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Alkoholiker

Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung

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Aufbruch2010
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.07.2010
Beiträge: 44
Alter: 54

BeitragVerfasst am: 26.07.2010, 16:49    Titel: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Heute möchte ich mich vorstellen, nachdem ich hier seit geraumer Zeit sehr, sehr viel gelesen habe und mein eigenes Schicksal in vielen Beiträgen wiederfinde. Ich habe meinen Mann vor 14 Jahren als trockenen Alkoholiker kennengelernt, vor unserem Kennenlernen hatte er eine LZT hinter sich, wurde mit guter Prognose entlassen, lehnte den Besuch einer SHG jedoch ab. Vor ca. 1,5 Jahren hat sich der Alkohol wieder eingeschlichen in sein Leben. Er meinte, fortan kontrolliert trinken zu können. Dieses Experiment ist nicht geglückt. Es gab bereits einen heftigen mehrtägigen Absturz, danach erfolgte ein (!) Besuch einer Suchtberatungsstelle, mir zuliebe. Weitere Therapien oder Gruppenangebote wurden wieder abgelehnt. Er versprach mir, nichts mehr zu trinken und gab mir zu verstehen, dass er nun endgültig eingesehen hat, nicht kontrolliert trinken zu können. Es ging und geht aber weiter mit dem Trinken. Mittlerweile werden Streitgespräche bewußt von ihm herbeigerufen, damit er einen Grund hat, sich Bier zu kaufen. Die ersten Flaschen werden oft sofort komsumiert, so dass die Autofahrt nach Hause alkoholisiert erfolgt. Ein Novum ist, dass er dazu übergegangen ist, heimlich zu trinken. Eine Wesensveränderung ist parallel zum Trinken auch eingetreten, sein reizbares und zu Wutausbrüchen neigenes Wesen liegt nun offen zutage. Wenn ich mit ihm Gespräche über sein Trinkverhalten führen möchte, lehnt er das recht aggressiv und kategorisch ab. Ich bin in Behandlung bei einem Familientherapeuten und suche auch eine Suchtberatung auf. Allmählich habe ich das Gefühl, körperlich krank zu werden, in eine Depression zu verfallen, Resignation macht sich breit. Unser soziales Umfeld ist seit längerem zerbrochen, die Verhaltensweisen meines Mannes waren nicht immer 'diplomatisch' und auch nicht immer sozialverträglich. 2010 ist für mich das Jahr der schmerzhaften Lernprozesse, der Hinwendung zu mir selbst und des Abschiedes aus einem Leben, das ich so nicht mehr weiterleben will. Ich sehe wenig Alternativen zu einer Trennung, obgleich mein Mann die 60 schon überschritten hat.
Ich danke Euch für Eurer Lesen und danke dass ich hier sein kann. Es ist schade, dass man im öffentlichen Bereich keine PN versenden kann.
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Aufbruch2010 hat zum Thema: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben
DanielG
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 26.07.2010, 17:04    Titel: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo erstmal,

und herzlich willkommen hier. Wie Du schon selbst gemerkt hast, bist Du nicht alleine.

Ich wünsche Dir die Kraft, die Trennung/Scheidung durchzuziehen. Ich selbst stecke da gerade noch mitten drin, aber es lohnt sich. Vor drei, vier Monaten war ich der absoluten Verzweiflung nahe, heute habe ich schon eine Vorstellung von meiner Zukunft.

Es werden noch schwere Tage auf Dich zukommen, voller Selbstzweifel, Gewissenbisse und anderen Dingen. Es wird Tage geben, wo Du nicht mehr weißt, wo vorn oder hinten ist, wo gut oder böse wohnen. Mir geholfen hat die AlAnon-Selbsthilfegruppe. Auch in Deiner Nähe sollte es eine geben. Geh einfach hin; die die dort sind, haben alle das gleiche oder ähnliches erlebt. Und es hilft wirklich, darüber zu reden.

Alles Gute

idS Daniel
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DanielG hat zum Thema: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben
Aufbruch2010
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.07.2010
Beiträge: 44
Alter: 54

BeitragVerfasst am: 28.07.2010, 10:11    Titel: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke, Daniel, für Deine Anteil nehmenden Worte - und an alle anderen fürs Lesen. Im Moment ist mein Mann (nach Monaten!) gesprächsbereit, wahrscheinlich weil er bei mir Veränderungen wahrnimmt. Auf die Umstände seines heftigen mehrtägigen Absturzes vor 6 Monaten möchte er nicht weiter eingehen, er möchte auch nicht hören, wie ich in diesen Tagen gelitten habe. Er möchte mit mir darüber sprechen, dass er vorhat, künftig "kontrolliert" gelegentlich Bier zu trinken, das wären aus seiner Sicht ca. 5-6 Fl. je 0,5 l ein Mal pro Woche. Und dafür möchte er von mir die Absolution haben. Autofahren unter Alk möche er nicht mehr... Dass er überhaupt nicht mit der Substanz Alkohol umgehen kann blendet er aus, ich werde ihn fragen wie er sich momentan einordnet. Als nasser Alkoholiker, als kontrollierter Trinker, oder wie...
Suchtberatung, SHG kommen für ihn nach wie vor nicht in Frage. Und ich bin entsetzt über mich, dass ich sofort wieder Hoffnung schöpfe dass unsere Ehe doch nicht zerbricht, wenn er sich überhaupt zugänglich und gesprächsbereit gibt. Wahrscheinlich erfülle ich alle Anzeichen einer perfekten Co., hab mir schon Literatur bestellt.
LG
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Aufbruch2010 hat zum Thema: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben
Weißbär
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.04.2009
Beiträge: 297
Alter: 60
Wohnort: Region Hannover

BeitragVerfasst am: 28.07.2010, 12:14    Titel: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Aufbruch,

wo ist dein Mann gesprächsbereit. So wie ich das lesen, versucht er dich in sein Sucht ein zu binden. Sollst du die wöchentliche Menge kontrollieren oder gar zuteilen? Dein Mann weiß genau das kontrolliertes Trinken nicht klapp. Die angepeilte Menge wird größer bzw. die Woche wird kürzer.

Lass dich bloß nicht auf diesen Kuhhandel ein. Dein Mann will von dir ein ja zur Trinkerei um dadurch den Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Du bist doch bei der Suchtberatung gewesen, von so was war bestimmt nicht die rede. Auch in deinem neuen Infomaterial wirst du davon nicht lesen.

Bleib bei dir.

Gruß

Weißbär
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Weißbär hat zum Thema: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben
DanielG
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 28.07.2010, 16:33    Titel: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Aufbruch,

wo er Recht hat der Weißbär, da hat er Recht.

Ein Alkoholiker hat immer lebenslänglich. Er kann niemals wieder kontrolliert mit Alkohol umgehen, das ist vorbei.

Was er im Augenblick mit Dir versucht, ist eine weitere Frist herauszuschinden.Noch eine Woche, noch einen Monat, noch ein Jahr. Zugeständnisse machen, damit Du besänftigt bist und weiter mitmachst.

Sorry für die deutlichen Worte- aber alle hier in diesem Forum haben den gleichen Erfahrungshorizont.
Für Dich gibt es zwei Möglichkeiten: stell ihm jeden Tag ein paar Flaschen Schnaps hin, damit es schneller geht bis zum Finale. Oder trenn Dich von ihm und leb dein Leben. Er lebt seins sowieso, und aufhören und trocken werden kann nur er. Und nur, wenn er es will. Du kannst ihn dazu weder überreden noch zwingen.

idS Daniel
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DanielG hat zum Thema: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben
Aufbruch2010
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.07.2010
Beiträge: 44
Alter: 54

BeitragVerfasst am: 28.07.2010, 17:42    Titel: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ja, Weißbar hat recht, es ist ein Kuhhandel und mein Mann will mich in seine Sucht einbinden.
Mein Mann war über 15 Jahre lang trocken. Ich habe ihn vor 14 Jahren kennengelernt, da hatte er gerade seine LZT hinter sich. Seine erste Ehe ist am Alkohol zerbrochen, auch seine 1. Frau hatte während einiger Jahre getrunken.
Während unserer Ehe war Alkohol nie ein Thema - bis zum Winter 2009 mit dem Rückfall und dem grauenhaften Dauersaufen über mehrere Tage. Sorry, aber so etwas war mir bisher fremd. Heute dämmert mir, dass ich wohl naiv und blauäugig ich in eine Ehe mit einem trockenen Alkoholiker gegangen bin. Wir hatten nie ein alkoholfreies Umfeld, wie das hier dringend empfohlen wird. Ich wußte auch nie, dass ein trockener Alkoholiker sich nur mit abstinent lebenden Menschen umgeben darf, um nicht rückfällig zu werden. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie das funktionieren soll. Das wäre doch eine vollständige soziale Isolierung... Wird eine solche Sichtweise von Suchttherapeuten durchgängig vertreten?? Wenn ich Diabetes habe weiß ich, kann ich keinen Zucker essen darf. Wenn ich alkoholkrank bin weiß ich, dass ICH keinen Alkohol zu mir nehmen darf. Wir haben jahrelang ohne Probleme an Familienfeiern teilgenommen, sind Einladungen von Nachbarn und Bekannten gefolgt, und natürlich gab es dort auch Alkohol, neben einer großen Auswahl an nicht-alkoholischen Getränken. Auch ich als seine Frau habe zu diesen Gelegenheiten gerne ein Glas Wein getrunken. Wir lebten nicht im luftleeren Raum und nicht in Quarantäne, und ich weiß auch gar nicht wie das funktionieren soll. Seine damaligen Arbeitskollegen haben bei Arbeitstreffen, Konferenzen bzw. danach schon auch das eine oder andere alk. Getränk getrunken, und meinen Mann hat es nicht gestört.
Ich bin komplett verunsichert, wie ich mich jetzt verhalten soll als die Frau eines rückfällig gewordenen Alkoholikers, der trotz Absturz meint, weiterhin angeblich kontrolliert trinken zu können. Ich habe Angst vor einem erneuten Desaster, und natürlich rühre ich hier zu Hause kein Glas Wein mehr an. Gilt das künftig (für mich) auch für gemeinsame Restauratbesuche? Ist das nicht auch Co-Verhalten?? Ich möchte mit meinem Beitrag nicht provozieren, ich bin wirklich ratlos.
LG
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Aufbruch2010 hat zum Thema: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 28.07.2010, 19:51    Titel: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Soziale Isolierung??? Ein Alkfreies Umfeld.... hüstel....

Ich trinke keinen Alkohol, mag ihn nicht und wurde dadurch früher zuweilen sehr komisch angesehen, war also die Spaßbremse. Noch nicht einmal das fand ich isolierend.

Ich habe und hatte immer Freunde, die nicht trinken - Exxi war die glorreiche Ausnahme. Ich würde von meinen Freunden erwarten (gegenüber denen ich absolut offen sein müsste wenn ich trockener Alkoholiker wäre) dass sie in meiner Gegenwart auf den Sprit verzichten können.

Haben diese Menschen selber kein Problem, dann ist es auch kein Problem ohne Alk ein paar Stunden zu verbringen. Als Nicht-Alkoholiker, dürfte das gar kein Problem sein über mehrere Stunden ein genesenden trockenen Alkoholiker nicht zu verführen.

Nein, gestört hat es ihn vielleicht nicht, er wollte vielleicht ja raus aus dem Kreislauf.... aber es ist einfach nur heftig sich dem auszusetzen als Genesender und nicht so dolle freundschaftlich (allerdings wenn niemand von seiner Sucht wusste konnte auch niemand helfen durch Abstinenz) zu heben wenn jemand sich neue Verhaltensweisen angewöhnen möchte.

Du bist ratlos, liebe Aufbruch, dass kann ich nachvollziehen. Genau hier beginnt nämlich die Problematik der Angehörigen: sich zu fragen was will ich was soll ich was muss ich.... Jetzt - genau jetzt - beginnt das Leben sich nur noch um den Abhängigen zu drehen.

Jetzt ... genau jetzt ... kannst Du entweder Dich versuchen auf Dich selber zu konzentrieren und DEIN LEBEN aufbauen oder zu beginnen was braucht er und was muss ich dazu beitragen als Lebensform zu wählen....

Letzteres ist dann der tolle Weg der Coabhängigkeit, der zuweilen schneller ins langsame Sterben führt als der reine Genuß von Alkohol eines Süchtigen...

Jetzt ... ist Dein Zeitpunkt für Dich zu überlegen, was DU willst, kannst und möchtest.... ohne Bezugnahme auf den Partner (denn der kann das nur für sich selber entscheiden).

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben
Aurora
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 02.05.2007
Beiträge: 5776
Alter: 53
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 28.07.2010, 23:06    Titel: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Aufbruch,

ich lebe seit 1 1/2 Jahren mit einem trockenen Alkoholiker zusammen. Er ist seit so fast auf den Tag genau seit 4 Jahren trocken.

Seitdem wir zusammen sind, ist unser Zuhause 100%tig alkoholfrei! Ich selbst trinke auch keinen Alkohol mehr, das ist für mich ganz selbstverständlich. Ich liebe meine Partner, warum soll ich ihm da eine Alk-Fahne um die Nase wehen lassen? Es ist kein Verzicht für mich, sondern Lebensqualität. Und ich bin ja aus der Co-Fraktion hier, aber co-abhängig ist mein Verhalten garnicht in diesem Falle! Sondern es ist für mich Toleranz und Respekt seiner Krankheit gegenüber.

Wir gehen auch zu Feiern, wo was getrunken wird. Er bestimmt, wann er gehen möchte. Oder ob er überhaupt hingeht.

Und natürlich, Feiern bei uns zuhause, die sind alkoholfrei, logisch. Die Leute wissen das, trotzdem kommen sie gerne Sehr glücklich . Denn die, die kommen, kommen wegen uns, nicht wegen des Alkohols... Wir sind garnicht isoliert! Im Gegenteil! Wir haben auch eine gemeinsame reale SHG, da gibt es viele neue Verbindungen.

Aber alles das funktioniert nur, weil mein Partner trocken bleiben will und seine Krankheit ernst nimmt! Würde er wieder saufen wollen, könnte ihn nichts davon abhalten.

Ich wollte dir einfach mal meine Erfahrung damit mitteilen.

Liebe Grüße
Aurora
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Aurora hat zum Thema: Re: Therapieverweigerung und Gesprächsverweigerung geschrieben

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