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Hass   •    Trinken aufhören....  
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Eisblume02
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 10.01.2010
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 10.01.2010, 13:07    Titel: Fragen über Fragen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen!

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich als Nichtalkoholikerin in diesem Unterforum schreibe, aber meine Fragen richten sich an diejenigen, die Alkoholiker sind. Wie in der Vorstellung schon geschrieben: Ich möchte verstehen, was in euch vorgeht.


Zunächst ein wenig zur Situation. Ich habe vor wenigen Monaten erfahren, dass meine Großtante, 62, Alkoholikerin ist. Und das wohl schon seit über 20 Jahren. Es ist gelungen, es vor der ganzen Familie stets geheim zu halten. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals auf Familienfesten etwas getrunken hat oder einen instabilen Eindruck gemacht hat. Sie war wohl eine gute Schauspielerin. Nun war es so, dass ich im Herbst meinen Großonkel, zu dem ich ein sehr enges Verhältnis habe, besuchte und sie angetrunken gesehen habe - tagsüber! Sie verschwand zwar gleich ins Bett unter dem Vorwand, dass sie Kopfschmerzen hatte, doch ich war sensibilisiert.

Als ich am nächsten Tag meinen Großonkel wieder besuchte, schaute ich darauf, dass sie nicht da ist und sprach ihn darauf an. Ich muss dazu sagen, dass er neben meinen Eltern für mich der wichtigste Mensch ist und auch er hat großes Vertrauen zu mir. Ich war immer sein besonderer Schützling und habe letztendlich auch den gleichen Studiengang gewählt wie er. Als ich ihn mit meinem Verdacht konfrontierte, stritt er zunächst ab, doch dann brach es plötzlich aus ihm heraus. Er weinte und anfangs kam auch nur Unzusammenhängendes. Es schien, als wären plötzlich alle Dämme gebrochen und das ganze Leid, das er erfahren hatte, wollte plötzlich raus.

Es ging wohl schon zwei Jahrzehnte so, dass sie sich fast jeden Abend mit Wein oder Sekt zuschüttete. Wenn er da war und sie kontrollierte, nahm es wohl weniger schlimme Formen an. War er beruflich unterwegs, gab sie sich wohl regelmäßig komplett die Kante. Sie hatte im Sommer des Jahres eine ambulante Therapie beendet und er dachte sie seitdem wieder auf dem Weg der Besserung. Sie wurde auch wieder aktiver und schien neuen Lebensmut gefasst zu haben. Dann wurde er wieder misstrauisch und ertappte sie immer regelmäßiger dabei, wieder etwas getrunken zu haben.

Dann kam Weihnachten ein großer Absturz. Die Feiertage waren die beiden auch bei meinen Eltern zu Besuch und sie war noch nicht auffällig. Ich habe sehr genau auf sie geachtet, aber sie war wie immer. Wie kann man nur eine solch grandiose Schauspielerin sein? Tja, und dann erreichte mich kurz vor Silvester ein Anruf von ihm, dass die Lage schlimmer sei, als er sich das je träumen hätte lassen. Sie hatte einen Heulkrampf nach dem anderen, nachdem er sie vormittags betrunken angetroffen hatte, schleppte ihre Alkoholvorräte bei ihm an und legte ihm zu allem Überfluss noch ein Zettelchen hin, in dem sie mit Selbstmord drohte. Er war fix und fertig, an sie war kein Herankommen mehr. Kein Lebensmut, keine Perspektive. Ich muss vielleicht dazu sagen, dass sie unter Depressionen leidet und auch Psychopharmaka (SSRI) einnehmen muss. Außerdem gestand sie ihm, dass sie seit dem Herbst jede Nacht in den Morgenstunden aufgestanden ist, um sich etwas Wein hinter die Binde zu kippen. Die beiden haben getrennte Schlafzimmer, deshalb war ihm das nicht aufgefallen.

Als er mir das erzählt hatte, war ich so geschockt, dass ich es nicht glauben wollte. Das Lesen hier im Forum zeigt mir jedoch, dass es sich bei der Saufintensität wohl nicht um einen Einzelfall handelt. Er war jedoch guter Hoffnung, dass es ab jetzt bergauf geht. Tja, sie sei ja reuig und er meint, je mehr er sich um sie kümmert, desto besser seien die Heilungsaussichten. Ich zweifelte gleich schon daran, aber er ist halt jemand, der an das Gute im Menschen glaubt. Seitdem schränkt er sich ein, wo es nur geht. Einen geplanter Wochenendtrip von uns zu einer Messe hat er jetzt kurzfristig abgesagt, weil er sie nicht alleine lassen will. Er meint, wenn er da ist, trinkt sie weniger. Dabei hat er sie seitdem schon mehrmals wieder voll erwischt. Manchmal gesteht sie es ein, manchmal leugnet sie. So wird das wohl noch bis ans Ende ihrer Tage weitergehen. Trennen wird er sich auf keinen Fall von ihr.

Außerdem hat er ja noch immer Hoffnung. Sie geht wöchentlich zu einer Selbthilfegruppe, der sie aber von ihren Rückfällen nie was erzählt hat - das geht doch am Sinn einer SHG vorbei, oder?


Nun zu meinen Fragen:

1. Was bringt eine Selbsthilfegruppe, wenn ich ihr nicht die Wahrheit sage? Hat das jemand von euch auch schon einmal gemacht? Da wird doch die Scham nur noch größer, oder?

2. Ist es sinnvoll, außer einer einzigen Vertrauensperson niemanden einzuweihen? Ich komme aus einer großen Familie und sie hat es geschafft, das Ganze über 20 Jahre vor ALLEN geheim zu halten.


3. Möchte ein Alkoholiker, der immer nur halbherzige Versprechungen abgibt, überhaupt aufhören? Es hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass sie während ihrer ambulanten Therapie schon wieder begonnen hat zu trinken. Und zwar immer dann, wenn sie wusste, dass sie in den nächsten zwei Tagen keinen Alkoholtest machen musste. Da fruchten doch auch keine Gespräche, wenn der Patient schon an den nächsten Rausch in ein paar Tagen denkt!

4. Ich habe im Internet gelesen, dass sie Selbstmordrate unter Alkoholikern besonders hoch ist. Hattet ihr die auch schon und wenn ja, in welcher Situation? Ich war fix und fertig, als er mir davon erzählte, habe ihm geraten, beim nächsten Mal gleich Polizei zu verständigen, da er selbst die Verantwortung nicht auf sich nehmen könne. Werden diese Drohungen instrumentalisiert oder ist da was dahinter?

[b]5. edit Karsten - bitte keine Diskussionen, wie sich eventuell Medikamente auswirken.
Für solche Fragen bitte immer einen Arzt konsultieren. Danke - edit



Ich bedanke mich bei allen, die hier gelesen haben. Tipps wie konsequentes Loslösen von der Person fruchten nicht, sind also vergebliche Liebesmüh. Ich würde nur gerne verstehen, was in Alkoholiker vorgeht und freue mich auf eure Erfahrungen!

Viele Grüße,
Eisblume
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Eisblume02 hat zum Thema: Fragen über Fragen geschrieben
Eisblume02
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 10.01.2010
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 10.01.2010, 13:19    Titel: Re: Fragen über Fragen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Oh, ich bitte um Entschuldigung wegen der Frage. Danke für die Entfernung, Karsten. Winken
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Eisblume02 hat zum Thema: Re: Fragen über Fragen geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32803
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 10.01.2010, 13:27    Titel: Re: Fragen über Fragen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Eisblume,

vielleicht wäre es besser, zu deinen Fragen jeweils ein eigenes Thema zu eröffnen?

Ich lese aus deinen Fragen heraus, dass sie wohl noch nicht wirklich die Einsicht hat und vielleicht gar nicht aufhören möchte.

zu1.
Es kann nichts bringen, wenn der Erfahrungsaustausch nicht auf Ehrlichkeit beruht.
Wenn man in der SHG nicht die Wahrheit sagt, kann man zwar immer noch von dem Gesprochenen lernen, aber dazu möchte man ja auch was lernen wollen.
Viele gehen auf Druck von Familienangehörigen in solche Gruppen oder auch aus Alibi, damit jeder sieht, man tut ja was.

zu2.
Oft wissen viel mehr Menschen bescheid, als man selbst glaubt. Ob es nun die Verkäufer sind, wo man ständig Alkohol kauft, die Nachbarn, die einem beim Leergutentsorgen sehen oder eben auch Familienangehörige, die aber oft schweigen, weil es ihnen peinlich ist.
Um dauerhaft nüchtern zu bleiben, ist aus meinen Erfahrungen ein offener und ehrlicher Umgang mit der Krankheit lebensnotwendig.
Ansonsten vergibt man einfach zu viel Energie, wenn man ständig für jeden irgendwelche Ausreden erfinden muß
Verstrickt man sich in diesen Ausreden, wird man auch unglaubwürdig.
Außerdem kann mich jeder, der von meiner Krankheit weiß, in vielleicht schwierigen Situationen helfen und schützen.

zu3.
Wenn jemand während der Therapie schon wieder trinkt, ist es sinnlos und ein solcher Therapieplatz sollte dann lieber jemanden gegeben werden, der wirklich aufhören will. Leider wird das oft im Vorfeld nicht erkannt.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: Fragen über Fragen geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2009
Beiträge: 4497
Alter: 60
Wohnort: Wilkau-Haßlau

BeitragVerfasst am: 10.01.2010, 18:39    Titel: zu 4. Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf eisblume


suizidgedanke kann echt sein - muß aber nich
die drohung könnte ausgesprochen werden um in ruhe gelassen zu werden (und weiter ungestört saufen zukönnen) - muß aber nich
^ nur meine gedanken - keine expertise
wäre eine zwangseinweisung (wegen gefährdung des eigenen lebens) angebracht bzw. möglich? > arzt fragen!

1-3 stimm ich mit karsten überein

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: zu 4. geschrieben

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