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Wodka in der LZT?

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Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 1024
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 12:59    Titel: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo allerseits,

jemand aus unserer SHG ist zur Zeit in der LZT. Ein Anderer aus unserer SHG war ihn neulich besuchen und erzählte von einigen Neuerungen in dieser Klinik.

So werden - wohlgemerkt - ausgewählte Patienten in einen Laden geschickt um sich völlig legal, also abgesegnet von der Klinik, eine Flasche ihres Lieblingsfusels zu kaufen. Anschliessend dürfen sie völlig allein den Abend und die Nacht auf dem Zimmer verbringen. Gemütlich, allein, mit Fernseher und eben jener Flasche Fusel. Es ist ihnen auch gestattet den Schnaps zu tinken. Wenn sie wollen auch vollständig, je nach Lust und Laune ohne aus der LZT zu fliegen. Anschliessend soll das was dann geschieht natürlich therapeutisch aufgearbeitet werden.

Jetzt lässt mich das nicht mehr los und ich frage mich tatsächlich - welchen Nutzen soll das haben und was soll das tatsächlich bringen? Konfrontation mag ja bei einer Flugangst oder Spinnenphobie Sinn machen, aber das hier?

Ich hab mich da mal ernsthaft reinversetzt. Was würde ich tun, wie würde es mir gehen? Zuerst mal würde es mir allein schon beim Kauf des Fusels echt mies gehen. Ich hab einen innerern Widerstand aufgebaut Alkohol zu kaufen über den ich eigentlich glücklich bin da er für mich hilfreich ist. Diesen Widerstand müsste ich schon beim Kauf brechen. Allein das halte ich schon für schädlich.
Dann der Abend mit der Flasche Fusel im Zimmer. Ich würde ihn aller Wahrscheinlichkeit nach nicht trinken. Aber der Abend wär ziemlich unangenehm für mich. Einer der Gründe warum ich den Alkohol nicht trinken würde, wäre unter anderem, dass ich keine Lust auf das anschliessende Gelaber der Ärzte bzw. Therpauten bei der anschliessenden Aufarbeitung der Geschehenisse hätte. Ich würde also den Abend vermutlich zwar trocken aber auch mit einem enormen inneren Zwiespalt und Druck verbringen. Ob dieser Druck sich in Saufdruck verwandeln und ich letzten Endes doch trinken würde vermag ich nicht zu 100% vorherzusagen.

Das was mich tatsächlich beschäftigt, was soll das bringen? In meinen Augen bringt das dem Alkoholiker überhaupt nichts sondern lediglich dem Therapeuten. Das Ganze ist sowas von gestellt, dass das Ergebnis nichts aussagen würde, was im Leben und Alltag des Alkoholikers überhaupt eine Rolle spielt. Welcher Alkoholiker der wirklich trocken bleiben will, setzt sich denn bewusst und mit voller Absicht einem solchen Risiko aus? Egal ob der Alkoholiker in diesem Versuch nun trinkt oder nicht, bedeutet das noch lange nicht, dass er sich später in seinem Leben genauso verhalten würde. In diesem speziellen Fall kommt ausserdem noch dazu, dass dem Alkoholiker ja bewusst ist, dass er zwar darf, aber unter Beobachtung steht und es anschliessend rechtfertigen muss.

In meinen Augen ist das wie ein völlig nutzloser und zudem gefährlicher Laborrattenversuch in dem der Alkoholiker die Ratte ist und der Therapeut der Laborant.

Was meint ihr dazu?

Liebe Grüße

Kaleu
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Kaleu hat zum Thema: Wodka in der LZT? geschrieben
dorothea
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 7472
Alter: 48
Wohnort: Salzgitter

BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 13:08    Titel: Re: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo kaleu

ich stimm dir da zu, ich halte davon auch nicht all zu viel da es eben, aus den von dir genannten gründen, sicher kein ergebnis gibt das wirklich aussagekräftig ist. ich gehe mal davon aus das das sicher gut gemeint ist, aber es zeigt letztendlich mal wieder, das auch der beste therapeut eben nicht nachvollziehen kann was im kopf eines abhängigen tatsächlich vorgeht. eine therapie ist sicher für viele wirklich hilfreich, aber letztendlich ist es dann doch der austausch unter betroffenen der die sache rund macht.

doro
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dorothea hat zum Thema: Re: Wodka in der LZT? geschrieben
Xenica
Gast






BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 17:18    Titel: Re: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Meine persönliche Rückfallprophylaxe besteht darin keinen Alkohol in meiner Nähe zu haben, schon gar nicht in Reichweite oder auf dem Zimmer.
Mich regt das furchtbar auf, wenn ich mir vorstelle, ich wäre da in Therapie und soll mir den Teufel sogar noch kaufen. Verführung pur. Ich wüßte nicht, ob ich trinken würde. Wahrscheinlich doch. Deswegen kaufe ich ja keinen Alkohol und meine Wohnung ist alkoholfreie Zone.
Dieser eine therapeutisch motivierte Rückfall kann der letzte sein und danach kommt vielleicht das Grab und was dann?
Ne, sowas regt mich echt auf
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Xenica hat zum Thema: Re: Wodka in der LZT? geschrieben
zimmerer70
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 10.04.2010
Beiträge: 26
Alter: 41
Wohnort: wismar

BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 18:59    Titel: Re: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi ich melde mich da auch mal zu wort..... Winken
ich war ja schon öfters inner stationären terapie...aber vonner klinik...die ihre patienten anregt alk..zu kaufen & dan noch zu konsumieren...habe ich noch nie gehört..... Böse
irgendwie kann ich das auch nicht so recht glauben, da entzugsklinken einer ständigen kontrolle unterliegen und jedes jahr 1x überprüft werden...
auch würde nach bekannt werden solcher vorgehendsweise...die leistungsträger sprich knappschaft...lva..usw.,ihre patienten nicht mehr in diese einrichtung schicken....das wäre des klinikende..... Mr. Green
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zimmerer70 hat zum Thema: Re: Wodka in der LZT? geschrieben
Gänger
Gast






BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 20:01    Titel: Re: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich stelle mir gerade folgendes vor: Ich trinke den Inhalt der Flasche und sitzte am nächsten Tag mit einem Kater, einem schlechten Gewissen und dem Gefühl versagt zuhaben, vor dem Therapeuten. Das Geschehnis wird in ein paar Gesprächsstunden "aufgearbeitet" und mir fängt es an besser zugehen.

Was hätte ich dann daraus gelernt?

Im schlimmsten Fall doch die Erfahrung, dass ein Rückfall gar nicht so schlimm ist und ich einen Weg kennen gelernt habe, danach wieder aufzustehen, denn das würde ja geschehen.
Vielleicht soll das ja auch der Sinn dieser Übung sein, nur wird dabei wohlmöglich vergessen, dass man im Leben nach der Therapie nicht rund um die Uhr von Ärzten umgeben ist.

Ich finde, dass sich die Therapeuten mit dieser Aktion einer Aufgabe verschrieben haben, die sie nicht leisten können und dabei sogar Kontraproduktives leisten.

Natürlich sind meine Gedanken dazu nur Spekulationen.

Oliver
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Gänger hat zum Thema: Re: Wodka in der LZT? geschrieben
Martin
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 23.01.2007
Beiträge: 10044
Alter: 47
Wohnort: Frankfurt a. M.

BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 20:40    Titel: Re: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kaleu,

ich habe mal vor 2-3 Jahren eine Reportage aus Russland gesehen.

Die haben das dort genau so gemacht, waren wohl noch der Meinung dass Alkoholismus eine Frage des Willens ist.

LG Martin
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Martin hat zum Thema: Re: Wodka in der LZT? geschrieben
Martha66
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 02.12.2009
Beiträge: 3784

BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 22:04    Titel: Re: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Lieber Kaleu,

das ist ja interessant was Du da schreibst, immer wieder neue Therapieverfahren.....

Weisst Du nach welchen Kriterien die Patienten ausgesucht werden und weisst Du, wieviele tatsächlich getrunken haben? Das fände ich spannend zu wissen.

Erklären könnte ich es mir folgendermassen.

Es werden speziell Patienten ausgewählt, bei denen sich die Ärzte ziemlich sicher sind, dass sie das Trinken wirklich aufhören wollen und darin auch fest und stabil sind (sicher kann man nie sein, aber gehen wir jetzt mal davon aus..)

Gehen wir davon aus, dass der Patient den Abend ohne die Flasche angerührt zu haben verbracht hat.

Ich könnte mir denken, dass es als Ankerübung dienen soll.

Der Patient der aus der LZT kommt, kann ja auch jeden Tag losmarschieren und sich Alkohol besorgen. In dieser "Übung" hier wird er ganz bewusst mit dem alltäglichen Leben konfrontiert - Hat er keinen Alkohol getrunken soll es wahrscheinlich eine Art "remembering" für ihn sein.

Also wenn der Patient unter "Saufdruck" kommt oder mit Alkohol konfrontiert wird, er sich sofort an diese Situation erinnert und weiss, dass er es geschafft hat nichts zu trinken, obwohl die Flasche vor ihm stand und er sie nicht angefasst hat - es ging auch ohne.

Anders kann ich es mir nicht erklären, oder ob es als Test dienen soll, wie stabil der Patient wirklich ist?

Es steht mir nicht zu, das zu bewerten...

Liebe Grüsse Martha
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Martha66 hat zum Thema: Re: Wodka in der LZT? geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 10681
Alter: 49

BeitragVerfasst am: 30.04.2010, 22:12    Titel: Re: Wodka in der LZT? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kaleu

ich halte nichts von Menschenversuche , bei dem das scheitern der Tod sein kann. Wer trotz besseren Wissens, solche Konfrontationsmaßnahmen zu Testzwecken missbraucht, lässt das Suchtgedächtnis als eine Willensschwäche dastehen.

Aber das Rad wird ja bekanntlich jeden Tag neu erfunden .

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Wodka in der LZT? geschrieben

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