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Morphling
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.02.2010
Beiträge: 11
Alter: 33
Wohnort: Dieburg

BeitragVerfasst am: 27.03.2010, 19:48    Titel: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Morgen höre ich auf.

Schöner Satz, kennen wir sicher alle sehr gut.

Mein Name ist Andreas, seid mir alle sehr gegrüßt. Ich lese hier schon eine Weile mit und fange nun einfach mal einen Thread an, weil ich für meinen Teil weiß, dass mir Sprechen und Schreiben über das Thema hilft.

Ich trinke seit ich denken kann. Den ersten bewussten Missbrauch hatte ich mit 13, aus Liebeskummer. In der Folge die üblichen Themen, Dosis erhöhen, richtig was wegstecken können, hab ja nie einen Kater und kann jederzeit aufhören. Außerdem sind ja Alkoholiker die Typen auf der Parkbank.

Eine neue Qualität ist deutlich der Kontrollverlust. Wo mir vor ein paar Jahren noch eine handvoll Bier genügte, gibt es heute kein Halten mehr, wenn begonnen. Meine Liebste, die unter dem Druck aufgeben musste und nach einem phantastischen Jahr wieder bei ihrer Familie lebt, half mir zur Einsicht. Ja, ich bin süchtig. Mir hilft kein Mensch, nur ich kann das. Dazu gehe ich seit ein paar Monaten zur Caritas, habe stationäre Entgiftung gemacht und werde für 6 Wochen in ein Haus in Bensheim gehen. Anders geht es nicht. Es gab immer mal Pausen, 3 Tage, 14 Monate. Aber nie wirklich die Probleme in den Griff genommen. So kommt's wie es kommen muss: es ändert sich nix und geht immer weiter bergab.

Ich weiß nicht, wo und wann der Tiefpunkt ist und ob es mal langsam reicht. Ich wollte das Wochenende gerne bei ihr sein, wir sind noch zusammen. Habe aber abbrechen müssen, weil ich die letzte Woche gesaut habe und natürlich nicht zu knapp. Nun warte ich auf ihren Rückruf, sie hätten mich ohnehin nicht reingelassen. Und da stehe ich nun. Belämmert und ängstlich, wohl wissend, dass ich alles haben kann, wenn ich es lassen kann. Aber ich kann es nicht. Es sind keine Kneipen zu umgehen, keine Leute zu meiden. Seit ich trinke, tue ich es alleine und in Heimlichkeit. Was mir am schwersten fällt, ist, dass es eine Familie und eine wunderbare, die wunderbarste Frau auf der Welt gibt und sie mich (noch??) liebt. Und ich KANN nicht alleine sein. Muss es aber aushalten. Mir erscheint dies unwirklich, unschaffbar. Wie kann man das stemmen? Wie soll ich mich denn aushalten, bei all dem Scheiß, den ich anstelle.

Sie wird anrufen und ich fürchte, dann habe ich den Einsatz tatsächlich super erhöht. Update: Sie schrieb gerade, dass ich morgen kommen könnte, aber wehe ich stinke. Gottlob! Sie wirft mich also noch nicht heraus. Aber langt das? Ist hier weit genug unten?

Ich freue mich tatsächlich sehr auf die Klinik. Ich hasse solches Umfeld ja sehr, bin ein großer Freund von eigenem Bad und selbstbestimmtem Leben.

Aber ehrlich. Was ist schon selbstbestimmt an meinem Leben? Eben.

Wenn ich darf, möchte ich hier gern weiter posten was so läuft und freue mich jederzeit über Eingebungen und gute Ideen. Es wird alles gut, davon bin ich überzeugt. Im Moment ist's nur leider etwas düster, soviel muss ich eingestehen. Aber ich will mir keine miesen Vibes geben, nur heute erleben.

Ich bin gespannt umd freue mich über jeden Tipp!
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Morphling hat zum Thema: Dann mal los. geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 10681
Alter: 49

BeitragVerfasst am: 27.03.2010, 22:25    Titel: Re: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Morphling,

heißt das nun das du nun wieder trinkst ?
Wann hast du das letzte mal was getrunken?

Es ist irgendwie widersprüchlich zu deiner Post im Vorstellungsbereich.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Dann mal los. geschrieben
hoppegarten
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.07.2009
Beiträge: 221
Alter: 30

BeitragVerfasst am: 28.03.2010, 00:37    Titel: Re: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Morphling,

mir ist eine Schlüsselaussage in deinem thread aufgefallen.

"..., wohl wissend, dass ich alles haben kann, wenn ich es lassen kann. Aber ich kann es nicht."

Du solltest verinnerlichen, dass du definitiv Gefahr läufst, alles zu verlieren, was Dir lieb ist, wenn du weiter trinkst.
Du solltest auch verinnerlichen, dass deine Frau irgendwann nicht mehr die Türen für dich öffnet. Irgendwann ist Schluss und irgendwann ist alles zerstört.
Ich spreche diesbezüglich aus persönlicher Erfahrung.

So etwas wie "ich kann es nicht" gibt es nicht.
Mit dieser Überzeugung wird Dir die beste Unterstützung (ob privat oder professionell) nichts bringen.

Ich glaube, dass das Beenden einer Sucht mit der Selbsteinschätzung "ich kann nicht" nicht möglich ist.

Die Rechnung ist an sich trivial, aber effektiv.
Mit Alkohol ist nichts an deinem Leben selbstbestimmt.
Dies ist nur ohne Alkohol möglich.
Und dies liegt nur, wirklich nur in deiner Hand.

Besten Gruß
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hoppegarten hat zum Thema: Re: Dann mal los. geschrieben
tegan71
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 15.03.2010
Beiträge: 21

BeitragVerfasst am: 28.03.2010, 08:13    Titel: Re: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Morphling,

für mich klingt Dein Posting auch so, als hättest Du eine Entgiftung hinter Dir und danach doch wieder getrunken. Nicht sonderlich gut, um es mal Milde auszudrücken. Eigentlich war die Entgiftung dann verschwendete Energie und verschwendete Krankenkassenbeiträge. Wie oft möchtest Du denn noch eine Entgiftung machen?

Aber nun mal zu meinem eigentlichen "Anliegen":

Morphling hat Folgendes geschrieben:
Aber ich kann es nicht. Es sind keine Kneipen zu umgehen, keine Leute zu meiden. Seit ich trinke, tue ich es alleine und in Heimlichkeit.


Wenn Dir Trockene schreiben, dass Du Dein Leben ändern musst, dann meinen sie nicht zwingend, dass Du Kneipen und Saufkumpanen meiden musst, wenn Du solche nicht hast.

Auch ich habe so gut wie immer alleine getrunken. Ich habe keinen Keil zwischen Bekannte / Freunde und mir getrieben. Ich meide keine Orte, an die ich früher gegangen bin, einfach aus dem Grund, weil ich mit diesen Leuten und Orten keinen Alkohol assoziiere.

Dennoch habe ich Dinge in meinem Leben geändert. Früher saß ich allein zu Hause und hatte teilweise Langeweile. Wusste nichts Rechtes zu tun. Heute mache ich mir im Laufe des Tages einen Plan, was ich nach der Arbeit, am Abend oder am Wochenende mache. Das sind bei mir keine hochtrabenden Dinge, aber ich nehme mir beispielsweise vor, einen Film zu sehen und Tee zu trinken, dazu eine Tüte Erdnuss FLips, oder aber, zu laufen und danach abzuwaschen. Ich habe Ordnung in mein Leben gebracht.

Wenn Du immer alleine und heimlich getrunken hast, dann solltest Du es vielleicht vermeiden, alleine zu sein und mehr mit Bekannten oder Freunden zu unternehmen, oder (falls Du nur zu Hause getrunken hast), einfach mal raus von dort. In die Stadt, Dinge unternehmen ...

Ändern musst Du etwas, das sollte Dir klar sein.

Was ich auch sehe ist ein bisschen die fehlende Motivation. Warum willst Du aufhören mit Trinken? Weil Du sonst Deine Freundin verlierst? Mein Gott, Du bist dreißig. Wenn Du Deine Freundin verlierst, dann wirst Du auch wieder eine neue Freundin finden. Das klingt hart, ist aber so (ich spreche da aus Erfahrung). Wenn Du aber weiter trinkst, dann wirst Du irgendwann weitaus mehr verlieren als Deine Freundin und die Kontrolle. Du wirst Dinge verlieren, die Du nicht einfach so wieder bekommst - aber ich denke, tief in Deinem Inneren weißt Du das, oder?

Andreas
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tegan71 hat zum Thema: Re: Dann mal los. geschrieben
kossi
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 08.01.2010
Beiträge: 325
Alter: 48
Wohnort: südlich von münchen

BeitragVerfasst am: 28.03.2010, 11:13    Titel: Re: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Andreas,
gehe zur Suchtberatung, mach Ernst und werde trocken.
Wenn Du so weiter machst wirst Du alles verlieren was Dir wichtig ist.
Habe selbst seit meiner Kindheit getrunken, über 30 Jahre lang. Hätte meine Familie und Arbeit verloren, hätte ich weiter getrunken.
Alleine ist es sehr schwer, hole Dir Hilfe. Deine Liebe hat Dir schon gezeigt, dass sie Deinen Konsum nicht duldet.
Mache es auch für Dich, Du wirst spüren wie schön das Leben ohne Alkohol ist.
Du hast Dein Problem erkannt und weist das Du Alkoholiker bist. Du weist auch das wenn Du so weiter trinkst, machst Du Dir Deine Gesundheit und Dein Leben weiter kaputt.
Grüße Wolfgang
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kossi hat zum Thema: Re: Dann mal los. geschrieben
Rollo36
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 06.03.2008
Beiträge: 55
Alter: 40
Wohnort: Allersberg - trocken seit März '08

BeitragVerfasst am: 28.03.2010, 16:19    Titel: Re: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Auch wenn es fuer den nassen Geist zynisch klingen mag, aber aufhoeren ist eigentlich garnicht so schwer.

Du brauchst nur ein paar Dinge beherzigen.

Erstens solltest Du es wollen. Also nicht nur wissen was zu tun ist, sondern es wirklich wollen.
Infolge dessen auch nicht sagen: "Morgen hoere ich auf", sondern; "Ich hoere jetzt damit auf!"

Und auch nicht fragen: "Bin ich schon weit genug Unten?" sondern fuer Dich feststellen: "Mir reichts jetzt!"

Zweitens muss Dir klar werden, dass Du ohne die Hilfe Anderer da nicht mehr rauskommst.

Und Drittens solltest lernen den Menschen die Du um Hilfe bittest auch zu vertrauen.

Wenn Du entziehst, dann hast Du die Chance den ungewohnten Zustand der Nuechternheit zu nutzen und Dich gegen die Schlingen und Fallen von Schluesselreizen und Suchtdruck zu wappnen. Das nennt sich Therapie. Und deshalb vertraue den Therapeuten und halte Dich an die Regeln auch wenn Du das Gefuehl haben solltest das sie Deine Freiheit einschraenken.
Das alles kannst Du freien Willens tun. Wenn Du nuechtern bleibst.

Wenn Du stattdessen aber auch nur einen Winzigen Schluck Alkohol trinkst, dann begibst Du dich sofort von der Ebene des freien Willens in den Zustand der Abhaengigkeit.
Sobald Ethanol durch Deine Blutbahn schwappt, KANNST Du Dein Trinkverhalten nichtmehr willentlich steuern.

Du wirst Dich wieder selbst beluegen, aus Scham im Geheimen trinken und zerknirscht beteuern: "Jetzt hab ichs ganz bestimmt kapiert. Und Morgen hoer ich auf.
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Rollo36 hat zum Thema: Re: Dann mal los. geschrieben
Morphling
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.02.2010
Beiträge: 11
Alter: 33
Wohnort: Dieburg

BeitragVerfasst am: 30.03.2010, 15:01    Titel: Re: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo auch & danke für die vielen Antworten!

Um das Bild zu vervollständigen: ich bin seit Ende 2009 bei der Caritas in Behandlung. Dazu gehe ich Montags zum Kreuzbund (bringt mir aber nicht so viel, zuviel MPU dort) und donnerstags zu den AA in Dieburg. Diese bringen mir deutlich etwas, weil sie einen sehr an die Hand nehmen. Der Plan war erst, eine ambulante zu machen wg. dem Arbeitgeber. Mittlerweile bin ich aber sowiet, dass wir auf 6 Wochen stationär gehen und danach direkt die AT.

Das Hauptrpoblem im Moment ist tatsächlich das Erkennen der eigenen Möglichkeiten. Es geht immer wieder gut, habe seit Jahren Pausen gehabt, mal länger mal weniger. Die Erkenntnis, dass es an mir liegt, ist noch nicht so alt. Also bitte noch ein wenig Geduld mit mir. Wobei das nun keine Einladung für mich ist! Ihr habt ja recht, aber es "sackt" nicht richtig.

Oder besser: ich sehe es nicht wirklich kommen. Ein Beispiel der letzte grandiose Rückfall. Wir waren schön im Urlaub und es war super. Mittendrin kam ich immer mal mies drauf, weil es so schön war. Ich wollte mit ihr aber darüber nicht reden, weil sie eh schon viel zu viel abbekam. Also Schweigen. Irgendwann setzte sich dann der Gedanke von etwas traurig in Richtung: ach, ihr könnt mich alle ab. Das habe ich nicht kapiert. Ich hätte ab hier etwas tun müssen, denke ich. Ich habe mir dann ausgemalt, wie fies es sich anfühlt, wie gefährlich es für Arbeit etc wird und weiter geschwiegen. Nach 4 Tagen dann war ich das erste mal allein daheim bzw auf dem Weg dahin und bereits in einer "Mir-doch-egal"-Stimmung festgefressen, dass es geknallt hat.

Ich weiß, dass nur ich etwas tun kann. Und auch, dass es die Kleinigkeiten sind, die sich ändern können und müssen und dadurch funktionieren.

Nur wie kann ich mir selbst beibringen, diese Spitzen rechtzeitig zu erkennen und meine Gedanken da zu halten? Das ist für mich gerade die Schwierigkeit.

Wie halte ich mir ohne Druck die Wahrheit vor Augen: ich bin's!

Ich weiß im Moment nicht, wie ich das hätte abwenden können. Zumal ich mir auch schwer tue, meine Gefühle richtig zu erkennen und sie dann auch noch zu äußern.

Und zusätzlich meine Liebste eben auch keine Kontrollfunktion aussüben möchte und kann. Folglich sagte ich nichts. Ich glaube heute, das war ein Fehler.

Auch richtig ist, dass ich es erkennen können muß und rechtzeitig und richtig reagieren. Hätte in eine Gruppe gehen können, oder mich verabreden, dass ist wahr. Das ist mir nur nicht gelungen. Ich habe es ja nicht mal richtig einordnen können, was da gerade anrauscht.

Nun muss ich aber auch das verdauen, mit schlechtem Gewissen geht's ja einigermaßen, aber ich darf eben nicht in diese suizidale Stimmung geraten, weil das kreuzgefährlich ist.

Im Moment ist aber alles ok, die Scherben sind weggeräumt, mir geht es superl. Ich gehe nachher 10km joggen und habe bisher eine fantastische Woche.

Euch wünsche ich ebenfalls einen tollen tag & schönen Abend und freue mich auf Eure Antworten!

Beste Grüße,
Andreas
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Morphling hat zum Thema: Re: Dann mal los. geschrieben
Morphling
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.02.2010
Beiträge: 11
Alter: 33
Wohnort: Dieburg

BeitragVerfasst am: 30.03.2010, 15:07    Titel: Re: Dann mal los. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ei, ei.

Das klingt schon wieder nach: Es sind alle schuld, nur ich nicht.

Ich will, ich will, ich will diesen Gedanken nicht mehr aus den Augen verlieren, auch wenn er mich momentan in den Wahnsinn treibt.
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Morphling hat zum Thema: Re: Dann mal los. geschrieben

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