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amfor2005
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 25.08.2005
Beiträge: 2
Wohnort: berlin

BeitragVerfasst am: 25.02.2006, 11:24    Titel: was mich interessieren würde Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

wie geht ihr mit eurer sucht um, wenn ihr neue menschen kennenlernt??
sagt ihr ihnen gleich alles ob eurer sucht oder wird es lange verschwiegen?

grüsselschen
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amfor2005 hat zum Thema: was mich interessieren würde geschrieben
Teufelchen
Gast






BeitragVerfasst am: 25.02.2006, 16:09    Titel: Re: was mich interessieren würde Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich gehe ziemlich offen mit meiner Suchterkrankung um, jedoch binde ich es nicht jedem auf die Nase. Warum auch?

Ein Diabetiker oder Allergiker erzählt ja auch nicht gleich jedem von seiner Erkrankung.

Unbedingt erzähle ich es aber sofort, wenn ich mich in einer Situation befinde, die für mich zur Gefahr werden könnte. Z. B. wenn ich auf einer Feier o. ä. Alkohol wiederholt abgelehnt habe und der Gastgeber gibt immer noch keine Ruhe. Meine Freunde und Verwandten wissen es auch alle.

Bin erst 6 Monate trocken, doch ich habe noch niemals schlechte Erfahrungen gemacht, wenn ich offen und ehrlich darüber geredet habe.

Erst vor einigen Tagen habe ich mir in einem Cafe einen schönen großen Eisbecher bestellt. Sorgfältig habe ich ihn auf der Karte ausgesucht. Trotzdem es gab Eierliköreis. Hab es dem Eis nicht angesehen, doch nachdem ich in den ersten Löffel probiert hatte, rief ich sofort den Kellner, sagte dass ich Alkohlikerin sei und ließ das Eis zurück gehen. Daraufhin brachte mir der Geschäftsführer einen Extra-Großen Eisbecher mit einer Entschuldigung.

Offen und ehrlich, wenn es sein muß! Aus Selbstschutz.

lg
Simone
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Teufelchen hat zum Thema: Re: was mich interessieren würde geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32807
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 25.02.2006, 16:42    Titel: Re: was mich interessieren würde Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

es gibt viele Gefahrenstellen, die man mit Ehrlichkeit und Offenheit vorher ausschließen kann.
Jeden, den ich von meiner Abhängigkeit erzähle, wird mich nicht in Versuchung bringen und mich auch zusätzlich noch beschützen, dass ich nicht in solche Fallen stolpere.
Wen jemand negativ auf meine Offenheit regiert, ist es nicht der richtige Umgang für mich. Jeden der mich nicht versteht, den sollte ich meiden.
Das trifft meiner Meinung auch auf Partner zu, die meinen neuen Weg nicht verstehen können oder wollen.

Am Anfang der Nüchternheit ist das sicher noch schwer, weil man viele Bekannte hat, die man aus der nassen Zeit kennt.
Im Laufe der Zeit wird sich das Umfeld automatisch ändern. Die noch Trinkenden wollen mit einem, der nichts trinkt, nichts zu tun haben und ein trocken Lebender findet auch keine gemeinsamen Punkte mehr, die ihm mit einem Alkohol Trinkenden verbinden.
Dabei spreche ich jetzt nicht von jemanden, der mal ein Glas trinkt.

Mein Umfeld hat sich so entwickelt, dass sich dort keiner mehr befindet, der regelmäßig Alkohol trinkt.
Wenn ich heute neue Bekanntschaften schließe, ergibt sich schon durch den Ort, wo ich jemand kennen lerne, dass es sich nicht um einen nassen Alkoholiker handelt.
Ich verbringe meine Zeit nicht in Kneipen, selten in Gasstätten, nicht auf irgendwelchen Partys, wo viel getrunken wird.
Ich habe auch sonst keine Freizeitbeschäftigungen oder Verpflichtungen, wo ich mit viel Alkohol konfrontiert werde.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen. Ich sage es vielleicht nicht am ersten Tag, aber wenn mir der Kontakt wichtig ist, sage ich es auch.
Ausreden, wie ich habe Magenschmerzen oder ich bin mit dem Auto da, sind in meinen Augen Lügen. Ich bin stets gezwungen, mir zu merken, wem ich welche Ausrede gesagt habe.

Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist auch der Arbeitgeber.
Auch wenn die Frage laut Gesetz bei dem Bewerbungsgespräch wohl nicht gestellt werden darf, würde ich dennoch die Wahrheit sagen.
Es ist für mich eben keine Schande, wessen ich mich schämen müßte.
Im Gegenteil, ich habe etwas für mich geschafft.

Um es auch noch mit anderen Worten zu sagen. Mir ist es egal, wie andere Leute über meine Alkoholsucht denken.
Ich bin mit meinem Leben ohne Alkohol zufrieden. Das sollte für jeden das Wichtigste sein.
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Karsten hat zum Thema: Re: was mich interessieren würde geschrieben
Teufelchen
Gast






BeitragVerfasst am: 25.02.2006, 18:59    Titel: Re: was mich interessieren würde Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

Was ein Bewerbungsgespräch angeht wäre ich aber skeptisch. Nicht nur als Alkoholikerin, sondern in diesem Fall als Personalrätin, die ja bei Neuanstellungen mitzureden hat und über einige Erfahrung verfügt.

Die Arbeitgeber haben schon Bedenken einen trockenen Alkoholiker einzustellen, nicht weil sie seine Leistungen nicht anerkennen, sondern weil Arbeitgeber auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Mitarbeitern haben. In großen modernen Unternehmen sind die Abteilungsleiter und Direktoren inzwischen sehr gut geschult, was den Umgang mit Suchtkranken angeht. Auch wenn man das den Einen oder Anderen gar nicht anmerkt. Sie wissen ganz genau, dass auch ein langjährig trocken lebender Alkoholiker nicht vor Rückfällen geschützt ist. Der Absturz kann auch nach vielen Jahren wieder erfolgen. Das wissen wir alle genau, die Arbeitgeber eben auch. Die haben dann einfach Angst vor längeren Ausfallzeiten und vor der Störung des Betriebsfriedens.

In einem Bewerbungsgespräch würde ich also nicht dazu raten, wenn diese Frage überhaupt gestellt werden sollte, offen und ehrlich darauf zu antworten.

Anders sieht die Sache aus, wenn man schon länger angestellt ist und z. B. in eine Langzeittherapie gehen will. Dann ist es schön fair zu seinem Chef zu gehen und die Karten offen auf den Tisch zu legen. Die lange Ausfallzeit muß durch den Arbeitgeber ja aufgefangen werden. Ich persönlich habe das so gemacht und habe sehr positive Erfahrungen und Überraschungen erlebt. Mein Arbeitgeber ist jetzt sehr besorgt um mich und versucht mir mein Arbeitsumfeld so angenehm wie möglich zu machen. Das ist mir schon fast unangenehm.
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Teufelchen hat zum Thema: Re: was mich interessieren würde geschrieben

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