marawi neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.02.2010 Beiträge: 6 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 05.02.2010, 10:41 Titel: Re: Mein Vater war Alkoholiker - Todestag naht |
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Hallo Nicole,
danke für Deinen offenen Worte und bitte entschuldige Dich nicht dafür, dass Du soviel von Dir und Deiner Situation erzählt hast. Ich bin immer wieder erstaunt, wie Du und viele Leute hier so unglaublich offen über ihre Gefühle, Erlebnisse, Dramen schreiben. Ich danke Dir unglaublich für Deine Offenheit! Nach dem Tod meines Vaters wurde mir - neben der wahnsinnigen Trauer - auch eine unglaubliche Last genommen. Ich habe mich auch sehr schwer von zu Hause trennen können, weil ich ja irgendwie das Gefühl hatte, ich halte die Familie zusammen. Was passiert, wenn ich gehe? Dann wird er komplett abstürzen. So war es dann auch eine ganze Zeit lang. Ich kann es auch sehr gut verstehen, dass Du Angst hast Deinen Vater anzurufen. Für mich war das das Schlimmste überhaupt. Denn in all den Jahren habe ich eine unglaubliche "Antenne" entwickelt, zu empfangen / erkennen ob er was getrunken hatte oder nicht. Wenn er getrunken hatte war er ein komplett anderer Mensch und ich war dann wieder am Boden zerstört. Es ist ein so unglaublich unfassbare Leid mit anzusehen, wie sich ein Mensch so zu Grunde richtet! Mein Vater hat nie viel getrunken, er hat auch nicht viel vertragen. Er war immer ein treuer und loyaler Arbeitnehmer und hat außer in der Zeit seines Entzugs nie wegen Alkohols in der Arbei gefehlt. Er hat "funktioniert" wie man so schön sagt. Er ist mir gegenüber nie ausfällig geworden, hat mich nie geschlagen. Er hat mich geliebt und tut es wahrscheinlich jetzt noch. Ich kann Dich auch so gut vestehen, dass Du Deinen Vater noch einmal sehen und ihn drücken willst. Ich hatte damals auch kaum die Kraft dazu, meinen Vater zu umarmen, habe es aber immer wieder einmal geschafft und habe gemerkt, dass es ihm - auch wenn es nur ein kurzes intensives Gefühl für uns beide war - unglaublich gut getan hat. Es hat an seiner und unserer Situation nichts geändert aber es war ein kurzer Moment des Glücks an den ich mich immer wieder gerne erinnere und den ich noch immer gerne nachspüre. Ich kann Dir in diesem Fall nur meine Erfahrung mitgeben. Vielleicht hilft sie Dir etwas. Mein Vater ist dann im Krankenhaus gestorben. Zum Zeitpunkt seines Todes waren leider weder meine Mutter noch ich da. Kurz vorher konnte ich mich aber noch von ihm "verabschieden". Er war zwar nicht mehr bei Bewusstsein aber ich konnte ihm noch eine Geschichte vorlesen und ihm was vorsingen. Ich glaube, er wollte auch gar nicht, dass einer von uns dabei ist, wenn er stirbt. So war er. Jemand, der alles erst einmal mit sich selbst ausmacht. Ich bin in gewisser Hinsicht auch so.
Viel Kraft Dir und Euch allen hier im Forum.
Marawi |
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