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Iffiegenie
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 11.05.2010
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 28.06.2010, 22:41    Titel: Re: Es geht los! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich glaube schon, dass genau so meine "netten Mails" zustande kommen.
Das ist ja auch eines meiner Probleme: dass ich immer lieb, brav, artig, nett, freundlich sein will.

Es immer allen Leuten recht machen und dabei mich selber hinten anstellen.
Natürlich müsste ich den Mund aufmachen und Leuten auch mal sagen, was ich eigentlich meine.

Aber: damit riskiere ich ja, dass ich weggeschickt werde. Dass ich wieder eine Zurückweisung kassiere. Also bin ich nett und bin dann natürlich doppelt enttäuscht: zum einen, weil ich nicht kriege, was ich eigentlich will (weil ich das ja nicht sage...) und zum anderen, weil Nettsein anscheinend auch nichts hilft.

Wie gesagt: theoretisch ist mir vieles klar. Ich kann das nur nicht umsetzen. Weil es ja auch noch nie (???) was gebracht hat, wenn ich auf den Tisch gehauen habe, Verlässlichkeiten eingefordert habe.

Ich bewundere immer Menschen, die das können...
Vielleicht ist das Problem auch, dass ich gar nicht so richtig weiß, was ich will...

Denn eigentlich will ich ziemlich oft einfach nur in Ruhe gelassen werden. Und mein Freund ist auch so drauf, dass der ganz viel Zeit / Platz für sich braucht. Nun sehe ich aber bei meinen Freundinnen (viele sind´s ja nicht...), wie die ihre Beziehungen fahren: sich regelmäßig sehen, dauernd telefonieren, "Ich liebe Dich...".
Das ist NICHT, was ich will. Zumindest fühlt es sich so an, dass ich das genau nicht will.
Dann kommen aber die Mädels und fragen an, was das eigentlich ist, was ich mit meinem Freund habe. Eine Beziehung doch nicht, oder?
Wir sehen uns manchmal 6 Wochen nicht, telefonieren äußerst selten, schreiben ab und an mal ´ne Email. Mir reicht das. Da kann ich die ganze Zeit für mich rumkramen.
Das klingt dann aber eben auch nicht richtig. Also rede ich bei meinen Freundinnen auch das Ganze oft schön, erfinde auch manchmal Treffen, die es mit ihm gar nicht gab.
Und auf der anderen Seite "drängle" ich dann aber auch bei ihm, dass ich ihn öfter sehen will. Das wiederum nervt ihn und eigentlich will ich das ja auch gar nicht.

Auch hier: Nettsein, ihm alles recht machen, ihn nicht nerven, meinen Freundinnen alles recht machen, Nettsein, Lügen, um was vorzugaukeln, was gar nicht ist.

Die Probleme erkenne ich.
Die sind ja auch nicht neu.
Aber mittlerweile denke ich eben drüber nach.
Und dann fällt mir im Moment eben als Lösung nur ein, dass ich das alles beende: mit meinem Freund, mit meinen Freundinnen, mit meiner Mutter und mir einfach neue Leute suche und ganz von vorn anfange.
Und dann klammere ich mich aber daran fest, dass ich den Kerl ja schon ganz schön gern habe und dass ich bei meinen Mädels witzig sein kann und dass das Leben ja doch ganz schön schön ist, so wie´s eben ist.

Vertrackte Kiste - ich arbeite dran...
Iffiegenie
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Iffiegenie hat zum Thema: Re: Es geht los! geschrieben
Iffiegenie
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 11.05.2010
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 17.07.2010, 23:26    Titel: Re: Es geht los! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Viel Zeit ins Land gegangen.
Mein Therapeut hatte ein paar Tage Urlaub und hat mir vor der Pause geraten, mir eine Selbsthilfegruppe für Erwachsene Kinder zu suchen.
Weil er zwar als Profi natürlich drauf schauen könne, aber eben nicht selber solche Erfahrungen gemacht habe.
Das war noch vor dem Ende der Probesitzungen, also beim 3.Termin (5 Sitzungen sind Probe, dann wird spätestens entschieden, ob und wie es weitergeht.)
Mein Gedanke sofort: "Der schickt mich weg. Der findet, dass das, was ich erzähle, kleiner, dünner Kram ist, der will mit mir nicht arbeiten, hat mit mir jetzt nur noch einen Termin ausgemacht, damit die 5 Sitzungen voll werden..."

Ich habe ihn angelächelt und gesagt, dass ich mir eine Gruppe suche.
Aber eigentlich war ich enttäuscht und gekränkt.
Hatte aber eben auch wieder das Gefühl "Okeh, wenn er mir nicht helfen will, dann muss ich mir eben selber helfen. Ich werde ihm NICHT zeigen, dass ich getroffen bin..."

Nach fast drei Wochen war ich wieder bei ihm.
Er fragte wie es mir geht und da habe ich ihm mein Gefühl geschildert.
Schon mal nicht so leicht für mich und dann auch noch, dass ich es ihm persönlich sagen musste...

Er hat mich angeschaut wie ein Alien und gefragt, ob ich mich jetzt wirklich die ganze Zeit mit solchen Gedanken gequält hätte.
Er will mich natürlich (????) nicht wegschicken, sah die Gruppe nur als Unterstützung.

Was habe ich gelernt?
Mund aufmachen, Fragen stellen spart viele miese Gedanken.

Jedenfalls wird mein Therapeut eine tiefenpsychologische Therapie machen, zunächst mal angelegt auf etwa 1 Jahr.
Und wieder: endlich habe ich die "offizielle" Erlaubnis, dass ich mich schlecht fühlen darf, dass ich "tatsächlich was habe" und nicht nur rumspinne und dramatisiere.
Ich hoffe, dass ich das irgendwann auch mal ganz alleine kann, dass ich sagen kann "Ich bin wütend" oder "Ich will das / will das nicht".
Dass ich mich nicht immer erst rückversichern muss, dass meine Gedanken, Gefühle richtig sind oder wie ich auf Situationen angemessen reagieren soll / kann / darf.

Ich habe diese Woche noch zwei Erlebnisse gehabt, die mich eigentlich genau in diesem Vertrauen stärken sollten.
Hatte, vor Monaten schon, meine Betriebskostenabrechnung bekommen.
Die Verwaltung wollte sage und schreibe 1.500 € nachgezahlt haben.
Und dass, obwohl ich schon 10 Jahre in meiner Wohnung lebe und an meinem Heizverhalten / Wasserverbrauch / Müllaufkommen jetzt nicht so extrem was geändert habe.
Dazu muss man sagen, dass meine Vorauszahlungen schon bei fast 2.000 Euro im Jahr lagen.
Der wollte also wirklich fast den gesamten Betrag nochmal...
Ich habe das - wie immer - versucht auszusitzen.
Habe mich gar nicht gemeldet, auch nicht auf seine Mahnungen.
Falsch, das weiß ich, das ändert ja auch nichts an der Forderung...
Dumm vielleicht sogar.
Jedenfalls kam dann Post vom Anwalt.
Da musste ich reagieren.
Da hab ich genau das geschrieben: dass ich das unangemessen finde, quasi 100 % Nachzahlung zu fordern.
Ich habe maximal 500 € angeboten.
Nun kam die Antwort vom Anwalt, dass sich die Verwaltung damit einverstanden erklärt, dass damit die Angelegenheit erledigt ist.
Das hätte ich also schon viel früher haben können.
Einfach Mund aufmachen und fragen, was los ist.
Sicher wäre ich sogar noch mit weniger als 500 € davon gekommen. Naja.

Zweite Situation: Ich hatte gestern einen kurzen Dienstwechsel, von Spätdienst auf Frühdienst.
Blöde geplant und ich habe auch nicht um einen Wechsel gebeten (Plan kam schon vor ein paar Wochen raus...)
Gestern Morgen nun habe ich mir vorgenommen, meine Chefin zu fragen, ob ich wenigstens eine halbe Stunde eher gehen kann, damit ich den zeitigeren Zug schaffe und damit eine Stunde früher zu Hause wäre.
Es hat mich Überwindung gekostet und ich habe mir die schlimmsten Szenarien ausgemalt.
Dass die Chefin mit mir meckert, oder mich auslacht, fragt, wie ich denn auf so eine Idee käme.
War natürlich ganz das Gegenteil der Fall: SIE hat sich entschuldigt für die Fehlplanung und mir natürlich gestattet, den früheren Zug zu nehmen.

Und: wieder gelernt, dass fragen nicht schlimm ist, dass man da durchaus positive Antwort drauf bekommen kann.

Natürlich werde ich nicht auf jede Frage ein "JA" bekommen, aber NIE fragen bedeutet auch, NIE ein "JA" zu bekommen.
Ich frage mich allerdings, warum ich das nicht schon lange weiß...
Nein, frage ich mich nicht.
Ich durfte als Kind eben um nichts bitten oder wurde abgewiesen.
Oft war es ja auch so, dass eine einmal gefällte Entscheidung nicht automatisch auch für das nächste Mal galt.
Ich musste also immer wieder fragen und wusste nie, was passieren würde.
Und oft passierte es eben auch, dass ich für eine simple Frage Hohngelächter erntete, oder Schimpfe bekam oder Unverständnis, wie ich es wagen könne, sowas überhaupt zu fragen.
Also fragte ich irgendwann gar nicht mehr und reimte mir meine Antworten selber zusammen.

Verdammt, es ist noch ein weiter Weg.
Aber ich bin auf dem richtigen...
Danke für´s Lesen.
Iffiegenie.
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Iffiegenie hat zum Thema: Re: Es geht los! geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14430
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 18.07.2010, 01:16    Titel: Re: Es geht los! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Iffigenie

Zitat:
Natürlich werde ich nicht auf jede Frage ein "JA" bekommen, aber NIE fragen bedeutet auch, NIE ein "JA" zu bekommen.

Klasse Satz!

Freut mich für dich, daß du am Ball bleibst! Auch wenn es sich schwierig anfühlt nach all den schlechten Erfahrungen.

Gehst du jetzt zusätzlich in eine EK-Gruppe?


LG, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: Es geht los! geschrieben
Iffiegenie
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 11.05.2010
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 18.07.2010, 15:14    Titel: Re: Es geht los! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Linde,
vielen Dank für Deine Aufmunterung!
Ja, es fühlt sich tatsächlich extrem schwer an, was da gerade passiert.
Weil ich ja ganz viel von den schlechten Erfahrungen ganz unten im Lebenssack vergraben habe. Und ewig lange gar nicht wusste, dass mit mir überhaupt was los ist.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich über meine Schwester die Nase gerümpft habe, als sie vor vielleicht 15 Jahren die erste Therapie angefangen hat.
Ich hielt sie einfach für exzentrisch, überspannt, sonstwas. Ich habe ihr sogar unterstellt, dass sie auf psychische Probleme "macht", weil sich körperlich einfach nichts feststellen ließ, mit dem sie sich interessant machen könnte.
Ich leiste heute Abbitte dafür, erstmal nur im Stillen bei mir und hier, aber ich denke, dass ich in nächster Zeit meiner Schwester das auch mal sagen werde...

Zu Deiner Frage: ich will eigentlich zu einer Gruppe gehen, weil ich will, dass es mir besser geht. Allerdings trifft sich die Gruppe hier donnerstags 19 Uhr. Und da arbeite ich entweder noch oder schon (ich schichte entweder von 12 bis 20 Uhr oder von 20 Uhr bis 4 Uhr).
Ich weiß auch nicht, wie ich mir das vorgestellt habe, wann die sich treffen: morgens um 8 vielleicht??? Zumal ich auch am Wochenende nicht kann, da ich mindestens 2 Wochenenden im Monat arbeiten gehe.
Auch hier: da muss ich mal dran arbeiten, ich nehme mir viel zu wenig Zeit für mich...
Zu meinem Therapeuten gehe ich meist morgens um 8. Nach der Nachtschicht. Irgendwie habe ich da immer eine ganz eigenartige Stimmung: hundemüde und trotzdem aufgedreht und das tut dem Redefluß wiederum sehr gut...

Was ich außerdem mache: ich habe mich bei einem Onlinemeeting von Al-Anon angemeldet. Da kommen jeden Tag bis zu 30 Mails von Menschen, die dieselben Probleme wie wir alle haben und an den unterschiedlichsten Stellen der Genesung sind.
Ich habe bisher noch keinen eigenen "Beitrag" geschrieben, aber das kommt bestimmt bald.
Ich lese auch nicht immer jede Mail bis zum Schluß, wenn ich merke, das Thema des Beitrags interessiert mich nicht ganz so, dann lösche ich das.

Das ist ebenfalls so eine Sache, die ich im "echten Leben" auch mal hinkriegen muss: sagen, wenn mich der Monolog eines Gesprächspartners mal nicht so interessiert. Aber das halte ich dann immer für unhöflich. Dabei könnte ich das ja auch ganz freundlich sagen.

Naja, ich merke jeden Tag, dass ich noch viel Lernarbeit vor mir habe. Und ich bin immer noch jeden Tag wütend auf meine Eltern, dass ich das nicht alles schon früher lernen durfte, sondern mir das mühsam in meiner zweiten Lebenshälfte alles aneignen muss.

Aber wenigstens habe ich erkannt, dass es andere, schönere Wege gibt und das macht mich sehr hoffnungsvoll für die Zukunft.

Vielen Dank jedenfalls dafür, dass ich hier teilen / mitteilen darf, das hilft ungemein, für etwas mehr Klarheit im Köpfchen zu sorgen!

Iffiegenie
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Iffiegenie hat zum Thema: Re: Es geht los! geschrieben

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