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Margo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.01.2010
Beiträge: 19
Alter: 30

BeitragVerfasst am: 07.03.2010, 21:45    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo ihr Lieben!

Schon wieder so viel Zeit vergangen (ja, das ist sehr viel für mich gerade, beinah ein Monat). Ich bin schon wieder wo ganz anders.
Es tut gut, die alten Posts zu lesen und zu sehen, daß ich mich bewege, daß sich doch etwas tut, obwohl ich so oft das Gefühl habe, alles würde nicht schnell genug gehen.

Ich bin einen Schritt zurückgegangen und wieder stärker bei mir selber angekommen, nicht mehr so klebend in all diesen wackligen Beziehungsnetzen.

Mit meiner Mutter habe ich gesprochen: Ich erzählte ihr, daß ich mich damit beschäftige, was es für mich bedeutet hat und noch bedeutet, daß sie Alkoholikerin ist. Zunächst hatte ich ihr davon nicht erzählen wollen, weil es mir vorkam, als würde ich ihre Erlaubnis einholen wollen. Und die brauche ich nun wirklich nicht.
Doch sie hat so viel Verständnis für meine schwierigen Gefühle und Gedanken gezeigt, daß ich es ihr dann ganz aus der Situation heraus einfach erzählen wollte.
Sie hat mich sehr ermutigt, mich damit zu beschäftigen und mir alle Hilfe angeboten, die sie mir geben kann - z. B. mir Fragen zu beantworten, was eigentlich in meiner Kindheit tatsächlich abgelaufen ist, da ich mich an Vieles nur sehr unklar erinnere.

Eine Therapeutin habe ich auch gefunden, sie macht unter anderem Traumatherapie und körperorientierte Psychotherapie und kennt sogar meine alte Therapeutin (die teure ;)). Leider fängt die Therapie erst irgendwann später im April an.

Im Moment fühle ich mich im Vergleich zu Januar und Februar ganz gut; nicht gut genug für meinen Geschmack, aber es geht. Daß die Sonne oft scheint macht sehr viel aus.
Und daß ich einen Job hier in der Gegend gefunden habe, so daß ich mir jetzt hier eine Wohnung suchen kann.
Kleinigkeiten können mich noch immer sehr umhauen, doch ich fühle mich den Stimmungen nicht mehr so extrem ausgeliefert.

Ich beobachte, von welchen Dingen mein ganz akutes Wohlbefinden beeinflußt wird: was und wieviel ich gegessen und getrunken habe. Ob ich draußen war und Bewegung hatte. Ob ich zu lange vor dem Computer sitze. Ob die Sonne scheint.
Ich glaube, ich kann mich besser aus den Beziehungschaosproblemen herausnehmen, weil es mir gereicht hat, mich so schlecht zu fühlen, ich hatte genug davon. Vorher wollte ich nicht wahrhaben, daß ich in der Situation, wie sie gerade ist, praktisch nichts beeinflussen kann, außer mir selbst und meinem Zustand. Ich will eben immer alles ändern, und meine schwierigste Lernaufgabe ist derzeit, anderen Menschen ihre Entscheidungen etc. selbst zu lassen.
Da ich den Leuten nicht vertraue, daß sie ihre Probleme selbst bewältigen, versuche ich es für sie zu tun. Aber das geht nicht.
Warum fühle ich mich denn da machtlos, wenn ich doch für mich selber so viel tun kann, wie ich will? :)

Es gibt noch viel mehr zu erzählen, aber ich belasse es mal dabei, um nicht ganz durcheinander zu kommen, und schreibe über den Rest später.

Alles Gute für euch,
Margo
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Margo hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben
Margo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.01.2010
Beiträge: 19
Alter: 30

BeitragVerfasst am: 16.03.2010, 00:10    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallihallo.

Gerade lese ich ein Buch über die Familienkrankheit Alkoholismus. Ich bin verwirrt davon, wieviel mir da nah geht.
Jeden Tag scheine ich etwas Neues über mich zu lernen, oder eine neue Lesart von etwas an mir, das ich schon genau zu kennen geglaubt habe. Ich dachte immer, ich kenne mich gut. Ich dachte, ich verdränge nichts, ich trage keine Masken, ich kann gut für mich sorgen. Und dann muß ich meinen Blickwinkel nur ein ganz klein wenig verschieben, und nichts davon stimmt mehr. Oder?
Alles was ich über mich weiß löst sich in Puzzleteile auf.
Ich hab die konkreten Beispiele im Kopf schon formuliert, jetzt sind sie verschwunden.

Meine Stimmung bewegt sich in Wellen. Manchmal ganz gut, manchmal nicht. An den schlechteren Tagen lodert es in mir, ich bin dann nur WÜTEND. Bevorzugt auf meine Exfreundin, aber es geht nicht in Wirklichkeit um sie, sie ist nur ein Symbol oder ein Sündenbock. Nichts was sie mir getan hat könnte eine solch gewaltige Gefühlsintensität rechtfertigen.
Ich habe immer gesagt, ich weiß gar nicht, wie Haß ist, das Gefühl verstehe ich gar nicht. Warum sollte ich je jemanden hassen? Nur einmal habe ich wen gehaßt, der meinen Freund bedroht hat, für einen kurzen Moment, um in Verteidigungsstellung zu gehen.
Diese Wut in mir, die ich gar nicht so kenne, könnte man auch mit Haß beschreiben. Einfach nur wildwuchernd, extrem.

Und dann heute bin ich völlig ausgeflippt, allein im Haus meiner Eltern, als ich in die Stadt gehen wollte und meine Kette und meine Stulpen nicht finden konnte. Kennt ihr dieses ganz entsetzliche Hilflosigkeitsgefühl, das von der tatsächlichen Situation abgekoppelt ist?
Ich fange dann an, mich schrecklich zu hassen dafür, daß ich nichts kann und die Kontrolle mir weggefallen ist, daß ich diese Sachen nicht finden kann! Wie kann das überhaupt sein, sie MÜSSEN DOCH DA SEIN!
Ich wußte das gar nicht, daß ich mich dann hasse.
Aber heute erkannte ich auf einmal das Gefühl wieder.
Dasselbe Gefühl wie an meinen schlechten Tagen, auf die Exfreundin gerichtet.
Wenn es nach außen gerichtet ist, fällt es mir auf. Dann ist es mir ja fremd, neu.
Wenn es auf mich gerichtet ist, dann ist es mir so vertraut, daß ich es nicht zuordnen kann, etwas das zu mir gehört wie mein Arm oder meine Augen.
Aha, Haß ist das also.
Ich hasse mich also, manchmal.
Wow.
Das finde ich gar nicht so einfach, das in mein Selbstbild zu integrieren.

Mhm, aber ich wußte das doch? Es ist mir vorher schon begegnet.
Ja, aber nicht so drastisch, so explizit, mit der Legende dazu, die mir den Namen gibt das Gefühl zu bezeichnen.

---

Alles ist gerade tendenziell sehr extrem.
Normalerweise kann ich --
-- ha, das denke ich oft zur Zeit!
Ich denke, aber normalerweise bin ich X, und dann kann ich Y, und normalerweise kann ich doch soundso mit dieser Situation umgehen?
Aber wann oder wo ist dieser Normalzustand? Woher hab ich diese Idee, wer ich normalerweise bin? Was ist normal? Meine Beispiele sind alle lange her.

Also ich denke z.B., normalerweise kann ich gut meine Gedanken und Gefühle ordnen und auch beurteilen, ob dies oder jenes Gefühl jetzt der Situation angemessen ist, oder ob es vllt woanders herkommt.
Aber zur Zeit ist alles durcheinander, ich kann meine Gefühle kaum mehr ordnen, die Gedanken verschwimmen.
Angemessenheit oder Normalität sind keine eindeutigen Kriterien mehr, ich weiß es alles nicht.

Meine Urteilskraft ist in einem Strudel verschwunden. Das fing letztes Jahr an, Werte infrage gestellt, ein Stück weit anhand meiner Intuition neu orientiert. und jetzt, in der zweiten Phase sozusagen, muß wohl die Intuition auch generalüberholt werden?

----

Im Übrigen würde ich mir wünschen, daß mein Vater ein gesundes Trinkverhalten hätte. Gerade wohne ich bei den Eltern; ich mag ihn nicht gegen Mittag mit nem Glas Schorle sehen.
Kürzlich sprach ich mit ihm über sein Trinkverhalten. Er anerkennt, daß es ein süchtiges Verhalten ist, aber es beeinträchtige ihn nicht, er habe einen Blick darauf und habe seine tägliche Alkoholdosis in 20 Jahren eher verringert als vergrößert.
Das kann ich alles aus Beobachtungen bestätigen.
Er sagt, wenn er beeinträchtigt würde durch den Alkohol oder er mehr trinken würde, dann würde er ne Therapie machen und aufhören, aber solange das nicht so ist, mag er sich nicht ändern.
Versteh ich, macht irgendwie Sinn.
Es fuchst mich gebranntes Kind aber trotzdem, wenn ich ihn mit dem Glas in der Hand am Mittagstisch sehe, ganz egal, ob da fast kein Wein drin ist. Und ich hab das Gefühl, ich würde das nicht sagen können, er würde sauer werden, sich bevormundet fühlen.
Da fühle ich mich bedroht.
Mhm.

---

So viel Chaosworte.
Morgen ne Therapiestunde, mal sehen, wie ich mich da ordnen kann.

Liebe Grüße!
Margo
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Margo hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben

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