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dossi
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 23.02.2010
Beiträge: 3
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 23.02.2010, 17:31    Titel: Ist das schon Sucht? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo!

Vielleicht könnt ihr mir helfen - ich habe kaum Erfahrungen damit:

Meine Schwägerin ist über 40, seit 3 Jahren verheiratet, hat einen erwachsenen und einen gerade erst schulpflichtigen Sohn. Die Schwägerin ist Kellnerin, der Schwager Bauarbeiter - beide arbeiten hart für nicht viel Geld, haben aber Haus, jeder ein Auto (was auch benötigt wird) und jede Menge Kredite, die quasi nicht getilgt, sondern nur bedient werden. So viel zum Umfeld.

Nun ist es so, dass die Schwägerin offenbar dem Alkohol zugeneigt ist. Die Frage, die ich mir stelle ist, ob es noch nur Zuneigung ist oder schon ein echtes Bedürfnis. Sie ist ein Scheidungskind und hat sich nicht wie ihre ältere und jüngere Schwester für die Mutter entschieden, sondern sich aus beiden Elternbeziehungen das Beste heraus gepickt. Sie zog früh von zuhause aus und ist bis dato schon 8x umgezogen, zuletzt in eine gekaufte Doppelhaushälfte vis a vis mit ihrer Mutter.

In ihrem Leben geht es in erster Linie um sie selbst. Ihr Mann hat nicht viel zu melden und erträgt ihre Launen, ihre Mutter gibt ihr Zunder und ihre Geschwister schlucken (auf Bitten der Mutter) alles. Im Grunde geht es auch um Neid, weil die ältere Schwester ein Stück Acker überschrieben hat und die jüngere in ihren Augen das Haus (was nicht wahr ist aber das ignoriert sie) und sie selbst kriegt angeblich nichts (geht ja gar nicht) und will daher ihre Schwestern verklagen. Wohl gemerkt: Die Mutter lebt noch.

Okay, zur Sache an sich: Wenn es Stress gibt - also wenn es nicht nach ihrer Pfeife geht oder sie bei anderen mit ihrer Laune angeeckt ist und Zunder gekriegt hat, trinkt sie ein Bier. Danach dann noch eines oder alternativ zum Bier etwas stärkeres. Oder kein Bier und dafür Bowle oder Mischgetränke. Der Ablauf ist immer derselbe: Trinkt sie, beginnt sie, sich aufzuregen. Ist sie dann aufgeregt, trinkt sie weiter. Irgendwann greift sie dann zum Telefon und ruft Leute - vornehmlich Familienmitglieder an - und beschimpft diese wegen Dinge, die diese - mitunter Tage vorher - mal gesagt, verschwiegen, getan oder verweigert haben. In der Regel sind das Belanglosigkeiten. Was mir am Meisten Sorgen macht, ist ihre Art dabei. Sie macht sich sehr lächerlich, ist vor Lallen kaum zu verstehen und jammert letztlich, dass sie das A... der Familie ist und fragt, was sie denn getan hat. Soll man es ihr sagen? Irgendwann jedenfalls hat sie ei Punkt erreicht, wo sie nicht mehr kann und schlafen geht. Am nächsten Tag ist sie wieder nüchtern, sch*freundlich und bis zum nächsten Blackout ist das Thema - mangels Haltbarkeit - vom Tisch.

Ihr Mann erträgt das Ganze durch Arbeit aber wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, gönnt auch er sich einen Schluck, bevor er in den Hausalltag eintaucht. Er geht ihren Launen aus dem Weg und erntet natürlich dann von ihr Kritik, weil er sie mit dem Hausalltag allein lässt. Reden tut er über die Probleme nicht. Das ist aber auch nicht seine Art.

Die Söhne - schwer zu sagen. Der Ältere meidet diese Situationen und ist durch Schichtdienst auch nicht so oft damit konfrontiert und der Kleine ist meistens schon im Bett. Sie versucht zumindest, nicht vor ihm diese Shows abzuziehen.

Was es natürlich nicht einfacher macht: Wäre sie permanent so, würde man es kalkulieren und schlimmstenfalls sich daran gewöhnen können. Aber sie trinkt nicht täglich. Nur wenn sie trinkt, dann selten in Maßen und meistens aus Frust. Sie kann auch Alkohol vor sich stehen haben, ohne zu trinken - so ist es ja nicht. Schließlich kellnert sie ja. Und diese Eskapaden hat sie nur, wenn sie zuhause ist. Es kam noch nie vor, dass sie von anderswo ihre Telefonterrorakte startete. Wie ihr aber sicherlich nachvollziehen könnt, macht diese Unberechenbarkeit es nicht einfacher.

Es geht mir nicht um Mittel und Wege, zu reagieren oder gar sie zu ändern. Rhetorisch könnte ich ihr in diesem Zustand angemessen wie auch unangemessen begegnen. Aber sie ist nun einmal Teil der Familie und da liegt es mir fern, Schlachten zu führen. Es hat mich Überwindung gekostet, das überhaupt hier hinein zu schreiben, da man es ja auch als ganz normales zwischenmenschliches Problem und damit off topic abstempeln könnte. Aber da sind ja nun einmal Flaschen mit Prozentwerten im Spiel und darum frage ich euch, die ihr vielleicht Erfahrungen habt oder einfach nur versteht und wiedergeben könnt, was hier vor sich geht.

Was ich verstehen möchte ist, ob dies nun schon Alkoholismus resp. Sucht ist oder ob es einfach nur Charakterschwäche oder ob es gar eine andere Krankheit (Borderline passt hier nicht richtig) ist. Wobei ich jetzt nicht den Stempel suche, den ich ihr aufdrücken kann. Eher so das Postit - ich wünsche mir, dass ich da drauf schreiben kann, dass sie es nicht so meint und dass sie nichts dafür kann. Aber ich wünsche mir auch, dass ich ihr damit nicht Unrecht tue und dass das Postit sich nicht einbrennt.

Auch wenn das dumm klingt aber wenn ich weiß, dass jemand krank ist und deshalb anderen Menschen weh tut, kann ich besser damit umgehen, als wenn ich weiß, dass jemand dies aus sadistischen Gründen tut. Wenngleich natürlich immer zwei dazu gehören. Nur irgendwann wird die Bombe platzen, fürchte ich. Vielleicht kann ich als relativ Außenstehender wenigstens ein wenig Wärme, Licht oder wie auch immer man es bezeichnen will in diese Familie bringen. Schließlich will auch ich mich in ihr wohl fühlen, was mir angesichts meiner (natürlich subjektiv gesehen) wunderbaren Familienbande schwer fällt.

Ist das schon Sucht? Und was würdet ihr mir empfehlen, wie ich mich in der Sache verhalten soll?

Liebe Grüße

Martin

PS: Beim Korrekturlesen überkommen mich trotzdem noch Zweifel - soll ich wirklich die Welt damit belasten? Ich schicke es jetzt ab und warte auf euch.
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dossi hat zum Thema: Ist das schon Sucht? geschrieben
kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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Beiträge: 4741
Alter: 53
Wohnort: beiM

BeitragVerfasst am: 23.02.2010, 18:15    Titel: Re: Ist das schon Sucht? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Martin,

danke für Deine offenen Worte und willkommen.

Macht Dich Deine Schwägerin krank, bist Du überlastet oder in irgendeiner Form direkt betroffen? Dann wäre es Zeit etwas für Dich zu tun. Was willst Du für Dich tun?

LG Kaltblut
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kaltblut hat zum Thema: Re: Ist das schon Sucht? geschrieben
dossi
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 23.02.2010
Beiträge: 3
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 23.02.2010, 18:47    Titel: Re: Ist das schon Sucht? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo!

Danke für deinen Willkommensgruß.

Zum Glück wohnt meine Schwägerin 60 km von uns entfernt aber es sind eben jene Anrufe spät an einem friedlichen Abend, die uns belasten. Meine Frau wurde von ihrer Mutter gebeten, das alles zu schlucken und sich nicht aufzuregen. Logischerweise muss es aber raus und da ich der einzige bin, der noch einigermaßen involviert ist, bin ich auch der einzige, der ihr die Last abnehmen kann. Nur lässt diese sich dann nicht immer abbauen, sodass mich die Attacken dann doch einige Stunden oder Tage beschäftigen. Eine 70jährige Frau hat natürlich gut reden, die Dinge einfach zu ignorieren. Nur müssen wir ja ein paar Jahrzehntchen länger mit der Schwägerin und Schwester auskommen.

Es geht nicht so sehr um mich. Ich umgebe mich nicht mit Menschen, die mich beeinträchtigen bzw. beschränke den Kontakt auf das Nötigste. Ich kann den Kontakt auf das Nötigste reduzieren und die Gespräche auf das Unverfänglichste. Um mich geht es in dem Moment, wo meine Frau betroffen ist und ich damit ebenso einbezogen bin.

Mich betrifft es insofern, dass ich meiner Frau in der Sache helfen will, ohne ihr den Ratschlag geben zu müssen, den Kontakt zu ihrer Schwester abzubrechen. Würde es so kommen, dass sie ihre beiden Schwestern verklagt, hätte sich das erledigt aber da wir die Zukunft nicht vorweg nehmen können, müssen wir ja in der Gegenwart - heute und morgen - miteinander auskommen. Ich bin der Typ, der ihr sagen oder zumindest schreiben würde, was ich beobachte und mir dabei denke. Ihre Familie aber ist durchweg kommunikationsunfähig, wenn es um Familienangelegenheiten geht. Im Prinzip handelt es sich um drei voneinander unabhängige Familien, die wenn sie zusammen kommen (nur die Eltern-Generation) Funkenflug verursachen. Nur gibt es keinen Dauerzoff in Form von Geschrei, sondern ganz im Gegenteil eisiges Schweigen und nur die nötigste Kommunikation. Die Schwägerin ist definitiv im Abseits. Nur kann man dafür außer ihr kaum ein Familienmitglied großartig verantwortlich machen - außer, dass eben nicht kommuniziert wird.

Was ich für mich möchte ist, Erfahrungen anderer in ähnlich gelagerten Fällen erlangen zu können und daraus eine Art Leitlinie (keine Strategie) zu entwickeln im Umgang mit dieser Familie. Ich liebe meine Frau aber ihre Familie bereitet mir Probleme. Obgleich wohlgemerkt das Verhältnis zu allen Familienmitgliedern gut ist. Zur Mutter, zur älteren Schwester samt Familie, zu den Tanten und Onkels und auch zum Vater und seiner neuen Frau. Zur Schwägerin ist er diplomatisch - nicht mehr und nicht weniger. Jedes Wort kann falsch sein und aus jedem sanften Band kann ein Strick gedreht werden. Hingegen zum Schwager und zu den Kindern ist das Verhältnis sehr gut - also nicht nur diplomatisch.

Es fällt mir nicht schwer, Menschen zu mögen und es fällt mir auch nicht schwer, gute Worte für meine Schwägerin zu finden - fleißig, selbstbewusst, ehrgeizig und zielstrebig sind ihre besten Eigenschaften. Aber sie macht es immer wieder kaputt. Jede Bindung, jeden guten Kontakt - nichts hält länger als zwei Wochen. Und immer wenn wieder ein Band reißt, ist die Flasche ihr bester Freund.

Was will ich für mich tun? Was kann ich für mich tun?

LG Martin
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dossi hat zum Thema: Re: Ist das schon Sucht? geschrieben

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