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Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit?

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Autor Nachricht
Feuerengel
Gast






BeitragVerfasst am: 12.02.2010, 19:04    Titel: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo an alle,

ich lese schon einige Zeit mit und mir öffnen sich immer mehr die Augen.
ich hatte eine Beziehung zu einem Alkoholiker, die nach ein paar jahren in die Brüche ging.
von Anfang an war mir bewusst, das er trank, mich störte es nie besonders, da ich Menschen versuche so zu nehmen wie sie sind.

Ich lernte meine Einsamkeit und das Alleinsein schmerzlich durch sein Verhalten kennen.
Er war nie zuverlässig, kam ich ihm zu nahe, ging er zum saufen.
Ging ich auf Abstand, weil ich keine Kraft mehr hatte, ging er auf mich zu.

Ich hatte nie so das große Helfersyndrom, doch eine Sicherheit gab es mir schon, mich auf ihn verlassen zu können, wenn er trank.
Ich denke, wir bedingten uns gegenseitig.

Durch einen bösen Zwischenfall, einen Fehler meinerseits, ging die sog. Beziehung in die Brüche.
Seitdem bin ich auf mich selber zurückgeworfen.
Ich fühle mich nicht einsam, ich bin erleichtert das es Aus ist.
Es war wie ein Befreiungsschlag für mich.
Leider habe ich dadurch festgestellt, das ich mich total innerlich zurückgezogen habe.
Mir wird so langsam bewusst, das ich das Kämpfen in der beziehung, das auf und ab, mich dazu gebracht hat , mich selber nicht anzuschauen zu müssen.
ich erkannte, das ich viele gefühle wie Zorn, Wut, Ärger, nie richtig zugelassen habe, sondern schön heruntergeschluckt.
Es geht sogar soweit, das ich jetzt anfange, mich wieder zu ritzen, damit ich Schmerz fühle, damit ich mich selber fühlen kann.
Mein Verstand sagt mir, das es Quatsch ist sowas zu tun, und doch fühle ich mich nicht.
ich bin seit 15 jahren in einer Gesprächstherapie.
Die Abstände sind größer, weil ich erst wenn ich meinen Kopf nicht mehr frei bekomme, und chaos herrscht in meinen Gedanken, ich mir Hilfe suche.
Mir wird bewusst, das ich alles mit mir selber abmache, und versuche klar zu kommen, da es in meiner Herkunftsfamilie hieß, geheimnisse werden nicht nach aussen getragen.
Ich habe viel an mir gearbeitet und erkannt, meine passive Aggression, meine gutmütigkeit, meine Geduld, meinen zu müssen, ich muss so sein.

Und heuer fühle ich nichts, ausser einen unheimlichen Druck auf meiner Brust, ein Kratzen im Hals und in den Bronchien, der mir sagt, das ich schreien möchte, ganz laut.
Mein Körper meldet sich mit permanenten Druck etwas zu tun, Gefühle rauszulassen, und ich kann nicht.
Ich habe angefangen öfter zu trinken, damit ich mich leichter fühle, aber es hilft nichts.
ich habe keine angstgefühle, ich meistere mein Leben,
ich bin bodenständig und ein Kopfmensch. Immer schon.
Und jetzt macht mir mein Körper einen Strich durch die Rechnung.

ich führe mit meinem Ex öfter Gespräche über unsere exbeziehung und ich kann endlich meine Gefühle artikulieren ohne angst, das er wütend auf mich sein könnte, denn es ist mir egal, ob er es ist.
Ich sitze hier allein in meiner Wohnung und horch in mich hinein, versuche zu fühlen und es kommt nichts. tot.

ich weiss, das ich diese Leere aushalten kann und sollte, damit es wieder gefüllt werden kann.
Mein Verstand weiss alles so gut, mein Herz fühlt nichts, wie wenn ich eine große Schutzmauer um mich herum hätte.

Als ob ich mich totstellen würde. Also was kommt als nächstes, ein Ausbruch, unkontrolliert?
Das wäre das, wovor ich als einzigstes Angst hätte.
Das es die falschen trifft, ich es nicht steuern kann.

Bin ich verrückt?

ich weiss, es ist viel, aber ich wollte diese Gedanken und Gefühle los werden, weil ich nicht weiss, ob ich an dieser Starre demnächst zerbreche, oder ich mich aufrappeln kann.

lg
Feuerengel
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Feuerengel hat zum Thema: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben
Emma123
Gast






BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 09:38    Titel: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Feuerengel,

so wie du dich hier beschreibst, das kann ich gut nachvollziehen.
Ich bin auch so, besonders dann wenn ich mich abgewiesen fühle, wenn ich enttäuscht und verletzt bin, gehe ich aus Selbstschutz total auf Rückzug.
Das geht manchmal soweit, das ich mich nicht mehr spüren kann, das ich mich verliere.
Das ist bei mir ein Mechanismus, den ich als Kind gelernt habe um das
Chaos rundum ertragen zu können.
Jetzt als erwachsene Frau, greife ich dann, wenn mir alles zuviel wird immer wieder reflexartig zurück in das alte Muster.
Doch schnell wird mir wieder bewußt, dass ich mein Schneckenhaus-Dasein gar nicht mehr brauche.
Ich habe endlich die freie Wahl. Ich kann auch den Weg der Selbstbestimmung gehen. Ich muß heute nichts mehr ertragen, was kränkt, erschüttert, krank macht.
Ich würde es ja auch mega gut finden, einen Partner zu haben, der mich in den Gefühlen versteht und der für mich da ist.
Aber ist das nicht auch sehr viel verlangt. Besonders dann wenn wir selbst noch nicht gut mit uns umgehen.
Fang an und lerne dich neu kennen. Gehe in Austausch mit lieben Menschen (z.B SHG) und entdecke dich. Betreibe ein bisserl Sport und spüre dich.
So habe ich mich aus der Isolation rausgeholt.
Probier`s einfach aus.

Alles Gute von Emma
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Emma123 hat zum Thema: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben
Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 1024
Alter: 37

BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 09:44    Titel: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Feuerengel,

Feuerengel hat Folgendes geschrieben:

Ich habe angefangen öfter zu trinken, damit ich mich leichter fühle, aber es hilft nichts.


Als ebenfalls Co hab ich das auch gemacht und es war geradewegs der Weg in die Alkoholsucht! Bitte, bitte, mach das nicht.

Lieben Gruß

Kaleu
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Kaleu hat zum Thema: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben
Feuerengel
Gast






BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 09:48    Titel: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Emma,

Es ist nicht so, das ich nicht mehr heraus kann, aus meinem Schneckenhaus,
ich bin nur vorsichtig.

Das mit dem Sport war noch nie so meine Sache.
Ich lese viel, aber dazu hab ich momentan keine Lust.

Ich möchte meinen Weg selbstbestimmt gehen, ich habe das Werkzeug noch nicht dazu.
Ich bin noch auf der Suche nach Lösungen.
Auch treibt mich die Frage um, was ich als meine Verantwortung sehen soll.
Bis jetzt habe ich immer gedacht, jeder Mensch hat für sich selber, in erster Linie, Verantwortung zu tragen.
So wie du sagtest, ich entscheide, ob mich etwas kränkt, ob ich mich verletzen lasse.
Gilt das nicht für die Mitmenschen genauso, das jeder für sich Eigenverantwortung hat?

Mich beschäftigt, ob ich mir genug vertraue. Ich traue mir, ich traue mir zu, zu entscheiden, was mir gut tut und was nicht.
Ist das nicht selbstbestimmt leben?

lg
Feuerengel
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Feuerengel hat zum Thema: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben
Schneewittchen 2108
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2010
Beiträge: 52
Alter: 47
Wohnort: Österreich

BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 11:24    Titel: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Lieber Feuerengel!

Ich kann deine Gefühle total nachvollziehen. Du fragst dich, ob du verrückt bist - diese Frage habe ich mir auch oft gestellt. Auch das Gefühl der totalen Leere kenne ich gut. Vom Verstand her alles zu verstehen, aber nichts zu fühlen. Also habe ich mich in meine Rolle als "leidende" Ehefrau geflüchtet, da habe ich wenigstens den Schmerz gefühlt. Das hat viele Jahre funktioniert, bis der Leidensdruck zu groß wurde und der Punkt kam, an dem ich wusste, ich muss etwas ändern, damit ich nicht zerbreche.
Nun versuche ich, auf mich zu hören. Was kann ich MIR Gutes tun.
Das Schwierigste dabei ist immer der erste Schritt. Auch für mich war z.B. Sport nie so mein Ding, als ich mich aber trotzden dazu aufraffte, habe ich gemerkt, wie gut es mir tut.
Probiere verschiedene Dinge einfach mal aus.

Viel Kraft für dich!
Liebe Grüße Schneewittchen
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Schneewittchen 2108 hat zum Thema: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben
Feuerengel
Gast






BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 12:41    Titel: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kaleu,

ich trinke nur ab und zu, ich kenne meine Grenze.Mein Körper reagiert auf das Gift. Ich denke nicht, das ich süchtig danach werde.

Hallo Schneewittchen, hallo Emma,

das Komische ist, ich habe entdeckt,das Küche aufräumen und spülen so mein Ding ist mich zu beruhigen.
Haushalt ist nicht so meins, ich liebe Chaos.
Aber da ich jetzt auf mich zurückgeworfen bin, entdecke ich das Hausarbeit beruhigend sein kann, und ich super zufrieden bin, wenn die wohnung schön aussieht.

Wenn der Frühling kommt, werde ich mich auch aufraffen mit Hund Joggen/ Walken zu gehen.
Das ist was ich schon immer gern gemacht habe.

Und ich war heut in der Stadt um mir eine gutriechende hautcreme zu kaufen, weil ich glaube, ich habe meinen Körper lange genug vernachlässigt.
Jetzt werde ich mich verwöhnen.
Die Leere ist schon was gutes, denn wenn ich sie spüre, kommt irgendwann was Gutes dabei heraus.
Vielleicht ist das der Anfang.....

liebe Grüße
Feuerengel
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Feuerengel hat zum Thema: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben
Feuerengel
Gast






BeitragVerfasst am: 15.02.2010, 20:43    Titel: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo
ein update:

das Wochenende war schwer und doch irgendwie leicht.
Ich war allein und fühlte mich kurzzeitig einsam, überlegte wie ich Aufmerksamkeit bekommen könnte.

Just in dem Moment wurde mir bewusst, was es mit mir machte.
Durch solch Gefühle und Gedanken, hab ich nur gehandelt, ob es mir im nachhinein gut tat oder nicht.

In diesem Moment des alleinseins und des gefühls der aufmerksamkeitsuche, beschloss ich dieses Gefühl auszusitzen und in mir zu forschen warum genau, ich so reagierte.
Und dann schnappte ich meinen Hund und fuhr im auto herum und ging auch spazieren.
Und es hat mir gut getan.
Ich habe für mich einen Weg gefunden, dieses Gefühl auszuhalten.

Danach kam ein großer Energiestoß, sodas ich vieles im Haushalt erledigen konnte mit freude.

Es ist schön auf die Spur der Trigger zu kommen und dann auch handeln zu können.

Und ich akzeptiere endlich, das ich Gefühle dissoziieren darf, wenn es mich überwältigt, und ich meine Schutzwand brauche.
Sobald es mir dann besser geht, kann ich darüber reflektieren.

Jetzt lasse ich diese Erkenntnis in mir wachsen und gebe dem einen Raum um darauf zurückzugreifen, wenn mich wieder mal eine Prüfung im Leben findet.

Ich habe festgestellt, das es an sich nichts schlimmes ist, nicht über Gefühle zu reden, sondern das ich auswähle, wann es für mich passt darüber zu reden, und nicht wenn meine Umwelt meint, ich müsse jetzt darüber sprechen.

Und ich habe erkannt ,das es auch eine gewisse Stärke ist, etwas mit sich auszumachen, und wenn frau sich nicht ganz sicher ist, sich Hilfe zu holen, oder jemand zu suchen, mit dem man darüber reden kann, und derjenige auch zuhören kann.

Ich habe schräge Seiten an mir, und doch gehören sie zu mir, und machen diesen besonderen Menschen aus, der ich bin.

Genau wie jeder andere Mensch für sich was besonderes ist.

endlich nehme ich mich an, wie ich bin, und lebe es, selbstbestimmt und bewusst.

liebevollen gruß an alle

Feuerengel
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Feuerengel hat zum Thema: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben
Laurina5
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 303
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 16.02.2010, 11:19    Titel: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Feuerengel,

zu Deiner Frage, wann man geheilt ist, wird es keine eindeutige Antwort geben. Meine Gruppenleiterin ist seit ca. 10 Jahren im Programm, sie trennte sich vom abhängigen betroffenen Partner, absolvierte eine Ausbildung als Suchttherapeutin, macht heute wöchentliche Beratungen und leitet lange eine Angehörigengruppe. Auch heute noch entdeckt sie hin und wieder co.-abhängiges Verhalten in sich, es wird angesehen und nach Lösungswegen gesucht. Aber mehr von außen, ohne dass es ihren Alltag aus den Angeln heben, sie belasten oder herunter ziehen würde. Sie kann es mit Charme und Abstand annehmen und sich dazu bekennen, eine Co.-Abhängige zu sein. Das sind wir und bleiben wir.
Co.-Abhängigkeit wird erst dann gefährlich, wenn wir an ihr leiden und erkranken, nicht mehr bei uns und unseren Gefühlen sind.

Lieben Gruß Laurina Winken
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Laurina5 hat zum Thema: Re: Wann ist man geheilt von der co-abhängigkeit? geschrieben

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