| Kann ich hier schreiben? • Wie ernst ist es ihm? |
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Hartmut Moderator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.02.2007 Beiträge: 10067 Alter: 49
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Verfasst am: 13.08.2010, 08:31 Titel: Tiefpunkt unbedeutend. |
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Hallo
ich lese immer wieder einmal heraus das auch ohne Tiefpunkt jemand trocken werden kann.
Aus meinen Erfahrungen heraus, bin ich der Meinung das nicht jeder " Point of Return " ausreicht, um die Ernsthaftigkeit der Krankheit zu erkennen und dadurch individuelle , auf sich abgestimmte und angenehme Wege gegangen werden, weil einfach die Bedrohlichkeit der Krankheit, nicht für den einzelne da war. ich geh ja dann leichtfertiger damit um und vergesse dabei, das ich da ganz schnell leicht fertig bin mit den Bemühungen .
Nun möchte ich mal an Euren Erfahrungen teilhaben .
Gruß Hartmut |
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| Hartmut hat zum Thema: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 31607 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 13.08.2010, 08:43 Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. |
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Hallo Hartmut,
ich selbst habe meinen Tiefpunkt erst erreicht, als ich ganz unten war.
Ich war obdachlos und habe mit eingepisster Hose und völlig dreckig auf Parkbänken gelebt oder auf Bahnhöfen geschlafen.
Zum schluß musste ich sogar auf die geschlossene Station ins Krankenhaus.
Ich bekam Depotspritzen mit einem beruhigen Mittel, weil ich in einer irrealen Welt lebte, Hallos hatte und davon tagelang nicht mehr runter kam.
Zuvor öfter erlebte Herzrhythmusstörungen mit Betreunungen auf Intensivstationen, haben mich noch nicht vom saufen abgehalten.
Sicherlich wünsche ich das Niemanden und niemand muss so weit sinken, aber ich bin heute dankbar, dieses erlebt zu haben und überlebt zu haben, weil ich heute weiß, was ein Glas Alkohol wieder bedeutet.
Für mich heißt es dann nicht, na gut passiert, fange ich eben wieder neu an, sondern ein Rückfall würde ich vielleicht nicht überleben.
Ich habe sehr viel für mich erreicht, um wieder ein Leben zu haben, was mir gefällt und das immer auf den Punkt gesehen, andere trockene Alkoholiker leben ohne Alkohol, also können sie mir auch sagen, wie ich ohne Alkohol leben kann.
Für mich gibt es daher ein Zusammenhang zwischen einen wirklich erreichten Tiefpunkt und der Konsequenz, die aus einem Rückfall folgt.
Gruß
Karsten |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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Penta sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2010 Beiträge: 2876 Alter: 41
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Verfasst am: 13.08.2010, 08:57 Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. |
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Hallo,
ich für mich denke, dass der Tiefpunkt da gewesen ist, wo ich begann umzudenken für mich.
Der Alkoholismus ist Teil von mir und er gehört zu mir als Ganzes.
Und jeder Tiefpunkt, der mir eine "Wende" in meinem Verhalten und meinem Umgang mit mir bringt, ist auch dazu geeignet.
Das hat nichts mit Leichtfertigkeit zu tun.
Wie mein Umgang jetzt mit mir und auch mit meinen Süchten ist, ergibt sich bei mir aus der Wahrnehmung meines persönlichen Tiefpunktes. Ob der jetzt direkt in zeitlicher Nähe zum Entschluss trocken zu leben sein muss, weiß ich nicht.
Warum erleben Menschen sonst ihren Tiefpunkt und haben dann noch Rückfälle? Entscheidend für mich war die Erkenntnis, dass der Suff mich kaputt macht.
Ob ich jetzt auf einem Weg in die Trockenheit bin, weiß ich auch nicht. Bis jetzt war ich es und heute bin ich es auch noch. Stabilität ergibt sich für mich jetzt aus dem Lernen und Erkennen.
Gruß penta |
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| Penta hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 31607 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 13.08.2010, 09:26 Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. |
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Hallo Penta,
ich wünsche jeden Menschen, dass er oder sie ein Leben ohne Alkohol führen kann und das vom ganzen Herzen.
Egal wo der jeweilige persönliche Tiefpunkt ist.
Bei manch einen reicht schon der erhobene Zeigefinger des Partners, weil er oder sie Angast vor den Konsequenzen hat und dadurch zum nachdenken gekommen ist.
| Zitat: | | Warum erleben Menschen sonst ihren Tiefpunkt und haben dann noch Rückfälle? |
Das wird wohl viele Gründe haben. Unter Anderen Zweifel an der eigenen Krankheit, keine Ziele mehr, weil man für andere ( Partner ) trocken geworden ist den es nun nicht mehr gibt, weil man zu sicher war, weil man sich nicht mehr um sich gekümmert hat, vergessen hat und und und, aber ein Grund vielleicht auch, weil man den persönlichen Tiefpunkt noch gar nicht erreicht hat und nur gehofft hat, dass es nicht weiter bergab geht.
Für mich bedeutet ein persönlicher Tiefpunkt, dass ich alles tue um nüchtern zu bleiben. Oft liest man aber von Bedinungen zu Nüchternheit, Ansprüche an die Helfenden oder Hilfseinrichtung ( Therapieeinrichtungen werden nach Kriterien ausgesucht, die mir gefallen ) und anderen Dingen, wo man sich gerne noch aussuchen möchte, welche Hilfe die Richtige ist.
Als ich unten war, habe ich die Hilfe angenommen, die mir angeboten wurde.
Gruß
Karsten |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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HansHa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.06.2009 Beiträge: 476 Alter: 49 Wohnort: Berlin - Trocken seit 2005
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Verfasst am: 13.08.2010, 09:30 Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. |
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| Hartmut hat Folgendes geschrieben: | | ich lese immer wieder einmal heraus das auch ohne Tiefpunkt jemand trocken werden kann. |
Hallo,
das glaube ich nicht. Für jeden, der aufhören will, gibt es einen "Stein des Anstoßes". Ob es wirklich immer so ein "tiefer Tiefpunkt" wie bei Karsten sein muss, bezweifle ich. Jedenfalls kenne ich einen Haufen Leute, die die Biege vorher geschafft haben, aber auch von so einem Punkt berichten.
Bei mir ging gar nichts mehr. Ich konnte körperlich nicht mehr und geistig ging gar nichts. Aber ich habe mich relativ schnell erholt, aber mir vorgenommen, diesen Zustand nicht zu vergessen und präsent zu halten. Dadurch dass ich den "Verdrängungseffekt" versucht habe zu behindern, habe ich auch eine ganz andere Sicht von außen auf mich und mein Handeln bekommen. Das ist zwar keine Garantie für Trockenheit, hilft mir aber ungemein.
Schönen Tag noch
H. |
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| HansHa hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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Penta sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2010 Beiträge: 2876 Alter: 41
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Verfasst am: 13.08.2010, 10:40 Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. |
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Hallo Karsten,
| Karsten hat Folgendes geschrieben: |
Oft liest man aber von Bedinungen zu Nüchternheit, Ansprüche an die Helfenden oder Hilfseinrichtung ( Therapieeinrichtungen werden nach Kriterien ausgesucht, die mir gefallen ) und anderen Dingen, wo man sich gerne noch aussuchen möchte, welche Hilfe die Richtige ist.
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das sehe ich auch als den wichtigsten Punkt an, der mich vom Arbeiten an und mit mir abhalten kann.
Das betrifft die Sauferei ganz genau so wie meine Depression.
Hier geistert ja noch ein Spruch herum, der dort passt.
Ich kann auch ruhig mal dahin schauen, wo es weh tut. Nein, ich muss es an der Stelle! Denn für mich ist die Bedingung dafür, dass ich etwas ändern kann, dass ich überhaupt sehe, was geändert werden muss.
Alles darf sonst im Umgang mit mir.
Aber bestimmte Dinge sind Voraussetzung für etwas und die müssen dann.
Ich sag es mal so. Um Kartoffeln überhaupt ernten zu können, müssen sie erstmal in den Boden.
Nur hat jedes Gemüse seine eigene Zeit zum Wachsen.
Deshalb ist es bei mir wohl so gewesen, dass zwischen meinem Tiefpunkt und dem Entschluss zum alkfreien Leben etwas mehr Zeit lag, als vielleicht bei dem einen oder anderen hier. Da hatte ich wohl eine sehr lange Leitung. Lange habe ich den Alk nicht als das gesehen, was er für mich war, nämlich ein weiteres Mittel, um mich umzubringen.
LG penta |
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| Penta hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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pfundi neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 10.01.2010 Beiträge: 110 Alter: 41 Wohnort: Heilbronn
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Verfasst am: 13.08.2010, 10:59 Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. |
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Ich konnte aufhören, als ich selbst gemerkt habe, dass der Alkohol meinen Tagesablauf bestimmt und ich aufgrund dessen nicht mehr in der Lage war, meinen Ansprüchen, insbesondere im Berufsleben gerecht zu werden.
Ich habe über mein halbes Leben immer viel getrunken und war andererseits beruflich zumeist erfolgreich. (Ich lag wieder stockbesoffen auf der Parkbank und kassierte ein paar Tage später wieder die Prämie... und das gefiel mir auch noch). So lief das bei mir jahrelang. Ich war mir nicht bewusst, dass ich abhängig war. Verlor zwar meinen Lappen vor 13 Jahren mit 2,6, hatte aber nur Führerscheinprobleme.
Das süchtige Leben nahm seinen Lauf. Ich konnte seit 2009 dem Anspruch, den ich an mich selbst hatte, nicht mehr gerecht werden, weil Depressionen, Schamgefühle, Entzug und erneuter Suff den Tagesablauf bestimmten. Das konnte alles doch nicht mehr wahr sein. Ich hab doch sonst auch immer noch um Haaresbreite wieder die Kurve gekriegt.
Nun war Schicht im Schacht. Ich konnte meine Eltern nicht mehr besuchen. Einmal saß ich da, wollte nicht trinken, hatte so heftigen Entzug, dass ich ihnen von meiner Sucht erzählte. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, leitete aber mit dem Mut der Verzweiflung kurz darauf hin meine Kehrtwende ein. |
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| pfundi hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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silberkralle sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.12.2009 Beiträge: 4054 Alter: 60 Wohnort: Wilkau-Haßlau
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Verfasst am: 13.08.2010, 10:59 Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. |
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glück auf
| Karsten hat Folgendes geschrieben: | | Bei manch einen reicht schon der erhobene Zeigefinger des Partners, weil er oder sie Angast vor den Konsequenzen hat und dadurch zum nachdenken gekommen ist. | oder eben "ganz unten
| HansHa hat Folgendes geschrieben: | | diesen Zustand nicht zu vergessen und präsent zu halten. | das scheint der springende punkt - seinen persönlichen tiefpunkt immer in erinnerung zu behalten
matthias |
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| silberkralle hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
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