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Selbstbetrüger
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 12.03.2006
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 12.03.2006, 15:25    Titel: Neu hier und auf der Suche Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo @ all,

nun will ich mich etwas näher vorstellen und ein paar Worte über meine Geschichte mit dem Alkohol verlieren.Auch möchte ich diese Zusammenfassung zur Selbstreflektion nutzen,also bitte nicht sauer sein,wenn ich zwischendurch ein wenig abschweife,denn so in Kompaktheit habe ich mich mit dem Problem des Alkohols (mich betreffend) noch nicht auseinandergesetzt.

Ich bin 31 Jahre alt und mache momentan eine schulische weiterbildung.
Alkohol spielt schon seit meiner frühesten Kindheit eine prägende Rolle in meinem Leben,denn mein Vater war Alkoholiker und an seinem Beispiel habe ich gesehen,was der Alkohol aus einem Menschen machen kann und hätte eigentlich daraus lernen müssen.Das habe ich nicht getan.Mein Vater ist,ein Jahr nachdem meine Mutter sich auf mein Betreiben hin von ihm getrennt hat und nach einem erfolglosen Entgiftungsentzug,an einem Krampfanfall gestorben.Ich habe ihm damals keine Träne nachgeweint,heute schon,denn ich weiss nicht wer er war,obwohl wir 14 Jahre zusammen gelebt hatten und würde es gerne wissen.Ich hatte damals zu meiner Mutter gesagt,das sie sich entweder trennen solle und mit meinem Bruder und mir wegzieht oder ich gehe in ein Heim.Ich hatte die Krampfanfälle und Halluziantionen bei meinem Vater nicht mehr ausgehalten,ausserdem gab es damals neben psychischer auch physische Gewalt und es sah so aus,dass diese immer schlimmer wird.
Aufgewachsen bin ich bis dahin in einem schwachen sozialen Umfeld und dementsprechend hatte ich auch meine Zukunft gesehen.So kam ich in dem Alter auch zum ersten mal in Kontakt mit Alkohol und fand in ihm einen Weg,die ganze vermeintliche Trostlosigkeit um mich herum zu vergessen.Mein Freundeskreis war entsprechend und ich bin in der Schule vom kompletten Einser-Gymnasiaten total abgerutscht,so das ich erst die Schulform wechselte und dann auch dort,auf der Realschule,zum Halbjahr fast nur Sechsen hatte.
Nach der Trennung und dem Umzug in eine neue Stadt habe ich einen Kick bekommen,habe mich innerhalb eines halben Jahres von allen sechsen auf dreien runtergearbeitet.Dieser Schub hielt allerdings nicht lange an,denn ich fand auch in der neuen Umgebung genau das,wonach ich wohl insgeheim gesucht habe:Einen Freundeskreis,indem ich mein ganzes Selbstmitleid ausleben konnte.Es wurde wieder viel getrunken,manchmal während der Woche,immer an den Wochenenden und das durchgehend.
Mit ach und krach habe ich den Hauptschulabschluss geschafft und danach einen Beruf gelernt,den ich nicht mochte.Die Abläufe waren in den Jahren immer dieselben:Die Woche über gelegentliches Trinken und am Wochenende in Massen.
Im Laufe dieser Zeit sind auch 2 Dinge passiert,die bei mir zu einer posttraumatischen Belastungsstörung geführt haben,die mich jahrelang (bis letztes Jahr) belastet hat,die ich allerdings nach mehreren stationären,teilstationären und ambulanten Therapien bewältigen konnte und die mir Heute keinerlei Probleme bereitet.
Ausserdem hat sich damals bei mir eine Angstkrankheit entwickelt,eine soziale Phobie.Von der dachte ich eigentlich immer,das sie ein Randprodukt der posttr. Bel.störung wäre,je mehr ich darüber nachdenke komme ich allerdings zu dem Schluss,das sie durch den Alkoholkonsum und dessen Randerscheinungen entstanden ist.Wenn ich damals betrunken war,dann war ich ein Held,wortgewandt,eloquent,hatte immer gute ideen etc.Das widersprach meinem eigentlich ruhigen Naturell und mir hat es einfach besser gefallen,wie mich die Leute dann annehmen.Also habe ich gerne getrunken weil ich gerne der Held war und wenn ich nüchtern war war ich eben nicht mehr der lockere Kerl.Ich setzte mich stark unter Druck und hatte nur noch Angst,Angst davor nicht anerkannt zu sein.Also war ich entweder betrunken oder bin mit einer Maske rumgelaufen.
Ein weiteres großes Problem war meine spielsucht.Mit 17-18 Jahren habe ich eine weitere Fluchtmöglichkeit erkannt,nämlich das Spielen.Es war so unglaublich geil,wenn ich beim spielen etwas gewonnen habe,es war eine Art der Anerkennung."Gewonnen" habe ich letztendlich gar nichts,lediglich einen großen Schuldenberg habe ich angehäuft.Daraus entwickelte sich auch der Kreislauf,dass ich erst spielte und dann,um meinen Niederlagenfrust zu bewältigen,ich mich betrunken habe.
Nach deer Ausbildung bin ich zur Bundeswehr und habe mich als Zeitsoldat verpflichtet.Die Routine war in etwa so,das ich durch viele auslandseinsätze meist 3 Wochen nüchtern war um mich dann 3-4 Tage lang zu betrinken.In dieser Zeit wurde auch die Angstkrankheit immer stärker,so dass es mir nicht mehr möglich war,in Gegenwart anderer oftmals zu essen und zu trinken,ausser Alkoholisiert.
Nach Beendigung meiner Dienstzeit habe ich diese schulische Ausbildung begonnen,welche ich aber nach kanpp einem Jahr erstmal abbrechen musste wegen der Angstkrankheit.Ich habe danach knapp 2 Jahre lang Therapie gemacht,in einer der stationären therapien habe ich nebenbei auch eine Spielsuchttherapie mitgemacht.Ich hatte zu diesem Zeitpunkt selten gespielt,wusste aber um die Gefahr.Gelernt habe ich nichts daraus,im Gegenteil habe ich danach exzessiver gespielt als je zuvor.
Die Angsterkrankung bin ich nicht losgeworden,allerdings später dann in einer ambulanten Theraie die posttrumatische Belastungsstörung.
Anfang letzten Jahres habe ich meine Freundin verloren,die letztendlich keine Kraft mehr hatte.Sie hat alles miterlebt,mein ganzes selbstzerstörerisches Verhalten und hat nach 5 1/2 Jahren einen Schlusstrich gezogen.Ich bin dann umgezogen und habe die ersten 3 Monate nur mit trinken verbracht,also habe einen Tag getrunken,wurde einen Tag lang nüchtern und habe dann wieder getrunken.
Ende letzten jahres habe ich meine Weiterbildung wieder aufgenommen,seitdem trinke ich mir jeden Freitag den stress von der Seele,bin dann Samstags und Sonntags dabei auszunüchtern.Und ich merke,das mir dieser Rhytmus nicht mehr reicht,ich habe das nun schon dreimal während der Woche gemacht und habe anschliessend den Rest der Woche gefehlt.
Kurzum:Erst wollte ich schreiben "es entgleitet mir",letztendlich merke ich aber,wenn ich mir das alles vor Augen halte,dass ich mein Leben noch nie wirklich im Griff hatte und es nur noch schlimmer zu werden droht.
Die Kombination Alkohol-Spielsucht ist für mich in keinster Weise kontrollierbar,so,wie ich es eigentlich immer dachte.
Die Spielsucht alleine und im nüchternen Zustand kann ich zumindest unterdrücken,aber in Kombination mit Alkohol habe ich dazu absolut keine Chance.

Nun habe ich eine Menge geschrieben und merke selbst,dass sich vieles nach ausreden suchen anhört.So ist es nicht gemeint,wenn ich von meinem Vater schreibe dann nur als Teil meines Lebens,nicht als denjenigen,der für mein leben verantwortlich ist.Genauso geht es wenn ich um Freundeskreise schreibe.Die Verantwortung an der Handlung trägt der Handelnde.

Handeln...dies ist nun ein erster Schritt dem weitere folgen müssen.Wie die genau auszusehen haben weiss ich noch nicht,das ist nunmal einer der Gründe warum ich hier schreibe.
An einen arzt kann ich mich nicht wenden da ich nur zu 75% versichert bin und 25% jeglichen Arztbesuches oder Behandlung selbst zu zahlen habe.Das ist für mich (im Moment) absolut nicht im Bereich des möglichen.
Ausserdem merke ich,dass mir Möglichkeiten fehlen,bzw. ich diese nicht sehe,mich mit mir selbst zu beschäftigen.Ich habe keine Hobbys und in der neuen Stadt kaum Leute,die ich kenne.Die,die ich kenne führen ihr eigenes Leben.Durch die Angsterkrankung fehlt mir auch die Fähigkeit,auf andere Menschen zu zugehen.

So,das soll es für das Erste gewesen sein.
Über einen regen Gedankenaustausch würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße,
Selbstbetrüger
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Selbstbetrüger hat zum Thema: Neu hier und auf der Suche geschrieben
Joachim
Gast






BeitragVerfasst am: 12.03.2006, 16:37    Titel: Re: Neu hier und auf der Suche Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Selbstbetrüger,

ich möchte Dich hier im Forum begrüssen.
Sei herzlich Willkommen.

Du hast ja selber schon erkannt, dass Handeln angesagt ist, denn auf lange Zeit wird es Dich nicht weiter bringen nur mit dem Trinken aufzuhören.
Da Du ja in einem anderen Themenbereich schon einen thread eröffnet hast, wirst Du dort auch sicher noch einige Antworten auf Deine Fragen bekommen.
Also hier einstweilen nochmals Willkommen und alles Gute für Deinen weiteren Weg.

Gruss Joachim
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Joachim hat zum Thema: Re: Neu hier und auf der Suche geschrieben
Selbstbetrüger
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 12.03.2006
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 12.03.2006, 19:32    Titel: Re: Neu hier und auf der Suche Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Joachim,

danke für die Willkommensgrüße.
Ja,ich denke auch,das "einfach nur aufhören" nicht die Lösung ist sondern nur ein Schritt auf dem Weg.
Ich habe nun schon einiges hier im Forum gelesen und bin fasziniert von der Ehrlichkeit,wie hier mit anderen und vor allem auch sich selbst gegenüber umgegangen wird.

Viele Grüße
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Selbstbetrüger hat zum Thema: Re: Neu hier und auf der Suche geschrieben

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