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Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium

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Skye
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2009
Beiträge: 293
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 28.01.2010, 21:03    Titel: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Silberschweif,

herzlich willkommen im Forum. Als ich Deinen Eingangpost gelesen habe, habe ich gedacht Du sprichst von meiner Mutter. Die Suchtgeschichten ähneln sich doch sehr.

Zitat:
Mir ist schon klar, dass ich hier wohl etwas hereinplatze, das tut mir auch leid,


Wir wissen hier alle worum es geht und es geht uns auf die eine oder andere Art wie Dir. Es sind hier keine langen Vorreden nötig, hier muss keiner auf das Thema vorbereitet werden. Wir wissen wie das ist. Schreib wie Du willst und wie es Dir in den Kopf kommt. In erster Linie soll es Dir helfen Dich hier auszutauschen, Deine Sorgen und Gedanken nieder zu schreiben. Wenn hier einer was nicht versteht, dann fragt er schon, keine Sorge.... Leid tun muss Dir auch nichts, dieses Forum ist schließlich für genau solche Dinge gedacht. Nur frei von der Leber weg, wie Du magst und was Du in so einem öffenlichen Raum preisgeben möchtest.

Zitat:
denn auf der einen Seite wünsche ich mir Kopfstreichler und Mitleid, und auf der anderen Seite könnte ich am liebsten herausposaunen, dass man keinem Alki helfen kann, so lange er sich nicht helfen lassen will.


Das ist doch keine Widerspruch, keiner kann nur hart oder nur weich sein. Du weißt was zu tun ist bzw. was nicht zu tun ist, dass heißt doch aber nicht, dass es Dich nicht belasten darf und Dir nicht nach Trost sein darf. Du bist doch ein Mensch und keine Maschine...

Zitat:
Was mich auch so ferig macht, ist, dass ich von der ganzen Problematik nichts gemerkt habe. Ich mache mir wahnsinns Vorwürfe! Gut, ich habe gesehen, wie sie rein körpelich abgebaut hat, weil sie wohl die Depressionen hat.


Und was wäre wenn Du es gemerkt hättest, hättest Du dann etwas ändern können? Die Antwort hast Du Dir selbst schon gegeben... Nein, Du hättest auch dann nichts tun können

Zitat:
Ich habe es ihr heute ins Gesicht gesagt und sie war so betroffen, meine Güte, ich liebe sie so, sie ist meine Mutter!


Du darfst sie auch weiter lieben, auch wenn sie Alkoholikerin ist. Doch Liebe heißt nicht, dass man alles schlucken und alles übersehen muss. Sie heißt nicht das man unangenehme Dinge ignorieren und verstecken muss.

Zitat:
Noch gestern Abend hätte ich meine Mutter am liebsten angerufen und ihr gesagt, wie sehr ich sie liebe und dass ich sie nicht verlieren möchte. Sie fehlt mir einfach, ich vermisse sie.


Wenn es Dir ein Bedürfnis ist, wenn Du das in dem Moment brauchst, dann tue es. Es geht hier um Dich und Deine Bedürfnisse. Loslassen heißt nicht fallen lassen, loslassen heißt einen anderen sein Leben selbst bestimmen zu lassen, sich nicht in seine Entscheidungen einzumischen, sich nicht um Dinge kümmern die einen nichts angehen. Es heißt nicht, dass man seine Gefühle begraben muss und/oder keine Zuneigung mehr zeigen darf. Wenn Du ihr etwas sagen willst, dann tue es, wer oder was sollte das verbieten.

Zitat:
Aber ich glaube, es ist besser, wenn ich sie nicht anrufe, denn ich möchte nicht, dass sie denkt, ich setze sie unter Druck. Oder dass sie das Gefühl hat, sie müsse einen Entzug quasi für mich machen, dass sei sie mir schuldig.


Deine Mutter wird erst dann aufhören, wenn sie will. Vielleicht würde sie einen Entzug machen, weil sie meint sie müsste es für Dich machen. Das ist dann aber trotzdem immer noch ihre Entscheidung, genauso wie es ihre Entscheidung war nach ihren bisherigen Entzügen wieder anzufangen zu trinken.

Zitat:
Sie hat ja außer mir keinen mehr - Sie muss wirklich so einsam ist. Sie hat ein hartes Leben hinter sich, 2 kaputte Ehen und jetzt Null Lebensinhalt, außer mich.


Hast Du Dich mal gefragt warum das so ist? Bei meiner Mutter war es ähnlich und sie hatte auch kaum noch jemanden. Das lag aber ganz allein an ihr. Zum einen weil sie im Suff alle anderen vergrault hat. Niemand lässt sich dauern beleidigen und sich Dinge vor den Kopf werfen die der andere für die Wahrheit schlechthin hält und zu der er sich sie auszusprechen berufen fühlt, egal ob das Gegenüber es hören will oder verletzt wird. Zum anderen war sie allein, weil ihr der Alkohol wichtiger war. Unternehmungen und Treffen passen ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit Alkohol zusammen, weil der Bedarf so hoch ist, dass es nicht mehr reicht nur noch zu bestimmten Zeiten zu trinken. Die Sucht will befriedigt werden und sie übernimmt die Kontrolle über den Tagesablauf.

Sie muss ihr Leben mit Inhalt füllen, es ist nicht Deine Aufgabe diese Leere zu überdecken damit sie sie nicht so hart spürt. Saufen macht nun mal einsam, das ist so.

Zitat:
Währenddessen hat sie ne Pulle Wodka intus und alles ist gut...


Genauso ist das, denn sie ist Alkoholikerin. Die Sucht lässt sich nicht an und ab schalten „nur“ weil Du da bist. Du hast es überspitzt geschrieben, aber das ist die Realität.

Zitat:
Sie hat schon etliche Entzüge hinter sich und 2 Langzeittherapien. Sowie 3 lange Aufenthalte in einer Psychatrischen "Anstalt"


Deine Mutter weiß also wie es geht, sie weiß, wo sie Hilfe bekommen kann. Wenn sie also aufhören will, weiß sie, was sie tun muss. Sie nicht hilflos, auch wenn auf Dich so wirken mag, sie ist nicht hilflos.

Zitat:
Nur sie kann über ihr Leben entscheiden, entscheidet sie sich zum Aufhören, werde ich ihr helfen, wo ich nur kann. Entscheidet sie sich für ihre Wodkapullen, wird sie dieses Jahr völlig einsam in ihrer Wohnung verrecken.


Ich kann mich Insulaner nur anschließen überlege gut was Du tust. Tue es nur, wenn Du wirklich hinter dieser Entscheidung stehst, wenn Du es für Dich tust. Wenn Du es für sie tust, weil Du hoffst dass sie wach wird und sich für ein trockenes Leben entscheidet, was willst Du tun, wenn es nicht funktioniert? Was tust Du wenn sie weitertrinkt bis der Alkohol sie umbringt. Ein schlechtes Gewissen und Selbstvorwürfe können einen gewaltig quälen, wie Du schon festgestellt hast. Gehe diesen Schritt nur wenn Du Dir für Dich selbst sicher bist. Es geht hier um Dich nicht um Deine Mutter, die kann für sich selbst sorgen.

Ich weiß da sehr schnell der Rat zum Kontaktabbruch gegeben wird, wenn jemand fragt was er tun soll, dass ist aber nicht für jeden das Richtige. Andere leben nicht das eigene Leben, deshalb sollte man tun was für einen selbst das Beste ist.

Ich habe damals den Kontakt reduziert so wie ich ihn brauchte, ich wäre mit einem Kontaktabbruch nicht klargekommen. Ich hatte es kurzzeitig versucht und nur gelitten. Ich hätte mir Vorwürfe gemacht, denn ihr Tod kam sehr plötzlich, ich hätte keine Chance mehr für irgendetwas gehabt. Ich habe sie machen lassen, was mir schwer genug gefallen ist. Ich habe akzeptiert, dass es ihre Sache ist, wenn sie sich das Leben in Raten selbst nehmen will, auch wenn es sehr weh tat. Ich habe losgelassen. Mir ging es damit aber trotz Kontakt besser, weil wir einen wesentlich entspannteren Umgang miteinander hatten. Hätte ich den Kontakt abgebrochen hätte ich mich vieler Dinge beraubt.

Es ist Dein Leben, tue das was sich für Dich richtig anfühlt, womit Du am besten leben kannst.

Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium geschrieben
Silberschweif
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.01.2010
Beiträge: 7
Alter: 42
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 29.01.2010, 11:10    Titel: Liebe Skye Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

..guten Morgen,

dein Beitrag treibt mir die Tränen in die Augen - Du gibst exakt das wieder, was ich zurzeit empfinde. Du findest in deinen Worten genau die Waage zwischen meinen Emotionen und dem Wissen über die Alkoholkrankheit.

Ich habe wiederholt in mich hineingehört und bin jetzt zur Überzeugung gelangt, dass ein kompletter Kontaktabbruch für uns nicht der richtige Weg ist. Also für mich nicht.

Unsere Beziehung war die letzten 6 Monate eh nicht mehr so innig, ich hatte mich also schon von ihr distanziert, aber eher aus Gründen, weil ich ihre totale Interessenlosigkeit nicht mehr ertragen konnte, die Monologe die ich am Telefon abhielt wurden mir zu anstrengend, ich war wütend auf sie, dass sie sich Nullkommanull um ihr Enkelkind kümmerte/interessierte, während ich vor 3-fach Belastung kaum aus den Augen gucken kann.

Jedes Mal wenn ich an unser Gespräch (Monolog) zurückdenke, werde ich mir sicherer, dass sie keinen Entzug machen wird. Ich denke, sie sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben und niemand kann ihr diesen Sinn (zurück)geben. Sie hat nicht mehr den Biss was zu ändern, das Ruder rumzureißen. Für sie reicht es, Wodka zu trinken, bis sie absolut nichts mehr spürt, das Hirn in Watte gepackt ist, sie irgendwann einpennt, aufwacht, ne halbe Schnitte ißt, der Tag rum ist, und der nächste Tag wieder anfängt.

Von daher bin ich so undendlich glücklich gelesen zu haben, dass ich mich doch bei ihr melden "darf". Ich möchte sie wenigstens mal anrufen und hören, dass noch alles "okay" ist. Und sie soll mich anrufen dürfen, wenn sie die Einsamkeit nicht mehr aushält. Am Telefon wirkte sie auch nie lallig, sondern eher wortkarg, einfältig, monoton. Ich kann ja dann auflegen, wenn es mir zu viel wird. Sie ist ja kein agressiver Mensch, im Gegenteil. Ich würde es gar nicht aushalten, sie jetzt nie wieder zu hören. Und ich weiß, wenn jetzt das Endgültige passieren würde, würde ich nicht mit klarkommen und hätte mit Sicherheit Schuldgefühle. Der Gedanke wäre ständig da, dass ich nun der Auslöser gewesen bin.

Es tut mir leid zu lesen, dass der Tod bei deiner Mama so plötzlich kam! Es ist alles so traurig, dieses kaputtmachen und sich selbst zerstören. Wenn diese Menschen schon nicht ein erfülltes Leben hatten, dann wäre ihnen doch ein glückliches Rentendasein noch mehr gewünscht. Meine Mutter ist 63 J. Was könnte sie alles Schönes unternehmen...

Ganz herzlichen Dank für deinen einfühlsamen Beitrag und deine weisen Worte.

Liebe Grüße
Silberschweif
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Silberschweif hat zum Thema: Liebe Skye geschrieben
MrHardcore
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 15.12.2009
Beiträge: 149
Wohnort: Nähe München

BeitragVerfasst am: 29.01.2010, 13:11    Titel: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi silberschweif,


diese innere zerrissenheit begleitet mich meinem vater gegenüber nun schon mehr als 25 jahre. ich konnte iden hintergrund jedoch erst vor rund 7 jahren "begreifen", als ich selbst trocken wurde und blieb, also die familienkrankheit erst mal durchbrochen habe.

ab da wurde mir dann vieles erstmalig bewusst:

was ich an einem normalen familienleben vermisst hatte
dass das, was meine herkunftsfamilieführte, kein normales leben war
dass ich nie einen vater hatte, der seiner rolle als vater auch gerecht werden konnte
dass meine konditionierung im rahmen der erziehung meine eigenen gefühle vollkommen überdeckt hatte
dass ch emotional völlig verarmt war
dass ich nicht gelernt hatte, mich mit meinen defiziten auf eine normale und gesunde art auseinander zu setzen
...
und noch vieles mehr.

ich habe aber auch gelernt, dass ich meine gefühle ihm gegenüber haben "darf", dass sie echt sind, und ich sie auch äußern kann.
und ich weiss heute, dass er einfach nicht anders konnte - die sucht ist stärker, als alles andere. ich musste dies am eigenen leib erfahren, durch meine eigene alkoholsucht.

somit sehe ich meinen vater heute in einem milderen licht. ich beurteile und verurteile ihn nicht, auch wenn ich sein trinken nicht toleriere. ich weiss, dass er jederzeit den weg aus seiner sucht gehen kann, wenn er dies möchte. ich weiss, dass es genügend hilfsangebote in anspruch nehmen kann - wenn er das will.
und ich weiss, dass niemand trinken muss. jeder kann es schaffen, aus der sucht auszusteigen.

und ich weiss aus meienr eigenen erfahrung, dass dazu der eigene tiefpunkt notwendig ist. so lange der nicht da ist, ist jede hilfe vergebens.

all dieses wissen und die eigene erfahrung können jedoch eines nicht: es mir erleichtern, ihn so zu erleben, wie er als nasser alkoholiker eben ist: nass. auch nach 25 jahren nicht. ich bin daher heute bemüht, den kontakt so weit einzuschränken, dass ich ihn nicht volltrunken erleben muss und nicht alle üblen ausfallserschenungen hautnah mitbekomme.

das macht es mir auch heute unmöglich, mit ihm unbelastet umzugehen.

aber ich liebe ihn, er ist mein vater. ich liebe ihn wahrscheinlich genau so, wie mein sohn mich liebt.

das macht es nicht immer einfacher, aber im laufe der jahre habe ich mich einfach daran gewöhn es so zu nehmen, wie es ist.

die zeit ist dabei manchmal ein gnädiger helfer. vielleicht kannst du auch mit der zeit einen weg finden, damit um zu gehen.

cu
MrHardcore
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MrHardcore hat zum Thema: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium geschrieben
Silberschweif
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.01.2010
Beiträge: 7
Alter: 42
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 29.01.2010, 22:30    Titel: @MrHardcore und alle anderen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich finde es erst mal ganz toll, dass du nun schon so lange trocken bist!

Und die Dinge die du beschreibst, die dir klar geworden sind, nachdem du trocken warst, treffen auch auf meine Mutter zu. Diese lieblose Kindheit, ein Vater der ebenfalls getrunken hat, die ständige Konditionierung die eigenen Gefühle im Griff zu haben... Okay, das sind Dinge die ich mir aus Erzählungen zusammenreime, ich weiß auch, dass ich dafür nicht zuständig bin, und ich nehme an, dass jeder seine "Gründe hat" um zu trinken - Das will ich auch gar nicht verurteilen, ich war selber nie ein Kind von Traurigkeit was allerlei Dinge betrifft, habe aber wohl immer die Kurve bekommen.

Ich habe sie nun heute angerufen und sie war sehr froh, dass ich mich meldete. Mir tat es auch erst mal gut und ich war beruhigt, dass soweit alles "okay" ist.

Eine enge Freundin, selber Lebensberaterin, sagte mir, dass das ein riesen Fehler war, denn der Abhängige muss am Boden liegen ohne jeglichen Kontakt und erst dann kann ein Umdenken passieren.

Ich frage mich aber, gibt es wirklich nur schwarz und weiß? Unterstütze ich sie wirklich wieder in ihrer Alkoholabhängigkeit wenn wir telefonieren? Weil es ihr dann so vorkommt, als wäre nie etwas passiert? Weil genau das will ich ja nicht mehr machen...Immer alles unter den Teppich kehren, über das Wetter sprechen; aber genauso wars heute am Telefon, nur die Stimmung war gedrückter.

Ich wünsche mir, dass mich jemand an die Hand nimmt und mir sagt, was richtig und was falsch ist!!! Jemanden, dem ich vertrauen kann und wo ich mein Gehirn abschalten kann und wo ich keinen Schmerz mehr spüre.

Liebe Grüße
Silberschweif
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Silberschweif hat zum Thema: @MrHardcore und alle anderen geschrieben
Skye
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2009
Beiträge: 293
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 29.01.2010, 23:45    Titel: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Silberschweif,

Zitat:
Ich wünsche mir, dass mich jemand an die Hand nimmt und mir sagt, was richtig und was falsch ist!!! Jemanden, dem ich vertrauen kann und wo ich mein Gehirn abschalten kann und wo ich keinen Schmerz mehr spüre.


Ja, das wäre schön..... wäre es das wirklich? In Deiner momentanen Situation mit Deiner Mutter wünscht Du es Dir. Wenn es das gäbe, würde es aber für Dein ganzes Leben gelten, für jeden Bereich. Würdest Du das wollen, Dein Leben komplett aus der Hand geben?
Ich kenne das Gefühl und diesen Wunsch, aber das gibt es nicht mehr, wir sind keine Kinder mehr. Ich will es auch nicht mehr. Es gibt kein richtig und kein falsch. Es gibt Entscheidungen und Konsequenzen die daraus resultieren und dann das was man daraus macht. Ob das gut oder schlecht ist, dass sieht man irgendwann, manchmal früher, manchmal später. Wir sind erwachsen und stehen auf eigenen Füssen.

Zitat:
Eine enge Freundin, selber Lebensberaterin, sagte mir, dass das ein riesen Fehler war, denn der Abhängige muss am Boden liegen ohne jeglichen Kontakt und erst dann kann ein Umdenken passieren.


Genau, dann kann ein Umdenken passieren, muss es aber nicht. Nimm einem Alkoholiker alles was ihm lieb und teuer ist und er wird aufhören, wenn das so einfach wäre, gäbe es was den Alkoholismus angeht eine ganze Menge Probleme auf dieser Welt weniger. So einfach ist es aber leider nicht. Es gibt Menschen die haben alles verloren, sie sind die sprichwörtlichen Penner auf der Parkbank, sie trinken immer noch, der Alkohol wird sie über kurz oder lang umbringen. Es gibt Menschen die haben alles noch, Familie, Arbeit, Haus, Freunde und sie hören trotzdem auf zu trinken und werden erfolgreich trocken. Wann ein Alkoholiker am Boden liegt, wann er seinen persönlichen Tiefpunkt hat, ist so unterschiedlich, wie die Menschen unterschiedlich sind. So einfach wie Deine Freundin es darstellt ist es nicht. Wäre schön, dann würde meine Mutter vielleicht noch leben.

Im Umkehrschluss bedeutet dieser Satz für mich, brich den Kontakt ab, sonst kann kein Umdenken passieren. Das ist die Verantwortung für die Trockenheit des Alkoholikers in die Hände der Angehörigen legen, nichts anderes. Das ist anderen ein schlechtes Gewissen machen und das finde ich nicht sehr fein, das ist Förderung von Co-Abhängigkeit und das finde ich ebenfalls nicht fein.

Der einzige Mensch, der für seine Trockenheit verantwortlich ist, ist der Alkoholiker selber nicht seine Angehörigen.

Es geht hier aber um Dich und nicht um Deine Mutter. Es geht darum was Du tust, was Du brauchst, nicht darum was Deine Mutter tut und braucht. Brauchst Du das Telefonat ruf an, brauchst Du es nicht lass es. Geht Dir die Einseitig- und Oberflächlichkeit auf die Nerven brich es ab, kannst damit leben höre weiter zu. Belastet Dich das Gespräch, beende es, tut es Dir gut führe es fort. Stört Dich etwas, sag es Deiner Mutter. Gestalte es so, wie Du es brauchst. Wenn es Deiner Mutter nicht gefällt kann sie es ja sagen, Du musst nicht erraten was sie gerade will und braucht, sie hat einen Mund zum reden. Wenn sie nicht redet ist das ihr Problem nicht Deines. Sie ist nicht hilflos.

Ich habe jetzt gute 4 Jahre Therapie hinter mir, wie ich finde sehr erfolgreich. Meine Therapeutin hat mir in vielen Dingen sehr geholfen, ich habe aber noch lange nicht alles gemacht, was sie für richtig befunden hat. Es gab einiges da konnte ich ihr nicht zustimmen. Manchmal zu meinem Vorteil, manchmal zu meinem Nachteil. Alle die wir um Hilfe ersuchen, können uns Vorschläge machen, aber können nicht unser Leben leben und werden es auch nicht leben. Das tun nur wir.

Ich kann verstehen, dass Du unsicher bist, das Du Angst hast etwas falsch zu machen. Du darfst Fehler machen, die gehören zum Leben. Du darfst an Dich denken, da ist auch nichts falsch dran. Hier geht es ganz allein um Dich und nicht um Deine Mutter. Höre auf Deine innere Stimme und nicht auf die von außen. Es ist Dein Leben, Du musst es leben, nicht andere auch nicht Deine Freundin, Lebensberaterin hin oder her.

Hab ein bisschen mehr Vertrauen zu Dir selbst.

Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium geschrieben
Silberschweif
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.01.2010
Beiträge: 7
Alter: 42
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 03.02.2010, 21:42    Titel: Hallo @ all, spezial Skye Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich habe mich jetzt einige Tage hier nicht blicken lassen und einfach mal versucht, Abstand von den ganzen Geschehnissen der letzten Woche zu finden, und das eine oder andere probiert zu verdauen oder damit umzugehen.

Komischerweise kann ich gar nicht wirklich beurteilen, ob ich mich "ablenke", d.h. die Geschehnisse eher "verdränge" oder ob sich bei mir tatsächlich gerade ein (vorübergehende?) Gleichgültigkeit eingestellt hat...

Ich muss natürlich oft an meine Mutter denken und überlege, was sie jetzt wohl gerade macht. Aber ich bringe es zurzeit einfach nicht fertig sie anzurufen und mit ihr über die vereisten Straßen zu plaudern *würg*

Sie hat auch in der Vergangenheit nie über die Alkoholprobleme gesprochen, obwohl ich irgendwann die einzige war, die ihr noch diverse gepackte Taschen quer durch Niedersachsen zu den div. Entziehungkuren gebracht hat - Immer alles unter den Teppich kehren, die Berge müssen so hoch sein, dass sie selbst für einen erfahrenen Bergsteiger kaum noch zu erklimmen sind.

Für mich steht ein konsequenter Kontaktabbruch immer noch nicht im Raum, aber ich habe auch keine andere Idee, wie sich der Kontakt dann überhaupt gestalten soll.

Für mich ist das Maß einfach so voll, voller kann es nicht sein! Meine Schmerzgrenze ist so massiv überschritten, dadurch dass sie stockbesoffen vor ihrem Enkel zusammen gebrochen ist (meinem Sohn), dadurch ist in mir etwas abgestorben! Wenn ich an den Samstag zurückdenke, wie der Kleine versucht hat die Tür von innen aufzukriegen um mir aufzumachen, und ich meine Mutter auf dem Wohnzimmerboden vorfand - Unbeschreiblich! Ich könnte sie umbringen dafür!

Meine Worte klingen gerade voller Hass, ja, den empfinde ich auch. Hass ist kein gutes Gefühl, ich weiß. Es frißt Kraft auf und Optimismus. Aber im Moment ist es mir gerade sch*** egal was aus ihr wird.

Verwirrte Grüße
Silberschweif
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Silberschweif hat zum Thema: Hallo @ all, spezial Skye geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14428
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 03.02.2010, 22:58    Titel: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Silberschweif,

das mit dem Ablenken, Verdrängen, das kann alles sein...

Du darfst dich aus einer Situation herausnehmen!

Es gibt Situationen, die kann man nicht beeinflussen. Aber man kann den eigenen Abstand dazu selber wählen.

Alle deine Gefühle sind in Ordnung. Die Gefühlspalette ist nicht nur pastell, da gibt es auch die ganz heftigen Farben...Vielleicht verwandelst du den Hass in Energie FÜR DICH. Da ist pure Energie, die ist im Moment noch gebunden, aber du kannst sie dir wieder holen und für dich verwenden.


Lieber Gruß, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium geschrieben
Nicole08
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 24.07.2009
Beiträge: 10
Alter: 40
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 04.02.2010, 15:10    Titel: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Silberschweif,

mach Dir keine Vorwürfe. Du entscheidest ganz allein für Dich, was richtig, oder falsch ist. Momentan hast Du ein Hass-Gefühl, aber auch das gehört wohl dazu.

Ich fühle mich momentan hin-, und hergerissen, ob ich meinem Vater nochmal begegnen sollte, oder nicht.....

...was aber ist, wenn es zu spät ist und das kann ja leider täglich, oder sogar plötzlich bei einem/einer Alkoholiker/in soweit sein....

Mit dieser Frage kann ich überhaupt nicht umgehen, ich glaube, ich denke ich würde mir unendlich Vorwürfe machen.

Entscheide Du für Dich, was Du kannst, was Du möchtest. Deine Mutter ist wirklich selbst für sich verantwortlich!

Ich wünsche Dir alles, alles Gute und ganz viel Kraft!

Liebe Grüße Nicole
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Nicole08 hat zum Thema: Re: Meine Mutter ist Alkoholikerin im Endstadium geschrieben

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