauchte und bei mir -wieder mal- ein gefühl der angst, der unsicherheit, der traurigkeit, kurz: "schlechte" gefühle erzeugte.
mit zunehmendem alter erkannte ich, dass alle prozesse, die ich planen konnte, auch manipulierbar waren und somit ich einen gewissen einfluss auf das geschehen und -als resultat- meine gefühle nehmen konnte. klar, dass das denken immer mächtiger wurde, schließlich musste/wollte ich ja möglichst viele situationen zu meinen gunsten beinflussen, und sei es nur, das schlimmste für mich zu verhindern.
im jugendalter dann habe ich bewusst immer nur solche situatione zu erzeugen versucht, die mir vermeintlich "gut" taten. auch hier: alles sehr rationell, kontrolliert, abwägend, erklärend. gefühle? fehlanzeige.
als junger erwachsener wechselte das dann nicht unbedingt - ich suchte weiter nach strategien, um für mich unangenehme gefühle gar nicht erst entstehen zu lassen. auch hier war der verstand wieder mal gefragt, diesmal mehr in richtung: "wer im beruf erfolgreich ist, wird weniger oft negativ angemacht. es traut sich keiner an ihn ran". klar, meine sache...
ich kürze mal ab: erst im rahmen meiner therapie, die ich als alkoholiker machte, kam ich dazu, mir selbst überhaupt wieder gefühle zu zu gestehen.
heute hat die erfahrung der vergangenheit jedoch einen entscheidenden vorteil für mich: ich kann recht gut und treffsicher "analysieren", ob meine gefühle "echt" sind, oder ich mir wieder etwas vormache - hilfreich als prävention, nicht mehr in alte fahrwasser zurückzukehren.
aber ich bin und bleibe wahrscheinlich mein leben lang eher ein kopfmensch, als ein gefühlsbetonter. ich weiss nicht ob es überhaupt möglich ist, fast 40 jahre prägung in eine richtung zu überwinden.
cu
MrHardcore
P.S.: ich weiss auch nicht, ob ich das möchte... |
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Cowboy neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.08.2010 Beiträge: 15 Alter: 26
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Verfasst am: 18.08.2010, 14:13 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Ist wirklich schwer zu schreiben.
Ich sage auch immer "seit ich denken kann", auch in Bezug auf andere Dinge.
Aber wie sollte ich es sonst schreiben?
Ist es eine Floskel oder wirklich ein tieferer Sinn.
Ich weiß es für mich persönlich nicht. |
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| Cowboy hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 13698 Alter: 46
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Verfasst am: 20.08.2010, 12:54 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Hallo und Danke für eure Beiträge. Da eröffne ich einen Thread und schleiche tagelang drumherum...
Ich denke, also habe ich alles unter Kontrolle? Während ich denke, brauche ich in der Zeit nichts zu fühlen? Wenn ich x denke, dann muß mein Gefühl y doch falsch sein?
Selbst wenn das Denken sich erst weit nach dem wortlosen Empfinden des kleinen Kindes entwickelt hat, wieso ist dann die Verbindung heute noch unterbrochen zu den Gefühlen? Wieso wage ich nicht zu fühlen? Schmerz, Trauer, Wut, Verlassenheitsangst...? Heute ist doch heute... Ich bin ja jetzt groß, sind Schmerz, Trauer, Wut, Verlassenheitsangst mitgewachsen oder nicht etwa doch nur so groß wie damals... dann könnte ich doch die gekappte Verbindung zusammenfügen...
Hm.
LG, Linde |
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| Linde66 hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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MrHardcore neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.12.2009 Beiträge: 149 Wohnort: Nähe München
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Verfasst am: 20.08.2010, 13:04 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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hi linde,
ich hab mich schon gefragt, wo dein beitrag dazu bleibt.
willst du denn deine gefühle wahrhaben, oder willst du sie nach wie vor unter kontrolle (= unter verschluss) halten, verdrängen, ihnen keinen raum geben?
es sind uralte, wohl trainierte und angepasste verhaltensweisen. und sie sind bequem, da alltagskompatibel - kein aussenstehender weiss, wie es in mir aussieht...
cu
MrHardcore |
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| MrHardcore hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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viola sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.01.2010 Beiträge: 6456 Alter: 47 Wohnort: Niedersachsen
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Verfasst am: 20.08.2010, 13:14 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Hallo Linde,
es ist auch für mich ein Thema, lange schon.
Sind die Gefühle mitgewachsen?
Ich glaube, sie waren früher größer, übermächtiger, und sind jetzt (erwachsen) aufs normale Maß zurückgestutzt worden, wie es sich gehört. (?)
Verdrängte Gefühle sind eben nicht an der Oberfläche, ich komm nicht ran, und das ist nicht egal, sondern nervt und stört.
Ich glaube, jeder Mensch ist in erster Linie gefühlsgesteuert.
Dem Denken den Vorzug zu geben, und zu rationaliseren, das geschieht auch aus einem Gefühl heraus. Sich besser zu fühlen oder schlicht zu überleben, ist das natürliche Ziel.
Wenn ich mich besser fühle, indem ich denke und weil ich denke und worüber ich denke, dann ist Denken und Fühlen gar kein Widerspruch und Gegensatz mehr.
LG viola |
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| viola hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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