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Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch

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Skye
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BeitragVerfasst am: 30.05.2010, 12:24    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Rollo,

das Deine Kollegen ihren Verstand abgegeben haben oder meinen alles muss immer mit der Herde ziehen ist nicht Dein Problem.

Ich weiß nicht, welchen Beruf Du ausübst, vielleicht gibt es für Dich Möglichkeit nicht mehr auf Montage zu gehen oder auf dem Bau zu arbeiten. Solange Du weiter da arbeitest, wird es schwer Kollegen zu finden, die eine entspannte Haltung zum Thema Alkohol haben und saufen nicht als Bestandteil ihres Berufsstandes ansehen.

Habt ihr einen Betriebsrat? Wenn ja, wende Dich an ihn damit. Wenn ich mich recht erinnere, weiß Dein Chef von Deiner Krankheit. Wenn Du mit dem Betriebsrat nicht weiter kommst, sprich mit ihm. Vielleicht ergibt so ein Gespräch Möglichkeiten, wie man das Problem lösen kann.


Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben
Rollo36
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BeitragVerfasst am: 30.05.2010, 14:54    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Meine bevorzugte Lösung liegt irgendwo in der Mitte. Am Besten den jetzt anstehenden 1-wöchigen Urlaub nutzen und mir einen anderen Arbeitgeber suchen. Zur Überbrückung.
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Rollo36 hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben
Rollo36
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 31.05.2010, 02:06    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Und dann am besten neu orientieren. Die Frage warum ich einstmals diesen Beruf ergriffen habe, hat nämlich eng etwas mit meiner Suchtgeschichte zu tun - wie mir erst jetzt so langsam klar wird.

Wenn der Beruf auch seine schönen und kreativen Seiten hat (ich bin Steinmetz in der Denkmalpflege), so war es einstmals nicht weder meine eigene Idee noch mein eigenes Bestreben diesen Beruf zu ergreifen. Sondern mir wurde sozusagen hineingeholfen da der sog. "Freund" mir damals nicht zutraute selbstständige Entscheidungen zu treffen. Der gleiche Freund im Übrigen, welcher mir dazu verhalf daß Cannabis bei mir anschlug - indem er die Mischung mit braunem H anreicherte.
Heute weiß ich daß dieser Mensch eine narzißtische Persönlichkeitsstörung hat. Damals war er für mich einfach nur charismatisch und cool.

Ja und Steinmetz, das Kunsthandwerk am Bau, verkörperte für mich - natürlich in Verbindung mit Alkohol, denn ich war schon Damals voll dabei - das "Ideal" welches ich vor meiner nassen Zeit nie erreichen konnte.
Mann am Bau. Hart, cool, leistungsfähig. Anerkannt. Mitten drin. Lässig.
Im Gegensatz zu wertlos, schüchtern, zerstreut, verklemmt, verträumt, ANDERS und SELTSAM.

Und jetzt wieder ohne Alkohol, Nikotin und Drogen bin ich wieder an dem gleichen Punkt wie vor zwanzig Jahren. Nur daß ich jetzt mit beinahe 40 die richtigen Entscheidungen treffen muß. Allerdings ohne Anderen zu erlauben mir Selbige abzunehmen. Und genau wie in meiner Jugend bin ich auch jetzt wieder der Seltsame, den keiner versteht und der wieder von den gleichen Charakteren wie früher verachtet und gepiesakt wird. Charaktere die sich unbewußt mit den eigenen Schwächen und Ängsten konfrontiert sehen und diese mit aller Gewalt bekämpfen.

Und schon sind wir wieder in dem gleichen alten Teufelskreis. Grad so als wäre ich damals ins Bett gefallen um mir ein schöneres Leben zu erträumen. Bis ich dann mit Alpträumen wieder erwachte. Älter zwar, aber immer noch in der gleichen Situation.
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Rollo36 hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben
Gotti
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 31.05.2010, 06:57    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Rollo!

Wenn ich so deine Zeilen lese, denke ich, egal welchen Beruf du findest, es wird sich nichts ändern.
Irgendwie erinnert es an mich.
Mangelndes Selbstbewusstsein. Und sonst nichts.
Da kannst du noch so den "Coolen" und "Besserwissenden" heraushängen lassen, - was habe ich mir manchmal eingebildet schlauer zu sein?! - die Grundursache liegt woanders.
Ich musste das nach und nach in der Therapiezeit erarbeiten. Manchmal mit vielen Tränen und viel Angst vor der Verwirklichung.
Eine zeitlang habe ich ganz schön oft MIT meinem Mann getrunken. Mir die Sorgen eingedämmt. Und das war für mich dann auch schwer, diese nüchtern zu betrachten und mit ihnen fertigzuwerden.

Ich weiss nicht, welcher Beruf der Richtige ist, wo kein Alkohol getrunken wird. Es gibt doch selbst in den Büros, etx. immer wieder Gründe zum Anstossen.
Alleine die Einstellung dazu kann helfen, damit umzugehen. Auch wenn ich als "Komisch" angesehen werde, ich bleibe auf dem Nullpunkt.

Wünsche dir einen schönen Tag und eine gute Woche, Gotti.
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Gotti hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben
Rollo36
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 31.05.2010, 09:09    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich glaube, wenn ich es schaffe SelbstBEWUSSTSEIN und SelbstWERT zu stabilisieren, sowie SelbstSICHERHEIT ohne Suchtbefriedigung zu erreichen, dann kann ich auch lernen endlich nicht nur zu tun was ich will, sondern auch nicht tun zu müssen was ich nicht will.

Es gibt nämlich vieles was ich tue. Gute Dinge. Dinge die ich tue weil sie mir gut tun.
Was mich jedoch immer wieder aus der Bahn wirft, ist, daß ich immer noch nicht gelernt habe zu SAGEN was ich nicht will. Daß ich immer noch aus Angst vor der eigenen Courage oder durch den alten Automatismus "es ALLEN recht machen zu müssen", erst einmal: " ja, gerne, mach ich natürlich" sage. Nur um dann etwas später feststellen zu müssen daß ich mich schon wieder in einer Situation befinde die ich eigentlich überhaupt nicht will.
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Rollo36 hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben
dorothea
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BeitragVerfasst am: 31.05.2010, 09:22    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo rollo

ja ja das liebe selbstwertgefühl. mach dir klar das du nicht mehr der ziellose bengel bist, den auf grund seiner jugend keiner so wirklich ernst nimmt. es ist nicht ganz einfach sich selbst zu finden, aber das geht. du hast doch klare ansichten und denkweisen. und ich habe für mich erkannt, das es viel eher von kraft und stärke zeugt zu seinen schwächen zu stehen als die hinter irgend welchen blöden sprüchen oder gehabe zu verstecken. es wird immer menschen geben die damit nicht klar kommen, menschen die dich deswegen anfeinden. aber sowas gibt es immer und überall, egal wie du dich verhälst und was du tust. wer einen fehler an dir finden will der wird ihn finden.

ich lass solche menschen links liegen, oder würde denen, in deinem fall mit ner anzeige, ganz deutlich zeigen das ich mir sowas nicht bieten lasse. mich muß auch nicht jeder mögen, wozu auch, ich mag ja auch nicht jeden. meine lebensweisheit ist recht simpel. "ich bin nicht auf der welt um zu sein wie andere mich gern hätten." seitdem ich so lebe habe ich eine menge neue freunde gefunden, menschen die mit mir klar kommen so wie ich bin. bei denen ich mich nicht verbiegen muß. wir sind alle nicht "angepasst", wozu auch?

versuch nicht es anderen recht zu machen, dabei verbiegst du dich, und das bietet angriffsfläche. sei du selbst und gut. damit zurecht zu kommen ist dann nicht dein problem sondern das der anderen. du hast nen tollen beruf, da läßt sich was machen. orientier dich in ruhe und vor allem, lass diese provokation nicht auf dir sitzen. setz dich da durch, für dich und dein selbstwertgefühl.

doro
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dorothea hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben
Rollo36
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 06.03.2008
Beiträge: 55
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Wohnort: Allersberg - trocken seit März '08

BeitragVerfasst am: 02.06.2010, 09:55    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Vielen Dank für Eure Antworten,

zusammen mit der Hilfe meines Suchtberaters habt Ihr mir wichtige Denkanstöße gegeben!

Daß es nämlich mein Recht ist darauf zu bestehen, nicht so behandelt zu werden. Daß es in Ordnung ist wütend zu sein.

Und damit kam ich zur Erkenntnis eines wichtigen Kapitels meiner eigenen Psyche:

Es war mir bisher nicht möglich (trocken/clean) meine Gefühle NORMAL auszudrücken. Weshalb ich sie runterschluckte. Und weshalb sie als Heckenschützen wieder auftauchten, um, (von mir bewußt gar nicht wahrgenommen) in Unpassenden Momenten zurückzuschlagen.

Das macht die (Re)Aktion meiner Kollegen nicht besser. Aber es macht sie verständlich.

Und deswegen ist es mir vor Allem wichtig, mich meiner Angst vor dem Konflikt zu stellen. Den Konflikt durchzustehen, meinem Ärger Luft zu machen und für den Fall einer Wiederholung die von Euch angeratenen Konsequenzen anzusprechen.

Und selber für die Zukunft zu lernen, Konflikten und Meinungsverschiedenheiten nicht mehr auszuweichen. Oder mich in die Rolle des Lehrers, Besserwissers bzw. moralisch Höherstehenden zu flüchten. Dann verletze ich meine Mitmenschen weniger, und verhalte mich SO normal wie ich auch selbst behandelt werden möchte.

Und nachdem ich einen Höllenschiß davor habe, es mir fürchterlich vor nächstem Montag graust, ... ist das vermutlich genau der richtige Weg.
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Rollo36 hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben
Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 1024
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 02.06.2010, 10:36    Titel: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Rollo,

ich hab mich bisher in Deinem Thread mit Absicht nicht zu Wort gemeldet, jetzt möchte ich es tun.

Zitat:
Oder mich in die Rolle des Lehrers, Besserwissers bzw. moralisch Höherstehenden zu flüchten. Dann verletze ich meine Mitmenschen weniger, und verhalte mich SO normal wie ich auch selbst behandelt werden möchte.


Das war ehrlich gesagt mein erster Gedanke als ich Dein Eingangsposting gelesen habe und ich fand es recht heftig, dass gleich mit Klage gedroht wurde. Das dient Niemandem.

Bei Deinen ersten Zeilen hab ich eine enorme Arroganz herausgelsen, dass Du etwas Besseres wärst weil Du trockener Alkoholiker bist und andere Menschen die das nicht würdigen nur dumme Schuljungen. Hätte ich Dir das aber dort geschrieben, wärst Du wahrscheinlich nur sauer geworden. Jetzt merkst Du es selbst, dass der Umgang mit Deinen Ängsten verkehrt war und diese sich deswegen andere Ausdrucksformen suchen. Das tut weder Dir gut noch Deinen Mitmenschen und führt in Frustration und Einsamkeit, sicher ein Weg um trocken zu bleiben - doch sicher kein Weg um trocken und glücklich zu werden.

Der Streich den Dir Deine Kollegen gespielt habe war nicht ohne und ist nicht zu verharmlosen, das steht völlig ausser Frage. Wäre ich in dieser Situation würde ich ein offenes und ehrliches Gespräch suchen. Und zwar aus der Position der zwischenmenschlichen Offenheit heraus. Oder mit anderen Worten, nicht den Kollegen vor den Latz knallen was sie Dir Böses getan haben sondern zuerst meine Position darstellen, auch mit der Einsicht, dass ich mich in der Verganegnehit wie Graf Koks aufgeführt habe, ich das aber tat um mich zu schützen und ich erkannt habe, dass ich damit meinen Mitmenschen nur vor den Kopf stosse. Das schafft Verbundenheit weil Du so einen Schritt auf "die Übeltäter" zugehst. Anschliessend lässt sich leichter klar stellen, welche Auswirkungen ein solch böses Spiel für Dich haben kann.

Aber Niemand hört einem Menschen zu der andere Menschen von oben herab betrachtet. Ich verharmlose nicht was da passiert ist, das war übel und das solltest Du unbedingt ansprechen. Indem Du Dich dabei auf Augenhöhe mit diesen Spaßvögeln begibst, hast Du die Chance zu einer offenen und ehrlichen Kommunikation.

Zwischenmenschliche Konflikte sind das normalste auf der Welt. Um sie aufzulösen muss ich erst meinen Anteil daran erkennen, und ich habe immer einen Anteil daran.

Rechtliche Schritte bzw. ein Arbeistplatzwechsel sind im ersten Moment nur Fluchtreaktionen um dem tatsächlichen zwischenmenschlichen Konflikt aus dem Weg zu gehen. Diese Mittel machen erst als Ultima Ratio Sinn wenn eine Verständigung nicht möglich ist.

Liebe Grüße & viel Erfolg

Kaleu
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Kaleu hat zum Thema: Re: Der arrogante Abstinenzler – oder Erziehung auf Fränkisch geschrieben

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