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Fjaeril
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 31.07.2010
Beiträge: 4
Alter: 28

BeitragVerfasst am: 08.08.2010, 12:51    Titel: Ich habe Angst Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ích weiß, ihr alle habt solche Geschichten schon zig mal gehört, ich möchte mir einfach den Frust von der Seele schreiben und die Bestätigung bekommen dass ich nicht alleine mit dem Problem bin.

Mein Vater ist 54 Jahre alt, und ich glaube, ich sehe ihm gerade beim Sterben zu. Er hat schon immer gerne getrunken, richtig angefangen hat es aber vor 14 Jahren. Er hatte einen Unfall bei dem ein kleiner Junge verunglückt ist. Mein Vater war nicht schuld und zum Glück nüchtern, aber das Erlebnis hat er nie verarbeitet sonder im wahrsten Sinne des Wortes runtergeschluckt.
Einige Zeit hatte ich den Eindruck dass man ihn als Quartalssäufer bezeichnen könnte, eine Woche war er durchgehend betrunken und dann war wieder eine Zeit lang Ruhe. Die letzten Jahre wurde es richtig schlimm bis er im September zusammengebrochen ist. 4 Wochen Krankenhaus davon 2 ½ auf Intensiv, und die Ärzte haben uns ganz klar gesagt dass sie nicht wissen ob sie ihn durchbringen, da es wohl nicht 5 vor sondern schon viertel nach 12 war. Er hats geschafft und bis Weihnachten nichts getrunken, einen Entzug wollter er aber nicht machen, seiner Meinung nach hat er ja kein Problem Geschockt Er hat davon geredet den Führerschein wieder zu machen, mit uns in Urlaub zufahren. Ich hatte wirklich den Eindruck dass er sein Leben ändern WILL. Um Neujahr gings dann wieder los und mittlerweile sieht er schlechter aus als vor seinem Krankenhausaufenthalt. Er hat massiv abgenommen, isst nichts mehr, die letzten Wochen hab ich ihn kein einziges mal nüchtern erlebt und ich fahre fast täglich nach der Arbeit bei meinen Eltern vorbei. Er hat seine Bierkästen und -flaschen überall gebunkert, sogar Holzvertäfelungen gelockert und die Flaschen dahinter versteckt. Er erzählt Geschichten, und ich glaube nicht einmal dass er mich wissentlich anlügt, der ist überzeugt von dem was er sagt! Er steh vor mir und macht sich in die Hose und sagt, er hätte sich Wasser drüber geschüttet. Ich finde ihn mit seinem Fahrrad auf dem Feldweg liegen das ganze Gesicht aufgeschrammt und am nächsten Tag erzählt er ein Ast wäre ihm ins Gesicht geknallt. Er nimmt Lebensmittel aus dem Kühlschrank und schmeisst sie in die Mülltonne damit wir denken er hätte gegessen. Und am meisten tut mir weh, dass er sagt er hätte keine Familie mehr. Wie kommt er denn auf das? Sogar meine Mama ist noch da, sie hat sich ein eigenes Schlafzimmer eingerichtet aber sie steht trotz allem noch hinter ihm und hält das ganze Drama aus. Er wird richtig ausfallend, aggressiv und böse (nur verbal). Allerdings wissen wir alle wie er eigentlich ist, ohne Alkohol. Mein Papa ist ein absolut liebenswürdiger, gutmütiger Mensch. Und deshalb kann ich ihn auch nicht einfach fallen lassen. Ich kann ihm zwar nicht helfen aber mich einfach verabschieden und ihn allein lassen, das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Bei der Caritas hat man mir allerdings zu verstehen gegeben, dass nur das der richtige Weg ist. Ich muss auf mich gucken und ihn vergessen. Diesen Standpunkt kann und will ich nicht vertreten. Wie könnte ich mit einem guten Gefühl durchs Leben gehen wenn ich ihn einfach fallen lasse? Wie sollte ich damit umgehen wenn er stirbt und ich weiß dass ich nicht mal versucht habe ihm zu helfen? Ich mache ihm doch keinen Vorwurf, ich sehe einen schwerkranken Mann vor mir und er tut mir nur so unendlich leid.

Habe ich wirkliche eine falsche Einstellung weil ich nicht nur an mich denke???

Ich danke euch fürs “zuhören”!

Liebe, traurige Grüße
Fjaeril
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Fjaeril hat zum Thema: Ich habe Angst geschrieben
Gotti
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 3355
Alter: 51
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 08.08.2010, 17:52    Titel: Re: Ich habe Angst Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Fjaeril!

Mir stellt sich hier die Frage:
Wie willst du ihm helfen?
Was meinst du, könnten wir dir dabei raten?

Bis jetzt "helft" ihr ihm doch sein Leben zu leben. Wie es ihm gefällt.
Er will doch gar nicht anders leben.
Oder vlt. doch?
Sicher wünscht er sich endlich keinen Streit mehr, keine Nörgeleien, Gepöble nur weil er trinkt.

Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass er sich - dass sich überhaupt irgendetwas - ändert, wenn ihr euer Verhalten in diese Richtung ändert?

Bestimmt sind nicht alle Alkoholiker gleich. Bestimmt reagieren sie nicht gleich.
Aber mein Mann war für ALLES!!! tabu.
Ich habe über zwanzig Jahre geglaubt seine Trinksucht ändern zu können. Mit ALLEN Mitteln habe ich es versucht.
Anfangs mit gaaaaaanz viel Liebe und was ALLES dazugehört. Sämtliche Variationen.

Beschäftigungen, Hobbies.
Geduld.
Wut und Tränen.
Schimpfen, Nörgeln.
Nichtbeachten.
usw. usw. usw.
Alles ohne Konsequenzen durchgezogen - keine Wirkung.

Mein Mann hat erst gemerkt, dass es mir ernst ist, als ich von echter Scheidung sprach. Nicht nur von "Geplänker".

Damals war ICH aber fertig. Mit mir und der Welt.
Mein körperlicher Zusammenbruch stand kurz zuvor.

Nachdem ich mich in über zwei Jahren da rausgearbeitet habe, kann ich jedem nur raten, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen, für sich zu sorgen.

Deine Eltern sind beide erwachsen. Sind selbst für sich verantwortlich.
Es ist ihre Entscheidung, was sie aus ihrem Leben machen.
Da schliesse ich mich der Caritas an.

Liebe Grüße von Gotti.
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Gotti hat zum Thema: Re: Ich habe Angst geschrieben
Fjaeril
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 31.07.2010
Beiträge: 4
Alter: 28

BeitragVerfasst am: 08.08.2010, 20:35    Titel: Re: Ich habe Angst Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Gotti,

ich weiß ja dass du recht hast. Ich weiß dass ich ihm nicht aus seiner Sucht helfen kann wenn er das nicht selber will. Ich weiß auch dass ich nicht für ihn verantwortlich bin und ich weiß dass ich in erster Linie auf mich achten muss.

Mein Vater ist nicht einsichtig. Aber in letzter Zeit merke ich dass er sehr bedrückt ist, er sagt immer wieder dass ihm das alles so leid tut. Vielleicht bin ich naiv oder es ist Wunschdenken, aber ich hoffe eben immer noch dass er merkt was los ist uns sich Hilfe holt.

Der Vater eines Freundes ist damals völlig abgesackt und ein dreiviertel Jahr nach dem seine Frau mit den Kindern gegangen ist gestorben. Das hab ich immer im Hinterkopf, wahrscheinlich fällt mir das loslassen auch deshalb so schwer.

Und weil ich eben sehr an ihm hänge und weil er uns ja immer ein guter Vater war.

Mein Problem ist mein Gewissen. Warum hast du es denn 20 Jahre lang mitgemacht?

Alles Liebe
Fjaeril
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Fjaeril hat zum Thema: Re: Ich habe Angst geschrieben
Gotti
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 3355
Alter: 51
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 09.08.2010, 05:43    Titel: Re: Ich habe Angst Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Tja, warum wohl?
Weil ich eben 20 Jahre lang dachte, ich kann es nicht ändern.
Oder eben immer wieder mal was "Neues" ausprobiert habe.
Eben das ganze Programm.

Ich habe über die ganzen Jahre immer wieder mit Rückenproblemen gearbeitet. Nach ca. einem halben Jahr "Trockenarbeit" fing ich an, diese psychosomatisch angzugehen. Mit einer Therapeutin, die mich auf MEIN Leben aufmerksam machte.
Es hat dann über ein Jahr gedauert bis so alles "ausgeschwemmt" war. Die letzten Tränen verlor ich während meiner Kur, die das I-Tüpfelchen meiner Erholung war.

Es hat alles so lange angehalten, weil ich auch nicht erkennen konnte/ wollte, dass ICH etwas ändern musste für MICH.
Wenn es mir gutgehen soll, dann muss ICH für mich sorgen.
Manchmal ist es, dass ich einfach faul auf der Couch liege und lese, manchmal packe ich die Sporttasche uns powere mich im Studio aus, manchmal rufe ich eine Freundin an, treffe mich zum Kaffeetrinken - Reden!, manchmal nehme ich den Hund und gehe los, ....

Sicher findest du für dich auch solche "Auszeiten für die Seele".
Die darfst du nicht vergessen.

Der Vater deines Freundes - eine Frage der Zeit. Alkoholismus ohne Grenzen führt in jedem Fall zum Tod.

LG Gotti.
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Gotti hat zum Thema: Re: Ich habe Angst geschrieben
Jessie1983
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.06.2010
Beiträge: 81
Alter: 28

BeitragVerfasst am: 09.08.2010, 06:43    Titel: Re: Ich habe Angst Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Schlimm, was Du da erzählst Traurig . Es klingt leider wirklich so, als ob es schon Viertel nach 12 ist und ihm nicht mehr viel Zeit bleibt um sein Problem anzugehen. Es muß einfach "Klick" machen, so schnell wie möglich aber das kannst Du leider nicht erreichen. Es muß von ihm kommen und mir scheint, dass das nicht passieren wird. Kontaktabbruch ist meistens der letzte Weg, den man gehen kann denn sieht der Alkoholiker dadurch das er nun WIRKLICH alleine dasteht, könnte es sein das er/sie wirklich was ändern will. Kommt natürlich auch auf die Person an sich an. Ich habe es nach Jahren des Psychoterrors so gemachht. Mich vor 2 Jahren von meiner Mutter verabschiedet, habe ihr ihr Enkelkind "genommen" und bin aus ihrer Gegend weggezogen. Tja, geholfen hat nichts. Nun ist ihre Lieblingsaussage "ich trinke WEIL ich ja niemanden mehr habe...". Völlig absurd das ganze aber man kann nichts hilfreiches tun. Ich wünsche Dir trotzdem viel Glück. Viell. wacht Dein Vater doch noch auf, ich würde es euch wünschen !!!

LG Jessie
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Jessie1983 hat zum Thema: Re: Ich habe Angst geschrieben

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