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meine Geschichte meines Vaters...

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Claudia0882
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.01.2010
Beiträge: 21
Alter: 29

BeitragVerfasst am: 08.01.2010, 13:00    Titel: meine Geschichte meines Vaters... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

... hallo ihr lieben... ich dachte mir ich schreibe euch einfach mal meine geschichte auf, weil ich denke dass es an der zeit ist mich mitzuteilen... ich schreibe die ungefähren zeitangaben dahinter zur besseren orientierung...

mein vater (52) ist spiegeltrinker, wie ich mittlerweile weiss, so lang ich denken kann. meine gesamte kindheit und jugend hindurch hat mein unterbewusstsein das ganze erfolgreich ausgeblendet u es wurde mir erst richtig bewusst, nachdem ich mein abi in der tasche hatte (2001). Kurze Zeit später wurde meine kleine Schwester (damals 15) erst magersüchtig dann bulemisch, war stationär und später ambulant in behandlung. ab da war papas alksucht "allgemein bekannt". ich war ab 2001 für 7 Jahre mehr oder weniger nicht zu hause, weil ich diverse ausbildungen abgeschlossen habe. daher war meine gut ausgebildete verdrängungstaktik im dauerbetrieb. Frei nach dem Motto: "was ich nich sehe existiert nicht.".

in der zwischenzeit wurde meinem vater als Maler und Lackierer gekündigt und nach kurzer arbeitslosigkeit begann er in österreich in seiner branche zu arbeiten u kam in unregelmäßigen abständen fürs wochenende oder 2 tage länger nach hause - wir haben ja schließlich noch ein haus und ne reihe kleintiere zu bewirtschaften. Meine Mutter hat dann ebenfalls angefangen als Saisonarbeiterin in Österreich zu arbeiten und war somit die letzten 3 Jahre von september bis mai gar nicht zu hause.

Meine Schwester ist dann während ihrer Bulemiezeit von zu hause aus- und nach erfurt (is ne std von zu hause entfernt) gezogen u hat sich dort mittlerweile eine kleine familie aufgebaut. U konnte sich gott sei dank erfolgreich aus jeglicher abhängigkeit, sucht, selbstvorwürfen unserem vater gegenüber herausnehmen und ihr eigenes glückliches leben leben. Mittlerweile ist sie mit ihrem 2. Kind schwanger.

Ich habe vorletztes jahr im sommer (2008) meine 2. ausbildung zur informatikkauffrau abgeschlossen und bin aus dem saarland wieder zu hause eingezogen (meine großeltern wohnen mit auf unserem grundstück im nachbarhaus). Unser Haus war sowieso größtenteils leer, papa kam alle 2 bis 4 wochen nach hause um nach dem rechten zu sehen und das haus in schuss zu halten und mama ist dann im oktober wieder nach österreich. Das ging alles halbwegs gut bis letztes jahr im november. Den ganzen sommer über hat er schon genörgelt, dass die arbeit in österreich voll blöd sei u keinen spass mehr mache und mitte november kam er dann heim u meinte ihm wurde gekündigt, denn er bräuchte eine pause und würde im märz wieder dort anfangen.
Er hat das gesagt u ich dachte nur „Oh mein Gott bitte nich.“
Von da an ging es rapide bergab. Ich wusste schon seit längerem dass er neben seinen vielen bockbierflaschen mittlerweile auch weinbrand trinkt um auf seinen spiegel zu kommen.
Ich hab ihn regelmäßig angeschrien, dass er seine dämlichen bierflaschen irgendwo anders trinken und hinstellen bzw. stehen lassen soll, aber nicht dort wo ich sie sehen muss...
Das ging dann paar wochen so.
Meine oma, die schon immer einen sehr guten Draht zu ihm hatte, hat oft und lange mit ihm geredet, dass er was essen soll u das hat er auch gemacht...
Anfangs hat er noch gegessen – zwar nicht viel, aber er hat gegessen. (alk hat auch kalorien)
Allerdings fing dann sein mittlerweile chronischer durchfall an. Hämorriden hatte er auch ganz schrecklich. Ich hab dann mehrmals am tag unsere toilette geputzt.
Logischerweise hat er nichts mehr gegessen, weil der durchfall nicht besser wurde und der durchfall wurde nich besser, weil er nichts gegessen hat.

Ab 07.12. (seinem 52. geburtstag) ging es dann langsam ganz bergab.
Er aß immer weniger, wurde immer weniger u weihnachten is die situation dann etwas aus dem ruder gelaufen. Er konnte es noch nie ausstehen wenn ihm irgendjemand vorschriften gemacht hat. Oma hat sich dann heilig abend erdreistet ihm zu sagen, dass sie sich von ihm zu neujahr wünscht, dass er mehr isst – ab da war heilig abend gelaufen.
Er ging dann ins bett. Ich bin dann hinterher, hab mich noch für sein geschenk bedankt u gesagt er möge doch bitte wieder mit ins wohnzimmer kommen. Dann fing er an mich vollzupulvern, er ließe sich von niemandem vorschreiben was er zu tun hat. Seine mutter (mit der er massive probleme hat) musste das schließlich auch erst lernen, dass er sich nix vorschreiben lässt was er zu tun und zu lassen hat...
Dann kam meine oma noch ins schlafzimmer und hat noch lieb auf ihn eingeredet, dass sie das nich so gemeint hätte u dass er doch bitte rauskommen solle...
Ich bin dann heulend in mein zimmer.
Welche toller Heilig Abend!!! Er kam dann natürlich nicht mehr raus.

Heilig Abend war auch meine Schwester mit Mann und Kind da und wir haben uns dann noch nen halbwegs annehmbaren abend gemacht.
Sie hatte ne Erkältung über Weihnachten u hat natürlich meinen angeschlagenen Vater angesteckt, so dass er neben dem Durchfall, den Entzugserscheinungen vom alkohol (er hat nix mehr getrunken weil er nix drinbehalten hat) und den Entzugserscheinungen vom Nikotin (rauchen konnte er auch nich mehr weil er krank war u sich sonst totgehustet hätte) logischerweise völlig ausgemergelt ist und innerhalb 2 Wochen noch weiter rapide abgenommen hat.
Mein Opa und seine schwester, die in der apotheke arbeitet, haben ihm dann medikamente besorgt, u das einzige was er nimmt sind kohletabletten, aber die schlagen nicht an.

Er ernährt sich seit 2 Wochen jetzt nur von Kräuter- und Früchtetee... ich kann ihn nicht mehr anschauen ohne dass mir ganz komisch wird und ich heulend weggehe.

Am 06.01. hat mein Oma dann meine Mutter angerufen, dass sie bitte so schnell wie möglich heim kommen soll. Mama hatte uns vorher gesagt dass wir sie anrufen sollen wenn’s gar nich mehr geht.
Gestern hatte mama ihren 50. geburtstag und hat den im zug nach hause verbracht.

Seit Montag sitzt mein Vater tagsüber vorm fernsehr... im wohnzimmer sind 26° - er friert dauernd... er hat ne ganz gelblich-blaue pergamentartige haut u von tag zu tag nimmt seine aufmerksamkeit ab.

Ich kann nich mehr. Ich bin so froh dass meine mutter da is. Meine Großeltern und ich sind völlig fertig mit den Nerven.

Wir haben schon so oft gebittet u gebettelt er solle zum arzt gehen, aber nein, „was von selber kommt geht auch von selber“, ist seine aussage.
Vorgestern hat er oma versprochen, dass wenn es nich besser wird wir nen arzt holen können... aber ich hab die befürchtung dass „nächste woche“ zu spät ist.

Opa hat auch den Notarzt schon angerufen, was wir machen können, dass der ihn behandelt, aber der Notarzt hat gesagt wir und er könnten gar nichts machen, solange papa ausdrücklich nicht will, dass ihm geholfen wird.

Hab mich gestern lange mit mama unterhalten und wir sind beide zu dem schluss gekommen, dass er einfach nicht mehr will. Auch wenn ich das weder akzeptieren noch verstehen kann.


Das ist meine Geschichte... bis zum heutigen Tag.
Ich habe keine ahnung wie ich das WE überstehen soll...

Ich danke euch fürs lesen, auch wenn es sehr lang geworden ist und ich hoffe dass es nicht zu durcheinander geschrieben ist.

Claudia
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Claudia0882 hat zum Thema: meine Geschichte meines Vaters... geschrieben
sonnenblume1a
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 18.10.2009
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 08.01.2010, 15:41    Titel: Re: meine Geschichte meines Vaters... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Claudia,

erstmal herzlich willkommen hier.

Wenn dein Vater sich nicht untersuchen lassen will, könnt ihr leider nicht viel machen. Meinem Vater ging es genauso, hatte auch starken Durchfall und ist abgemagert, nach jahrlangem Alkoholmissbrauch.

Vielleicht hat er auch große Angst vor einer Diagnose und hat sich schon aufgegeben.

Es ist gut, dass du deine Mutter jetzt bei dir hast und die Großeltern, und dich nicht alleine fühlen musst.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft, diese Situation durchzustehen.

LG Sonnenblume
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sonnenblume1a hat zum Thema: Re: meine Geschichte meines Vaters... geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2009
Beiträge: 4497
Alter: 60
Wohnort: Wilkau-Haßlau

BeitragVerfasst am: 08.01.2010, 15:59    Titel: geschockt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf claudia

is nich unübersichtlich - alles klar
aber ich bin geschockt Geschockt + sprach- + ratlos Traurig

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: geschockt geschrieben
Claudia0882
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.01.2010
Beiträge: 21
Alter: 29

BeitragVerfasst am: 08.01.2010, 23:02    Titel: Re: meine Geschichte meines Vaters... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

danke ihr beiden...
heute ging alles noch ziemlich schnell... war ein sehr verrückter tag...
meine oma hat ihre wirklich sehr einfühlsame und nette ärztin geholt u mama konnte ihn überreden sich untersuchen zu lassen.

schlussendlich konnte ihn die ärztin davon überzeugen, dass er so schnell wie möglich ins krankenhaus muss. er hatte bereits vergiftungserscheinungen, seine erkältung war zu einer leichten lungenentzündung mutiert und die vergiftung ging schon so weit, dass sie anfing das gehirn anzugreifen (er hat schlecht gehört und seine aussprache war sehr undeutlich geworden).

ich weiss, mitleid is fehl am platz, aber er ist so hilflos in den krankenwagen gestiegen er meinte: "na dann muss ich wohl gehen".

diese ärztin verdient nen orden! kommt noch abends halb 7 zu uns und überzeugt einen totkranken mann davon doch noch ins krankenhaus zu gehen. vor ner woche hätte er sich mit händen und füßen dagegen gewehrt auch nur in die nähe eines arztes zu gehen.

morgen mittag gehen wir ihn besuchen.

näheres dann morgen. uns ist ein halbes gebirge vom herzen gefallen, auch wenn ich mir keine allzugroßen hoffnungen mache, aber erstmal morgen auf die diagnose warten.
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Claudia0882 hat zum Thema: Re: meine Geschichte meines Vaters... geschrieben
marinajako
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.06.2008
Beiträge: 1404
Alter: 37
Wohnort: daheim

BeitragVerfasst am: 09.01.2010, 11:45    Titel: Re: meine Geschichte meines Vaters... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Claudia,

wart Ihr schon im Krankenhaus? Wie ist es gelaufen?

Lieben Gruß
Marina
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marinajako hat zum Thema: Re: meine Geschichte meines Vaters... geschrieben
sonnenblume1a
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 18.10.2009
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 09.01.2010, 13:37    Titel: Re: meine Geschichte meines Vaters... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Claudia,

hatte heute schon an dich gedacht und wie es deinem Vater so geht. Gut, dass er erstmal im Krankenhaus ist und gründlich untersucht wird. So habt ihr zuhause auch erstmal eine kleine Verschnaufpause.

Sonnenblume
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sonnenblume1a hat zum Thema: Re: meine Geschichte meines Vaters... geschrieben
Claudia0882
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.01.2010
Beiträge: 21
Alter: 29

BeitragVerfasst am: 09.01.2010, 16:55    Titel: Re: meine Geschichte meines Vaters... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

huhu,
sind gerade eben ausm krankenhaus zurückgekommen.
er sieht schlecht aus... gestern nacht wurde er noch gründlich durchgecheckt, aber die oberschwester darf uns nix sagen und der arzt war nicht zu erreichen - wochenende im krankenhaus!! die kriegen nix gebacken... ich könnt grad... Böse

er liegt auf der Inneren neben nem mann der röchelt die ganze zeit und der sauerstoff, den er bekommt blubbert vor sich hin... nervenraubend...
er liegt direkt am angekippten fenster (bei der witterung), weil der zimmergenosse dauernd schwitzt, die heizung bollert auf stufe 5 und mein vater liegt im dicken jogginganzug und 3 pullovern und voll zugedeckt in seinem bett u friert...
bei seinem flüssigkeitsverlust achtet natürlich auch keiner drauf dass er genug trinkt...
ausserdem würde er gerne baden und sich rasieren, das wollte er gestern eigentlich noch machen, aber die ärztin kam dann gestern abend gerade u dann ging das nich mehr... und er schämt sich so, dass er noch den rauschebart hat und sich nicht baden und rasieren kann... die pfleger würden ihn nur duschen, aber das will er nicht. er ist auch zu hause immer lieber baden gegangen.
mama meinte heute, dass sie morgen die pfleger mal aufmischt... kann nich sein, dass die nich drauf achten, dass er genug trinkt bei dem flüssigkeitsverlust u ob sie ihn nicht mal baden lassen könnten, sonst nimmt sie ihn mit heim - er kann in ruhe baden - u dann bringt sie ihn wieder hin.

na mal schaun was der tag morgen bringt...

mama fährt (vielleicht mit oma) morgen noch mal zu ihn... ich möchte morgen nicht mit... er sieht so hilflos aus... (er war in seinem ganzen leben bisher noch nie im krankenhaus) und dann ist er auch noch alleine... aber ich kann morgen nicht mit...
viell schaff ichs am montag wieder.

u ich hoffe es gibt bald mal ne aussage von den ärzten...

soviel zum heutigen stand der dinge... ich guck heute abend noch mal hier vorbei...
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Claudia0882 hat zum Thema: Re: meine Geschichte meines Vaters... geschrieben
sonnenblume1a
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 18.10.2009
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 09.01.2010, 17:12    Titel: Re: meine Geschichte meines Vaters... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Claudia,

es ist ok wenn du morgen nicht mit ins Krankenhaus fährst. Mache nur das, was du kannst und überfordere dich nicht. Seinen Vater dort so zu sehen, ist schlimm und kostet Kraft, ich spreche aus Erfahrung.

Im Krankenhaus ist oft nicht alles so, wie wir es uns vorstellen, aber die Schwestern haben auch nur zwei Arme und viele Patienten zu versorgen und fahren am Wochenende auch nicht mit voller Besetzung. Dass man am Wochenende keinen Arzt erreicht, kenne ich leider auch, das macht schon wütend, weil man doch wissen möchte, was mit dem Vater los ist. Am Montag ist dann wieder normaler Klinikbetrieb und ihr bekommt sicher auf eure Fragen klare Antworten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man genaue Fragen stellen muss, um alles zu verstehen.

Dir trotzdem noch ein gutes Wochenende

LG Sonnenblume
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sonnenblume1a hat zum Thema: Re: meine Geschichte meines Vaters... geschrieben

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