Kobe2 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.08.2010 Beiträge: 4 Wohnort: Dortmund
|
Verfasst am: 12.08.2010, 11:02 Titel: Sehe keinen Ausweg aus meiner Situation. |
|
|
Hallo zusammen,
ich lese nun bereits seit 2 oder 3 Tagen hier im Forum. Meist im CO oder im EKA Bereich.
Wie ihr euch sicher denken könnt, mache ich das nicht zum Spass. Es ist erstaunlich wieviele Leute hier fast genau das erleben was ich auch „erleide“.
Ich weiss, dass es hier weniger um die erkrankten Alkoholiker selbst gehen soll, aber ich halte die Informationen zur Situationsbeschreibung für wichtig. Um sicherzugehen habe ich es recht neutral formuliert.
Aber vorweg mal ein paar Worte zu mir.
Ich bin männlich, gehe auf die 30 zu, wohne allein und bin Sohn einer Alkoholikerin (60) sowie scheinbar CO-abhängig.
Ich selbst trinke nicht selten aber auch nicht häufig. Im Schnitt wohl so
2 -3 x die Woche je 2 Flaschen.
Wann es losging mit der Trinkerei meiner Mutter weiss ich nicht mehr.
Wir lebten in einem großen Haus in der Familie (Mutter, Vater, Bruder (Bj 1989), ich und Opa)
Sie hat jedenfalls viele Jahre lang abends 1 Glas Wein getrunken. Fast seit ich denken kann.
Es blieb auch immer bei diesem einen Glas, nur seltenst waren es mal zwei.
Irgendwann, das muss so vor ~10 Jahren gewesen sein, kaufte sie keine Weinflaschen mehr sondern diese kleinen 5 Liter Kanister Wein und trank plötzlich 2 – 3 Gläser am Abend.
Zu dem Zeitpunkt war sie mit meinem Vater schon auseinandergelebt. Sie behandelten sich nicht schlecht, aber sie gingen sich aus dem Weg, er nahm seinen Teller mit in „sein Zimmer“ (in dem er auch schlief, fernsah usw) und ein Familienleben gab es nicht mehr.
Um es ein wenig abzukürzen, nach einiger Zeit (2005 (?) ) ist mein Vater ins Ausland gegangen FrühRentner. Nicht einfach abgehauen, sondern schon mit „tschüss“ sagen und so, aber er war halt weg.
Wir verkauften das Haus, meine Schwester ging studieren, ich zog aus, und Opa kam ins Heim.
2006 gabs dann den ersten großen Knall. Ich kam Heiligabend zum Weihnachtsessen (Mutter, Opa, Schwester, ich) zu meiner Mutter und sie konnte nichtmal gerade stehen, torkelte vor dem Herd hin und her, lallte, stank nach Korn usw.
Sie trank zwar schon vorher Korn (*würg*), und das auch recht viel, aber ich hab mir nicht viel dabei gedacht.
Jedenfalls schnauzte ich sie an, warum sie so betrunken sei und sagte dass ich auf diese Weise kein Weihnachten feiern würde und bin wieder abgehauen.
Die nächsten Wochen bestanden dann nur noch aus Vorwürfen mir gegenüber. Sie wollte auch keinerlei Worte über den Alkohol verlieren.
Den Höhepunkt erreichte ihr Trinkverhalten so ~ Mitte 2007. Da wars dann bereits täglich eine (?) Flasche Korn oder anderes Klares.
Dort begann ich auch Diskussionen um das Thema Alkoholismus, dachte aber zuerst noch an eine Art Depressionsbewältigung. (Familie zerstreut sich, Haus was sie geliebt hat verkauft, sie ist allein und wird alt etc pp).
Auch auf der Arbeit wurde schon gemerkt was da so los ist. Sie ist bei mir angestellt, aber dazu später mehr...
Im Laufe der letzten beiden Jahre nun, habe ich begonnen sie beinahe zu hassen. Sie trinkt nurnoch, sie lügt ständig und ohne Grund. Sie beleidigt mich und greift mich gezielt an. Egal was ich ihr sage, sie reflektiert es und macht einen Vorwurf draus.
Ich: „Du musst mit dem Trinken aufhören“
Sie: „Meinst du jetzt dass du mir Befehle geben musst?“
oder
Ich: „Ich habe dir einen Platz in einer Entzugsklinik besorgt, du kannst morgen schon dahin“
Sie: „Du musst dich hier nicht als der große Retter aufspielen, ich komme schon allein klar“
All sowas und das egal um was es geht.
Weiterhin schadet sie natürlich auch der wirtschaftlichen Situation, da sie auf der Gehaltsliste steht und dies natürlich erstmal verdient werden muss.
Dazu kommt, dass sie wahnsinnig unzuverlässig ist und leere Versprechungen macht
„Morgen komme ich 100%ig arbeiten“
und auch noch dass sie absolut egoistisch geworden ist.
Sie begann mit Aktivitäten welche sie jahrzehntelang verteufelt hat, sie macht Kurzurlaube, trifft sich mit Männern, kauft dieses und jenes etc. Also fast schon Playgirl-Lebensstil (ohne das „bitch'ige“)
Sämtliche gebotene Hilfsmaßnahmen schlug sie aus. Sozialpsychatrischer Dienst, alles was der Arzt sagte, Hilfe vom blauen Kreuz (Alk-Stelle der Diakonie), die AA, usw usf.
Eine Therapie die sie machen wollte/sollte, brach sie nach 15 Minuten ab:
„Das ist doch für Geisteskranke, die wollen da dass ich male und behandeln mich wie dumm“
Und solche Aussagen kommen in beinahe jeder Richtung.
Im Krankenhaus war sie nun knapp 10 x in 2 Jahren. Auch stationär, wegen Leberschaden und hohem Blutdruck, sie schwor danach dass sie diese Qualen nie wieder will und aufhört zu trinken...
2 Tage später...wars wieder wie vorher.
Nun hat sie vor ca 2 Monaten einen Entzug gemacht 1,5 Wochen im Krankenhaus, welches in erster Linie Sucht behandelt.
Es schien auch 2 – 6 Wochen gut zu gehen, doch heute morgen rief mich ihr Nachbar an und sagte dass es gestern wohl wieder extremst gewesen sei.
Taxifahrer welche sie gefahren hatten mussten sie halb hochtragen, ihre Handtasche oder Einkaufstüten liegen im Vorgarten des Mehrfamilienhauses usw.
Das war im Groben und Ganzen der Teil der sie betrifft. Ist zwar ein wenig abgehackt geschrieben, aber ich denke nicht dass ihr Wert auf lektorierte und durchgestylte Texte legt
Nun zu dem meinigen Part.
Nachdem ich diesen Link
Grundbausteine für Coabhängige hier im Forum gefunden habe fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich bin Co-abhängig.
| Zitat: |
Verhaltenssymptome der Co-Abhängigkeit:
Andere zum Mittelpunkt im Leben machen
Selbstwahrnehmung durch Aufopferung in der Umwelt( Familie, Job, Partner)
Süchtig nach Anerkennung von Außen (Perfektionismus, Im Vordergrund stehen müssen)
Aufopferung bis zur Selbstaufgabe
Verleugnen der eigenen Krankheit und der des Partners( Lügen für süchtigen Partner)
Helferrolle wird eingenommen, Bedürfnis, andere retten zu *müssen* bis zum Märtyrertum
Hassgefühle dem trinkenden Elternteil gegenüber
Veränderte Wahrnehmung, Zustand sei normal
Ständiges Ablenken von sich
Perfektionismus nach außen,um nicht auf die schlimme Situation aufmerksam zu machen.
Körperliche Symptome:
Burn-Out
Fettsucht
Neurodermitis
Migräne
Angstneurosen(Dunkelheit, Verlustangst, Zukunftsangst)
Depressionen
Borderline
Suchtverhalten
Suizid
Selbstverletzendes Verhalten
Workaholic
Atemprobleme
Rückenschmerzen
|
Es passt wie die Faust aufs Auge.
Ich leide extremst unter der ganzen Situation und finde keinen Ausweg.
In den letzten 3 Jahren haben ich mich vom sportlichen, „coolen“ und beliebten Typen der gern und viel ausgeht in einen eigenbrötlerischen, PC-Games zockenden Sonderling mit Geltungssucht, Fettsucht (+35 kg in 3 Jahren) verwandelt.
Thema Frauen spielt bei mir nicht die geringste Rolle mehr (ja bin hetero und nix anders), mein Leben besteht ausschließlich aus 8 – 10 Std Arbeit pro Tag und dem Rest spielend am PC sitzend, essen und schlafen. Ist das ein erfülltes Leben ? Ich denke nein.
Mein großer Traum ist es abzuhauen. In den kalten Norden. Skandinavien, Island, Kanada und dort ein Leben zu beginnen. Doch das kann ich nicht.
Ich habe meine Firma die nicht nur mich sondern auch auf die Familie mitfinanziert. Es würde zwar wohl auch so gehen, aber mit wahrscheinlich großen Abstrichen. Weiterhin habe ich noch ~ 30 Jahre hohe Schulden zu bezahlen. Das ist machbar, aber dafür brauche ich dieses Einkommen.
Mit einem normalen Gehalt würde es nicht reichen und ich müsste früher oder später die Eidesstattliche Versicherung ablegen.
Weiterhin kann ich meine Mutter doch nicht im Stich lassen... und meinen Opa. Ich bin der einzige der ihn besucht (1x/Woche). Aber so kann es doch auch nicht weitergehen....
Ich möchte so gern aus diesem Loch kommen, aber ich schaffe es nicht.
Ich stehe hier in einem fremddiktierten Leben und die beiden Riesenfaktoren die es am stärksten einschränken sind die Alkoholsucht meiner Mutter und die CO-Abhängigkeit bzw die Folgen dieser bei mir. Ich bin mir fast sicher, (oder rede ich es mir ein?), dass sich alles bessern würde, wenn sie wieder trocken wäre.
Ich habe sogar schon überlegt mir was anzutun um Ruhe zu haben und ich weiss aus Lehrgängen, dass wenn man soweit ist, es höchste Zeit ist was zu tun. Daher schreibe ich nun hier, einmal um es mal von der Seele zu reden und natürlich um eventuelle Leidensgenossen zu finden.
Meine Freunde wissen nichts von meiner Gemütslage und ich möchte mich keinesfalls mit Ihnen dazu besprechen. Ich habe 2 „echte“ Freunde und die Freundschaft dauert nun schon jeweils über 14 Jahre. Aber seit wir uns kennen war ich der „Starke, Kalte, Tolle Typ“ (ja klingt arrogant )und ich fühle mich gut dabei dies zu sein. Das möchte ich nicht verlieren.Abgesehen davon kann ich mich eh nicht öffnen.
Ich habe nun recht weit ausgeholt und viele Schlenker gemacht aber die halte ich für wichtig zu nennen.
Nur was soll ich tun? Ich kann so nicht weitermachen für immer und ewig.
Habt ihr Ratschläge? Tipps? Hinweise?
Jedenfalls danke ich euch für das lesen des Textes.
Gruß Kobe |
|
Aufbruch2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.07.2010 Beiträge: 44 Alter: 54
|
Verfasst am: 12.08.2010, 11:45 Titel: Re: Sehe keinen Ausweg aus meiner Situation. |
|
|
Hallo Kobe,
Dein Bericht hat mich berührt und auch geschockt. Ich selbst bin hier im Co-Bereich wegen der wieder auflebenden Alkoholsucht meines Mannes. Wie ich lese, geht es Dir bereits körperlich und seelisch sehr schlecht, man schreibt ja auch hier erst, wenn die eigene Leidensdruck enorm ist. Ich kann Dir nur dringend raten, wie ich es auch getan habe, Dich sehr bald an eine Suchtberatungsstelle in Deiner Nähe zu wenden. Dort gibt es sehr zugewandte, erfahrene und kompetente Fachleute.
Sie werden mit Dir zusammen schauen, was zu tun ist, um aus diesem Labyrinth herauszukommen. Bei uns in der Gegend bietet man bei div. Suchtberatungsstellen mehrere kostenlose Gespräche an. Dein "fremddiktiertes Leben" und Deine latenten Suizidgedanken sind ein Alarmsignal allererster Güte! Überleg Dir doch einmal, ob Du nicht auch so ehrlich und autenthisch sein möchtest und Dich Deinen Freunden gegenüber öffnest. Nur mit Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit läßt sich etwas Neues beginnen. Überlaß das Lügengebäude Deiner Mutter. Mit Ihrer Arbeitskraft in Deiner Firma kannst Du ohnehin bis auf weiteres nicht rechnen.
Ich wünsche Dir herzlich alles Gute und viele kleine Schritte heraus aus Deiner Sackgasse, dass Du selbst leben kannst, und nicht mehr fremd bestimmt bist.
Aufbruch |
|
Bibs Gast
|
Verfasst am: 12.08.2010, 14:01 Titel: Re: Sehe keinen Ausweg aus meiner Situation. |
|
|
Lieber Kobe,
ich bin wegen meinem Vater hier "gestrandet" und daher eigentlich aus'm EKA-Bereich.
| Kobe2 hat Folgendes geschrieben: |
Aber seit wir uns kennen war ich der „Starke, Kalte, Tolle Typ“....und ich fühle mich gut dabei dies zu sein. Das möchte ich nicht verlieren. |
Aber was genau verlierst Du? Du verlierst ein Gefühl, von dem Du jetzt schon genau weißt, dass es eigentlich nicht authentisch ist und, dass es nicht das wiederspiegelt, was Du eigentlich bist (was nicht heißen soll, dass Du nicht auch "stark" und "cool" sein kannst ).
Du bewahrst Dir aber Dein eigenes (falsches) Selbstbild nach aussen.
Ich hab diese Art von "Schauspielerei" auch ganz viele Jahre so betrieben. Nach aussen immer "toll" sein, im Mittelpunkt stehen, alle sollten mich super finden...ich denke, in der Situation selbst habe ich daran auch wirklich geglaubt - und Du hast recht wenn Du sagst: "Das tut gut". Aber auf Dauer verbraucht es einfach nur enorm viel Kraft. Kraft, die Du für Deinen Weg dringend brauchst, wenn Du Deine Situation ändern möchtest. Und dazu gehört auch sein Selbstwertgefühl nicht von aussen zu nähren, sondern von innen.
Und überleg' mal was hingegen Du gewinnen könntest, wenn Du Stück für Stück die "Maske" fallen läßt?
Ein Stück Freiheit vielleicht?
Ein Stück Freiheit so zu sein, wie Du bist.
Die Freiheit von Deinen Freunden Respekt zu "fordern", auch wenn Du nicht der Super-Held bist, für den Dich alle halten
Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass einem oft ganz tolle Reaktionen entgegen gebracht werden, die man niemals erwartet hätte
| Kobe2 hat Folgendes geschrieben: |
Abgesehen davon kann ich mich eh nicht öffnen. |
...hab' ein wenig Geduld. Du hast angefangen Dir Hilfe von aussen zu holen, in dem Du hier die ersten Sätze gelassen hast. Das ist doch schonmal ein guter Anfang Schreiben tut mir immer ziemlich gut, es befreit erstmal ein wenig. Ich glaube allerdings auch, dass Du dich wegen Deiner Suizidgedanken an eine Beratungsstelle, oder Deinen Hausarzt, wenden solltest, sofern Du diese Gedanken nicht ablegen kannst.
Lieben Gruß
Bibs |
|