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Margo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.01.2010
Beiträge: 19
Alter: 30

BeitragVerfasst am: 22.01.2010, 00:45    Titel: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Forumsmenschen.

Kürzlich habe ich auf Umwegen, ohne zu suchen und ich weiß gar nicht genau wie oder warum, dieses Forum gefunden, genauer: den Thread, in dem es darum ging, was EKAs ausmacht.
In Vielem, was dort beschrieben wurde, habe ich mich genau wiedererkannt, in anderem nicht. Trotzdem war der Wiedererkennungswert groß genug, daß mir schwindlig wurde und ich mich auf seltsame Weise verstanden gefühlt habe.
Mein erster Impuls war es, mit euch reden zu wollen. Der zweite, gleich danach, war es, mich wieder zu blocken. (sehr typisch.)

Ich möchte euch zuerst fragen, ob ich überhaupt ein Recht habe, hier zu sprechen.

Im Vergleich zu dem, was ich hier gelesen habe, was viele von euch erlebt haben, ist meine Situation und Vorgeschichte absolut unproblematisch. Meine Mutter ist trocken, seit ich 14 war - das ist 14 Jahre her - und ich habe eine gute Beziehung zu ihr.
Auch bevor ihrer Therapie war sie zwar eine süchtige, aber keine extreme Trinkerin - nicht ständig betrunken, nicht gewalttätig. Ich mußte keinen Alkohol für sie kaufen gehen und nicht die Verantwortung übernehmen, das hat sie alles gut selbst geschafft.
Alles in allem glaube ich eine gute Kindheit gehabt zu haben.

Da muß aber auch anderes gewesen sein.
Dinge, die vielleicht von außen betrachtet Kleinigkeiten waren, aber für mich als Kind große Bedrohungen.
Vielleicht erinnere ich mich auch an Manches nicht.

Jedenfalls habe ich etwas in mir, das mich lähmt, bei allen möglichen Unterfangen, die ich eigentlich angehen könnte. Erst letztes Jahr habe ich begonnen, verschiedenste Probleme, die ich habe, in Verbindung zu bringen. Meine schreckliche Angst, auch nur den kleinsten Fehler zu machen. Meine Angst vor Wettbewerben. Meine Panik beim Autofahren auf dem Beifahrersitz. Daß ich Herausforderungen, alles was schiefgehen könnte und bei dem jemand anderes bemerken könnte, daß es schiefgegangen ist, so lange ich irgend kann vor mir herschiebe, nicht nur aus Faulheit, sondern weil ich mich gelähmt fühle, vor Panik.

Jemand in dem besagten Thread hat etwas von "Angst vor dem Tod" geschrieben. Genau das ist es, Todesangst, die vom Leben abhalten kann.
Da ist in mir ein kleines Kind, das folgende Logik kennt:
Wenn von dir etwas verlangt wird, kannst du scheitern.
Du wirst auf jeden Fall scheitern, weil du schlecht bist. (Hierin steckt ein extremes Schamgefühl.)
Scheiterst du - und alles was nicht perfekt ist, ist Scheitern! - dann lenkst du negative Aufmerksamkeit auf dich.
= Haß
(mein inneres Kind hier kennt zwischen Liebe und Haß nichts)
Wenn Haß auf dich gelenkt wird, dann wirst du vernichtet werden.
Der Haß wird zwangsläufig auf dich gelenkt werden. An allem Schlechten, was dir geschieht, bist du selbst schhuld.
Wenn du nichts tust, ist das auch falsch. Auch dafür wirst du gehasst werden.
Folgerung: mach dich unsichtbar. Bewege dich auch keinen Fall. Erstarre.

Ja, und das habe ich immer wieder getan und tue es.
Ich werde unsichtbar und erstarre und tue nichts.
Für was ich tue oder nicht tue schäme ich mich.
Alles dreht sich in meinem Kopf um meine Mutter - nicht meine Mutter, wie sie jetzt ist, sondern wie dieses Kind sie kannte. (daran habe ich keine bewußte Erinnerung.) Alles was ich tue muß durch diese Mutterrepräsentation gebilligt werden.

Mein großer Wunsch, mein tiefstes Bedürfnis ist es laut und bunt und heftig sein zu können, ganz ICH, und das mit Karacho.
Bunt bin ich schon, aber laut - nein, das geht nicht. Viel zu gefährlich. Würde Haß auf mich lenken. ich mache mich klein und enge mich selbst ein dabei. Nehme mir meine Handlungsfreiheit, weil ich mich keinem Urteil aussetzen will.

Meine Freundin hat es mit mir schwer, weil sie mit meiner Hyperaufmerksamkeit leben muß, mit der ich ständig panisch beobachte, wie ihre Stimmung ist. Könnte ich etwas falsch gemacht haben? Wird sie mich jetzt endlich mal hassen?
Männern gegenüber bin ich sehr viel entspannter und kann mich besser von ihnen distanzieren. Aber von den reaktionen von Frauen auf mich kann ich mich nicht abtrennen. Die sind eine Instanz, die gefürchtet wird.

Wenn ich so schreibe und überlege, fallen mir noch viele andere Symptome ein, die ich nach und nach analysiert und reflektiert, aber emotional nur teilweise aufgearbeitet habe. Und die erkenne ich hier, in euren Beschreibungen.

-----

Jetzt wollte ich gerade auf meinen Anfang zurückkommen. Was ich sagen wollte war, daß ich nicht ablenken will von denen unter euch, die ein echtes großes Problem haben und Hilfe brauchen.

- Das will ich auch wirklich nicht. Ich bin in keiner Notsituation, wie andere.

Aber was hinter dieser Einrahmung meines Posts steht, ist natürlich mein Selbstschutz. Ich bin nämlich gar nicht da. Also, ich will schon beachtet werden. Hallo!!! Hier! Ich!
aber, nein, lieber doch nicht, zu gefährlich. Ich mache mich groß und mache damit einen Fehler, weil ich hier gar nicht verdient habe, hier zu sein, und dann ernte ich den verdienten Haß.
O nein.
Lieber mach ich mich klein und stelle mich auf den letzten Platz des Wettbewerbs. (Alles ist Wettbewerb, sagt das Kind in mir.) Dann wird man nicht so böse zu mir sein.

Ja und, dieser Teil von mir gewinnt auch, weil ich mich wirklich nicht traue, anders zu enden.

Ich hab zu viel über mich geredet, nicht?
Derailing, Ablenkung von denen, um die es wirklich geht, den weniger Privilegierten.
Vielleicht auch Off Topic, weil ich nicht direkt über meine Erlebnisse mit dem Alkoholismus meiner Mutter gesprochen habe?

Ich weiß nicht, aber hey, ich erwarte das Schlimmste. Darin bin ich super.

(Und zweite Absicherung:
Ich kenne mein Forenverhalten. Die Kommentare, die man mir schreibt, lese ich immer und weiß sie sehr zu schätzen. Allerdings antworte ich oft nicht, weil mir die perfekte Antwort nicht gelingt, oder weil ich es nicht versuche. Sollte das hier auch so sein, so wißt, daß ich euch trotzdem für alles was ihr mir sagt dankbar sein werde.

Und ich möchte euch schon jetzt danken, für das, was ihr hier geteilt habt, was ich lesen konnte und wodurch ich mich verstanden gefühlt habe. Und daß ich dies hier mit euch teilen darf. Danke.

Margo
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Margo hat zum Thema: ist hier mein Platz? geschrieben
Linde66
Moderatorin
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Anmeldungsdatum: 08.10.2008
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Alter: 46

BeitragVerfasst am: 22.01.2010, 01:09    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Margo,

herzlich Willkommen bei uns EK's. Wir sind eine ziemlich bunte Angelegenheit. EK-Sein hat viele Facetten.

Ich habe mal vor längerem einen Thread eröffnet über den Unterschied für das EK, ob es der Vater oder die Mutter ist/war, der bzw. die trinkt. Allein da ergaben sich viele Facetten. Dann noch die eigene Identität als Mann oder Frau. Und die ganze Familienkonstellation drumherum... Es ist in Ordnung so wie du bist. Es gibt so viele verschiedene Biographien. Heute können wir sie selber weiterschreiben...

Margo, die ersten 14 Lebensjahre sind sooo intensiv. Es ist gut, daß du in Kontakt zu deinem inneren Kind bist. Ja klar darf es hier reden! Und du schreibst und liest.

Unsichtbar werden und erstarren hat dich überleben lassen! Jetzt bist du hier und du bist sehr reflektiert. Das ist ein gutes Werkzeug in deinem Werkzeugkoffer.

Nun komm erst mal in Ruhe an...

Du hast alle Zeit der Welt bunt und lebendig und Ich zu werden.


Lieber Gruß, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben
Margo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.01.2010
Beiträge: 19
Alter: 30

BeitragVerfasst am: 22.01.2010, 01:49    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Linde,

ich möchte am liebsten ganz viel Herzchenkonfetti in Deine Richtung werfen. :D
Vielen lieben Dank für das Willkommen.

Es tut so gut zu hören, daß ich alle Zeit der Welt habe - die habe ich ja wirklich! Und doch will ich immer jedes Problem jetzt sofort und eigentlich vor 20 Jahren schon gelöst haben, als ob es ein Makel sei, noch offene Fragen mit sich herumzutragen.
Und gerade in meiner jetzigen Situation bin ich so angespannt, so zitternd, alles bewegt sich so schrecklich schnell --
"komm erstmal in Ruhe an" ist wirklich ins Schwarze getroffen genau das, was ich gerade gebraucht habe und was ich mir selbst sagen möchte.

Daß ich reflektiert sei höre ich übrigens oft; ich glaube es stimmt auch. Die meisten Leute, deren Beiträge ich hier gelesen habe, scheinen sehr reflektiert zu sein.
Vielleicht bringen wir das mit unserem Hintergrund mit, oder wir lernen es bei der Auseinandersetzung.

Die Reflexion allerdings ist im Kopf, und mein Bauch versucht gerade hinterherzueilen.

Ich atme mal tief durch.

Liebe Grüße,
Margo
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Margo hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben
Sonnenstrahl
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.04.2009
Beiträge: 256
Alter: 41

BeitragVerfasst am: 22.01.2010, 08:32    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Margo,

auch von mir ein "Herzliches Willkommen".

Wie, wo und wann Du mit Alkoholismus in Verbindung gewesen bist, ist totale Nebensache. Wir alle sind hier, weil wir uns mit dem, was passiert ist auseinandersetzen wollen und mit uns selbst.

Ich bin viel älter als Du und habe schon lange nichts mehr mit meinem Alkoholikervater zu tun. Dennoch habe ich viele Ungereimtheiten und Herausforderungen in meinem Leben, die ich jetzt angehen will. Es ist nie zu spät, für sich zu sorgen!

Liebe Grüße,

Sonnenstrahl
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Sonnenstrahl hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2009
Beiträge: 4060
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Wohnort: Wilkau-Haßlau

BeitragVerfasst am: 22.01.2010, 11:42    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf margo

was du geschrieben hast is so perfekt, dass sogar ich als ehemals saufender vater es verstanden hab Winken

Pfeil wünsch dir alles gute


Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben
Margo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.01.2010
Beiträge: 19
Alter: 30

BeitragVerfasst am: 23.01.2010, 16:40    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ihr Lieben,

Vielen Dank für das Willkommen.
ich fühle mich hier bereits sicherer als an den vielen anderen Ort im Internet, an denen ich mich so bewege, und habe weniger Angst, schlecht vor euch dazustehen.
Vor allem da ich sehe, daß viele hier einfach über sich selbst schreiben, wie sie es brauchen - und mir das Lesen trotzdem sehr weiterhilft. Dann kann ich das ja auch so machen?

Ich dachte ich rede mal darüber, aus welcher Situation heraus ich eigentlich den Weg hierher gefunden habe. Denn es hat sicher einen Grund, warum dies gerade jetzt "passiert" ist.

Letztes Jahr ist in meinem Leben sehr viel passiert. Zum Beispiel habe ich mein Studium abgeschlossen und mein langjährige Beziehung ging in die Brüche. Doch auch in meinem Kopf hat sich sehr viel getan.
Obwohl 2009 für mich zeitweise sehr schwer war, habe ich dennoch gespürt, daß diese Veränderungen für mich gut und notwendig waren. Ende des Jahres fühlte ich mich noch immer wund, aber auch so begeistert von all den Möglichkeiten, die vor mir standen. Alles war möglich! Ich saß nicht mehr fest in einem Leben, das die letzten Jahre eher so lala gewesen ist, sondern ich stürzte mich Kopf vor ins Abenteuer.

So bin ich aus meiner Stadt weggezogen in eine andere, nah der Stadt in der ich aufgewachsen bin. (Zum Studium war ich in einer weit entfernten Stadt.) Ich wohne zur Zwischenmiete, weil ich mir einen Job suchen wollte und Lust hatte, viele Offenheiten mir zu behalten.

Hier in der Nähe wohnen mein Freund und meine Freundin. (Genau, ich habe einen Freund UND eine Freundin, und die beiden sind auch miteinander zusammen.) Ich habe mich riesig darauf gefreut, die beiden einfacher sehen zu können, solange ich hier bin.

--------------

Kaum war ich hergezogen, fing es meiner Freundin an schlecht zu gehen (nicht meinetwegen, denke ich... einfach so) und sie hat mir innerhalb von drei Wochen nur zwei kurze Mails geschrieben.
Schon vorher hatte ich das Gefühl, daß ich in der Beziehung zu ihr zu tief drin stecke und ich mich nicht gut genug von ihren Gefühlen abgrenzen kann. Im letzten Jahr haben sich bei mir viele Türen zu meinen inneren Strukturen geöffnet, was bedeutet, daß diese jetzt offen liegen und ich sie nicht wegblocken kann. Und so bin ich emotional viel anfälliger für .. alles... als vorher.
Wie schon erwähnt fühle ich micht mit Frauen viel unsicherer als mit Männern. Diese Beziehung ist die erste längere Beziehung, die ich mit einer Frau habe. Wir haben viele sehr ähnliche psychische Abläufe, Ängste undsoweiter und können uns so gut helfen, verrutschen jedoch auch leicht ineinander. Manchmal triggert eine von uns die tiefen Verhaltensweisen/ Ängste der anderen.
Wenn sie zB schweigt, was sehr viele Gründe haben kann, dann bekomme ich große Angst, daß es ihr nicht gut geht und das natürlich meine Schuld ist.
Wir sind beide hypersensibel gegenüber den Gefühlsäußerungen anderer...

Ich nehme an, daß das der Grund ist, daß sie nicht mit mir spricht, aber ich weiß es nicht. Ich habe große Angst, daß sie die Beziehung beenden will. Ein Teil von mir sagt, natürlich will sie die Beziehung beenden, klar! Jedenfalls bin ich im Unklaren.

Auf die Situation hatte ich eine starke körperliche und emotionale reaktion. Ich bin dauerhaft angespannt, vor allem im Unterleib. Jetzt geht es mir ein wenig besser, letzte Woche habe ich die meiste Zeit geweint, wenn ich nicht abgelenkt war.

Das Problem mit meiner Freundin hat all diese Türen wieder weit aufgestoßen. ich will eine Bearbeitung dieser Dinge nicht mehr aufschieben. Ich bin hierher gekommen, um meinen eigenen Weg zu gehen und zu tun, was ich wirklich will.

Nun habe ich Vorstellungsgespräche bei Jobs, die ich nicht wirklich will.
Der eine ist nichtmal so schrecklich, da er hier in der Stadt ist und ich nichts dagegen hätte hierzubleiben, bis es mir besser geht. Doch es sind 40 Stunden in der Woche.

Nun denken viele von euch sicher, das ist doch normal. Für mich in meinem Zustand im Moment ist es aber sehr schwer. Ich bin ohnehin, auch wenn es mir gut geht, nicht der Typ für Vollzeitarbeit. Ich brauche nicht viel Geld und fände es okay, Teilzeit zu arbeiten. Und im Moment habe ich das Gefühl, die Zeit rennt mir davon. Ich muß vielleicht diesen Job nehmen (ich beziehe ALG II, daher kann ich es nicht entscheiden ob ich einen bestimmten Job will). Dann arbeite ich da und hänge ich da fest. Ich werde keine Zeit für mich selbst und meine Freunde und Interessen haben, sondern jeden Abend müde ins Bett fallen. Fürs Wochenende leben.
Ich weiß, vielleicht wird es ganz anders sein. Aber so malt es mir meine Angst, und sie ist eine sehr überzeugende Künstlerin.
Ich habe Angst, daß ich einen Job 8 Stunden am Tag machen muß, an dem ich nicht ich selbst sein kann.
Daß ich mich dann verliere und nicht mehr ich bin.
Daß ich festklebe in genau dem Leben, das ich nicht mehr wollte, nämlich dem ewigen "geht schon".
Genau das will ich nicht mehr! Ich will ich sein können. Ich will entweder einen Job haben, der mir gefällt und in dem ich Sinn sehe, oder wenn das nicht geht, dann will ich Teilzeit arbeiten.
Ich verstehe sowieso nicht, wieso nicht die meisten Jobs in Teilzeit sind - aber das ist ein anderes Thema.

Jetzt wollte ich mein Leben in die Hand nehmen, auf meinen Bauch und mein Herz hören und ich sein. Mir gegenüber treu sein.
Und nun sitze ich da und kann nicht selbst entscheiden, was ich arbeiten will.
Und gefühlsmäßig klebe ich an den Äußerungen meiner Freundin fest.
Ich will bei mir ankommen.
Wenn ich den Mut hätte, den Leuten klare Aussagen zu geben, wie zum Beispiel "Der Job, den sie mir da anbieten, ist schon ganz in Ordnung. Ich möchte aber eigentlich nich gerne Vollzeit in ihm arbeiten."
Dann wären meine Probleme schon fast gelöst. Sie würden mich eben nicht nehmen oder unter meinen Bedingungen.
Doch ich habe vor einer negativen Reaktion so große Angst, daß ich mich nicht wagen würde, sowas zu sagen. Und ein Teil von mir denkt sowieso, daß ich moralisch im Unrecht bin. Ich sollte mich doch freuen, daß ich einen Job kriege! Ich habe kein Recht, mir das aussuchen zu wollen, das können andere auch nicht!

Naja, aber ich bin nicht andere. Ich brauche es soundso.
Hm, ich weiß auch nicht. Viel noch zu machen.

Nun bin ich krankgeschrieben für zwei Wochen, die Vorstellungsgespräche habe ich aber trotzdem. Mir rumort es im Magen.
Ich muß mir die meiste Zeit das Schlimmste vorstellen, was meine Freundin und den Job betrifft.

Ich sollte mal erwachsen werden, gell, und was schaffen, dann denk ich auch nicht mehr über alles so lang nach! Haha.
Mir gefällt die Idee nicht, die die meisten Leute von erwachsen werden haben, nämlich sich anpassen und seine träume wegschließen. Das ist nicht wirklich notwendig.
Aber Verantwortung über mein eigenes Leben übernehme will ich schon.
...

So, ich hör mal irgendwo hier in der Mitte auf. Nicht, daß da ein Fazit wäre.

Alles Liebe euch,
Margo
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Margo hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 13699
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 23.01.2010, 17:29    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Margo

Zitat:
Ich muß mir die meiste Zeit das Schlimmste vorstellen
Mußt du wirklich?



Zitat:
können uns so gut helfen, verrutschen jedoch auch leicht ineinander.
Zitat:
Alles dreht sich in meinem Kopf um meine Mutter - nicht meine Mutter, wie sie jetzt ist, sondern wie dieses Kind sie kannte... Alles was ich tue muß durch diese Mutterrepräsentation gebilligt werden.
Kann das sein, daß das was miteinander zu tun hat? Ich frag einfach mal.


Lieber Gruß, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben
Margo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 20.01.2010
Beiträge: 19
Alter: 30

BeitragVerfasst am: 23.01.2010, 17:56    Titel: Re: ist hier mein Platz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Linde.

Zitat:
Mußt du wirklich?


Das kommt drauf an, welchen Teil von mir Du fragst. Aber der gerade dominante Teil sagt, ja, muß ich, um mich vorzubereiten, wenn das Schlimme passiert.
ich bin mir noch nicht ganz sicher, was von diesem Verhalten konstruktiv ist und was nicht.


Zitat:
Kann das sein, daß das was miteinander zu tun hat?


Ja, ich bin mir ziemlich sicher, daß es was miteinander zu tun hat. Daß ich meine Freundin irgendwie, da sie eine Frau ist, mit meiner Mutter parallel setze. Und ich ihr auch daher nicht trauen kann, daß sie mich wirklich liebt, und ständig Versicherungen brauche.

Mhm, in der Stelle die Du zitierst, geht es ja eher um dieses emotionale miteinander verwurstelt sein - das ist in der Beziehung zu meiner Mutter auch so.

Bedeutet das, daß ich keine Liebesbeziehung zu einer Frau im Moment führen kann?
Aber ich will nicht aus so einem dämlichen Grund aufgeben, sondern ich will an mir arbeiten. Ich will eine gesunde Beziehung führen können, und zwar diese.

Jetzt bin ich wohl wieder so fatalistisch geworden.
Mir geht es nicht gut gerade.

Es müßte doch möglich sein, wenn meine Freundin und ich beide an unseren (oh so ähnlichen...) Issues arbeiten, daß wir dann eine Art von Nähe lernen können, die nicht ineinander rutschen ist. Oder?

(Über mir wohnt eine Kerl, der den ganzen Nachmittag schon Krachmusik macht. Hab ihn schon gefragt, er will nicht leiser machen, angeblich Party, und ich natürlich total verständnisvoll. Aber es macht mich irre, dieses Bumm Bumm. Mein Kopf tut weh. Ich will nicht zu dem Vorstellungsgespräch am Montag fahren, ich will eigentlich gar nichts machen, außer vllt Reden und ne Arbeit bei der ich nicht denken muß, temporär, und Therapie.
Daher, danke fürs Schreiben. Antworten ist viel besser als nach oben horchen und heulen. Smilie)

M.
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Margo hat zum Thema: Re: ist hier mein Platz? geschrieben

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