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Meine Mutter ist warhscheinlich seit über 30 Jahren abhängig

 
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Steffi27
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 09.02.2010
Beiträge: 3
Alter: 31

BeitragVerfasst am: 09.02.2010, 13:13    Titel: Meine Mutter ist warhscheinlich seit über 30 Jahren abhängig Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo ihr Lieben,
auch wenn das hier alles noch „Neuland“ ist für mich, will ich doch erstmal kurz sagen, dass ich es toll finde, dass es euch gibt und ihr diese Hilfe anbietet.
Ich hatte mich ja schon kurz vorgestellt und möchte euch hier nun meine Geschichte erzählen.

Und zwar geht es um meine Mutter. So wie es aussieht ist sie wohl seit 30 – 40 Jahren alkoholabhängig (sie ist jetzt 58 Jahre alt) Da ich sie in meinem Leben noch nie wirklich betrunken gesehen habe, nehme ich an, sie ist Spiegeltrinker oder betrinkt sich nur dann richtig, wenn es niemand mitbekommen kann.

Ich bin 29 Jahre alt und wohne schon seit ich 17 bin nicht mehr Zuhause, vor rund 6 Jahren hat mein Vater meine Mutter nach über 22 Jahren Ehe verlassen und sie lebt nun allein im großen Haus.
Seit dem habe ich schon oft vermutet, dass sie trinkt, auch wenn ich sie nie mit Flasche gesehen habe oder sie offensichtlich betrunken ist, riecht so doch öfter nach Alkohol.

Da ich sie nicht anders kenne, als sie ist, sie vehement leugnet Alkohol zu trinken, ich sie nie trinken sehe und sie auch keine Flaschen stehen lässt, habe ich das in den letzten Jahren irgendwie so hingenommen und auch nicht weiter hinterfragt (das kommt mir jetzt unglaublich blöd vor, denn irgendwie war doch schon immer klar, dass etwas nicht stimmt).

Neulich habe ich nun mit meinem Vater telefoniert zu dem ich auch wenig Kontakt habe, seit er sich getrennt hat und als ich ihm sagte, dass ich vermute dass sie trinkt hat er mir erzählt, dass sie dieses Problem eigentlich schon damals mit in die Ehe gebracht hätte, dass er früher mal Flaschen unterm Bett gefunden hätte und sie daraufhin „auf den Pot gesetzt“ hätte, wodurch es seiner Meinung nach besser wurde (was für mich sehr naiv klingt).

Nun habe ich daraufhin im Internet gestöbert um mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen, dabei habe ich auch euer Forum gefunden und hatte das Gefühl, dass es mir schon nach einer halben Stunde rumlesen hier, wie Schuppen von den Augen viel.

Meine Mutter zeigt bereits seit Jahren Symptome von (wie ich jetzt annehme) einer Alkoholdemenz, bereits in der Pubertät ist mir aufgefallen, dass sie Schwierigkeiten hat einem Gespräch zu folgen, sie glaubt häufig alles zu wissen und hält sich für schlau und erfahren (dabei hat sie nie in ihrem Leben Hobbys oder Interessen gehabt, liest nicht, geht nicht weg, trifft sich nicht mit Freunde, sondern sitzt zuhause und schaut fern), auch redet sie gerne gegen an, obwohl sie oft gar nicht weiß worum es geht, vergisst was sie eine Sekunde vorher gesagt hat und füllt Lücken neuerdings häufig mit erfundenen Geschichten (natürlich sind dann alle blöd die sagen, dass es anders war). In den letzten Jahren ist es wirklich schlimm geworden, sie „verblödet“ regelrecht und wird streitsüchtig.
Sie leidet seit langem unter Gicht an den Händen und hat seit Jahren ein Magenproblem (soweit ich gelesen habe, kommt das häufig vor bei Alkoholikern) und wirkt auch in ihren Bewegungen oft unkoordiniert (ihr fallen oft Sachen runter und wenn sie geht sieht es manchmal irgendwie tapsig aus). Auch wiegt sie wenn es hoch kommt nur um die 50kg (sie war aber schon immer recht schlank und sagt sie findet es schön), vielleicht ist das aber auch ein Ergebnis der Magenprobleme!? Beim Arzt war sie seit Jahren nicht (vielleicht weil sie Angst hat dort „aufzufliegen“) wie schlimm es wirklich ist, weiß also keiner.
Wieso war ich die ganzen Jahren blind für all das und habe nie verstanden, das es am Alkoholismus liegt ???

In meiner ganzen Kindheit habe ich von ihrem Alkoholproblem nichts mitbekommen, sie hat es total gut versteckt. Ich habe mit meinen Eltern und Großeltern in einem Haus gewohnt, keiner hat etwas gesagt.
Auch heute noch leugnet sie alles, reagiert abweisend, sogar pampig („Ich trink abends halt gerne mal einen Schluck Wein und das lasse ich mir von dir auch bestimmt nicht streitig machen“). Auch auf ihren enormen Zigarettenkosum (sie raucht seit meiner frühesten Kindheit locker zwei Schachteln am Tag) reagiert sie abweisend und patzig, wenn man sie darauf anspricht und behauptet, dass sie gerne raucht und das total toll findet.
Sie hat (immerhin) noch einen kleinen 400 Euro Job und jammert oft darüber, dass sie soviel arbeiten muss obwohl es nur ein paar Stunden sind, auch hält sie sich dadurch für ein „ordentliches“ Mitglied der Gesellschaft.

Ich muss es ganz ehrlich sagen (und das tut weh und ist mir peinlich), aber ich habe nicht viel Bezug zu ihr (schon seit meiner Kindheit) irgendwie ist sie immer abgeschottet und nicht zugänglich, ich besuche sie seit Jahren eigentlich nur weil es mir so Leid tut, dass sie nun dort ganz allein im Haus ist (dass der Alkohol an all dem Schuld ist, war mir gar nicht so bewusst).

Trotz dem, dass ich irgendwie wenig für sie empfinde weil wir uns nie nahe standen, habe ich (nachdem was ich bei euch so gelesen habe) offenbar eine Co-Abhänigkeit, denn obwohl es mir seit ein paar Jahren irgendwie bewusst ist, dass sie wohl trinkt, habe ich bisher nur klägliche Versuche unternommen sie darauf anzusprechen und es größtenteils ignoriert und mich emotional weiter zurückgezogen.
Auch führe ich seit 11 Jahren eine Beziehung, mein Freund trinkt zwar nicht aber ich leide unter einer Angststörung und lasse ihn deswegen nicht allein aus dem Haus gehen, aus Angst ihm könnte etwas passieren, ich denke immer, er ist der einzige Rest Familie den ich habe und ich habe Angst, dass es mir weggenommen wird, wenn er z.B. in einem Unfall stirbt.
Er selber hat Boderline und ist narzisstisch, sehr viel Gegenliebe habe ich also für meine Selbstaufgabe nicht zu erwarten.
Ich bin also was das angeht offenbar typisch Co-abhängig (das ist mir auch erst seit zwei Tagen klar, seit ich darauf gestoßen bin und Google darüber ausgequetscht habe). Ich erfülle offenbar den ganzen „Standartkatalog“ leide unter Ängsten, bin unsicher, habe kaum Selbstbewusstsein, bin von der Meinung anderer abhängig und neige zu einem seltsamen, selbstauferlegtem Perfektionismus

Ich frage mich jetzt, ob meine (Verlust-) Ängste in der Partnerschaft und meine allgemeinen Ängste vor neuen Sachen im Leben wirklich einen direkten Zusammenhang mit dem Alkoholismus meiner Mutter haben (schließlich war sie ja nie volltrunken und da ich als Kind nichts von ihrem Alkoholismus wusste habe ich halt immer gedacht sie ist halt so,wenn sie irgendwie seltsam war ) wird man auch Co-abhängig ohne vom Alkoholismus zu wissen ?

Dann frage ich mich, was kann ich heute tun? Wenn sie es nicht einsieht wird sie sich wohl da in dem großen Haus still und allein zu Tode saufen. Wenn ich mich von ihr abwende (was mir vielleicht sogar leicht fallen würde, ich fahre jetzt auch höchstens einmal im Monat hin und versuche seit langem Besuche zu vermeiden weil dort immer irgendwie eine depressive Stimmung herrscht und mich dieses oberflächliche Getue an meine Kindheit erinnert) dann hat sie noch weniger Kontakte und wenn sie irgendwann tot ist, merkt es unter Umständen erstmal lange Zeit keiner (was eine schlimme Vorstellung für mich ist).
Noch bekommt sie ja ihren Alltag einigermaßen auf die Reihe aber das wird nur eine Frage der Zeit sein.
Mein Vater meinte in unserem Gespräch neulich, er glaubt nicht, das ihre Selbstständigkeit noch länger als 10 Jahre erhalten bleibt, wenn sie so weiter macht.
Ich fürchte mich vor dem, was da vielleicht alles auf mich zukommt (Entmündigung, Heimeinweisung, oder sie stirbt allein und tropft langsam durch die Decke, weil sie keiner findet).

Irgendwie ist das alles so neu für mich (obwohl ich doch schon seit meiner Kindheit das Gefühl hatte dass irgendwie „etwas nicht stimmt“ und ich eigentlich jemand bin, der sich recht gut in andere hineinversetzen kann, warum habe ich das nie begriffen ?) kann es wirklich sein, dass meine beiden Eltern und auch meine Großeltern die Alkohlsucht meiner Mutter so gut versteckt haben, dass ich über ihren Einfuß hinaus bis ins Erwachsenleben blind dafür wurde?). Jedenfalls habe ich seit mir das jetzt alles so bewusst ist, das Gefühl von lauter „Dämonen“ befallen zu sein und kann kaum über was anders nachdenken, ich weiß nicht ob diese Dämonen jetzt neu sind, oder ob sie schon immer da waren und jetzt hochkommen.
Aber auch wenn alles neu und fremd ist und mir Angst macht ist es irgendwie auch eine Erleichterung vielleicht endlich auf den Kern meiner Probleme und Ängste gestoßen zu sein und die Ursache benennen zu können (so das denn die Ursache ist). Ich habe das Gefühl, dass das noch ein langer und harter Weg wird bis ich darüber auch bei mir ankommen, aber mir erscheint es jetzt viel klarer und logischer diesen Weg gehen zu müssen um auch selber irgendwann mal mit mir glücklich zu sein. Nur ist es noch nicht so einfach zu akzeptieren, dass ich vielleicht man ganzes Leben über meine Mutter niemals nüchtern erlebt habe und sie auch jetzt ständig "beknallt" ist Geschockt


Jetzt muss ich anfangen darüber zu reden und auch Entscheidungen zu treffen (darin bin ich leider echt schlecht), ich freue mich sehr euch hier gefunden zu haben und hoffe ein paar Antworten zu finden.
Auch dachte ich, ich wende mich vielleicht mal an den Sozialpsychatrischen Dienst oder die Guttempler, bekommt man bei solchen Einrichtungen auch Hilfe für Angehörige?


Ich danke euch auf jeden Fall ganz, ganz lieb dafür, meinen langen (und sicher auch etwas konfusen) Text bis hierher zu lesen.

Liebe Grüße
Steffi Smilie
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Steffi27 hat zum Thema: Meine Mutter ist warhscheinlich seit über 30 Jahren abhängig geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 13698
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 09.02.2010, 15:15    Titel: Re: Meine Mutter ist warhscheinlich seit über 30 Jahren abhängig Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Steffi,

nö, gar nicht konfus. Winken

Schreib, schreib, schreib. Was nicht auf deiner Seele liegt, kann da auch nicht mehr drücken.

Zitat:
wird man auch Co-abhängig ohne vom Alkoholismus zu wissen ?
Ja klar, als Kind verinnerlicht man Muster, das ist völlig unabhängig von Sprache, von "Wissen" und beginnt schon sehr, sehr früh.

Das Gute ist, daß du JETZT so reflektiert hinschaust.

Läßt du dich für deine eigenen Themen therapeutisch begleiten? Das mit der Angststörung, das kann mit der ganz frühen instabilen Mutter-Tochter-Bindung zu tun haben. Kann. Bei mir war es so. Meine Mutter trinkt auch und war immer "abwesend", obwohl sie im Zimmer war. Das hat mich zutiefst verunsichert. Und später führte es dazu, daß ich in Beziehungen klammerte oder kontrollierte. Je weiter ich in meiner Aufarbeitung kam, desto mehr konnte ich diese alten Muster loslassen.

Es gibt diverse reale Selbsthilfegruppen, die auch Angebote für Angehörige anbieten, einfach nachfragen. Vielleicht auch mal in der nächsten Suchtberatungsstelle nachfragen.

Wenn du magst, lies dich mal durch die paar Seiten des oben angepinnten Threads Merkmale für ein EK Vielleicht hilft dir das bei der Inventur in dir drin.

Lieber Gruß, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: Meine Mutter ist warhscheinlich seit über 30 Jahren abhängig geschrieben
zampano78
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 25
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 09.02.2010, 19:17    Titel: Re: Meine Mutter ist warhscheinlich seit über 30 Jahren abhängig Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Steffi,
auch ich bin noch nicht lange hier im Forum, wenn du Lust hast lese mal mein Thema "VON ANFANG AN". Da findest du vielleicht einige Sachen, die dir bekannt vorkommen. Für mich war es ganz wichtig zu merken, das ich nicht allein bin und seitdem schreibe ich sehr viel hier. UNd es hilft mir, also setz dich wann immer du Zeit und Lust hast an der PC und schreib. ich habe viele nützliche Tips bekommen. Ein satz hat mich besonders aufgebaut:
"Von heute an beginnt der Rest deines Lebens".
Also viel Spaß hier und ich hoffe deine Seele wird auch langsam etwas leichter.
LG zampano
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zampano78 hat zum Thema: Re: Meine Mutter ist warhscheinlich seit über 30 Jahren abhängig geschrieben

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