| Ich hab es doch versprochen... • Ich habe sovieles auf dem Herzen |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Inga-Maus neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.07.2010 Beiträge: 4 Alter: 32
|
Verfasst am: 01.07.2010, 21:56 Titel: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! |
|
|
Hallo alle zusammen,
ich habe mich eben mit fast dem gleichen Text vorgestellt, da ich nun schon freigeschaltet bin, stelle ich es auch hier nochmal ein.
Also, ich heiße Inga und bin erwachsene Tochter einer alkoholkranken Mutter.
Ich bin 30 Jahre alt, wohne seit 5 Jahren mit meinem Partner zusammen, bin seit 3,5 Wochen verlobt und will nächstes Jahr heiraten. 'Auf den Arm nehmen'
Ich hatte dieses Forum in der Vergangenheit schon einmal "entdeckt", damals viele Beiträge gelesen und musste fürchterlich heulen, da ich mich in so vielen Beiträgen wieder erkannt hatte.
Ich war dann bei für einige Zeit bei einer EKA Gruppe, aber ich habe aufgehört, dahin zu gehen. Zu der Zeit machte meine Mutter eine langzeit Therapie (leider nicht langfristig hilfreich) und ich war erstmal beruhigt. Schließlich wurde sie da betreut und mir war der "zwang" genommen, auf sie aufzupassen.
Vom Kopf her weiß ich ja, dass das nicht mein Job ist und dass ich nicht ihr helfen kann, sondern sie für sich und ich für mich sorgen muss. Aber es ist so verdammt schwer loszulassen und zu akzeptieren, dass es ihr leben ist und ihre Entscheidungen sind.
Ich habe mir nun endlich einen Therapeuten gesucht und hatte bisher nur wenige Termine. Das wird sicher schwer werden, aber so kann es nicht weiter gehen. Ich kann nicht mehr gegen ihre Sucht kämpfen - das macht mich kaputt. Und ich bin schon so weit, dass ich jedesmal völlig hilflos bin, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun will, kann, soll, darf, nicht darf... Das macht dann noch handlungsunfähiger und ohnmächtiger.
Der Auslöser, dass ich mich nun angemeldet habe, ist, dass ich seit drei Wochen keinen Kontakt zu meiner Mutter hatte (nachdem ich sie zuletzt anrief um ihr von der Verlobung zu erzählen; sie war nicht nüchtern) und sie nun heute zufällig bei meinen Großeltern getroffen habe. Sie war nicht nüchtern und hatte sich seit gestern bei ihnen "verkrochen". Ich war sofort wieder drin in den Co-Emotionen - schwankte zwischen Trauer und Wut, wollte sie anschreien und trösten und riss mich doch zusammen und sagte nicht viel. Innerlich hab ich total gezittert und mich dann auch schon wieder geärgert, dass ein Anblick reicht, mich so aus der Bahn zu werfen.
Wird das irgendwann besser ?!?
Um meine Großeltern mache ich mir auch ziemliche Sorgen, denn sie sind nicht mehr die jüngsten und leiden unter dem Zustand meiner Mutter. Ich weiß ja, auch die sind für sich selbst verantwortlich, aber ich kann grad nicht aus meiner Haut.
Ich bin schon froh, dass ich es geschafft habe, nicht bei miener Mutter anzurufen und sie entweder anzumachen, dass sie ihre Eltern so mit rein zieht und sich gefälligst zusammen reißen und ihr leben nicht wegschmeißen soll oder sie zu trösten und ihr zu sagen, dass ich ihr gern helfen will..
Es tut auf jeden Fall schon gut, das ganze einfach mal los zu werden.
Ich weiß zwar nicht, ob das "vorstellen" so gemeint war, aber ich hoffe es ist ok ...
Kann mir jemand noch einen Tipp geben, wie ich diesen Zwiespalt zwischen Kopf und Bauch bereinigen kann ?
Ich freue mich auf eure Antworten.
Liebe Grüße,
Inga |
|
| Nach oben |
|
| Inga-Maus hat zum Thema: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! geschrieben
|
|
 |
katrinkatrin neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.06.2010 Beiträge: 15 Alter: 27
|
Verfasst am: 02.07.2010, 18:49 Titel: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! |
|
|
Hallo Inga,
ich bin auch ganz neu hier. Ich habe bisher noch keine Therapie gemacht oder war in einer Selbsthilfegruppe.
Ich weiß nicht, wie ich mit meinem Dad umgehen soll.
Ich denke mir, wenn er Krebs hätte und nichts dagegen tun würde, dann würde ich auch nicht von ihm loslassen, ihn nicht "hängen" lassen.
Ich verstehe das mit dem Co-A. nicht so ganz. Ich kann mich doch nicht von jemandem abwenden nur weil er krank ist. Das würde ich in anderen Situationen auch nicht machen
Wenn ein Freund mit dem Rauchen aufhört, dann versuche ich mein Rauchverhalten in seiner Gegenwart zu verändern um es ihm leichter zu machen.
Vielleicht finden sich hier Antworten.
Zu deiner Verlobung möchte ich dir gratulieren
Liebe Grüße, Katrin |
|
| Nach oben |
|
| katrinkatrin hat zum Thema: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! geschrieben
|
|
 |
Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14430 Alter: 46
|
Verfasst am: 02.07.2010, 19:07 Titel: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! |
|
|
Hallo ihr beiden,
das "Argument" mit dem Krebs wird immer mal von EKA oder Co geschrieben.
Alkoholismus ist aber kein Krebs! Äpfel und Birnen sind auch nicht dasselbe.
Bei Alkoholismus muß! der Alkoholiker von sich aus etwas unternehmen, sonst boykottiert er ja innerlich. Wenn er nicht will, geht gar nichts. Und wenn man als Angehöriger noch so am rotieren ist.
Im Gegenteil, je mehr man dem Alkoholiker abnimmt, desto weniger muß er an seinem Zustand ändern. Für ihn wird gekocht, gewaschen, Schulden bezahlt, eingekauft, sein Leben organisiert, er wird gefahren wenn der Führerschein weg ist... usw. usw. Das alles ist als "Hilfe" gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Jede "Hilfe" verlängert das Trinken, denn wenn man dem nassen Alkoholiker alles abnimmt, dann kommt er lange nicht an seinen Tiefpunkt.
Die beste Hilfe für einen Alkoholiker ist die Nicht-Hilfe. So wird er auf seine eigene Verantwortlichkeit zurückgeworfen. Was er damit macht und wie er das hinkriegt ist allein Seins. Er bzw. sie ist ja erwachsen!
Grüße, Linde |
|
| Nach oben |
|
| Linde66 hat zum Thema: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! geschrieben
|
|
 |
Inga-Maus neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.07.2010 Beiträge: 4 Alter: 32
|
Verfasst am: 02.07.2010, 20:06 Titel: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! |
|
|
Schön, dass gleich jemand antwortet.
Ich finde, genau diese "Nicht-Hilfe" wie Linde es nennt, ist das Problem mit der co-abhängigkeit. denn natürlich will man normalerweise jemandem helfen, dem es schlecht geht, trösten, wenn jemand traurig ist, beim aufstehen helfen, wenn jemand gefallen ist, und wahrschenlich wollen EKAs das noch mehr, aber genau das soll man eben nicht. Ich kann das Prinzip vom Kopf her zwar nachvollziehen, dass erst der Tiefpunkt erreicht werden muss, aber mein Gefühl sieht das leider komplett anders.
Ich musste mich wirklich zusammen reißen, meine Mutter gestern nicht anzurufen. Es tut weh, sie weinen und leiden zu sehen, und wenn ich dann noch anfange mir Gedanken zu machen, was ihr allein in Ihrer Wohnung passieren könnte, wird es noch schlimmer. Ich fürchte einfach, wenn ihr was passieren sollte, würde ich mir automatisch vorwürfe machen, obwohl das ja quatsch ist, da ich nich für sie verantwortlich bin. Ach verdammt, da wird er schon wieder deutlich der Konflikt zwischen Gefühl und Verstand...
Ich hoffe eben immer noch, dass sie irgendwann "aufwacht", und das obwohl sie schon zwei Therapien gemacht hat, zu einer SHG geht und ich schon unzählige male enttäuscht wurde.
Ich habe gestern auf jeden Fall festgestellt, dass es mir die drei Wochen ohne kontakt besser ging. Natürlich habe ich auch da viel an meine Mutter gedacht, aber ich konnte das besser zur Seite schieben, um mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Ich habe hier gestern irgendwo gelesen, dass jemand (sorry, weiß nicht mehr wer) auf eine Entschuldigung gewartet hat - meine Mutter meinte gestern unter Tränen, dass ihr alles so leid tue und sie nicht mehr weiter wisse.. Ich meinte, sie müsse sich jetzt nicht bei mir entschuldigen, sondern für sich sehen, dass sie klar kommt. Ich fand das also nicht wirklich hilfreich. aber ich gleube, dass liegt auch daran, dass meine Mutter nie gemein zu mir wurde, sondern "nur" mit ihrem leben nicht klar kommt und meint, sie sei es nicht wert.
Katrin, ich denke, wir und alle "neuen" müssen irgendwie lerner, uns die Priorität zu geben und erstmal für uns zu sorgen und versuchen zu akzeptieren, dass wir nicht das Leben unserer Eltern leben können/sollen/müssen/dürfen... Ich weiß nur auch noch nicht wie.. (Klingt so leicht,, haha..)  |
|
| Nach oben |
|
| Inga-Maus hat zum Thema: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! geschrieben
|
|
 |
Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14430 Alter: 46
|
Verfasst am: 02.07.2010, 20:15 Titel: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! |
|
|
Hallo Inga,
halt durch. Es wird vielleicht nicht leichter, aber anders. Und du lernst ja immer mehr über die Alkoholkrankheit und über die eigenen Co-Anteile.
Das mit dem Anrufen wegen dem schlechten Gewissen oder der Angst 'war wäre wenn' ist ja so: sie könnte auch 5 Minuten NACH deinem Anruf stürzen...
Darum geht es nicht.
Sie ist für sich verantwortlich und du für dich. In einer alkoholkranken Familie drehen sich leider die Verantwortlichkeiten um und das EKA übernimmt die Verantwortung für die Eltern.
Auch ein EKA oder Co kann früher oder später an seinen persönlichen Tiefpunkt kommen, wenn es sich selbst völlig vorausgabt hat und sich alles nur noch um den Alkolholiker dreht. Einfach immer wieder genau hinschauen!
Dir noch einen schönen Abend!
Linde |
|
| Nach oben |
|
| Linde66 hat zum Thema: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! geschrieben
|
|
 |
kimmik neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.02.2010 Beiträge: 28 Alter: 36 Wohnort: Niedersachsen
|
Verfasst am: 03.07.2010, 15:29 Titel: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! |
|
|
Hallo Inga,
wie ich gerade gelesen habe, empfinden wir im Zusammenhang mit unseren trinkenden Mütter sehr ähnlich!
Ich kenne diese innere Anspannung nur zu gut, es ist zum verrückt werden! Zu wissen, man kann nichts tun und doch jederzeit bereit sein zu müssen zu retten oder einfach nur da zu sein!
Immer wenn meine Mutter zur Entgiftung in der Klinik ist, oder damals auf einer ihrer zahlreichen Langzeittherapien, ging es mir deutlich besser, ich war innerlich wesentlich ruhiger, eben weil ich die Verantwortung abgeben konnte!
Es fiel mir viel leichter sie nicht besuchen zu müssen, nicht mit ihr zu sprechen...alles war leichter!
Doch kaum ist sie entlassen, trinkt sie wieder und ich bin in Alarmbereitschaft!Zum kotzen!
Ich mache das ganze jetzt schon SEIT 23 Jahren mit, heute bin ich 34Jahre!!!Unglaublich...
Manchmal empfinde ich wirklich richtige Wut, meine Mutter ist ein absolut egoistischer Mensch geworden, sie geht mir mit ihrem gejammer so sehr auf die Nerven, dass ich echt den Kontakt abbrechen muss...sie leidet sooo sehr die arme, aber was ihre Sucht mit ihren Kindern macht und gemacht hat in all den Jahren, dass ist ihr völlig scheiß egal!
Es gibt immer Gründe wieder zu trinken und so langsam bin ich bereit diesen Kampf aufzunehmen, der da aber nicht mehr heißt: Ich muss sie retten, sondern ich muss mein eigenes Leben retten!!!
Unsere Mütter lügen uns ständig an, sehen zu wie sich die Welt um sie herum dreht, wie alle versuchen es für sie leichter und erträglicher zu machen, aber für uns selber bleibt da nix übrig!
Außer ein schlechtes Gewissen, eventuell nicht genug gemacht zu haben!!!!
Neulich schlug ich meiner Mutter vor, sie solle doch endlich mal zu den AAs gehen, daraufhin sagte sie nur...da kann ich mir ja gleich nen Strick nehmen...vielleicht will ich ja auch überhaupt nicht aufhören zu trinken...hast du dir da mal Gedanken darüber gemacht???Und von diesem Zeitpunkt an, habe ich den Kontakt zu ihr komplett eingestellt!!!
Ich habe nämlich keine Lust mehr mich von ihr verarschen zu lassen!
Wir müssen für uns akzeptieren, dass diese Sucht stärker ist als Liebe! Wir sind völlig machtlos und dazu verdammt eben nichts tun zu können! UND ohne wirkliche Bereitschaft unserer Mütter wirklich aufhören zu wollen, sind alle Worte, alle Taten fürn A...., sie machen nur uns selber kaputt!
Sorry, schreibe mich hier gerade etwas in Rage..aber die eigene Unfähigkeit bei einem anderen Menschen zu lesen macht mich wirklich wütend, es hat nichts mit dir zu tun, aber mit unserer Situation!Wir müssen die Richtung ändern, sonst verändert sich nichts!!!
Also, Kopf hoch und lass und laufen, in ein für uns erträglicheres Sein!!! Viel Kraft!!! KIM |
|
| Nach oben |
|
| kimmik hat zum Thema: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! geschrieben
|
|
 |
Inga-Maus neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.07.2010 Beiträge: 4 Alter: 32
|
Verfasst am: 04.07.2010, 21:17 Titel: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! |
|
|
Hallo Kim,
ich kann verstehen, dass du dich in Rage geschrieben hast. Ich hab mich vorhin am Telefon in rage geredet.. Auch so eine Sache, dass man so leicht schwankt zwischen Trauer und Wut. Aber ich bin froh, dass endlich auch Wut da ist. Früher war da nur Trauer und Ohnmacht und "helfen-wollen".
Ich mache das "Spielchen" auch seit ca 15 Jahren mit - ca. 10 Jahre hab ich während der Zeit auch noch bei ihr gewohnt - in der zeit natürlich alles durchgemacht - geweint, geschrien, ignoriert, mit trösten und Vernunft versucht, Verstecke gesucht, Alk weggekippt, Briefe an die Flaschen geklebt.. Aber es half ja eben alles nix..
Hoffe, das Schreiben und Lesen hier und die angefangene Therapie helfen, irgendwie zu akzeptieren, dass es ihr leben und ihre Entscheidung ist.. (Und trotzdem ist da noch die Hoffnung, dass die nächste Therapie wirkt, bzw. sie die Hilfe dann will.. )
Ich wünsche euch einen schönen Abend und einen guten Start in die Woche,
Inga |
|
| Nach oben |
|
| Inga-Maus hat zum Thema: Re: So kann es nciht weitergehen, aber wie dann ?! geschrieben
|
|
 |