| taubheit und leere • Es ist schon alles aus |
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Manfred sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.12.2009 Beiträge: 1292 Alter: 54 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 20.08.2010, 17:48 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Hallo Linde,
ich bin zwar kein EKA, aber ich möchte gerne meine Erfahrungen mit dem Denken und Fühlen beschreiben:
Ich bin ja unter recht dramatischen Umständen auf die Welt gekommen: dem Erstickungstod nahe durch Fruchtwasser in der Lunge, sofortige Trennung von der Mutter durch Verlegung in ein anderes Krankenhaus.
Danach in den ersten Lebensmonaten keinen Kontakt zur Mutter, da sie depressiv wurde und stationär behandelt werden musste. Betreut wurde ich in der Zeit von meiner Tante.
Ausgewirkt hat sich das – und auch die weiteren ersten Lebensjahre - so:
Seit ich denken kann, möchte ich mich nicht von meiner Mutter berühren lassen.
Seit ich denken kann, habe ich Albträume.
Seit ich trocken bin, sind mir nach und nach folgende Gefühle immer bewusster geworden:
Verlassenheitsgefühle, Verlustängste, Minderwertigkeitsgefühle, Wut – um nur ein paar aufzuzählen.
Seit ich diese Gefühle zuordnen kann, weiß ich besser damit umzugehen, aber weg sind sie damit nicht.
Sie wirken sich auch heute noch immer wieder auf meinen Alltag aus.
Z.B. in dem ich einen ziemlich idealisierten Anspruch an andere Menschen habe, insbesondere an „mutterähnliche“ oder „vaterähnliche“ Bezugspersonen.
Das gilt z.B. auch für meine Therapeutin, die ich ja nicht zuletzt aufgrund Deiner Anregung gefunden habe. Wir haben das auch schon thematisiert, sind aber noch am Anfang der „Beziehungsgestaltung“.
Die Gefühle gegenüber meiner Mutter (die mich just in diesem Augenblick aus dem Krankenhaus (kleine OP) anrief) und meinem Vater haben sich im Laufe der Jahre verändert. Insbesondere seit ich etwas mehr über ihre Lebensgeschichte weiß und besser verstehen kann, warum sie so sind wie sie sind.
Wie ich in Zukunft noch besser mit meinen Gefühlen und mir zurecht komme, dass wird u.a. der weitere Verlauf der Therapie zeigen.
Ich mag mich in jedem Fall heute mehr als früher. Und tief in mir drinnen glaube ich sogar, dass ich ein liebenswerter, einzigartiger Mensch bin. Aber das möchte ich am liebsten für mich behalten, damit es mir keiner wegnehmen kann …
Liebe Grüße
Manfred |
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| Manfred hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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Martha66 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.12.2009 Beiträge: 3659
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Verfasst am: 21.08.2010, 14:09 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Hallo Linde,
Du schreibst:
Wieso wage ich nicht zu fühlen? Schmerz, Trauer, Wut, Verlassenheitsangst...? Heute ist doch heute... Ich bin ja jetzt groß, sind Schmerz, Trauer, Wut, Verlassenheitsangst mitgewachsen oder nicht etwa doch nur so groß wie damals... dann könnte ich doch die gekappte Verbindung zusammenfügen...
Meine Gedanken dazu: Heute ist heute, doch wie waren Deine Erfahrungen früher wenn Du gefühlt hast? Was hat das mit Dir gemacht, war da jemand, bei dem Du Dich anlehnen konntest, der Dich verstanden hat, der einfühlend auf Dich eingegangen ist, jemand der Dich ernst genommen hat?
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und weiss, wenn ich in mein Gefühl gehe, kann das ins Uferlose gehen und das macht mir gleichzeitig Angst. Angst, den Schmerz nicht aushalten zu können, Angst, dass der Schmerz nicht aufhört. Wenn ich merke, dass meine Gefühle mich übermannen, gehe ich in meinen Kopf und fange an zu analysieren - wieder bin ich weg von meinem tatsächlichen Gefühl ( Ablenkungsmanöver gelungen ). Für mich sind es Strategien, um meinen eigenen Schmerz nicht zu fühlen, denen ich mehr und mehr auf die Schliche komme (also meinen Strategien).
Ich hatte gerade vor kurzen eine Situation, die mich sehr beschäftigt und geärgert hat. Was habe ich in meinem Kopf gedacht und analysiert, bewertet und verurteilt...... irgendwann meldete sich ein ganz kleine Stimme, die ihre Verletzung in dieser Situation anmeldete und sofort zog sich mein Herz zusammen und die Tränen fingen an zu laufen.
Und noch eine andere Situation meldet sich gerade: Ein alter Satz von meiner Mutter kam in mir hoch, der mich sehr verletzte. Ich stand in meiner Küche und habe nur noch geweint, das war so ein alter und tiefer Schmerz, der wollt gar nicht enden, ich habe sage und schreibe 4 Stunden vor mich hingeschluchzt. Ich dachte, das hört nie auf. Irgendwann verebbte es. Heute weiss ich ehrlich gesagt nicht mal mehr, was es war. Doch habe ich durch diese Situation das Vertrauen gewonnen, dass wenn ich wirklich diesen ganzen alten Schmerz oder Kummer durchfühle, er sich auch auflöst.
Ich schließe mich Mrhardcore an, dass die Kontrolle als Schutz dient, nicht fühlen zu wollen. Schmerzen mit dem Gefühl auszuhalten macht keinen Spass, dass tut richtig weh. Und da sucht sich halt der Mensch die unterschiedlichsten Wege, nicht ins Gefühl gehen zu wollen.
Hui, ist das ein Pamphlet geworden....
Liebe Grüsse Martha |
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| Martha66 hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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Bibs Gast
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Verfasst am: 22.08.2010, 09:06 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Guten Morgen Linde,
"...seit ich denken kann..." - den Satz habe ich auch hier niedergeschrieben. Vielleicht würde ich das "Denken" für mich durch
"sich bewußt erinnern" austauschen. Und mit dem Erinnern ist das so'ne Sache...vieles habe ich einfach tief vergraben, was nur nach und nach an die Oberfläche kommt. Ich erinnere mich einfach nicht mehr bewußt daran. Auch hier schlägt mir mein Kopf ein Schnippchen, damit ich nicht fühlen muß.
| Linde66 hat Folgendes geschrieben: | Ich denke, also habe ich alles unter Kontrolle?
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Diese Frage ist für mich zur Zeit auch ein großes Thema, weil ich sehr von einem Sicherheitsbedürnis "gesteuert" bin. Ich denke alles bis auf's Letzte durch und versuche jede Eventualität abzudecken. Das zu schaffen ist natürlich völlig unmöglich, aber ich meine so alles unter Kontrolle zu haben. Kleinste Abweichungen von meinem "Plan" bringen mich daher meist ins Trudeln und werfen mich teilweise komplett aus der Bahn.
An diesem Punkt schaltet sich mein Kopf komischerweise komplett aus.
Rationales Denken völlig unmöglich. Handeln und fühlen ohne Maß. Von einem Extrem ins andere.
Es kommen diese Übermächtigen Gefühle von unendlicher Wut, Hass, Ohnmacht, Verachtung...
Ich lebe schon seit Jahren nach dem Motto "erst denken"...Sätze wie "nicht aus dem Bauch entscheiden" "mensch schalte doch erstmal deinen Kopf ein" schießen mir durch's Gehirn...Vielleicht um eventuell ( ) auftretende negative Gefühle einfach gar nicht erst aufkommen zu lassen...ihnen vor lauter denken keinen Platz zu geben. Kontrollversuche, die manchmal einfach scheitern, weil man das Leben lenken, aber nicht kontrollieren kann.
Im Moment kann ich für mich (noch) sagen, dass ich meine schlechten Gefühle selten freiwillig an die Oberfläche lasse, dennoch kann mich mein Kopf davor nur bedingt bewahren. Ausschalten läßt er sich aber trotzdem (noch) nicht.
Lieben Gruß & einen sonnigen Sonntag
Bibs |
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| Bibs hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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Vivian1 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.12.2009 Beiträge: 32 Alter: 33
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Verfasst am: 25.08.2010, 21:05 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Liebe Linde,
ich denke wir beschäftigen uns alle mit dieser Frage. Ich glaube in jeder zweiten Sitzung sagt meine Therapeutin zu mir, dass sie mich nicht fühlt. Ich wollte aus diesem Grund die Therapie schon hinschmeissen, weil ich die Hoffnung meine Gefühle zu zeigen schon aufgegeben hatte, obwohl es ihr hin und wieder gelingt, durch diese Wand der Kontrolle "Kopf" durchzudringen.
Wir haben uns darüber unterhalten und mir ist dabei bewusst geworden, dass wenn ich mich zu schnell und zu weit öffnen würde, ich daran kaputt gehen würde.
Nachdem Sie nur für sekunden bruchteile zu mir durchgedrungen ist, fühle ich mich manchmal tagelang super schlecht. Ich bin dann traurig und niedergeschlagen und kann mich zu fast nichts aufraffen. Da ich im Altag aber auch "funktionieren" muss, blocke ich ihren Versuch zu mir durchzudringen von vorneherein ab und laber Sie 1h mit irgendwelchem belanglosen Zeug zu - nur damit ich nicht diese riesen Welle der Gefühle spüren muss, bei der ich Angst habe, dass ich Sie nicht ertragen kann.
Aber wenn ich mir die Zeit nehmen und die Gefühle zulasse und durch diese Gefühlshölle gehe, dann fühle ich mich danach wie neu geboren. - Ich weiss, dass ich nach jeder "Trauer"-Phase einen Teil meiner Vergangenheit verarbeitet habe und wieder positiver in die Zukunft schaue.
Leider kosten diese Phasen sehr viel Kraft. Weshalb ich Sie nicht immer zulassen kann.
Nie hat sich jemand um unsere Gefühle geschert, Sie wurden immer weg gewischt. Das hat uns so sehr verletzt, dass wir sie heute gar nicht mehr zulassen können. Sie sind so tief vergraben. Und wenn wir Sie zulassen, "denken" wir, dass es sowieso niemanden interessiert wie es uns "wirklich" geht. Wieso sie dann zeigen, warum uns wieder und wieder verletzen lassen.
Ich komme mir als ein wenig blöd vor, indem ich meine Therapeutin fragen, ob dies oder jenes Gefühl richtig ist, oder ob ich es nur fühle, weil ich in einer Alkoholikerfamilie gross geworden bin. Ich traue mir selber nicht mehr. Ich weiss nicht, was ich "denke" weil es so richtig scheint oder was ich fühle, weil ich es bin - Leider fühle ich mich meist selber nicht
Aber ich hoffe, dass die Phasen in denen ich mich öffnen kann und ich welchen ich mich selber fühle, mit der Zeit länger werden und der Personenkreis in welchem ich das kann grösser wird.
Das wünsche ich allen hier ! |
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| Vivian1 hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 13698 Alter: 46
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Verfasst am: 26.08.2010, 12:18 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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Ich danke euch sehr für eure tiefen Beiträge. Ist eine langsame Annäherung bei mir. "Darüber" schreiben kann ich nicht, denn ich bin mittendrin und das langsam und behutsam. Zögernd auch.
Liebe Grüße, Linde |
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| Linde66 hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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silberkralle sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.12.2009 Beiträge: 4058 Alter: 60 Wohnort: Wilkau-Haßlau
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Verfasst am: 26.08.2010, 16:42 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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glück auf linde
ich hab den thread bisher aufmerksam verfolgt + mir is wiedermal schmerzhaft klargeworden was meine ex + ich meinen kindern wirklich angetan haben
zum thema ansich kann ich nich beitragen
für mich hies bisher "seit ich denken kann" = seit meine erinnerung anfing - also so mit 3jahren
ich wünsch dir viel geduld + erfolg bei der aufarbeitung
matthias |
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| silberkralle hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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Emilie_AllEin sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.08.2008 Beiträge: 1258 Alter: 30
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Verfasst am: 26.08.2010, 23:40 Titel: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? |
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| Gefühlt habe ich immer. In meiner frühesten Kindheit jedoch habe ich gelernt, dass es mir Null bringt, wenn ich meine Gefühle offen zeige oder sogar definiere. Kein Erwachsener hört einem kleinen Kind wirklich zu oder hört auf ein kleines Kind. Entweder hast du Quatsch im Kopf oder den Quatsch will Niemand hören. Ich will nicht sagen, dass mein Gefühl irgendwann ausgesetzt hat. Aber ich (ge)brauchte meinen Verstand, damit er mir die Gefühle übersetzt. Das was ich fühlte, durfte ich nicht denken oder aussprechen. Ich musste mir ein anderes Bild von der Situation in meinem Kopf erschaffen. Und so gewann meine Denke die Kontrolle über meine Fühle. Das geht mir noch heute so. Und wenn ich mehr fühle als denke, macht mir das noch immer Angst. Denn dann habe ich das Gefühl von Kontrollverlust und ich bin mit Dingen konfrontiert, die ich mir nicht an der Basisfront "erlernen" durfte. Alles Liebe Emilie |
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| Emilie_AllEin hat zum Thema: Re: Seit ich denken kann... - habe ich denn nicht auch gefühlt? geschrieben
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