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Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie!

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HansHa
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.06.2009
Beiträge: 476
Alter: 50
Wohnort: Berlin - Trocken seit 2005

BeitragVerfasst am: 22.07.2010, 08:53    Titel: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

EinNeuer hat Folgendes geschrieben:
Mir fällt auch auf, dass einige den Alkohol allgemein als etwas zutiefst verabscheuungswürdiges sehen.

Hallo,

ist das nicht verständlich, wenn man selber erfahren hat, was diese Droge mit einem anstellt?
D. h. auf der anderen Seite aber trotzdem, dass ich keinen Hass aufgebaut habe. Ich weiß, dass ich mit Alkohol oder anderen Drogen nicht leben kann und habe für mich davor aufgegeben. Andererseits besitze ich so viel Egoismus, dass ich anderen Leuten nicht vorschreiben möchte, wie sie sich vom Leben in den Tod befördern. Ich muss mich bloß nicht mit ihnen umgeben.

Schönen Tag noch

H.
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HansHa hat zum Thema: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! geschrieben
EinNeuer
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 16.02.2008
Beiträge: 67
Alter: 39

BeitragVerfasst am: 22.07.2010, 09:04    Titel: Antworten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

Charlie hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

die, von denen Du vielleicht meinst, sie leben ihre Krankheit zu sehr (fanatisch war Dein Ausdruck) sind zufriedene Langzeittrockene.

Was schliesst Du daraus???????????

LG
Charlie


Naja, ob alle zufrieden sind, weiss ich jetzt nicht. Ich denke, es gibt auch zufriedene Langzeittrockene, die das nicht tun. Aber: der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel! Besser so und trocken als anders und saufend. Keine Frage ...

Danke für Eure Antworten!
Atmen, Essen, Trinken ... ja klar, überlebenswichtig.

Vielleicht nochmal zu dem einen Satz:

Stärken stärken, Schwächen schwächen.

Ich denke, Ihr wisst schon, was ich meine. Es gibt die Theorie, und an die glaube ich auch, dass man, umso mehr man sich auf ein Thema konzentriert, dieses verstärkt. Lege ich alle Kraft, alles Denken und alle Energie auf das Positive, wächst dieses. Konzentriere ich mich nur auf das Negative, wächst dieses. Wobei sich hier beim Alkoholismus keine einfache Antwort finden lässt. Die Krankheit ist negativ, die Trockenheit positiv.
Ist vielleicht auch einfach theoretisches "Geschwafel", aber es interessiert mich. Sehr glücklich

Vom "Ich darf nicht" zum "Ich will nicht". Bei mir ging das auch immer sehr schnell. Nur hat sich das anscheinend in den letzten Jahren nicht wirklich verinnerlicht. Sonst hätte ich nicht immer wieder angefangen.
Wenn es mir halbwegs oder überhaupt gut geht, denke ich klar "Ich will nicht!". Ich finde es dann richtig gut und wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich dann manchmal auch ein wenig den anderen trinkenden überlegen, wenn ich alkfrei und klar durch die Sommerhitze komme. Denke mir dann oft: "Um Gottes willen, stell Dir vor: Jetzt am Morgen total am Sand und zum Start in den tristen, traurigen Alki-Alltag Whiskey und Bier runterwürgen!" Bei dieser Vorstellung bin ich wirklich dankbar für meine Nüchternheit und kann mir ein saufendes Leben gar nicht vorstellen. Das ist natürlich nicht der einzige Vorteil, der mir bewusst ist.

Und manchmal, in schwachen Momenten, überkommen mich dann die anderen Gedanken. Zb während eines Abendgewitters. Draußen auf dem Balkon sitzen und sich langsam wegbeamen. Einfach mal für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen und trinken. Das sind dann die Momente, in denen ich mir sage: "Denk an den Morgen, denk an Dein Leben, wenn Du das tust, stirbst Du." Übertragen gemeint jetzt. Beruflich, persönlich ... und irgendwann dann durch Alk wirklich. Da lenke ich mich dann ab. Gehe raus oder arbeite, oder surfe im Netz (auch gerne hier), oder gehe einfach früher schlafen und lese noch ein gutes Buch.

So, jetzt schweife ich ab ...

Jedenfalls kann ich momentan sagen: "Ich will nicht. Ich brauch nicht." Und wenn ich meine, ich möchte, dann sage ich mir auch: "Ich kann nicht und es bringt nichts."

Liebe Grüße,
EinNeuer
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EinNeuer hat zum Thema: Antworten geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32807
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 22.07.2010, 09:30    Titel: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich lese aus deinen Beiträgen verstärkt, dass du ungeduldig bist.
Ein nüchternes zufriedenes Leben läßt sich nicht in ein, zwei Jahren aufbauen, wenn man denn vorher sein Leben dem Alkohol wirklich überlassen hat.

Du sprichst bzw. schreibst von Verzichtsgedanken. Für mich ist der Gedanke an Alkoholverzicht früher immer damit verbunden gewesen, dass ich so wirklich gar nicht aufhören wollte, sondern nur die schlechten Begleiterscheinungen des Alkoholkonsums nicht mehr haben wollte.

Ich wollte weiter gerne in Kneipen gehen, dort Skat spielen, weiterhin in meinem bisherigen Umfeld verbleiben, aber eben normal mitfeiern.

Kompromisslos sein Leben ändern schaffen die Wenigsten, weil sehr viele einfach zu viele Kompromisse eingehen. Das ist aber auch normal, denn die Meißten, die irgendwann mal den ersten, zweiten oder zehnten Verscuh zur Nüchternheit unternehmen, wollen es zwar in diesem Moment, sind aber noch lange nicht bereit, wirklich kompromisslos ihr Leben neu zu gestalten.

Ich kenne das von mir, denn ich habe auch sieben Jahre voller Versuche gebraucht, bis mich dann einfach abgegeben habe und das gemacht habe, was andere Menschen gesagt haben, weil ich selbst nicht wußte, was gut oder schlecht war.

Zitat:
Einfach mal für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen und trinken


Auch das ist für mich ein alarmierendes Zeichen, dass du dein Leben noch nicht auf der Reihe hast, denn warum möchte man dem Alltag entfliehen?

Gib dir Zeit und lese hier. Du wirst in vielen Tagebüchern von Forenteilnehmern, die hier über Jahre schon sind, lesen können, das es möglich ist, aber jeder muss sich auch die Chance geben, die Zeit nicht überholen zu wollen.

Die Verinnerlichung neuer Gedanken ist ein Lebenskonzept und nicht in ein paar Jahren zu bewältigen.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! geschrieben
Weißbär
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.04.2009
Beiträge: 297
Alter: 60
Wohnort: Region Hannover

BeitragVerfasst am: 22.07.2010, 09:51    Titel: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo einNeuer,

Du schreibst:
Es gibt die Theorie, und an die glaube ich auch, dass man, umso mehr man sich auf ein Thema konzentriert, dieses verstärkt.

Damit hast du wohl in den meisten Fällen recht. Inwieweit das auf die Suchtproblematik zu trifft, keine Ahnung.
Ich kann nur von mir schreiben. Ich denke nicht täglich – du bist Alk, also sein wachsam -. Dieses wachsam gehört zu meinem Leben, wie Vorsicht im Straßenverkehr oder Jacke an, es ist kalt.
Ich hadere nicht täglich oder monatlich mit mir, was wäre wenn du nicht getrunken hättest. Es ist nicht mehr zu ändern und ein hadern macht die Angelegenheit für mich noch anstrengender. Mich stören die Spirituosenregale im Supermarkt nicht, es geht mich nichts mehr an. Manchmal eine gewisse Dankbarkeit das das bevorraten, kalkulieren und so vorbei ist.

Mitleid mit trinkenden Strandbadbesuchern habe ich nicht, sie wissen was sie tun. Bei Alkoholikern am Bahnhof oder in der Fußgängerzone habe ich Mitleid. Auch die wissen was sie tun aber es ist wohl das Bild, was wäre wenn ich die Kurve nicht bekommen hätte.

Das Gefühl sich wegbeamen zu wollen, habe ich nur in schwierigen Situationen, z.B. als ich meine Katze habe einschläfern lassen müssen, da wäre ich gern mal eine Weile ‚weg’ gewesen. Stimmungsvolle Momente genieße ich ganz bewusst und zwar nüchtern.

So geht es mir aber es ist wohl bei jedem etwas anders. Ich muss allerdings dazu sagen, ich habe keine LZT gemacht. Selbsthilfegruppe und einmal wtl. Gruppe bei einer Suchtberatung war mein Weg.

Gruß

Weißbär
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Weißbär hat zum Thema: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! geschrieben
viola
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.01.2010
Beiträge: 7119
Alter: 47
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 22.07.2010, 10:04    Titel: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo einNeuer,

Zitat:
Vom "Ich darf nicht" zum "Ich will nicht". Bei mir ging das auch immer sehr schnell. Nur hat sich das anscheinend in den letzten Jahren nicht wirklich verinnerlicht. Sonst hätte ich nicht immer wieder angefangen.

Das liegt wohl daran, dass der Wille, und sei er auch noch so stark, eben nicht ausreicht.
Sonst wären wir nicht süchtig.
Die Sucht hat auch biologisch-chemische Anteile, da haben sich über die Dauer der Konsumzeit Rezeptoren im Gehirn verschoben und verändert, die wollen auch weiter den ALK - das Suchtgedächtnis ist gnadenlos unbarmherzig.
Das geht nicht von heute auf morgen weg, nur weil ich das so will.

Was soll falsch daran sein, ständig im Bewusstsein seiner Krankheit zu leben?
Schwäche ich mich denn damit?
Sehe ich nicht so - ich bin ehrlicher zu mir als früher, ich kenne mich besser, ich kann mich besser akzeptieren.
Meine Krankheit und meine Vergangenheit gehört zu mir.
Die will ich genauso wenig wegbeamen wie meine jetzigen Alltagserfahrungen.

Nüchtern und trocken im Bewusstsein meiner Erkrankung zu leben bedeutet jedenfalls für mich nicht, ein freudloses, staubtrockenes, humorloses und graues Dasein zu fristen! Winken

LG viola
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viola hat zum Thema: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! geschrieben
Frozen Tears
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 30.11.2006
Beiträge: 465

BeitragVerfasst am: 05.08.2010, 23:27    Titel: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ein Neuer,
grundsätzlich ist Dein Gedanke, so denke ich mal, richtig, dass man , wenn man sich auf etwas Positives konzentriert und dem seine ganze Energie zufliessen läßt dieses Positive noch größer wird. Und umgekehrt wohl auch, wenn man sich nur noch aufs negative konzentriert auch alles noch schlimmer wird. Wenn man nur noch Negative Gedanken hat beispielsweise, udn sich aus allem regelrecht das negative herauspickt oder negativ interpretiert, dann wird die Welt immer düsterer von Tag zu Tag.

Aber Du hast diesen Vergleich mit der krankheit gemacht, wie ich nicht richtig finde.
Du bezeichnest Alkoholsucht als negativ udn trockenheit als Positiv.
Deine Schlußfolgerung ist dann, wenn man sich die ganze Zeit nur auf seine Krankheit konzentriert ,nämlich der Sucht, dass die Krankheit/ die Sucht dann größer, negativer, schlimemr wird?
Das ist ja in der regel schon automatisch der Fall bei einem nassen Alkoholiker, dass sich das Leben mehr und mehr nur noch um das Suchtmittel dreht.

Aber Deien Theorie hört sich für mich verdreht an. Du schreibst, dass die Gedanken und Konzentration um die Krankheit, also auch als trockener Alkoholiker negative Auswirkungen haben könnten, vergleichst es mit fanatischer Religion , zum Mittelpunkt des Lebens.
Ich denke, dieser Ansatz ist falsch.
Wenn Du Dich für Deine Trockenheit entscheidest, dann weil Du wieder ein positives, oder besseres Leben haben möchtest. Weg von dem Leid, was es Dir bisher beschert hat. Wenn Du nun einen schritt weiter gehst und auch andere Wege einschlägst um Dein Leben noch positiver zu gestalten, dann bekommst Du diesen Effekt, dass es immer besser wird. Wenn Du beispielsweise anfängst Sport zu trieben, Dich gesund zu ernähren, Entspannungsübungen machst, eien reise, neue freunde gewinnst, Kreativ wirst etc.
Das ist meiner Meinung nach die Konzentration auf das Positive, weg vom negativen.
Wenn Du den ganzen Tag nur immer dran denkst, dass Du trocken sein willst, bleiben willst, mußt, darfst, etc. wird es sicher eine neue Krankheit. Die Sucht anch der Abstinenz oder so. Wichtig ist es doch, dass Du Dir Dein Leben so einrichtest, dass Du garnicht ständig dran denken mußt.
Du gehst eben nicht mehr in Kneipen, meidest andere Saufkumpels, die Dir ausser Saufen nichts gebracht haben, gibst dein geld für andere schöne Dinge aus, gestaltest Dein Leben 'immer positiver'.
Deine Frage beinhaltet eigentlich schon die Antwort.
Ganz ignorieren kannst Du auch die Krankehit nicht. Du mußt auf versteckten Alkohol in Lebensmitteln achten, ein gewisses bewußtsein dafür entwickeln. Eben so, wie man es bei anderen Krankheiten auch macht. beispielsweise bei Gicht oder Bluthochdruck. Man muß lernen mit der Krankheit zu leben.
Dann kommt Dir manchmal dieser Gedanke, dass Du gerne mal mit einem Gläschen dem Alltag entweichen willst.
Da gibt es tausende andere gesündere und spannendere Dinge um dem Alltag zu entweichen.
Frag mich, ich mach Dir ne Liste. Oder frag Dich seleber mal, was Du gerne mal so außer der reihe machen würdest- Denn wenn DU DICH mal auf diese Dinge KONZENTRIERST dann fallen Dir imemr MEHR ein. Und genau das sit doch der Punkt. So kannst Du Dir eine schöne Notfallliste machen. Oder setzt es gleich um, und gestalte Dein Leben interessanter, so dass der öde alltag garnicht mehr eintritt.
So jetzt zum Gewitter. Alles was man wahrnimmt kann man so oder so betrachten. Der eine findet etwas klein, was der andere als groß empfindet. Mir ist aufgefallen, dass nasse Alkoholiker dazu neigen die Welt immer negativer zu sehen. Überall dran rummeckern, Sich so auch Gründe zum Trinken verschaffen. Aus diesem Teufelskreis mußt Du auch aussteigen und umdenken. Fang an wieder Positiv über die Welt zu denken. Schau Dir mal kleine Kinder an, wie oft die lachen, wie die mit Matsche spielen, bei Regen und Schnee stundenlang draussen sind. Wir haben als Kinder am Fenster gesessen und gezählt bis der Blitz kommt. Gewitter war ein aufregendes Erlebnis. Wie ein spannender Film. Du hast schon auf den nächsten Blitz und das nächste Krachen gewartet. Wir brauchten keinen Alkohol, wenns Gewitter gab.
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Frozen Tears hat zum Thema: Re: Krankheit als Religion oder Achtung! Psychologie! geschrieben

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