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Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen?

 
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pingpong
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 3
Alter: 27

BeitragVerfasst am: 21.01.2010, 19:30    Titel: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen...

Ich hab mich gerade erst registriert, allerdings schon einiges hier im Forum durchgelesen. Was ich schon gelernt bzw. akzeptiert habe ist, dass man als EKA nicht das Problem seiner Eltern bzw. Angehörigen lösen kann. Man kann nichts an deren Situation ändern, sondern nur an seiner eigenen. Doch ich bin wirklich ratlos, wie ich mit der Situation insgesamt umgehen soll. Folgendes:

Ich bin jetzt 25 und das Thema Alkohol begleitet mich schon seit... seit ich etwa sechs Jahre alt war. Wow, das sind 19 Jahre, fällt mir gerade auf, das ist lang. Jedenfalls zieht sich das so durch mein Leben... Wie ich schon bei sehr vielen anderen gelesen habe, war auch ich mir sehr lange Zeit nicht sicher, ob der Alkoholkonsum zuerst mal meines Vaters, später auch meiner Mutter, noch im Rahmen ist, oder ob er schon eine Grenze überschritten hat.

Angefangen hat das Ganze nach meiner Erinnerung, nachdem mein Vater einen alten Bekannten wiedergetroffen hatte und anfing, regelmäßig etwas mit ihm zu unternehmen. Regelmäßig hieß anfangs einmal in der Woche, "Männerabend", da wurde gebechert, auch gern mal bis zum Stillstand der Augen. Aber das wurde toleriert. Einige Zeit später häuften sich dann spontane Treffen mit dem Bekannten & dessen Familie, da war auch meine Mutter mit involviert & jedes Mal wurde sehr viel Alkohol getrunken. Damals war ich dann so ca. 8-9 und ich erinnere mich, dass ich es gehasst habe, wenn meine Eltern auch nur ein wenig angetrunken waren - und als kleines Kind hat man da ja irgendwie ein sehr sensibles Gespür. Später hab ich rekonstruiert, dass diese Phase schon der Anfang von der Firmenpleite meines Vaters gewesen sein muss - daher vermutlich der vermehrte Griff zur Flasche - aber ich will hier nichts rechtfertigen.

Als ich ca. elf war, ging mein Vater pleite (er hatte einen mittelständischen Handwerksbetrieb) und ab diesem Zeitpunkt verwandelten sich die regelmäßigen Ausgehabende in eine einzige Ausgehwoche. Seitdem (und mittlerweile sind wir bei ca. 14 Jahren) trinkt mein Vater mit einigen Ausnahmen jeden Tag. Er trinkt abgesehen vom Wochenende niemals vor 17-18 Uhr, aber jeden Abend, meist nur Bier, aber regelmäßig auch soviel (dann inklusive Schnapps), dass er nicht mehr ordentlich laufen und sprechen kann. Das fing, wie erwähnt an, als ich in die 5. Klasse ging. Als Konsequenz daraus, wollte ich immer weniger zuhause sein & geriet selbst in eine Situation, die beinahe brenzlich ausgegangen wäre. Obwohl ich ja eigentlich Alkohol gehasst habe, da meine Eltern sich immer, wenn sie getrunken hatten, unglaublich stritten und obwohl ich eigentlich dachte, dass ich niemals auch nur einen Tropfen anrühren würde (so macht es mein Bruder, die deutlich bessere Variante, aber dazu später), geriet ich da in der Schule irgendwie so hinein & war mit 12 Jahren auch zum ersten Mal betrunken. Bis ich mit 13 die Schule gewechselt hab, hab ich noch einige andere Dummheiten (die im Wesentlichen aus diversen Drogen bestanden) gemacht, aber die sollen hier nicht Thema sein. Ich wechselte wie gesagt die Schule und hatte mich für den Moment wieder gefangen.

Zu dem Zeitpunkt erreichte uns dann eine Nachricht von einem anderen Bekannten, dem Vater meines Kindergartenfreundes, der im völligen Alkoholrausch eben jenen Jungen geradezu verprügelt hatte & nun im Delirium in der Nervenklinik lag. Schock. Das wurde bei uns heftig diskutiert, allerdings aus einem für mich unangebrachten Blickwinkel, der Alkoholmißbrauch als etwas darstellte, was ganz weit weg war. "Ich trink zwar auch gern mal mein Bier, aber ich könnte jederzeit aufhören". Das war so der typische Satz.

Alles lief weiter, mal besser, mal schlechter... irgendwann hab ich mich mit meinem Vater überhaupt nicht mehr unterhalten können. Die Ehe meiner Eltern bestand nur noch aus praktischen Gründen. Mit ca. 17 Jahren habe ich wieder angefangen, nicht zu trinken, nein, sondern zu kiffen. Ich habs sicherlich ab und an übertrieben, aber im Großen und Ganzen hab ich es unter Kontrolle gehabt. Ich hab dann auch ein gutes Abi gemacht und so... Naja. Als ich jedenfalls 17 war, starb mein Großvater und meine Tante ist damit überhaupt nicht klar gekommen. Bis heute. Auch sie hat vorher schon einen, ich sage mal vorsichtig: etwas übermäßigen Alkoholkonsum gehabt, aber seitdem trinkt sie wirklich arg. Sie gibt sich selbst unnötigerweise die Schuld an seinem Tod. Ihr Alkoholkonsum liegt bei etwa 1-2 Flaschen Wein pro Tag & wie sie meiner Mutter in einem hellen Moment einmal gebeichtet hat, braucht sie morgens Schnapps, um das Zittern loszuwerden. Sie hat leider die unschöne Angewohnheit, völlig betrunken in der Verwandschaft herumzutelefonieren und allen Leuten massiv in ihr Leben hineinzureden auf eine wirklich sehr verletzende Art und Weise (auch wenn man sich bewusst ist, dass sie betrunken ist). Durch einige Umstände ist sie arbeitsunfähig geworden und sitzt nun den ganzen Tag zuhause. Problem: sie selbst hat ihr Problem eventuell erkannt, doch ihr Mann streitet es völlig ab. Er leugnet, dass sie ein Problem hat, obwohl es wirklich offensichtlich ist. Somit unterbindet er auch jede Möglichkeit, dass sie sich Hilfe suchen könnte. Wenn man das Thema anspricht, wird man direkt seines Hauses verwiesen (ausprobiert).

Zur gleichen Zeit etwa, häuften sich die Alkoholexzesse eines anderen Bekannten, dem ich als Kind sehr nahe stand und der schon sehr lange Jahre Alkoholiker war. Schließlich wurde er ebenfalls in eine Klinik eingeliefert & entzogen. Danach hat er eine Therapie angefangen und ist bis heute trocken. Ich bin sehr stolz auf ihn, er ist mein Beweis dafür, dass es möglich ist.

Ich habe irgendwann die ganzen Probleme zuhause nicht mehr ausgehalten. Meine Mutter hatte auch angefangen, fast jeden Abend zu trinken. Ausschließlich Bier und auch durchaus in Maßen - aber mir war das nicht geheuer. Ich habe jedenfalls, getreu dem Motto: Hilf dir selbst, das Weite gesucht. Bin zum Studieren weggezogen in eine andere Stadt. Ja, ich bin weggelaufen. Aber für mich gab es damals keine andere Lösung. Das einzige, was mich wirklich quält ist, dass ich meinen Bruder allein gelassen habe. Er ist jetzt fast 18. Aber er steht das alles wirklich gut durch. Er ist nicht viel zuhause - das kann ich ihm nicht verübeln. Aber er macht keinen Unsinn, so wie ich damals. Ich nehme an, auch er wird sehr schnell von zuhause verschwinden, wenn er mit der Schule fertig ist. Denn die Situation ist immer noch die gleiche. Wenn ich meine Eltern besuche, dann denke ich manchmal, es sei überhaupt keine Zeit vergangen. Die Probleme sind immer noch alle genau so da. Alkohol. Geldsorgen. Ehekrise. Meine Tante. Terror. Es macht mich wütend, mir dieses ganze Elend mitansehen zu müssen und nichts unternehmen zu können. Und dass kein anderer etwas unternimmt. Alles wird immer schlimmer. Die Krise erreicht mich mittlerweile sogar hier. Ich höre in Telefonaten immer mehr von genau dem Mist, vor dem ich weggelaufen bin.

Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Ich liebe meine Mutter, ich kann ihr nicht sagen, sie soll mich mit dem Zeug zufrieden lassen. Sie hat sonst niemanden zum reden & ich befürchte, dass sie sich sonst noch mehr dem Alkohol zuwendet. Bei meiner Tante traue ich mich überhaupt nicht, ans Telefon zu gehen - als Konsequenz habe ich nun immer ihre gelallten Beleidigungen und Vorwürfe auf dem Anrufbeantworter. Ich hätte die Familie im Stich gelassen. Wie kann ich damit umgehen? Ich weiß nicht, was die richtige Verhaltensweise ist...

Danke fürs Zuhören.
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pingpong hat zum Thema: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? geschrieben
Sonnenstrahl
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.04.2009
Beiträge: 260
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 21.01.2010, 23:12    Titel: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Pingpong,

herzlich willkommen hier im Forum.

Wenn Du Dir die Beiträge der anderen Teilnehmer durchliest, wirst Du merken, dass wir alle oft mit ähnlichen Problemen und Situationen zu kämpfen haben.

Du hast für Dich entschieden, dass es Dir gut tut, nicht jeden Tag mit dieser Situation konfrontiert zu werden, sondern in weiterem Abstand zur Familie zu leben. Das ist eine gesunde Entscheidung.

Deine Mutter ist bestimmt in einer schwierigen Lage, aber sie muss auch für sich selbst eine Entscheidung treffen. Es ist nicht Deine Aufgabe, Bezugsperson Deiner Mutter zu sein. Das macht dich auf Dauer kaputt und hilft Deiner Familie nicht weiter.

Wenn Du in Dich hineinhörst kannst Du spüren, wieviel gesunde Nähe Du zu Deiner Familie zulassen willst. Darum geht es. Deine Familie muss die Verantwortung für ihr Leben selbst übernehmen.

Alles Gute!

Liebe Grüße,

Sonnenstrahl
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Sonnenstrahl hat zum Thema: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? geschrieben
LaChela
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 12.07.2009
Beiträge: 234
Alter: 21

BeitragVerfasst am: 21.01.2010, 23:48    Titel: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hey Pingpong=)

Willkommen hier im Forum!
Als ich deinen Beitrag gelesen habe, hat mich das stark an mich selbst bzw. meine Familie erinnert, nur, dass ich noch ein bisschen jünger bin als du. Mache dieses Jahr Abi und mein Plan ist danach so schnell wie möglich von hier "wegzulaufen". Mein Vater ist Alkoholiker und auch das wohl schon ziemlich lange (das ist mir erst vor gar nicht so langer Zeit klargeworden...) und ich würde irgendwann daran kaputtgehen, wenn ich hierbliebe. Ich habe auch einen jüngeren Bruder, den ich allein lasse. Das ist wirklich nicht schön und ich habe kein gutes Gefühl dabei, aber der Plan ist, dass er mich ganz oft besuchen kommt und dann auch mal ein paar freie Tage hat.
Auch diese" Saufabende", die du beschreibst kommen mir bekannt vor. Du siehst, dass du hier viele treffen wirst, denen es ähnlich geht
In meiner Familie gibt es auch viele Alkoholiker und Drogenabhängige und wirklich eine Gebrauchsanweisung wie man damit umgehen sollte, hab ich nicht...
Mir hilft es hier zu schreiben, probier es mal aus, hier sind ziemlich nette Menschen unterwegs Winken .
Liebe Grüße
LaChela
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LaChela hat zum Thema: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? geschrieben
pingpong
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 3
Alter: 27

BeitragVerfasst am: 22.01.2010, 11:30    Titel: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hey Sonnenstrahl & LaChela, vielen Dank für eure Antworten.

Es ist ein gutes Gefühl, endlich andere Leute zu treffen, die eine ähnliche Situation erleben / erlebt haben - und vor allem bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen...

Ich habe leider festgestellt, dass ich doch noch nicht so weit bin, wie ich immer versucht habe, mir einzureden. Ich wohne jetzt schon seit 5 Jahren nicht mehr zuhause und habe mir immer gesagt, das sind nicht mehr meine Probleme, das geht mich nichts mehr an. Aber in Wahrheit lässt mich das Ganze auch hier nicht los.

Ich meine, ich denke schon, dass es die richtige Entscheidung für mich war, wegzugehen. Wäre ich zuhause geblieben oder bloß in der gleichen Stadt, wäre ich kaputt gegangen. Es ist ja auch besser geworden. Meistens. Aber von Zeit zu Zeit holt mich das Ganze eben immer wieder ein.

Und auch wenn ich weiß, dass du eigentlich Recht hast Sonnenstrahl, fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass ich meiner Mutter nicht helfen kann. Überhaupt meiner ganzen Familie. Es tut einfach so unglaublich weh mitanzusehen, wie die Menschen, die ich liebe, sich immer weiter zerstören und nichts dagegen tun zu können.

Das Schlimmste für mich ist immer, wenn ich zu Feiertagen nach Hause fahre und dann solche unglaublich geheuchelten Familientreffen stattfinden. Alle machen auf heile Welt, obwohl so ungefähr alles kaputt ist, was jemals da war. Alle Probleme werden totgeschwiegen in der Hoffnung, dass die Zeit alles in Wohlgefallen auflösen würde... und dann am nächsten Tag ist alles wie vorher.

Kann ich tatsächlich nichts Konstruktiveres tun, als zuzusehen? Ich fühle mich so hilflos...
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pingpong hat zum Thema: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? geschrieben
Sonnenstrahl
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.04.2009
Beiträge: 260
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 22.01.2010, 14:24    Titel: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo pingpong,

mir ist gerade noch was eingefallen.

Doch, Du kannst was tun. Wenn Du für Dich sorgst, wird es Dir bessergehen und das kannst Du Deinen Familienmitgliedern zeigen und sagen.

Mein Bruder ist auch nach wie vor in der Co-Abhängigkeit der Familie gefangen und ich habe nie Zugang zu ihm gefunden, weil er sich immer bevormundet gefühlt hat und mich eigentlich beneidet hat, dass ich schon lange weggegangen bin.

Jetzt habe ich vor zwei Wochen einen langen Brief an ihn geschrieben, in dem ich meinen derzeitigen Werdegang geschrieben habe, was ich tue, wie ich mich fühle und dass ich immer mehr mein Leben spüren kann.

Ich habe mich so gefreut, als er mir eine SMS geschickt hat, indem er sich für den Brief bedankt hat und gleichzeitig auch erwähnte, dass er in der gleichen Situation ist wie ich und sich auch schlecht fühlt.

Das ist ein Anfang. Ich kann ihn nicht zur Selbsthilfegruppe schleppen oder zum Psychologen, aber wenn er sieht, dass ich mein Leben in die Hand nehme, dann fängt er vielleicht an zu denken und nimmt seines auch in die Hand.

Das ist eine gesunde Hilfe für alle Beteiligten!

Liebe Grüße,

Sonnenstrahl
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Sonnenstrahl hat zum Thema: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? geschrieben
Skye
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2009
Beiträge: 293
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 23.01.2010, 21:57    Titel: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Pingpong,

willkommen im Forum. Interessanter Nick.....

Zitat:
Ich liebe meine Mutter, ich kann ihr nicht sagen, sie soll mich mit dem Zeug zufrieden lassen.


Doch das kannst Du, wenn Du willst. Es gibt nichts, was von der Sache her dagegen spricht. Du bist Ihre Tochter, nicht ihre Mutter. Sicherlich kann man sich gegenseitig von Sorgen erzählen, was ganz anderes ist es aber wenn eine Mutter ihren ganzen Müll bei ihrem Kind abladen will. Ich habe meine Mutter auch geliebt, aber mich noch mehr. Ich habe darunter gelitten mir immer ihren ganzen Müll anzuhören, mir den Kopf über ihre selbst gemachten Probleme zu zerbrechen und nichts mehr für mich, mein Leben und meine Probleme übrig zu haben. Ich habe sie geliebt und trotzdem habe ich die Mülleimerfunktion bei mir deaktiviert. Sie hatte sich ihre Probleme selbst zuzuschreiben, es war auch an ihr sie zu lösen. Es war ja nicht so, dass sie darüber geredet und etwas dagegen getan hat. Sie hat immer nur geredet, geredet und geredet, geändert hat sie nie etwas, immer waren die anderen Schuld, nie sie. Dass muss man sich nicht immer und immer wieder anhören „nur“ weil es die eigene Mutter ist, auch das hat Grenzen. Die Grenze ist da, wo man selbst anfängt zu leiden und ich denke das tust Du, ebenso wie ich es damals tat.


Zitat:
Sie hat sonst niemanden zum reden & ich befürchte, dass sie sich sonst noch mehr dem Alkohol zuwendet.


Wenn sie niemanden hat, ist es an ihr sich jemanden zu suchen. Nur weil man keine Freunde hat muss man seinen Müll nicht bei den eigenen Kindern abladen. Sicher findet man Freunde und Menschen mit denen man reden kann, mit denen man etwas unternehmen kann nicht an jeder Ecke, doch wenn man sie sucht, findet man sie auch.

Wenn sie sich noch mehr dem Alkohol zuwendet, dann weil sie will, nicht weil Du ihr nicht mehr immer und zu jederzeit zuhörst. Es gibt Lösungen für Probleme, entweder man sucht sie und wird sie dann auch finden oder man läuft vor ihnen weg und trinkt. Ebenso wie Du hierher gefunden hast, gibt es auch für Deine Mutter Hilfsmöglichkeiten. Du hast gesucht und gefunden, dass kann sie auch.

Zitat:
Bei meiner Tante traue ich mich überhaupt nicht, ans Telefon zu gehen - als Konsequenz habe ich nun immer ihre gelallten Beleidigungen und Vorwürfe auf dem Anrufbeantworter. Ich hätte die Familie im Stich gelassen. Wie kann ich damit umgehen? Ich weiß nicht, was die richtige Verhaltensweise ist...


Du kannst ihr sagen, dass sie das lassen soll, was höchstwahrscheinlich nicht viel bringen wird. Du kannst Dir eine neue Telefonnummer geben lassen, aber wahrscheinlich wird sie sie wohl über Deine Eltern rausfinden. Das beste ist, sie zu ignorieren und die Nachrichten zu löschen. Deine Tante ist ebenso erwachsen wie Deine Eltern und fähig für sich selbst zu sorgen. Wenn sie nicht mehr trinken will, kann sie Hilfe bekommen. Sie muss sie nur suchen, sie ist leicht zu finden in diesem Land, sucht sie nicht, will sie trinken, Dein Onkel hat damit nichts zu tun. Wenn sie eine Lösung finden will, wird sie es tun.

Du hast Deine Familie nicht im Stich gelassen, Deine Familie hat sich selbst im Stich gelassen. Ich könnte mir vorstellen, dass da auch eine Portion Missgunst und Selbstmitleid mit im Spiel ist. Du bist weggezogen, stellst Dich auf eigene Füße, änderst etwas. Vielleicht wollen sie das auch haben, aber scheinbar wollen sie, im Gegensatz zu Dir, nichts dafür tun. Ist nur eine Vermutung, aber eine Möglichkeit. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

Zitat:
Es tut einfach so unglaublich weh mitanzusehen, wie die Menschen, die ich liebe, sich immer weiter zerstören und nichts dagegen tun zu können.


Das kenne ich, mir ist es auch nicht anders ergangen bzw. es ergeht mir nicht anders. Das ist auch vollkommen normal, dass einem so etwas nicht im Hemd stecken bleibt. Es bleibt aber nichts weiter, als mit diesem Schmerz leben zu lernen. Man kann es lernen, man kann loslassen.

Mir ist es schwer gefallen, meine Mutter, meine Eltern loszulassen, obwohl ich gesehen habe, dass sie in ihr eigenes Unglück rennen. Ich habe die Knöpfe die sie all die Jahre gedrückt haben damit ich funktioniere einen nach dem anderen abgebaut. Ich wollte nicht mehr für sie und ihren Unwillen etwas zu ändern funktionieren. Sie waren bzw. sind erwachsen, fähig für sich selbst zu sorgen. Das habe ich mir immer wieder gesagt und irgendwann ist es auch angekommen, weil es einfach so ist. Sie hätten etwas ändern können, wenn sie gewollt hätten, sie haben es nicht getan, also wollten sie nicht. Ich konnte sie nicht zwingen. Mit der Zeit konnte ich mit dieser Einstellung auch wesentlich entspannter mit ihnen umgehen, damit ging es auch mir besser. Irgendwann hatten sie begriffen, dass ich nicht so funktioniere wie all die Jahre zuvor. Mir ging es damit wesentlich besser, obwohl die Situation nicht besser, sondern immer schlimmer geworden war. Mein Mutter hat mir mal ein großes Kompliment gemacht, obwohl es sicherlich nicht als solches gemeint war. Sie sagte, ich wäre so rigoros geworden, da wusste ich, ich hatte was geschafft. Ich hatte geschafft, dass sie mein nein ernst nahm.

Es ist nichts verkehrtes daran, dass Du für Dich sorgst und Dein Wohl vor das Deiner Mutter, Deiner Eltern, Deiner Familie stellst. Das für Dich sorgst und Dich an erste Stelle stellst heißt ja nicht, dass Du sie nicht liebst. Ich hatte es an anderer Stelle schon geschrieben, Liebe ist nicht Selbstaufgabe.

Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Alkoholmißbrauch wohin man schaut - wie damit umgehen? geschrieben

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