| 1. Trockengeburtstag von iwona • Quartalstrinker |
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Abafazi2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.04.2010 Beiträge: 36 Alter: 41 Wohnort: südlich von Stuttgart
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Verfasst am: 03.06.2010, 17:35 Titel: Aus "alt" mach "neu" |
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Hallo zusammen,
nachdem gerade mein gesamter Beitrag verschwunden ist, als ich was im Profil ändern wollte, fasse ich mich jetzt etwas kürzer, bzw. dehne auf zwei Beiträge aus.
Zunächst habe ich hier ganz viel gelesen, nun möchte ich mich Euch aber endlich vorstellen.
Ich war vor knapp 5 Jahren schon einmal hier; war seither immer mal wieder alkoholfrei, aber nie mehr als 9 Monate. Habe hier auch immer mal wieder gelesen, hab mich aber nie getraut auch was zu schreiben...sicher ein Fehler!
Eine Zusammenfassung meiner Suchtgeschichte: Vater Alkoholiker, gestorben 1987. Eltern bereits lange vorher geschieden, seit 1976.
Bereits im späten Teenager-Alter hatte ich den Drang, Probleme im Alk zu ertränken. Anfang 20 dann Führerschein weg: 1,2 Promille. Das saß; ca. 10 Jahre lang gab es keine Probleme mit Alkohol (auch nicht ohne!). Vor ca. 10 Jahren dann kam der Alk wieder ins Spiel: ich konnte mich zwischen zwei Männern nicht entscheiden (ich war verheiratet), entschied mich letztlich für den "Falschen". Unser Sohn wurde Ende 2002 geboren; mein Partner hat ihn wohl von Anfang an nicht gewollt (gesagt hat er mir dies dann vor ca. 2 Jahren, gemerkt habe ich es bereits viel früher). Trennung Anfang 2005, zu dem Zeitpunkt saß ich schon tief im Alkohol-Sumpf. Entzug mit ärztlicher Hilfe und mit Hilfe dieses Forums dann im September 2005. Ein halbes Jahr nach der Trennung warb mein Ex-Partner wieder um mich; ich zog nach einem Jahr wieder zu ihm. Das ging ein Jahr lang gut, ca. bis zum Ende meiner ambulanten Therapie, die ich nebenher noch machte. Dann Rückfall; alles wie gehabt: heimliches Trinken, Flaschen verstecken, etc.
Ende letzten Sommers ging ich dann zur Diakonie in der nächsten größeren Stadt. Dort hieß es, eine ambulante Therapie käme für mich nicht mehr in Frage, ich müsste eigentlich stationär was machen... Entzug, Therapie. Mein Sohn kam im September in die 1. Klasse, ich hatte gerade entsprechend bei meiner Chefin neue Arbeitszeiten erkämpft. Dazu die Beziehung - "natürlich" - erneut in der Krise. So wollte ich zunächst nichts ändern, außer am Status der "Partnerschaft". Dachte, wenn der erst mal weg ist, wird es besser... Tja, heute sag ich: nasses Denken!
- Fortsetzung folgt.
Vielleicht bis später; ansonsten Euch allen einen geruhsamen restlichen Feiertag!
Viele Grüße
Abafazi 2010 |
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Abafazi2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.04.2010 Beiträge: 36 Alter: 41 Wohnort: südlich von Stuttgart
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Verfasst am: 03.06.2010, 22:46 Titel: Aus "alt" mach "neu" |
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...Fortsetzung:
Ich wollte nicht ins Krankenhaus; ich wollte keine Therapie machen. Heute weiß ich: alle Gründe waren nur vorgeschoben. Ich wollte mein Kind nicht anderen überlassen, ich wollte in der Firma nicht fehlen, ich wollte der Familie "keinen reinen Wein einschenken".... - ich wollte nicht trocken werden!!!
So setzte ich also meinen Konsum fort. Mal mehr, mal weniger auffällig. Mein Partner wusste längst davon, sagte aber nichts mehr seit der ersten Bemerkung: sag mal trinkst du wieder?
Also dachte ich: ok, es kümmert ja keinen. Meine Güte, wie egoistisch!!!
Anfang dieses Jahres - man glaubt es kaum - gewann ich ein Candlelight Dinner über die Firma. Drinks inclusive. Ich also hin mit meinem Noch-Partner; ich betrachtete es als Abschieds-Essen, meine kleine Schwester war Sitter bei meinem Sohn. Mein Partner fuhr im Anschluss meine Schwester zum Bahnhof und sagte ihr dann Bescheid über mein Befinden... Das war Ende Februar. Danach ging alles ganz schnell. Schon in derselben Woche standen meine Geschwister samt Partnern (immerhin 4 davon im Krankenhauswesen angestellt) auf der Matte, mit Info-Blättern etc. und sagten, wenn ich nicht ganz schnell was unternehme, würden sie mich piesacken und täglich anrufen....bis ich endlich etwas gegen meinen Alkoholkonsum mache. Da erst habe ich begonnen mich erneut zu informieren; bin in die Klinik zur Suchtambulanz gegangen und habe in der Firma vorgefühlt... gar nicht so einfach.
Schon gar nicht, darüber zu berichten. Meine Erfahrungen in Entgiftung und Tagesklinik folgen!
LG
Abafazi2010 |
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Spanijoggel Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.02.2008 Beiträge: 8589 Alter: 70 Wohnort: Schweiz
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Verfasst am: 03.06.2010, 22:54 Titel: Re: Aus "alt" mach "neu" |
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Hallo Abafazi!
Willkommen im Forum!
Danke für Deine Vorstellung,werde den Rest morgen mit Interesse lesen.
Du kennst uns ja schon siet längerem.
Jetzt wünsche ich Dir viel Mut und Kraft für Deinen Weg in die Trockenheit.
Herzliche Grüsse
Yvonne |
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| Spanijoggel hat zum Thema: Re: Aus "alt" mach "neu" geschrieben
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Abafazi2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.04.2010 Beiträge: 36 Alter: 41 Wohnort: südlich von Stuttgart
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Verfasst am: 04.06.2010, 22:40 Titel: Re: Aus "alt" mach "neu" |
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Hallo zusammen,
hallo Yvonne,
vielen Dank fürs Interesse!
Ich war heute mit dem Sohnemann erst einkaufen und dann im Freibad und musste jetzt erstmal warten, bis er auch eingeschlafen ist. -
Ja, also mein Ex-Partner begab sich bereits ab Februar auf Wohnungssuche; ich ebenfalls, nur um sicherzugehen (wobei ich schon wollte, dass mein Sohn nicht wieder umziehen muss). Er sagte aber, er würde mich keinesfalls in diesem Zustand, der ja nun schon alltäglich war, mit unserem Kind allein lassen. Wenn ich wollte, dass er auszieht, müsste ich unbedingt eine Entziehungskur machen. Mir leuchtete das vom Verstand her schon ein - und natürlich nicht erst ab Februar - aber wie das so ist: vom Wollen bis zum Tun geht so mancher Monat ins Land.
Nun war ich aber zum Vorgespräch in dieser Uniklinik, sehr nette Leute dort, verständnisvoll auch meiner privaten Situation gegenüber. Ich glaube, wenn es dort geheißen hätte, kommen Sie gleich morgen und stellen Sie sich nicht so an, dann wäre ich geflüchtet und nicht wieder hingegangen!
Stattdessen begann ich, meine für 3 Wochen angelegte Abwesenheit akribisch zu planen. Erste Woche: Kind zum Papa. Zweite Woche: Schwester teilt sich die Zeit mit meiner Mutter auf. Letzte Woche: schauen wir von Tag zu Tag, da Schwester in Urlaub. Meine Chefin war nicht da, so informierte ich sie per Mail über die geplante Kur (ohne einen Grund anzugeben; ich wollte dies spontan gestalten: hätte sie direkt gefragt, hätte ich evtl. die Wahrheit gesagt). Zudem habe ich 3 Kolleginnen direkt ehrlich aufgeklärt; zum Teil kannten sie mein Problem, und alle reagierten ganz toll, sehr positiv.
Mein Ex war inzwischen ausgezogen (am 10. April), hat insofern auch Vertrauen bewiesen.
Am 04. Mai rückte ich dann ein - bewaffnet mit kleinem Köfferchen, und sehr gespannt und auch ängstlich, was mich wohl erwartet. Geplant war eine Woche Entgiftung mit anschließender zweiwöchiger Tagesklinik (tagsüber in der Klinik, abends zu Hause). Ein früherer Kollege, selbst Betroffener, aber seit vielen Jahren trocken, brachte mich hin und informierte mich unterwegs ein wenig darüber, was mich erwartet. - Aufgenommen wurde ich sehr freundlich, mit dem üblichen Prozedere. Offenbar ist der Dienstag der allgemeine Aufnahmetag, so fand an dem Tag ein reger Bettenwechsel statt und ich wurde immer mal wieder zu einer Untersuchung oder einem Gespräch gerufen, das ging den ganzen Tag lang. Gegen 16 Uhr (ups!!!) hatte ich den 0,0 Promille-Status erreicht und hatte dann auch eigentlich so meinen Tiefpunkt. Psychisch war ich down- dachte an meinen Sohn, wie es zu Hause läuft. An alles, was ich angerichtet habe in den letzten Monaten oder gar Jahren, naja so eine innerliche Einkehr halt, die wohl jeder, der hier ist, auch kennt. Dazu die Angst, es könnten sich doch Entzugserscheinungen zeigen. Zum Glück war letzteres nicht der Fall; auch meine sonstigen Werte waren echt ok. Medis brauchte ich nicht, habe nur Vitamine bekommen über die gesamte Zeit.
- So, ich merke gerade, dass das wieder lange wird . Mache später oder morgen weiter!
Euch noch einen schönen trockenen Abend!
LG
Abafazi |
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| Abafazi2010 hat zum Thema: Re: Aus "alt" mach "neu" geschrieben
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Abafazi2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.04.2010 Beiträge: 36 Alter: 41 Wohnort: südlich von Stuttgart
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Verfasst am: 05.06.2010, 13:10 Titel: Re: Aus "alt" mach "neu" |
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...schnell weiter im Text, bevor ich mich nachher gleich in die Sonne begebe! Ist das nicht herrlich, endlich wieder schönes Wetter??
Mein Sohn ist beim Papa, so habe ich hier wieder mal Zeit für mich.
Mir fällt beim Durchlesen meiner bisherigen Beiträge auf, dass ich nur die Fakten berichte, nicht aber die Gefühle, die mich beim Erleben begleiteten. Die gehören aber unbedingt dazu... Tja, womöglich lerne ich das jetzt gerade erst. Mir wurde in der Klinik auch gesagt, dass es viele Monate dauern kann, bis man wieder richtig "klar" ist, es kann sich noch viel verändern - zum Positiven.
Jedenfalls waren die ersten Tage im KKH für mich ziemlich schrecklich. In ein Zweibettzimmer hatte man aus Platznot ein drittes Bett geschoben, ich habe es trotz der beengten Verhältnisse nicht geschafft, mich - was eigentlich gewollte wurde - anderen anzuschließen und mich auszutauschen. Dies geschah immer nur nebenbei, nicht in der Tiefe. Heute sehe ich ganz deutlich, dass irgendwas in mir sich immer noch verweigert hat. Zwar habe ich alle Aktivitäten mitgemacht, soweit erlaubt (den Sport z.B. durfte ich erst ab dem 4. Tag mitmachen), ansonsten habe ich auf dem Bett gesessen und gelesen... 4 (!) dicke Krimis in 7 Tagen. Musste mir sogar Nachschub bringen lassen.
Immerhin ging es genau ab dem 4. Tag bei mir auch gefühlsmäßig bergauf. Just an diesem Tag war nämlich auch das Wetter schön, und ich konnte mit meinem Buch in den Klinikpark. Mit staunenden Augen und Ohren öffnete ich mich dem Frühling: singende Vögel, grünende Bäume, eine herrliche Aussicht auf die Stadt und das Schloss. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich dann auch offener auf die Mitpatienten zugehen und merkte z.B. an der Bemerkung meiner einen Schwester "oh je wie schrecklich dich HIER zu besuchen, du gehörst doch gar nicht hierher!", dass ich mich endlich in der Psychiatrischen Klinik nicht mehr als Außenseiter sah. Bei Zahnschmerzen geh ich zum Zahnarzt, mit gebrochenem Arm zum Chirurgen. So what? Bei psychischen Problemen gibt es also zum Glück auch Hilfe; und wer weiß wieviele Leute diese auch nötig hätten, die sie nicht suchen...
Diese vier Tage hatten mich also dazu gebracht, einiges mit anderen Augen zu sehen. Ich schämte mich nicht mehr! Und erst diese Tatsache machte es dann möglich, dass ich Heilung zuließ. Solange man nämlich innerlich noch überzeugt ist, diese gar nicht zu "verdienen", verschließt man sich allen Möglichkeiten. Und ich begriff auch das Konzept der Entgiftungsstation: viel freie Zeit, um zu sich selbst zu finden und sich mit anderen auszutauschen. Die ersten Tage rigorose Überwachung, Messen der Vitalwerte alle 2-4 Stunden. Gespräche, Gruppenarbeit, immer wieder die Frage: wie soll es für Sie danach weitergehen? Natürlich gab es auch bei uns Leute, die damit prahlten, es sei ihre 41. (!) Entgiftung und sie würden so schnell wie möglich wieder abhauen... Glaubt mir, dort beginnt man ganz rasch, dieses deutsche Gesundheitssystem mit anderen Augen zu sehen!
Und nach 7 Tagen war ich in jedem Fall froh, diese Station verlassen zu können. Auch wenn es speziell nichts gab, worüber ich zu "meckern" gehabt hätte (nicht mal das Essen; es war wirklich lecker!), wollte ich doch sehr gerne wieder nach Hause, mein Kind sehen und umsorgen und vor allem: mein eigenes Bett!
Ich wurde an einem Montagvormittag entlassen, ab Dienstag begann dann meine Zeit in der Tagesklinik. Über die ich heute Abend berichten möchte, denn jetzt lockt der Sommer!
Danke fürs Lesen,
Abafazi |
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| Abafazi2010 hat zum Thema: Re: Aus "alt" mach "neu" geschrieben
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Abafazi2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.04.2010 Beiträge: 36 Alter: 41 Wohnort: südlich von Stuttgart
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Verfasst am: 05.06.2010, 22:57 Titel: Re: Aus "alt" mach "neu" |
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Dachte ich zuerst, die Tagesklinik sei inhaltlich mehr oder weniger die Fortsetzung meiner Zeit auf der Entgiftungsstation, so sah ich mich recht schnell - positiv - enttäuscht! Der Tag war voll mit Programm, aber immer so, dass man auch mal wieder verschnaufen und nachdenken konnte. Um 8.30h musste man da sein, es ging dann bis 16.30h. Morgens habe ich wie sonst auch mein Kind schulbereit gemacht, Vesperbrot geschmiert etc., und kaum war er mit seinem Freund um die Ecke, bin ich ins Auto gestiegen und losgefahren. Insofern doch auch wieder eine Umstellung - wieder um alles selbst kümmern. Ich war aber, wie schon erwähnt, froh darum. Eine Woche gepampert werden war schon ok - danach war ich wieder fit für alle Erledigungen. Morgens wenn ich kam musste ich ins Röhrchen pusten und bekam meine Vitamine. Dann gab es die Morgenrunde - jeder erzählte, wie sein Abend verlaufen war, ob man Saufdruck hatte etc. Anfangs waren wir nur zu dritt (!!!) auf der Station, bei meiner Entlassung waren es schon 7. Wir waren gemischt, Drogis und Alkis (mal so salopp abgekürzt, ist keineswegs despektierlich gemeint). Bereits an meinem zweiten Tag durfte ich mitgehen zum Einkaufen fürs Kochen und Backen später in der Woche. Meine Pasta wurde sehr gelobt, ebenso die Muffins zwei Tage später - hat man sonst ja leider auch nicht oft. Gerade weil wir anfangs so wenig waren, konnte ich mich sehr gut den anderen beiden anschließen, mich austauschen. Es gab Gruppengespräche, Sport, Infogespräche durch die Psychologin oder den Arzt, mehrmals wöchentlich Einzelgespräche und/oder Visiten. SHGs stellten sich vor, und immer wieder gab es auch "Hausaufgaben". Besonderes Augenmerk wurde auch hier auf das "Danach" gelegt. Wie geht es danach weiter? Behält man den alten Tagesablauf bei, was will man konkret ändern, wo sieht man Gefahren des Rückfalls und wie kann man ihnen begegnen? Antworten darauf kann jeder nur für sich selbst finden, man kann aber durchaus durch die anderen Teilnehmer Anregungen erhalten. Z.B. was das Kreative angeht; wir hatten immer samstags Ergotherapie, dort konnte man sich entsprechend betätigen. Ich habe schon immer gerne gemalt, gestaltet etc. Dieses Hobby werde ich auf jeden Fall auch wieder aktivieren. - Die Einzelgespräche gingen durchaus ans Eingemachte, und ich muss sagen, dort waren gut ausgebildete aber eben auch menschliche Leute am Werk. Ein Beispiel: die Psychologin sagte nie "das und das ist so" (sie kann das ja als Nichtbetroffene gar nicht wissen, hat es höchstens gehört oder gelesen), sie formulierte "die meisten Patienten berichten...können Sie das bestätigen" oder "mir wurde mehrmals gesagt, man fühlt sich dann so und so, wie ist das bei Ihnen?" Das gab mir dann auch das Vertrauen, mitzuarbeiten und 100% ehrlich zu sein.
Ca. nach halber Zeit hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin/Freundin, das mir auch zeigte, dass man immer wachsam sein muss und nie überheblich werden darf. Diese Kollegin sagte nämlich, als ich sagte es gehe mir gut und ich hätte auch in der Entgiftung keine körperlichen Symptome gezeigt: na das hättste dir ja sparen können, hab ich gleich gesagt! mit Kanonen auf Spatzen schießen etc....
Das ist supergefährlich, so ein Gespräch. Zum Glück hab ich das für mich sofort durchschaut und ihr auch vehement wiedersprochen.
Ich bin sehr wohl der Meinung, dass diese Maßnahme für mich absolut das Richtige war und ich würde genau das auch nochmal machen. Es geht gar nicht darum, ob es wirklich "nötig" war - es war gut so, und das reicht mir!!!
Mein Ex-Partner war in dieser Zeit zum Glück sehr verlässlich, er hat in den zwei Wochen Tagesklinik die Termine koordiniert und zum Teil halbtags Urlaub genommen, damit für meinen Sohn die Tage wenigstens halbwegs so waren wie sonst auch. Sprich ordentliches Mittagessen, Hausaufgaben überwachen etc., denn das konnte ich tagsüber ja nicht übernehmen. Auch wochenends - ich war samstags halbtags in der Klinik, an Sonn- und Feiertagen nur zur Alk-Kontrolle - habe ich meinen Sohn nur einmal mitgenommen, ansonsten war er gut versorgt.
Mein Fazit nach drei Wochen: es war für mich die "perfekte" Maßnahme, da ich nicht zu lange von zu Hause und vom Job weg war. Nach ein paar Tagen ist es mir gelungen, mich auf mich zu konzentrieren und das Bestmögliche für mich aus dieser Zeit zu ziehen. Dies wäre allerdings nicht oder nur schwer möglich gewesen ohne meine Familie im Hintergrund.
Wer Kinder hat, sollte also am besten gar nicht trinken...
Hoffe Ihr hattet auch alle so einen fröhlichen und sonnigen Tag!!!
Grüßle
Abafazi |
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| Abafazi2010 hat zum Thema: Re: Aus "alt" mach "neu" geschrieben
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Zukunft neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.02.2010 Beiträge: 58 Alter: 56 Wohnort: NRW-Trocken seit 10.01.2010
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Verfasst am: 08.06.2010, 21:47 Titel: Re: Aus "alt" mach "neu" |
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Hallo abafazi,auch ich bin neu hier und habe eben deine Kurzgeschichte gelesen.Eindeutig der richtige Weg.Vorerst zumindest.Ich habe zu viele kennengelernt,die trotz TK wieder in der Entgiftung gelandet sind,mich schließe ich da ein.Es ist,wie gesagt,ein guter Anfang und ich wünsche dir,dass du das schaffst.Ich würde an deiner Stelle noch einen draufsetzen, sprich stat. Langzeittherapie,sofort hinterher.Sie wird dein Leben entscheidend verändern,all diese Dinge aufzuzählen,würde hier den Rahmen sprengen.Seit Januar diesen Jahres lebe ich abstinent,zum ersten Mal zufrieden dabei.Es hat 13 Entgiftungen gebraucht um eine Entscheidung pro Therapie zu fällen,heute sage ich Gott sei Dank,ohne hätte ich mit Sicherheit wieder angefangen zu saufen.Da du ja im Moment einen Lauf hast,lohnt es sich sicher darüber nachzudenken.
Weiterhin alles Gute und einen trockenen Lauf.
Gruß von Michael |
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| Zukunft hat zum Thema: Re: Aus "alt" mach "neu" geschrieben
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Abafazi2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.04.2010 Beiträge: 36 Alter: 41 Wohnort: südlich von Stuttgart
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Verfasst am: 08.06.2010, 22:21 Titel: Re: Aus "alt" mach "neu" |
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Hallo Michael,
danke Dir für Deinen Beitrag. Es stimmt, in gewisser Weise war auch für mich die TK nur eine Kompromisslösung. Und tatsächlich habe ich dort Leute getroffen, die nicht zum ersten Mal dort waren.
Natürlich gibt es hierzu viele Meinungen, und ich halte prinzipiell die längere Lösung auch immer für die beste. Ich habe keine Zweifel, dass eine Langzeit mir - wäre ich nur für mich allein verantwortlich - viel bringen würde. Auch ich habe letztlich die 2 Wochen TK als sehr kurz empfunden, allerdings hatte ich zumindest nach der ersten der 3 Wochen in der Klinik keinen Zweifel mehr, es schaffen zu können. Es war nicht mehr diese Euphorie, die ich 2005 empfunden habe, als ich bereits einmal aufhörte zu trinken. Ich habe für mich das Gefühl, diesmal ging es einfach "tiefer", wenn auch zunächst nicht so positiv und fröhlich wie damals. Ich habe es vielmehr als Arbeit empfunden - und empfinde es noch immer so -, und das finde ich auch gut so.
Die Entscheidung für die Tagesklinik fiel nicht nur nach Beratung mit der Klinik, sondern auch mit der ambulanten Suchtberatung, mit dem Leiter meiner realen SHG, und nicht zuletzt nach Rücksprache mit meiner Familie. Auch bei der Erziehungsberatungsstelle war man der Meinung, zumindest für meinen kleinen Sohn sei es so kurz nach der Trennung vom Papa doch besser, wenn die Mutter nicht gleich für Monate in der "Versenkung" verschwindet.
Ich habe mir jedenfalls gedacht, eine solche Maßnahme setzt irgendwie voraus, dass man sich komplett auf sich selbst konzentriert, ohne sich Sorgen zu machen, was zu Hause aus Kind und Job wird. Da für mich weder sicher war, dass mein Kind keinen seelischen Schaden nimmt, noch ob ich meine Arbeit behalte - in Zeiten der Kurzarbeit bis in unsere Abteilung - habe ich mich eben für diese Variante entschieden.
Möge der Erfolg mir Recht geben!
Viele Grüße
Abafazi |
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| Abafazi2010 hat zum Thema: Re: Aus "alt" mach "neu" geschrieben
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