| Ein langer Leidensweg ist geht zuende • umgang eka mit co elternteil |
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hierundjetzt neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.07.2009 Beiträge: 6 Alter: 22
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Verfasst am: 10.01.2010, 23:19 Titel: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Hallo ihr lieben EKAs,
Ich bin 19 Jahre alt und Tochter einer Alkoholikerin. Meine Mutter trinkt seit ich denken kann. Dementsprechend hässlich und schmerzvoll war meine Kindheit, ich war sehr früh auf mich allein gestellt. Schon mit 13 Jahren habe ich heimlich regelmäßig eine Psychologin aufgesucht und die Besuche nach anderthalb Jahren wieder beendet.
Ich sagte meiner Psychologin damals, dass es mir vorkomme, als ob ich die sorgende Mutter wäre und meine Mutter das kleine Kind, um das man sich ständig kümmern muss. Sie sagte mir auch ein Fremdwort für diesen Zustand, da es soetwas anscheinend offiziell gibt. (Vielleicht weiß jemand von euch, wie man es nennt?).
Psychologische Gespräche und regelmäßiger telefonischer Kontakt mit meinen Großeltern, die 600km von mir entfernt wohnen, haben mir immer sehr geholfen und tun es auch jetzt noch. Doch wie sicherlich einige von euch wissen, kommt nichts gegen die ungeheure Last an, die man ertragen muss und die einen erdrückt, wenn man sich seit seiner Kindheit um die Mutter kümmern muss, den Haushalt schmeissen muss, im Dreck haust und keine Chance hat um sich ein soziales Netzwerk aufzubauen da man den Schein nach außen, man führe ein glückliches Leben in einer normalen Familie, immer aufrecht erhalten muss. Ich leider sehr unter diesem Zustand und mein einziger Halt ist das Wissen, in einigen Monaten mein eigenes Geld zu verdienen und dann ausziehen zu können. An diesen Gedanken klammere ich mich jede Nacht in meinen Träumen, ich male mir meine erste eigene Wohnung aus und ich spare jeden Cent, wenn es denn möglich ist.
Bis vor kurzem dachte ich, meine Mutter wird einfach ewig weitertrinken, bis sie irgendwann daran stirbt. Schließlich habe ich jahrelang mit angesehen, wie es immer schlechter mit ihr Wurde: erst keine Freunde und Bekannnte mehr, dann keine Arbeit mehr, dann keine Haushaltsführung und irgendwann bestand ihr Tagesablauf nur noch aus Schlafen, Trinken und TV schauen abwechselnd. Ich habe mich immer mehr von ihr Distanziert denn wenn sie mit mir geredet hat, waren dies nur Unwahrheiten oder erfundene Geschichten.
Sie hat mehrere Entzügegemacht und immer wieder sofort angefangen zu trinken. Sie ist auch nie freiwillig in die Klinik gegangen, sondern auf Drängen meiner Großeltern.
Schließlich kam alles schneller als ich dachte: Kurz nach Weihnachten ging es ihr immer schlechter, sie konnte nicht mehr gehen, kein Wasser lassen und hatte überall schmerzen. Nach Tagen hab ich sie dann zusammen mit ihrem Lebensgefährten zum Arzt geschleppt. Ich ging mit meiner Mutter zusammen ins Sprechzimmer, da sie mir eh nicht die Wahrheit gesagt hätte, wenn ich sie später gefragt hätte, was der Arzt gesagt hat.
Wir saßen also im Sprechzimmer, der Arzt kam herein, guckte meine Mutter an und sagte: "Wollen sie ins Krankenhaus oder über Sylvester sterben?"
Nach langem hinund her hat er meine Mutter dazu überredet, am nächsten Tag ins Krankenhaus zu gehen.
Dort befindet sich meine Mutter nun bis heute. Sie hängt am Tropf, hat einen Katheter, bierbraunen Urin, kann sich nicht aus eigener Kraft im Bett drehen, geschweige denn aufrichten. Diagnose: Leberzirrhose im Fortgeschrittenen Stadium, Aszites (mindestens 10l Wasser im Bauch), Korsakow-Syndrom. Ob sie je wieder ein "normales" Leben führen kann ist dahingestellt, wahrscheinlich benötigt sie den Rest ihres Lebens Pflegehilfe. Und das mit 36 Jahren. Ob sie noch in Lebensgefahr schwebt weiß ich nicht, ein Pfleger ließ durchschimmern, dass es nicht gut aussieht.
Reden kann sie kaum, man versteht sie nicht und sie redet unzusammenhängende Sachen, wacht auf und fragt wo sie ist und lügt einfach. Ich persönlich bin langsam überfordert mit allem: Krankenhausbesuche, Schule und Arbeit, Einkauf, Haushalt....
Oft Wünsche ich mir, dass es mit ihr schnell zuende geht. Es klingt kalt und hart, jedoch ist dies für mich die einzige Chance, das erste mal in meinem Leben auch "LEBEN" zu können. Bis jetzt lebe ich nur für sie. Ich bezweifle, dass sie sich ändern wird. Sie sagt, sie weiß nicht, was sie im KH soll, warum die Ärzte sie nicht gehen lassen, obwohl sie nicht mal grade sitzen kann... Der Arzt sagt, sie darf nicht mehr trinken, eiweißarme Ernährung und regelmäßgies Wasser punktieren wenn sie irgendwann wieder nach Hause kommen sollte. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie ihr Leben freiwillig von jetzt auf gleich so krass umkrempelt, wenn sie noch nicht einmal Krankheitseinsicht zeigt.
Jetzt sitze ich hier und bin verzweifelt, überfordert und tieftraurig. Außer meinen Großeltern und meinem Freund habe ich niemanden, dem ich mich anvertrauen kann oder möchte. Ich frage mich nur: Wann darf ich endlich ich selbst sein? Wann darf ich anfangen, mein Leben zu genießen? Wann bin ich frei? Ich weiß nicht was demnächst passieren wird...
Die Zukunft ist zum ersten Mal in meinem Leben ungewiss....
Hierundjetzt |
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| hierundjetzt hat zum Thema: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14428 Alter: 46
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Verfasst am: 11.01.2010, 16:05 Titel: Re: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Hallo HierundJetzt,
fühl dich herzlich Willkommen hier bei uns EK's.
Wie geht es dir heute? Hat es dich etwas entlastet, all das Schwere hierlassen zu dürfen?
Die Zukunft mag ungewiss sein, aber du kannst sie Schritt für Schritt gestalten. Du hast alles in dir, was es dafür braucht.
Geh einfach weiter, wir begleiten dich gern.
Pack soviel von der Schwere hierher wie du magst, du wirst hier gelesen und verstanden.
Lieber Gruß, Linde |
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| Linde66 hat zum Thema: Re: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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marinajako sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.06.2008 Beiträge: 1404 Alter: 37 Wohnort: daheim
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Verfasst am: 11.01.2010, 17:25 Titel: Re: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Hallo Hier und jetzt,
auch von mir herzlich Wilkommen hier im Forum
schön das du uns gefunden hast, ich kann mich
Linde nur anschließen, wir hören dir gerne zu.
LG
Marina |
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| marinajako hat zum Thema: Re: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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hierundjetzt neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.07.2009 Beiträge: 6 Alter: 22
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Verfasst am: 11.01.2010, 23:14 Titel: Re: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Danke für eure lieben Worte. Es tut gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die einen verstehen.
Meine Mutter soll möglichst bald in eine Leberspezialklinik eingeliefert werden. Leider ist sie noch nicht transportfähig. Ich habe heute mit dem Arzt gesprochen. Ihre Leberwerte werden immer schlechter und schlechter obwohl sie alle nötigen Medikamente und Behandlungen bekommt. Der Arzt sagte, so etwas hat er selbst noch nie erlebt und er kann es sich nicht erklären. Sie ist immer noch in Lebensgefahr.
All dies verdränge ich, um die Tage zu überstehen. Doch manchmal wird man im Alltag einfach so, ganz plötzlich an alles erinnert und dann geht es mir so schlecht, dass ich sofort wie verrück anfangen zu weinen könnte.
Ich weiß, dass ich stark sein muss. Aber ich habe das Gefühl, dass ich umso schwächer werde, je öfter ich mich selbst zu stark sein ermahne.
Hierundjetzt |
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| hierundjetzt hat zum Thema: Re: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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marinajako sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.06.2008 Beiträge: 1404 Alter: 37 Wohnort: daheim
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Verfasst am: 12.01.2010, 17:43 Titel: Re: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Hallo Hierundjetzt,
du musst nicht immer stark sein.
Du bist erst 19.
Hast du drüber nachgedacht dir noch einmal Profi Hilfe zu holen? Oder dir vom Hausarzt was verschreiben zu lassen?
Du musst da nicht alleine durch!
Linde hat es dir auch schon geschrieben aber ich möchte es gerne nochmal wiederholen
Pack soviel von der Schwere hierher wie du magst, du wirst hier gelesen und verstanden.
Fühle dich lieb gedrückt!
LG
Marina |
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| marinajako hat zum Thema: Re: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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hierundjetzt neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.07.2009 Beiträge: 6 Alter: 22
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Verfasst am: 12.01.2010, 23:33 Titel: Re: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Ehrlich gesagt habe ich nicht darüber nachgedacht, mir Hilfe von Außerhalb zu holen. Einfach weil ich mir denke, ich habe immer alles alleine geschafft und werde es jetzt auch schaffen. Ich glaube auch, dass ich vor lauter Abiturstress und allen anderen Sachen die im Moment Stress verursachen, gar keine Zeit finden würde, um mich auf sowas einzulassen und mich damit zu beschäftigen. Kann sein, dass dies der falsche Weg ist.
Marinajako, inwiefern meinst du das, mir vom Hausarzt was verschreiben lassen? Ich lehne eigentlich Medikamente oder andere "chemische Zusätze" genrell ab. Ich kämpfe auch lieber mehrere Tage gegen ne Erkältung an, anstatt mir einfach etwas dagegen aus der Apotheke zu holen. Deshalb kenne ich mich damit auch nicht so gut aus.
Es tut gut, gelesen und verstanden zu werden.
Hierundjetzt |
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| hierundjetzt hat zum Thema: Re: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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sonnenblume1a neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 18.10.2009 Beiträge: 94
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Verfasst am: 13.01.2010, 15:37 Titel: Re: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Hallo hierundjetzt,
pass aber auf, dass du dich nicht überforderst. Du musst fürs Abitur lernen und dann der Streß mit deiner Mutter. Auch wenn du bisher alles alleine geschafft hast, solltest du wirklich darüber nachdenken, dir jetzt Hilfe zu suchen. Du schreibst, dass sie wohl ein Pflegefall bleiben wird. Spätestens, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, muss dann eine Pflege organisiert werden. Da ich damit schon zu tun hatte, weiß ich, dass die Gutachter von der Krankenkasse auch ins Krankenhaus kommen und die Begutachtung vornehmen, damit alles geregelt ist, wenn der Patient zu Hause ist.
LG Sonnenblume |
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| sonnenblume1a hat zum Thema: Re: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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hierundjetzt neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.07.2009 Beiträge: 6 Alter: 22
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Verfasst am: 14.01.2010, 00:27 Titel: Re: Und auf einmal ist alles anders.... |
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Hallo Sonnenblume,
vielen Dank für die Informationen zum Thema Pflege.
Der Arzt teilte mir heute mir, dass für meine Mutter nur noch eine Lebertransplantation in Frage kommt. Jedoch müssen dafür wohl erst bestimmte Bedingungen, zum Beispiel körperliche Voraussetzungen geschaffen sein. Wenn eine Transplantation nicht möglich ist wird sie ab dem Tag, an dem sie das Krankenhaus verlässt natürlich komplett auf Alkohol, Zigaretten verzichten müssen und strenge Eiweiß- und Salzarme Diät halten.
Das ist alles so fremd für mich. Ich weiß gar nicht, was mich demnächst erwartet und ich bezweifle, dass meine Mutter nach dem Krankenhausaufenthalt Abstinent bleiben wird. Sie zeigt bis heute keine Einsicht und versteht immer noch nicht, warum sie noch im KH bleiben will. Sie denkt, die Menschen im KH halten sie dort fest, um sie zu ärgern...
Insgesamt steht es sehr schlecht um sie. Es kann sein, dass sie plötzlich ins Koma fällt oder dass die Leber versagt bzw. zerfällt, wenn ich es richtig verstanden habe. Ich habe absolut keine Ahnung, was mich in naher Zukunft erwartet... Hat sie nur noch wenige Tage zu leben? Wird sie eine neue Leber bekommen? Wird sie keine bekommen und danach abstinent in Pflege leben? Oder wird sie danach weitertrinken und sich damit innerhalb kürzester Zeit umbringen?
Ich weiß es nicht - und ich habe keine Ahnung was mich erwartet. Ich habe mit so einer Situation ja überhaupt keine Erfahrungen.. es kam ja auch alles so überraschend...
Liebe Grüße,
Hierundjetzt |
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| hierundjetzt hat zum Thema: Re: Und auf einmal ist alles anders.... geschrieben
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