pastpresent neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 20.02.2010 Beiträge: 5
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Verfasst am: 26.02.2010, 21:59 Titel: Vergangenheit Präsenz....bald Zukunft.... |
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Ich wollte mich erst nochmal kurz vorstellen, ich bin seit kurzem hier online und habe schon einige Beiträge gelesen, die mir die Augen geöffnet haben. Es ist sehr schwer anzufangen, sich alle diese Dinge einzugestehen, die man vielleicht auch vorher schon wusste. Aber sich das einzugestehen ist einfach etwas anderes....
Ich bin 24 Jahre alt und bin seit meiner Jugend mit dem Thema konfrontiert. Seitdem ich 13 oder 14 bin, also seitdem ich denken kann, trinkt mein Vater jeden Abend. Er geht jeden Tag zur Arbeit, kommt nach Hause, isst was, trinkt einen Kaffee, schlägt die Zeit tot bis es ca. 21 Uhr ist und fängt dann an sich volllaufen zu lassen. Nach kurzer Zeit wird dann aus ihm ein anderer Mensch, man kann nicht mit ihm sprechen, er fühlt erhaben und immer Recht. Er fängt unnötige Diskussionen an und sucht nur jemanden, mit dem er sich streiten kann. Meistens war diese Person meine Mutter. Sie musste sich schon alles Mögliche von ihm anhören, wurde beleidigt und erniedrigt. Ich habe das alles von Anfang an mitbekommen und habe immer versucht, zwischen meinen Eltern zu verhandeln. Ich habe stundenlang versucht, meinem betrunkenen Vater zu erklären, dass er sie so nicht behandeln darf und wie sehr wir darunter leiden.
Heute weiß ich , dass es nichts bringt mit einem Betrunkenen zu diskutieren und ihm was zu erklären. Damals wusste ich zwar, dass sein Verhalten mit dem Alkohol zu tun hatte. Aber ich konnte nicht ganz begreifen, dass er nach dem Trinken zu einem anderen Menschen wurde. Wie ein schizophrener Mensch, der seine Schizophrenie bewusst durch sein Trinken einleitet...Es hat sich alles viele Jahre hingezogen, bis ich nach dem Abitur zum Studium weggezogen bin. Aus Studiengründen musste ich nach einem Jahr wieder zu meinen Eltern ziehen. Dort wohnte ich dann wieder für zwei Jahre, bis ich es nicht mehr ertragen konnte und wieder ausgezogen bin. Nun habe ich seit kanpp 3 Jahren nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt und konnte deswegen Abstand zu dem Ganzen gewinnen. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, habe ich ihm zwar im nüchternen Zustand erklärt, dass sein Trinkverhalten nicht normal ist. Aber das interessierte ihn nicht sonderlich. Er antwortet dann, dass es seine Entscheidung sei, wieviel er trinke, das sei die einzige Freiheit, die er habe. Er bräuchte den Alkohol zum Einschlafen. Er trinkt natürlich nach zehn Jahren auch immer mehr, da sein Körper sich daran gewöhnt hat. Von seinen Leberwerten will ich gar nicht erst sprechen.
Ich muss dazu sagen, dass er im nüchternen Zustand ein guter Vater ist und auch meine Mutter viel besser behandelt. Er ist einfach ein Mensch, der unter Alkoholeinfluss total mutiert, wie alle anderen Alkoholiker wahrscheinlich auch. Die Person, die mir am meisten Leid tut, ist meine Mutter. Sie ist ein herzensguter Mensch...wahrscheinlich zu gut, dass sich das alles jahrelang gefallen lässt.
Ich bin gerade dabei mein Studium zu beenden und hatte vor für einige Monate bei meinen Eltern zu wohnen, um etwas Geld für Reisen zu sparen. Das ist zur Zeit mein größter Traum, nach dem Studium eine Auszeit zu nehmen und verreisen, die Welt zu sehen.
Nachdem ich aber in den letzten Wochenenden mehrmals bei meinen Eltern war, habe ich gemerkt, dass ich das nicht kann. Die Tatsache, dass im Zimmer nebenan mein Vater sitzt und sich die Birne zuknallt (sorry für die Ausdrucksweise), das macht mich einfach fertig. Ich kann nicht wieder jeden Tag mitansehen, wie er sich, meine Mutter und mich kaputt macht. Aus diesem Grund habe ich heute mit meiner Mutter gesprochen. Ich habe ihr erklärt, dass ich nicht zu ihnen ziehen kann, weil ich den Anblick meines Vaters jeden Tag nicht ertragen kann. Ich habe ihr gesagt, was ich loswerden musste. Dass ich nicht verstehe, warum sie sich nicht schon längst von ihm getrennt hat, warum sie sich das gefallen lässt und sich so behandeln lässt... Das habe ich ihr bereits mit 15 Jahren gesagt, aber sie hatte immer Ausreden parat...Ich glaube, sie hat einfach immer darauf gehofft, dass er mit dem Trinken aufhören würde und es irgendwann in Ordnung kommen würde. Sie hat nicht die Kraft sich von ihm loszusagen, obwohl ihr ihre Ehe nichts gibt...
Nachdem ich ihr heute alles gesagt habe, hat sie gesagt, dass sie vielleicht einen Tritt gebraucht hat, dass sie nun was ändern möchte....Ich weiß allerdings nicht, ob sie es durchziehen wird...
Ich möchte auch mit meinem Vater sprechen und ihm sagen, was mich solange gequält hat. Ich weiß, dass ich nicht darauf zu hoffen brauche, dass dann alles gut wird und er sich in Therapie begeben wird. Aber ich muss all diese Dinge loswerden und meine Gefühle loswerden. Ich habe lange genug niemandem von all diesen Dingen erzählt und versucht alles mit mir selbst auszumachen...
Aber was ich nun weiß, ist dass ich nicht zu ihnen zurückziehen kann und mir das alles antun kann. Dafür waren die letzten Jahre ohne Alkoholiker zu Hause viel zu angenehm. Was jetzt nur etwas belastend werden wird, ist in der Anfangszeit die finanzielle Situation....
Meine Träume mit dem Rumreisen kann ich wohl auch vorerst verschieben wegen den Finanzen. Aber meine psychische Gesundheit geht nunmal vor...
Uuuuffff.... man... das war viel und das war schwer. Hoffe ihr seid nicht erschlagen....
Gruß present  |
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Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14428 Alter: 46
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Verfasst am: 26.02.2010, 23:39 Titel: Re: Vergangenheit Präsenz....bald Zukunft.... |
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Hallo present,
herzlich Willkommen hier im Forum bei uns Erwachsenen Kindern.
Bei mir war das auch so, als ich mal den räumlichen Abstand hatte, da stellte sich auch der innere Abstand her und ich konnte nicht mehr zurück. Klar kann man diese und jene Gründe anführen, v. a. die Finanzen, aber ich wäre daran kaputt gegangen, da ich mich nicht hätte abgrenzen können. Ich habe den Kontakt einschlafen lassen.
Gut ist, wenn du die Gespräche FÜR DICH führen möchtest, damit es aus dir draußen ist, was dich umtreibt. Solange man redet, um bei den anderen etwas zu bewirken ist man ja nicht bei sich. Und da gehört man ja hin, zu sich.
Nee, wir hatten schon längere Texte hier. Schreib dir alles von der Seele, das hilft auch beim innendrin sortieren.
Das mit dem Reisen, wer weiß, was sich da für neue Wege auftun, wenn du weiter so gut bei dir bleiben kannst und für dich sorgst.
Grüße, Linde |
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