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Er säuft und säuft und säuft

 
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Mutter macht mich mit krank   •    Mein Vater trinkt...  
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Biene80
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 30.01.2010
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 31.01.2010, 11:42    Titel: Er säuft und säuft und säuft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

ich habe lange gebraucht bis ich hierher gefunden habe, denn immer noch handelt es sich um ein Tabuthema und wer sagt gerne; Mein Vater ist Alkoholiker.

Ich selbst trinke keinen Schluck Alkohol, vermeide auch Betriebsfeiern wo es nur um saufen geht. Was mich da natürlich auch wieder in Erklärungsnot und schiefen Blicken bringt.

Zu mir ich bin selbst in Therapie wegen Angstzuständen. Mit meinem Therapeuten kann ich darüber nicht reden seine Meinung dazu ist: Es ist sein Problem und nichts meins. Es geht mich nichts an. Denn ändern kann ich nichts daran.

So habe ich es bisher auch gehalten. Aber vor kurzem hatten wir einen handfesten Streit. Mein Vater neigt dazu rumzuschreien, Choleriker halt.
An diesem Tag ist mir der Kragen geplatzt und ich habe zurückgeschrien.
Was kann ich gar nicht genau sagen, nur das ich mich nicht mehr von ihm anschreien lassen und ich nicht weiß was ich ihm getan habe habe das er mich ständig anmault.

Ich wußte gar nicht das ich so laut schreien kann. Er hat mich so wütend gemacht, fast hätte ich mein Handy nach ihm geworfen.

Danach hat er heulend meine Schwester angerufen und sie gebeten vorbeizukommen. Warum er geheult hat, keine Ahnung. Vielleicht weil ihm einer mal contra gegeben hat.

Aber so kann es doch nicht weitergehen. Er merkt nicht wie viel er säuft.
Wenn meine Mutter ihn darauf anspricht, sagt er gar nichts oder wir sind alle blöd und es stimmt nicht.
Nun habe ich von meiner Mutter erfahren das er im Keller heimlich kleine edit - bitte keine Markennamen, danke - edit ( schreibt man das so?) Flaschen versteckt. Diese aber nur trinkt wenn meine Mutter auf der Arbeit ist.

Selbstverständlich merkt auch hier niemand das er heimlich säuft, denn alle sind dumm und sehen seine Augen nicht die auf Halbmast hängen, die langsame Sprache und das doppelt und dreifach erzählen von Dingen.

Mich nervt es so dermaßen, ich könnte ihn gerade im Moment weiter anschreien. So lange habe ich die Klappe gehalten.

Seit ca. 10 Jahren ist er arbeitslos, ein Versuch sich selbstständig zu machen scheiterte.

Er hat früher auch schon gerne getrunken, aber so extrem nicht.

Ich weiß gar nicht seit wann das so extrem ist. Morgens um 10.30 fängt es mit der ersten Flasche Bier an. Bis zum Abend säuft er bis zu 7 Flaschen. Danach noch eine halbe Flasche Wein, ja und wie jetzt erfahren zwischendurch noch die versteckten Likör Flachen oder wie es sonst heißt.

Dieser Anblick ist so erbärmlich und peinlich.

Meine Mutter hat letztens so getan als hätte sie die edit - bitte keine Markennamen, danke - edit Flaschen zufällig beim aufräumen entdeckt. ( Sie kennt die ganzen Verstecke, auch wenn er sich ständig ein neues sucht) Sie hat ihm die Flaschen gezeigt und gesagt das er vergessen hat sie zu trinken.
Seine Antwort darauf war: Ach, die kann man auch mal wegwerfen.

Von mir wollte er letztens eine Kiste Bier mitgebracht haben. Meine Mutter hatte ihm schon gesagt das er nicht zu denken bräuchte das ich ihm Alkohol mitbringe.
Naja. er hat trotzdem gefragt und war beleidigt das ich ihm keinen Nachschub frei Haus liefere.

Ich war natürlich wieder die böse, ich bin nicht gefällig, denke nur an mich, was er schon alles für mich getan hat (frage mich nur was), das er mir auch nichts mehr mitbringt u.s.w.

Ich bin dann wütend losgefahren und habe ihm KEIN Bier mitgebracht!!!

Ich weiß nicht ob er langsam merkt das es so nicht weitergeht.

Vor einigen Wochen hat er meiner Mutter zum 3. Mal die gleiche Geschichte erzählt. Beim vierten Mal fragte meine Mutter dann ob er ihr das jetzt etwa zum vierten Mal erzählen will.
Ihm kamen die Tränen und ging ins Bett.
Auch hier wieder-> Er ist der arme, alle sind böse.

Mich macht das alles langsam so fertig. Er merkt es nicht. Selbst in einem Gutachten steht das er zuviel und regelmäßig trinkt.
Aber das überliest er. Steht da ja gar nicht.

Er ist jetzt 57 Jahre. Wie lange es wohl dauern wird bis ernsthafte Schäden auftreten.
Die Leber ist bestimmt schon beschädigt und Hirnzellen hat er sich definitiv schon versoffen.

Sorry wenn das jetzt alles so wirr und viel geschrieben ist.

Muß im Moment alles aus mir raus. Einfach zuviel geworden.
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Biene80 hat zum Thema: Er säuft und säuft und säuft geschrieben
pedi1970
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 06.12.2009
Beiträge: 262
Alter: 42
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 31.01.2010, 15:28    Titel: Re: Er säuft und säuft und säuft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Biene,

ein "Sorry" für´s viele Schreiben ist nicht nötig... Winken im Gegenteil, das Schreiben hier ist sehr erleichternd und hilft, Gedanken und Gefühle zu sortieren.

Dein Therapeut hat schon recht, wenn er sagt, es ist sein (Vaters) Problem, und nicht Deins. Das ist so, finde ich, natürlich nicht sehr hilfreich, wenn es ohne weitere Erklärung einfach im Raum stehen bleibt.

Mir hat es sehr geholfen, mich zum einen über die Krankheit Alkoholismus zu informieren und was sie aus uns EKAs macht. Ein schönes Buch dazu ist: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/349918771X/selbsthilfeun-21

Du hast Recht, in der Gesellschaft ist "Alkohol" ein Tabu-Thema, bzw. eher "Alkoholproblem". Ich habe mich Al-Anon angeschlossen, einer SHG, die speziell für Angehörige und Freunde von Alkoholikern da ist. Dieser Austausch ist mir inzwischen sehr wichtig geworden. Al-Anon hat auch schöne Literatur; vielleicht gibt es in Deiner Nähe auch eine Gruppe, gib es mal in die Suchmaschine ein.

Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass wir es ohne Hilfe von außen nicht schaffen, unsere Gefühlswelt zu sortieren. Und wie enorm die Auswirkungen auf uns Erwachsene Kinder sind.

Ich wünsche Dir einen guten Austausch; scheib Dir alles von der Seele, wenn Dir danach ist!

Alles Liebe.. Pedi
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pedi1970 hat zum Thema: Re: Er säuft und säuft und säuft geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14428
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 31.01.2010, 15:45    Titel: Re: Er säuft und säuft und säuft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Biene,

nochmal herzlich Willkommen hier bei uns EK's. Schreib dir alles von der Seele, egal wie wirr sich das im ersten Moment anfühlt. Mich hat das Schreiben hier sehr gut sortiert innendrin. Wenn dir das hier zu öffentlich werden sollte, dann kannst du jederzeit in den geschützten Forenbereich wechseln.

Ich weiß inzwischen auch, wie laut ich schreien kann. Alle unsere Gefühle sind in Ordnung, es gibt so viele auf der Gefühlspalette. Auch die Wut, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit. Gefühle wollen artikuliert werden, kann können sie weiterziehen und es gibt Platz für neue...

Ich war wirklich der Überzeugung, daß nach all den Jahren des Schweigens und Vertuschens in meiner Familie, mein heftiger Gefühlsausbruch die Welt aus den Angeln hebt... Und was geschah? Nichts... Einfach nichts. Alkoholismus verschluckt alle Gefühle. Nur so kann er sich selbst erhalten.

Ich habe inzwischen den Kontakt einschlafen lassen und wahre den Abstand. Gegen den Alkoholismus kann ich nichts tun. Ich kann etwas für MICH tun, nämlich mich aus dieser belastenden Situation herausnehmen. Und in dem gewonnenen Abstand MEIN Leben leben.

Es ist gut, daß du anfängst an dich zu denken. Dir darf es gut gehen. Und er ist für sich selbst verantwortlich, er ist erwachsen.


Lieber Gruß, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: Er säuft und säuft und säuft geschrieben
Biene80
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 30.01.2010
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 31.01.2010, 17:37    Titel: Re: Er säuft und säuft und säuft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke für die Antworten.

Ich glaube das mein Gefühlsausbruch mich mehr belastet als ihn. Für mich fühlt es sich so an als hätte ich eine Tür aus meinem Gefängnis gefunden. Es ist schwer zu erklären.

Fühle mich ausgepowert, voller Zweifel, Ängste, Unsicherheit. Das totale Gefühlschaos.

Obwohl ich es nicht will habe ich mich heute intensiv mit dem Thema beschäftigt. Auch weil ich heute nicht zu Mittagessen aufgetaucht bin.
Lieber habe ich es vorgezogen niemanden zu sehen und alleine zu sein.

Mein nächster Gedanke kreist um die Gesundheitlichen Schäden.
Ich weiß nicht ob es so stimmt was ich mir zusammengelesen habe.

Demnach ist der sogenannte Bierbauch ein Wasserbauch der unter anderem ein Endsymptom einer Lebererkrankung ist.
Jetzt frage ich mich, warum spricht kein Arzt ihn darauf an, der Bauch ist wirklich nicht zu übersehen.

Bin total durch den Wind.
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Biene80 hat zum Thema: Re: Er säuft und säuft und säuft geschrieben
Skye
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2009
Beiträge: 293
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 31.01.2010, 20:09    Titel: Re: Er säuft und säuft und säuft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Bine,

meine Mutter und ich haben uns häufig gestritten. Oftmals wusste ich hinterher garnicht, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Erst im Nachhinein ist mir klar geworden, sie hat sehr häufig den Streit provoziert um einen „Grund“ zum saufen zu haben.

Ich habe oft gebrüllt und geheult, ihr gesagt das ich Angst habe, dass sie sich langsam umbringt usw. Ich hatte die Hoffnung wenn ich es nur oft genug und nachdrücklich genug sage, dann muss sie doch merken was sie sich antut, dann muss sich doch was ändern. Nach diesen Auseinandersetzungen war ich jedes mal körperlich und seelisch erschöpft. Mehr hat es nicht gebracht. Ein Umdenken hat bei ihr dadurch nicht stattgefunden. Vieles ist sicherlich bei ihr angekommen, aber nicht so wie ich es erhofft hatte. Auch wenn sie Alkoholikerin war, war sie doch auch immer noch ein Mensch mit Gefühlen. Entweder war das ein passender Grund zum saufen oder es wurde einfach verdrängt.

Zur Sucht gehört auch immer Selbstbetrug, die Realität wird sich schön geredet und zurecht gebogen, bis sie so passt wie sie gebraucht wird. Das ist Sucht, bzw. ein Teil davon. In sofern ist das Verhalten Deines Vaters für einen Alkoholiker vollkommen „normal“. Was nicht passt wird passend gemacht, auch wenn es bar jeder Logik ist, oder es wird ignoriert.

Zitat:
Mein nächster Gedanke kreist um die Gesundheitlichen Schäden.
Ich weiß nicht ob es so stimmt was ich mir zusammengelesen habe.


Ich weiß was alles so im Netz zu finden ist, deshalb sage ich mal mit Sicherheit ja und mit Sicherheit nein. Alkoholismus ist eine Krankheit und auch die Folgeschäden sind Krankheiten. Krankheiten und die Beurteilung ob es eine ist, gehört in die Hände von Ärzten. Du tust Dir selbst keinen Gefallen, wenn da weiter bohrst. Deine Sorgen werden nur größer, aber ändern kannst Du auch mit all Deinem "Wissen" nichts. Dein Vater hört erst auf wenn er will, nicht wenn Du willst dass er es tut.

Zitat:
Demnach ist der sogenannte Bierbauch ein Wasserbauch der unter anderem ein Endsymptom einer Lebererkrankung ist.


Das ist ein sehr gutes Beispiel. Die Physiognomie von Männern ist so, dass sich bei manchen Fett fast ausschließlich am Bauch ansammeln kann, bei Frauen findet sich das weniger. Die nettere Bezeichnung ist dann Bierbauch. Es ist nichts als Fett, was auch nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist, aber auf ein zu viel an Nährstoffen und nicht auf ein zu viel an Alkohol zurückzuführen ist, vereinfacht ausgedrückt. Es kann aber auch sein, dass das ausschließlich Wasser ist, was auch auf unterschiedliche Krankheiten hindeuten kann, nicht nur auf eine kaputte Leber. Es liegt also an einem Arzt zu entscheiden was es ist.

Zitat:
Jetzt frage ich mich, warum spricht kein Arzt ihn darauf an, der Bauch ist wirklich nicht zu übersehen.


Erstmal müsste er zum Arzt gehen. Außerdem was sollte das bringen? Er überliest ja auch was in einem Gutachten steht. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dann auf einen Arzt hört betrachte ich dann auch eher als gering. Kein Arzt kann ihn zwingen sich behandeln zu lassen. Es kann genauso gut sein, dass ein Arzt bereits festgestellt hat ob es nun Fett oder Wasser ist. Egal ob und wie, solange Dein Vater nicht will, wird er alles ignorieren und schön reden was ihn davon abhalten könnte weiter zu trinken. Er wird erst zuhören, wenn er dazu bereit ist, wann das ist liegt allein an ihm.

Deinen Vater kannst Du nicht helfen, nur Dir selbst. Hierher zu kommen ist schon mal ein sehr guter Anfang dafür.

Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Er säuft und säuft und säuft geschrieben
rentenvater
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 03.12.2009
Beiträge: 12
Alter: 37

BeitragVerfasst am: 02.02.2010, 08:50    Titel: Re: Er säuft und säuft und säuft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich bin auch immer noch perplex von den Ereignissen der letzten Monate. Da ging es in der Saeuferlaufbahn meines Vaters rapide bergab -- Krankenhaus, Demenz, usw. Aerzte haben ihm klipp und klar gesagt, dass sein Trinkverhalten lebensgefaehrlich geworden ist. Und je schlimmer und ekliger es wurde, umso staerker war seine Verneinung. Wir wuerden doch alle uebertreiben, so wie immer.
Ein interessanter Ratschlag den ich bekam war, dass es fuer die Angehoerigen meistens "schwer nachvollziehbar" sei, warum sich jemand so kaputtrichtet. Und mich darauf vorzubereiten, dass es noch schlimmer werden koennte. Das sind ganz schoen irrationale Dinge, die sich da abspielen, da musst Du gut auf Dich selbst aufpassen.
Viele Gruesse,
Claus
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rentenvater hat zum Thema: Re: Er säuft und säuft und säuft geschrieben

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