Hilfe bei Alkohol : Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum : Das Alkoholikerforum

Tiefpunkt unbedeutend. - Hilfe: Herzlich Willkommen im Alkoholikerforum.
Du suchst einen Erfahrungsaustausch, der Dir bei Deiner Alkoholabhängigkeit hilft? Das Alkoholiker Forum bietet Dir Hilfe durch die Selbsthilfe in der Alkoholkrankheit, Alkoholismus und Alkoholsucht. Natürlich auch für Angehörige von Alkoholikern.




Alkoholiker

Tiefpunkt unbedeutend.

Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5  Weiter  
   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Sonstiges zu Alkoholsucht und Selbsthilfe im Alkoholiker Forum -> Seite 3
Kann ich hier schreiben?   •    Wie ernst ist es ihm?  
Autor Nachricht
pfundi
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 10.01.2010
Beiträge: 110
Alter: 41
Wohnort: Heilbronn

BeitragVerfasst am: 13.08.2010, 12:35    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich sage auch gerne, dass ich an dem Tag aufgehört habe, als ich nicht mehr selbst in der Lage war, mir den verdammten Sprit zu kaufen.

Ich wollte ja immer weniger trinken und den Konsum reduzieren. Ich fing an zu trinken und dann war wieder alles vorbei. Ich saß da mit meinen Angstzuständen, die zum Teil von heftigen Panikattacken begleitet wurden und konnte nicht mehr rausgehen zur Tanke. Ich kam noch bis in unseren Hof und konnte nicht mehr weiterlaufen. In der selben Nacht ließ ich mich ins Krankenhaus fahren.
Nach oben
pfundi hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
klarerkopf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 31.12.2007
Beiträge: 122
Alter: 47
Wohnort: Österreich

BeitragVerfasst am: 13.08.2010, 19:42    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Herbst 2005:

Ich wache in einem Raum auf, liege in einem Bett, über mir (Infusions-?) Flaschen, die in meinen Körper geleitet werden, ein Arzt, der sich mit groß geöffneten Augen über mich gebeugt hat, um mir die Frage zu stellen:

"Herr ...., wollten Sie sich umbringen?"

Ich, unfähig mich zu rühren, geschweige denn eine vernünftige Antwort zu geben, war in eine Situation gekommen, die ich mir nie hätte träumen lassen.

Ich, der "nie" Probleme mit dem Umgang mit Alk hatte, ich, der ja ohne weiteres zwischendurch wieder ein paar Tage auf dieses Zeug verzichten konnte, ich, der eigentlich "alles" im Griff hatte, ich, der (glücklicherweise) noch keinen Führerscheinentzug hatte, dessen Ehe noch "hielt", ich, der seine Welt noch rundherum in Ordnung sah.

Ich, ich liege jetzt hier in der Intensivstation eines Spitals, bei der Einlieferung noch gemessene 3,71 Promille in der Birne.
Meine Gedanken ließen sich in dieser Situation und in den darauffolgenden Tagen wie folgt beschreiben: "Wenn es jetzt noch einen Funken "Stolz" in mir gibt, kratze ich jetzt die Kurve".

Auf Teufel komm raus, koste es, was es wolle.

Diese geschilderte Situation ist das letzte Kapitel eines jahrelangen Alkoholmissbrauchs, verbunden mit jeder Menge Selbstbetrug, Selbstmitleid, Ausreden, oftmals vorgenommenen Neubeginn (So, und ab morgen....), usw.

Die zwei Tage in dieser Intensivstation waren für mich die Hölle, erstens der Entzug, der zwar medikamentös begleitet wurde, für mich aber trotzdem die Hölle war, vor allem auch deswegen, weil jetzt meine "heile" Welt zusammengebrochen war, und ich nach aussen hin, so glaubte ich, Erklärungsbedarf hatte.

Um es kürzer zu machen, dies war mein Tiefpunkt, und ich möchte nie, nie, nie mehr selbstverschuldet in der Intensivstation aufwachen, ich glaube auch nicht, dass ich das noch mal überleben würde.

Ich war dann bereit, sämtliche mir gebotene, professionelle Hilfe anzunehmen, Psychotherapeut, stationäre Therapie, SHG, dieses Forum.

Seit diesem Zeitpunkt verfolge ich einen geradlinigen Weg, dessen Ziel letztendlich immer heissen wird:

"Ich trinke keinen Alkohol mehr"

wohlwissend, dass, würde ich das erste Glas nicht stehen lassen, es meinen Tod bedeuten kann.

Ich schätze mein wiedergewonnenes Leben mit allen Höhen und Tiefen sehr, und gehe aus diesem Grund auch von einem weiteren, suchtmittelfreien Leben aus (Rauchen hab ich 1991 aufgehört), ob es mein Leben lang so bleibt, weiß ich nicht, ich weiß aber, daß es sich lohnt, alles dafür zu geben.

Mit "alles dafür zu geben" meine ich eben auch, daran zu arbeiten, daß es so bleibt, denn, die Zeit heilt alle Wunden, so lässt sie, glaube ich, einem auch sehr leicht die Einzelheiten des "Tiefpunktes" vergessen, mich an diese zu erinnern, ist Teil "meiner" Trockenheitsarbeit, noch ein sehr wichtiger Teil ist das Schätzen und Dankbarsein für das jetzige Leben, verbunden mit einer guten Portion Umsicht und Wachsein zu diesem Thema, für mich in jeder Situation des Lebens, wohlwissend, dass das aber nicht in einen Zwang ausarten sollte.


Abschließend noch:

Es mag verrückt klingen, ich bin im Nachhinein dieser Situation, bei der ich an der "Kippe" stand, dankbar, die letzten Jahre vorher hatte ich immer schon im Hinterkopf, daß ich mir mit dem Alk immer mehr Probleme aufhalste, wusste aber keinen Weg, dem ganzen zu entrinnen, besser, ich wußte nicht, wie ich da wieder raus komme.

Ich war gänzlich unfähig dazu, und in dieser Situation, so meine Meinung, trifft es am genauesten zu, beim Alkoholismus von einer "Krankheit" zu sprechen.

In diesem Sinne wünsche ich jedem, daß sein Vorhaben gelingt.

lg

klarerkopf
Nach oben
klarerkopf hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
rumpelkurt
Gast






BeitragVerfasst am: 13.08.2010, 19:59    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

mir ging es auch. Warum musste ich trinken ????

30 Jahre lang-

Ich habe Arbeit .

Ich bin auf Arbeit angesehen.

Ich habe keine Geldschwierigkeiten

Ich habe eine Lebensgefährtin ( die zu mir hält )


Also WARUM ???

Dann 2009 30.12. der totale Absturz . Meine Lebensgefährtin beleidigt und wollte wiedermal Schluss machen.

Eine lange Aussprache und _ es muss Schluss sein ich WILL mein Leben endlich ändern ohne Alk.

Nun ist August und ich bin trocken . Mein Leben hat einen neuen Sinn und es ist schön . Und ich bin stolz aus mich.

Mensch 30 Jahre , welch ein Wahnsinn.
Ich hatte wenn man so will Ende 2009 meinen Tiefpunkt.

Aber Karsten alle Achtung .

Grüße Rumpelkurt
Nach oben
rumpelkurt hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
drybabe
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 06.04.2010
Beiträge: 2599
Alter: 39
Wohnort: Hamburg trocken seit 18.08.2009

BeitragVerfasst am: 13.08.2010, 22:39    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich bin auch der Meinung, dass es viele Tiefpünktchen und dann den Tiefpunkt gibt.
Tiefpünktchen begannen bei mir im Winter 08/09 mit dem ersten Entzug. Ja, ich hab ein Alkoholproblem, werd erstmal nix trinken. Der Körper ist ja noch gesund.
6 Wochen später der erste Rückfall. Meine Eltern brachten mich für eine Nacht in die "Klapse". Die entliessen mich nächsten Tag. Is ja alles nicht so schlimm. Nein, Mama und Papa und Familie und Freunde, ich trink nicht mehr.
Danach dann heimlich getrunken. Zweiten Entzug stationär im Mai 09. Danach regelmäßig alle 2 Wochen mehrere Trinkexzess-Tage am Stück. Umgebung/Familie/Freunde waren völlig am Ende und ratlos.
Dann der 17.8.09: Morgens in der Kneipe merkte ich schon, dass oben kaum noch Alk reinging, aber ich mußte doch! Ich wurde entzügig, hab versucht, Hochprozentiges reinzukippen. Immer wieder zwischen durch unbemerkt auf´s Klo zum Brechen.
Die Oberbauchschmerzen wurden immer schlimmer. Ich wußte es, dass ich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung vom Saufen, eine sog. äthyltoxische Pankreatitis hatte. Aber oben mußte doch was rein, in die Birne.
Zu Hause bin ich dann vom Bett alle halbe Stunde zum Klo gekrochen und habe gekotzt. Ich hatte Todesangst. Ich wußte nicht, ob ich das überlebe, da mir klar war, dass so eine Pankreatitis unbehandelt tödlich verlaufen kann.
Teilweise habe ich es nicht mehr bis zum Klo geschafft.
Irgendwann bin ich dann eingeschlafen in der Hoffnung, am nächsten Morgen aufzuwachen. Das war dann der 18.8.09 und mein Tiefpunkt.
Michi
Nach oben
drybabe hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
Speedy53
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 17.10.2008
Beiträge: 1370
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 14.08.2010, 16:38    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Hartmut,

eine sehr interessante Frage, wie ich finde.

Ich versuche mal, sie aus unserer beider Sichtweise aufzudröseln. Winken

Mein Tiefpunkt (so dachte ich) war erreicht, als ich mich hier anmeldete. Ich wollte nicht jeden Tag neben einem betrunkenen Mann auf dem Sofa sitzen... allerdings war ich noch weit davon entfernt, etwas dagegen zu unternehmen.

Für mich war ja klar, wenn er aufhört ist alles gut.

Ich wusste nicht, dass er gar nicht so einfach aufhören kann und noch viel weniger wusste ich, dass ich ihm mit meinem Verhalten ja den Weg zum saufen täglich freigeschaufelt habe.

Er hat sich sein Grab geschaufelt indem er soff und ich habe kräftig mitgeschaufelt.

Das wollte ich aber nicht hören...

... es hat gedauert bis ich begriff, was mein Anteil war.

Ich habe ihn verlassen, um ihm, mir und unserer Ehe noch eine Chance zu geben.

Das war der Tiefpunkt für meinem Mann. Er hat sich Hilfe gesucht (zugegebener Weise mir zur Liebe), aber er hat es durchgezogen... bis heute.

Mein Tiefpunkt war damals aber lange noch nicht erreicht. Das habe ich aber selber nicht gemerkt.

Gemerkt habe ich, dass es mir trotzdem mein Mann nüchtern war, immer schlechter ging und das hatte nichts mehr mit meinem Mann zu tun.

Ich hatte mich von einer Abhängigkeit in die nächste gestürzt und konnte nicht loslassen. Das war richtig schlimm.

Ich habe mir Hilfe gesucht und habe eine Therapie gemacht. Das war nicht immer leicht und hat sehr viele Tränen gekostet, aber es hat sich gelohnt.

Heute geht es mir gut...ich muss es nicht mehr allen recht machen... ich kann auch mal nein sagen und ich muss nicht mehr immer "Gewehr bei Fuss" stehen, wenn irgendwer Hilfe braucht.

Ich lasse mich von nichts und niemanden mehr unter Druck setzen... auch von mir nicht!

Bin ich am Thema vorbei? Egal... das sind meine Gedanken dazu und ich schicke das jetzt ab!

Lieben Gruss
Speedy
Nach oben
Speedy53 hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
Die_Susanne
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 02.04.2010
Beiträge: 2064
Alter: 48
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 14.08.2010, 19:03    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Men Tiefpunkt war kein spektakulärer..
Nicht der Tag,an dem ich mit gebrochener Wirbelsäule 2 Stunden gebraucht habe,um aufstehen zu können.
Auch nicht die Tage danach,in denen ich meinen Mann um Hilfe per sms gebeten habe und er nicht reagiert hat.
Mein Tiefpunkt kam ca 6 Wochen später,nach einer für unsere Verhältnisse friedlichen Zeit.
Das übliche,100x schon dagewesen...ich rede,übers Trinken,über Vertrauen,blabla und er steht auf und sagt:ich muss jetzt mal arbeiten.
weiß ich bis heute nicht,warum es diesmal anders war.ich hab wohl auf meinen tiefpunkt hingearbeitet.
für mich zählt nur,dass ich ihn hatte.
Susanni
Nach oben
Die_Susanne hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 10681
Alter: 49

BeitragVerfasst am: 15.08.2010, 10:39    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

ich danke für Eure Meldungen. Wenn ich mir die "Hardliner " betrachte sehe ich meist einen geradlinigen ohne Kompromissen geführten Weg. Gerade da war auch der Tiefpunkt wohl mit der Auslöser.


Gruß Hartmut
Nach oben
Hartmut hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben
HansHa
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.06.2009
Beiträge: 476
Alter: 50
Wohnort: Berlin - Trocken seit 2005

BeitragVerfasst am: 15.08.2010, 10:53    Titel: Re: Tiefpunkt unbedeutend. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hartmut hat Folgendes geschrieben:
Gerade da war auch der Tiefpunkt wohl mit der Auslöser.

Hallo Hartmut,

und das Erhalten der Erinnerung an diesen Moment (diese Zeit) finde ich sehr wichtig. Wenn ich das dahin verdränge, wo ich meine anderen Gefühle vergraben habe, nutzt mir der Tiefpunkt auch nichts mehr und ich muss auf den nächsten tieferen warten (Oder es gelingt mir nie, trocken zu werden oder zu bleiben.).

Schönen Tag

H.
Nach oben
HansHa hat zum Thema: Re: Tiefpunkt unbedeutend. geschrieben

   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Sonstiges zu Alkoholsucht und Selbsthilfe im Alkoholiker Forum Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5  Weiter
Seite 2 von 5


Ähnliche Beiträge
Thema Forum
Keine neuen Beiträge Wichtig: Grundbausteine Co-Abhängigkeit - Nr. ... Co-Abhängige und Angehörige von Alkoholikern
Keine neuen Beiträge Tiefpunkt.... Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum

Informative Bücher für Alkoholiker und Angehörige bei amazon.de:
.
Soziale Phobie
Soziale Phobie
Die Liebe und...
Die Liebe und...
Ich befreie mich
Ich befreie mich
Kurzzeittherapie
Kurzzeittherapie
Mit 14 betrunken
Mit 14 betrunken


Werben im Alkoholikerforum - Spenden





Impressum : Sitemap
1 2 3 4 5 6 7 8 9 Weihnachtsgeschenke

Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de