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Wer hält was wie lange durch...???

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Mein Freund wacht auf - aber ich kann nicht mehr   •    Tockenes Resümee eines Co's  
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dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 24.07.2010, 22:53    Titel: Wer hält was wie lange durch...??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Diese Frage stelle ich mir seit ich hier über den Zeitraum von rund 2 Jahren aktiv bin.

Viele die ich damals "las" sind heute immer noch so im Zwiespalt einer Trennung/Änderung wie damals, bei ebenso vielen starb die Hoffnung nicht und Rückfälle des Partners sind heute an der Tagesordnung. Andere sind kürzer dabei und haben ihn geschafft, den Sprung in die Selbstverantwortlichkeit und beginnen sich zu leben.

Diejenigen, die noch immer überlegen, hoffen oder träumen, von denen würde ich gerne wissen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen....

Wie ich darauf komme:
meine Psychotherapeutin meinte einmal "gehen sie von dem Partner, denken Sie an Ihre Zukunft, denn mit ihm haben sie keine"

Korrekt:
Ich bin nun 48 Jahre, habe rund 2 Jahre fürs abnabeln aus der ungesunden Partnerschaft benötigt und stecke noch im Lernprozeß. Gesundheitlich mit gewissen Problemen behaftet wie in der Jugend Krebs gehe ich davon aus, nicht allzu alt zu werden (ich lasse mich aber gerne positiv überraschen Winken. Ich gehe mal davon aus, noch 10 Jahre zu haben, in denen ich l e b e n kann.

Wie bitte, stellen sich das - ihre Zukunft - ihr Leben und ihr Alter(n) jene vor, die den/die Partner-/in von Rückfall zu Rückfall begleiten, die dulden und ausharren in einer trügerischen Hoffnung oder meinen sich persönlich distanziert zu haben? Liegt es daran, dass die Hoffenden wesentlich jünger sind und noch mehr Zeit zu "vergeuden" haben oder ist einfach deren Tief- und Schmerzpunkt um ein so vieles höher angesiedelt als der meinige??

Vielleicht eine dumme Frage - vielleicht zu weit vorgreifende Gedanken, aber ein Menschenleben ist nicht unendlich - jedes Jahr, welches wir verschenken ist vorbei. Bei jedem verschenkten Jahr in einer ungesunden Partnerschaft reduziert sich das Selbstbewußtsein und steigern sich die persönlichen Zweifel. Im dümmsten Fall so lange, bis nichts mehr da ist ....

Oder?

Fragender Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Wer hält was wie lange durch...??? geschrieben
Rosa Li
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.01.2010
Beiträge: 520
Alter: 38
Wohnort: Weilheim Oberbayern

BeitragVerfasst am: 24.07.2010, 23:28    Titel: Re: Wer hält was wie lange durch...??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar 007,
ich glaube deine Frage ist durchaus berechtigt aber auch sehr zäh.So zäh wie die Sucht Coabhängigkeit!!
Meine Psychologin meinte mir würde es wohl noch nicht so schlecht gehn um mich aus der Beziehung rauslösen zu können.Es war nicht bös gemeint von ihr aber sie hatte Recht!!
Immerhin hast du 2 Jahre gebraucht um dich rauszulösen und es geschafft und sicherlich gab es negative Erlebnisse die dich bestärkt haben diese Entscheidung der Trennung durchzusetzen??
Erst als ich einen Teil meiner alten Verletzungen aufgearbeitet habe hab ich ein Stück mehr von meinem Freund lösen können und an dem Rest bin ich noch dran.Ich möchte nicht zu dem Personenkreis gehören die in ein paar Jahren immer noch da drin stecken!!Für mich ist diese Beziehung vertraut,weil ich da lebe was ich in der Vergangenheit lange lange Jahre erlebt habe.Vielleicht macht es das unter anderem so schwer sich rausulösen?Oder die Tatsache das einem solch ein Mann weniger bedrohlich erscheint als ein Mann der "normal " ist??
Mehr fällt mir da nicht ein,es hat wohl auch damit zu tun ob man selbst bereit ist hinzuschauen und zu erkennen ,seine eigenen Muster zu erkennen warum wir so festhalten usw....Machne tun das vielleicht nicht????
Grüße Claudia
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Rosa Li hat zum Thema: Re: Wer hält was wie lange durch...??? geschrieben
DanielG
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 24.07.2010, 23:39    Titel: Re: Wer hält was wie lange durch...??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar,

zu dem Zeitpunkt, als ich mich entschlossen hatte mein Leben zu ändern, plagten mich die Selbstzweifel. Ich habe mich gefragt, ob ich mit 52 Jahren und als Vater von drei Kindern überhaupt noch das (moralische) Recht habe, diese Familie zu zerstören und mein eigenes Leben zu leben. Ist das nicht nur Egoismus, Rücksichtslosigkeit gegenüber meinen Familienmitgliedern usw.?
Darf man in diesem Alter denn überhaupt noch an sich denken, oder hat man nicht eher die Pflicht, für die anderen da zu sein? Nicht für den alkoholkranken Partner, dem kann sowieso niemand helfen. Sondern für die Kinder, für die Verwandtschaft, für das soziale Umfeld?

Heute, acht Monate später, bin ich überzeugt davon, das Richtige zu tun resp. das Richtige getan zu haben. Auch wenn der Scheidungskrieg in vollem Gange ist und an den Nerven zerrt, es werden danach ruhigere Zeiten kommen. Und schönere. Und wenn es nur wenige Monate sein sollten - es lohnt sich, meine ich. Vielleicht sollte man als Co-Abhängiger sich ein Zitat (von Martin Luther?) abwandeln: "und wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich trotzdem heute noch mein Leben leben wollen..."- Oder so ähnlich.

Wie auch immer- ich kenne eine Frau, die hat die Liebe ihres Lebens kennengelernt, da war sie 72 Jahre alt. Worauf will man also in einer kaputten Beziehung oder Ehe mit einem alkoholkranken Partner warten? Auf bessere Zeiten? Die kommen erst nach der Trennung; die Trennung ist die Voraussetzung für die besseren Zeiten.

Meine persönliche Erfahrung.

idS Daniel
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DanielG hat zum Thema: Re: Wer hält was wie lange durch...??? geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 24.07.2010, 23:51    Titel: Re: Wer hält was wie lange durch...??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ja, lieber Daniel,
da sprichst Du mir aus der Seele. Ich habe meinen Absprung geschafft und bin einfach nur glücklich darüber. In dem Bewutsein, wie mein Leben jetzt ist und den Erinnerungen an das, was früher einmal war, bekomme ich das Grausen. Deshalb frage ich mich wie es möglich ist in dem Wissen wie schlecht es einem geht noch auszuharren und sich selber zu belügen (denn zuweilen reden sich manche selber glücklich).

Weißt Du, das verrückteste scheint mir zu sein, je mehr ich gegangen bin, desto mehr fand ich mich. Desto weiter ich weg war aus der kranken Beziehung desto mehr Zufriedenheit kehrte ein. Je mehr Zufriedenheit da war, desto mehr versuchte ich auf andere Lebewesen (die ich vorher mehr übersah) Rücksicht zu nehmen.

Heute versuche ich keine Schnecke zu zertreten und habe heute einen (vermutlichen) Buntspecht aus den Klauen meiner Katzen retten können. Ein Wespennest über dem Eingang wird wohl nicht mehr gebaut. Mir taten die Tiere nichts weil ich ihnen nichts tat und auf die Schwalben, die daneben ihr Nest haben baute.

Was ich mit tausend blöden Worten versuche zu erklären ist die Ruhe, Zufriedenheit, das Bewußtseins der eigenen Endlichkeit und doch das Bewußte Leben der Zeit zuvor ist so kurz. Viel zu kurz, als dass man/frau es sich zerstört durch die Qualen einer Suchtbeziehung.

Mein Gott, was habe ich gelitten, was hat mein Körper durchgedreht, wie stand ich unter Strom und wie wenig lebte ich. Der Nachfolger meiner Psychotherapeutin (die in Rente ging) meinte mal eine Suchtbeziehung ist eine Qual und ich möge diese und mein Leid bitte nicht "runterspielen". Ich konnte ihm nur antworten dass mir Groll und Wut auf die Vergangenheit nicht helfen weil ich in meine Zukunft sehen möchte.

Ich selber habe lange zugesehen und dachte es gibt niemanden, der ähnlich lange wie ich vergeblich hofft. Dennoch werde ich hier tag-ein-tag-aus eines anderen belehrt. Ich würde so gerne manchen entgegenschreien "wann beginnt ihr zu leben". Nun gut, ist aber sinnlos, denn jede-/r ist seines eigenen Glückes Schmid.

In diesem Sinne, eine gute geruhsame Nacht, mit schönen Träumen Smilie

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Wer hält was wie lange durch...??? geschrieben
Heinrich64
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 25.07.2010, 09:28    Titel: Moin Dagmar, Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

vor gut einem Vierteljahr berichtete ich hier im Forum über den Konsum von Alkohol meiner Lebensgefährtin und auch darüber, wie ich die Situation einschätze. Nicht zuletzt aber auch über meinen eigenen Absturz durch Alkohol, den ich allerdings überwunden habe.
Ich hatte recht und trotzdem (naiv) geglaubt, ihr helfen zu können.

Nach diesem Vierteljahr ist mir einiges noch klarer geworden.
Ich rangiere in der Rangfolge meiner Lebensgefährtin maximal an Platz 2 HINTER dem Alkohol. Sie will keine Hilfe, obwohl sie jede Hilfe von mir, als "Profi" hätte haben können.

Ebenso, wie bei Dir (und allen anderen Menschen dieser Welt) ist auch mein Leben endlich. Wir haben ein Recht darauf, den Rest unseres Lebens (bin 46) wenn schon nicht immer überglücklich, doch wenigstens zufrieden und in Ruhe zu verbringen.

Meine damalige Ansage, dass Schluss ist, verhallte, wie ich seit gestern weiß, ungehört; sie ist nur pfiffiger bei den Verstecken für "Aldis Rache" geworden. Also ist jetzt Schluss.

Das bedeutet, dass ich von vorn anfangen muss. Ich bin kein Egoist, wenn ich von Menschen, die sich mit mir umgeben wollen, den gleichen Respekt verlange, den ich ihnen entgegen bringe! Natürlich weiß auch ich, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Allerdings kann man Krankheiten recht gut überstehen, wenn man sich in ärztliche Hilfe begibt und die krank machenden Substanzen weg lässt.

Von mir aus kann sie sich ab heute die Kante geben, wie sie mag. Ich werde nur noch mein Ding machen. Dazu gehören nur meine drei Kinder und sonst nichts mehr.

Mach Du auch Dein Ding!

Lieben Gruß

Heinrich
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Heinrich64 hat zum Thema: Moin Dagmar, geschrieben
Karsten
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Beiträge: 32807
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 25.07.2010, 09:40    Titel: Re: Wer hält was wie lange durch...??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Heinrich,

wir alle haben nur ein Leben und das Recht darauf, dieses Leben so zu leben, wie wir es möchten, ohne dabei von dem Verhalten anderer Menschen abhängig zu sein.

Ich habe in meiner Vergangenheit nicht immer nach meinen Wünschen gelebt, aber die Gegenwart und Zukunft möchte ich bewußt gestalten können.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: Wer hält was wie lange durch...??? geschrieben
Rosa Li
aktiver Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 19.01.2010
Beiträge: 520
Alter: 38
Wohnort: Weilheim Oberbayern

BeitragVerfasst am: 25.07.2010, 09:57    Titel: Re: Moin Dagmar, Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo lieber Heinrich,
entschuldige wenn ich das vielleicht jetzt barsch rüber bringe.Ich hab schon von vielen Menschen gehört das ihnen Kinder in schwierigen Situationen Kraft gegeben haben zu kämpfen und schwierige Situationen durchzuhalten!!Und nicht aufzugeben!??Ich sehe das natürlich nicht so das man Kinder deswegen in irgendeiner Weise mißbraucht oder so,aber Kinder können doch ein großer Ansporn sein!! Kinder geben ja einem auch was zurück wenn man im Sinne der Kinder handelt??Oder allgemein gesehen !
Lg Claudia
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Rosa Li hat zum Thema: Re: Moin Dagmar, geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 25.07.2010, 10:15    Titel: Re: Wer hält was wie lange durch...??? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen, lieber Heinrich,
schön, wie Du es für Dich und Deine Kinder siehst: DU und DEINE Kinder ganz weit weg vom Alkoholismus!

Ebenso sehe ich es. Was mir einfach rein rechnerisch auffällt war für mich - und wohl für alle anderen hier, egal ob Co oder ehemaliger-Alkoholiker die Tatsache, dass einige Jahre in der Sucht verbracht wurden. Danach der Lehrweg begann und eigentlich erst danach das wirkliche Leben begann.

Ich kann für mich sagen mit 48 Jahren Glück und Zufriedenheit zu finden. Ich kann für mich sagen, es bleiben mir noch ein paar dieser Jahre - egal, wie viele.

Nicht verstehen kann ich Menschen, die in ihrer Situation hängen und seit Jahr und Tag "dazulernen" aber nicht den Absprung schaffen. Wissentlich ihr Leben abgebend und verkürzen. Wohl weil es ebenso ist Abhängig vom Angehörigen zu sein wie vom Alk! Wieso verlangt manch ein Co dass der Partner sich ändert und bleibt selber im Hamsterrrad, macht also selbiges wie der Alkoholiker???

Ja Karsten, wir können uns unsere Wünsche und unser Leben selber erfüllen, bei mir hat es sehr lange gedauert und ist nun wohl soweit, von kleinen Pannen wirtschaftlicher Art mal abgesehen.

Wir haben sogar die Pflicht uns selber gegenüber das zu tun, wenn wir gesund sind und selbstbewußt! Was nichts mit Ego zu tun hat, lieber Heinrich, sondern einfach mit bewußtem Leben. Gleich und gleich - Respekt geben und Respekt bekommen. Das ist für mich gesundes Leben.

Glaubt mir, ich bin jeden Tag (sogar an meinen schlechten) dankbar wie das Leben mit mir gespielt hat um mich nun auf meinen richtigen Spielplatz des Lebens zu bringen.

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Wer hält was wie lange durch...??? geschrieben

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