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Kampf an vielen Fronten

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Bin nicht Stolz auf mich   •    Vorstellung Backmaus  
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silberkralle
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BeitragVerfasst am: 17.12.2009, 15:33    Titel: schlips treten ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf mary

ich glaub nich, dass du hier jemandem auf den schlips treten wirst (und wer sich getretenfühlt soll nich weiterlesen Winken )
Pfeil schreib alles was dich bewegt - wirst schon sehen was zurückkommt.

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: schlips treten ? geschrieben
Mary69
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BeitragVerfasst am: 17.12.2009, 16:03    Titel: Re: Kampf an vielen Fronten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke Pittchen! Nein, ich bin ein Krebs - den widerspenstigen Teil macht glaube ich der Aszendent Löwe aus Lachen

Auch Euch vielen Dank für die nette Bergrüßung, liebe Backmaus und lieber Matthias - hab ja auch schon viel inspirierendes von Euch gelesen Smilie

Glück auf.... Das gefällt mir Smilie
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Mary69 hat zum Thema: Re: Kampf an vielen Fronten geschrieben
Mary69
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 17.12.2009, 16:18    Titel: Re: Kampf an vielen Fronten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Und weiter geht’s…. Es passt momentan ganz gut, dass es ruhiger in der Arbeit zugeht und ich alleine im Büro bin. Smilie

Zu dem halbherzigen Suizidversuch sei noch gesagt – der sah so aus: Ich arbeitete zu der Zeit Spätschicht in einem Call-Center, musste erst um 16.00 Uhr anfangen. Am Morgen dieses Tages kam es zu einer Auseinandersetzung mit meiner Freundin – ich hatte in der Nacht wieder heimlich getrunken. Sie goß meine Wodkaflasche aus und verließ unter Tränen meine Wohnung. Wie ferngesteuert bin ich los und hab mir an diesem Tag neuen Wodka und Sekt (warum das weiss ich bis heute noch nicht…) besorgt. Gegen 15.00 Uhr brach ich zur Arbeit auf – stockbesoffen, total aufgekratzt , voller Schuldgefühle und Ängste. Von der beruhigenden Wirkung des Alkohols war diesmal nix zu spüren. Ich wollte nichts mehr denken, nichts mehr spüren, nur Ruhe, Ruhe, Ruhe. So nahm ich 12 Beruhigungstabletten – die hatte ich damals in der Tasche (die waren eigentlich für den Entzug gedacht, also statt Alkohol). Keine 10 Minuten später wurde mir bewußt, dass ich gerade Sch…. gebaut hatte. Panisch stieg ich aus dem Bus aus und fuhr mit einem anderen Richtung Hausarzt. Der rief umgehend den Notarzt. Ich wurde ins Krankenhaus verfrachtet. Wachte am nächsten Tag nur mit Flügelnachthemdchen bekleidet und an einem Tropf hängend auf. Gegen Nachmittag hatte ich den zuständigen Neurologen des Krankenhauses überzeugt mich nicht ins hiesige Bezirksklinikum (entweder Entgiftungstation oder Geschlossene) einzuweisen. Ich verließ das Krankenhaus noch am selben Tag, in meiner Arbeitstasche noch die mit Schnaps gefüllte Wasserflasche, die ich zuhause dann noch leerte Verlegen

Von Februar 2001 bis September 2001 war es ein ganz übles Auf- und Ab. Manchmal schaffte ich es, ein paar wenige Wochen nicht zu trinken, dann wieder ein Exzess. Es war die Hölle für meine Freundin und mich. Mir wird erst jetzt so richtig bewußt wie sehr sie damals gelitten haben muss - ich war oft wirklich ein A....loch, dass für Alkohol vor keinem Lug oder betrug zurückschreckte Weinen Dann - am 28. September 2001 - wachte ich früh am morgen auf und wollte in die Arbeit. In der Nacht zuvor hatte ich wieder unendlich viel getrunken (vierzehn Tage vorher war ich erst wieder aus der Entgiftung entlassen worden) Ich war fertig, meine Glieder schmerzten, mein Kopf. Ich schaffte es gerade noch mich krank zu melden. Hinzu kamen wieder Schuldgefühle, weil meine Freundin mal wieder glaubte, ich sei trocken. Sie war zu der Zeit ein paar Tage verreist. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nicht mehr, ich wusste nicht, was zu tun. So legte ich mich wieder ins Bett und trank weiter. Ich schlief ein und wachte wieder auf. Und immer als ich wach wurde trank ich weiter. Gott sei Dank war die Flasche irgendwann leer und kein Nachschub mehr da, sonst hätte ich mich vielleicht totgesoffen an dem Tag. Gegen 21.00 Uhr stand ich auf, um mich zu duschen. Danach wollte ich fernsehen. Überall war noch besagter „11.September“. Das Fernsehen tat mir förmlich weh. Ich wurde plötzlich von einem übermächtigen Panikgefühl erfasst. Ich hatte Angst durchzudrehen – klar, ich hatte den ganzen Tag gesoffen und keinen Bissen zu mir genommen. Eine Freundin (trockene Alkoholikerin) setzte sich nach meinem Anruf ins Taxi und kam vorbei. Sie hat mir durch diese Nacht geholfen, und mich am nächsten Tag zum Arzt gebracht. Dafür binich ihr noch heute dankbar. Ich weiss nicht, was genau in der Nacht mit mir geschah. Von diesem Tag an war ich trocken – für eineinhalb Jahre. In dieser Zeit (Januar bis März 2002) machte ich auch eine 10wöchige LZT wegen Alkohol und Bulimie (die „blühte“ damals ja auch noch). Was den Alkohol betraf fühlte ich mich sicher, ich war beinahe überheblich („Ich und wieder trinken? Pahh! So blöd bin ich nicht mehr! Passiert mir nie wieder!“). Ich machte den Fehler zu glauben, ich schaffe das ohne SHG oder ambulante Therapie. Und so fiel die „neunmalkluge“ Mary im März 2003 wieder kräftig auf die Schnauze. Von meiner Freundin hatte ich mich zwei Monate vorher getrennt – sie hat mich nass kennengelernt und in der Zeit, als ich trocken war zeigte sich immer mehr, dass wir nicht zueinanderpassen, obwohl wir uns liebten.

Bis ins Frühjahr 2004 eierte ich so herum mit der Trinkerei, der Bulimie, ich hatte unglaubliche Fehlzeiten in der Arbeit. Im Mai 2004 kam dann die Kündigung. Ich konnte mich nicht beklagen – mein damaliger Arbeitgeber hat sich das wirklich lange sehr geduldig angeschaut. Und diese Kündigung riss mich aus meinem Delirium. Ich entgiftete wieder und beschloss nochmals eine Langzeittherapie zu machen. So trat ich meine inzwischen 4. LZT (und bis dato letzte) Ende Dezember 2004 in einer psychosomatischen Klinik im Allgäu an. Diese Therapie war Balsam für die Seele. Sie war ziemlich esoterisch angehaucht (was ja nicht jedermanns Sache ist). Mir tat es gut – und ich machte erhebliche Fortschritte was die Bulimie betraf. Auch was den Alkohol betraf fühlte ich mich sicher. Die Therapie dauerte leider nur 6 Wochen. So wurde ich Anfang Februar 2005 wieder entlassen.
So kam ich heim – gestärkt und vollgepackt mit Energie, bereit mein Leben umzukrempeln. Meine Eltern holten mich am Faschingsdienstag 2005 ab. Als ich meine Wohnung betrat schauderte mich, ich fühlte mich da nicht hingehörend, wäre am liebsten davongelaufen, so viele Erinnerungen... Aber an einen Umzug war aus finanzieller Sicht nicht zu denken. Ich war ja immer noch arbeitslos und Hartz IV klopfte an der Tür. Ich hatte keine Ahnung, wie es nun weitergehen sollte. Und so drohte ich erneut in ein Loch zu fallen.

Puhh! Nun gönne ich Euch und mir wieder eine Pause bevor ich weiterberichte Lachen

Ich wünsche Euch einen schönen Nachmittag! Danke fürs Lesen Smilie
Liebe Grüße Mary
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Mary69 hat zum Thema: Re: Kampf an vielen Fronten geschrieben
klarerkopf
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BeitragVerfasst am: 17.12.2009, 20:13    Titel: Re: Kampf an vielen Fronten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Mary69,

danke für deine Geschichte, sie ist sehr ähnlich meiner.

Zitat:
Ich konnte nicht mehr, ich wollte nicht mehr, ich wusste nicht, was zu tun. So legte ich mich wieder ins Bett und trank weiter. Ich schlief ein und wachte wieder auf. Und immer als ich wach wurde trank ich weiter. Gott sei Dank war die Flasche irgendwann leer und kein Nachschub mehr da, sonst hätte ich mich vielleicht totgesoffen an dem Tag.


Genauso war es bei mir in meinen letzten Stunden meines "Trinkerdaseins", und für diesen Zustand trifft nur eine Beschreibung zu, es ist die Hölle.

Und ich hab mir eins geschworen:

Nie, nie, nie werde ich diese letzten Stunden meines "Saufens" vergessen, zusammen mit dem anschließenden Aufenthalt in der Intensivstation und dem wieder runterkommen von knapp 4 Promille auf 0, ergaben diese Vorkommnisse meinen persönlichen Tiefpunkt.
So geschehen im Herbst 2005.
Diese Hilflosigkeit gegenüber dem "Trinken müssen", die man da hat, möchte ich in meinem Leben nicht mehr erleben.

Grund genug, das jetzige Leben mit ständig "klarem kopf" weiter zu führen - und diese Dinge irgendwo im Hinterkopf abzuspeichern und ab und zu mal hervorzukramen.

Freu mich auf deine nächsten Beiträge.


lg

klarerkopf
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klarerkopf hat zum Thema: Re: Kampf an vielen Fronten geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 17.12.2009, 21:02    Titel: Re: Kampf an vielen Fronten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

klarerkopf hat Folgendes geschrieben:
Diese Hilflosigkeit gegenüber dem "Trinken müssen", die man da hat, möchte ich in meinem Leben nicht mehr erleben.


an sowas und ähnliches denk ich immer wenn mal was schiefläuft < hilft trockrnbleiben

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Kampf an vielen Fronten geschrieben
Mary69
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BeitragVerfasst am: 18.12.2009, 11:09    Titel: Re: Kampf an vielen Fronten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen, Ihr Lieben Smilie

stimmt! Wenn man daran denkt, wie ausgeliefert man/ich mich oft dem Alkohol gegenüber fühlte.. Ich hatte die geschilderten Erlebnisse (Tabletten, Alkohol, Krankenhaus - Trinken/Schlafen) bis vor ganz wenigen Tagen total verdrängt... Ich bin Alkoholikerin, aber das es so schlimm war - daran sollte ich mich immer wieder erinnern als Abschreckung. Das Vergessen - wenn es mir nach wenigen Tagen und Wochen der Abstinenz wieder (körperlich) besser ging - war mehr als einmal Ursache bzw. Auslöser wieder zu trinken. Ein Kreislauf aus dem ich diesmal hoffentlich ausbrechen kann.

Seit 21. Oktober habe ich nun nichts mehr getrunken. Körperlich fühle ich mich fit, mache auch wieder Sport - Psychisch fühle ich mich alles andere als fit. Die Ängste, die Wut, die Traurigkeit, die Schuldgefühle - alles kommt jetzt hoch - ich habe das Gefühl, meine Seele liegt da wie ein offene entzündete Wunde - es brennt, es schmerzt, ich könnte manchmal die Wände hochgehen Weinen Ich sehe auch einen Berg von Dingen vor mir, die zu erledigen sind (Job, Umzug, Finanzen) - und ich weiß nicht wie und wo ich anfangen soll. Ich habe so Angst, dass "alles" über mir hereinbricht. Wie oft wurde/wird da das Verlagen nach Alkohol geweckt, nach Ruhe, einfach "abtauchen" und nichts mehr mitkriegen. Nur die Gefahr bei diesem "Abtauchen" zu ersaufen ist groß Traurig

Ganz ehrlich - ich bin froh, dass ich hier Mitlesen und Schreiben kann - es hat mich mehr als einmal vor dem Absturz bewahrt. Es ist aber auch der Gedanke an die Scham, mich hier mit Rückfall melden zu müssen... Hoffe, das bleibt mir erspart...

Wünsche Euch einen schönen Freitag Smilie

Grüße Mary
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Mary69 hat zum Thema: Re: Kampf an vielen Fronten geschrieben
Mary69
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 18.12.2009, 12:56    Titel: Re: Kampf an vielen Fronten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Und hier die Fortsetzung....

Und ich fiel... Traurig

Es war als wäre nichts von der Therapie hängengeblieben, als hätte ich nichts gelernt. Mit der Essstörung ging es besser (ich kotzte so gut wie gar nicht mehr, allerdings nahm ich immer noch und immer mehr Abführmittel) – mit dem Alkohol ging es gar nicht gut. Ich steckte zeitweise (ab und an mal die bekannten Trinkpausen) wieder voll drin – nicht selten eine Flasche Wodka am Tag (bzw. nachts – unter tags hatte ich mich noch ganz gut im Griff, aber sobald es dunkel wurde…). Ich war zu der Zeit arbeitslos, bezog Hartz IV und es sah so aus, als würde sich nicht viel daran ändern. Ich hatte damals das Gefühl, ich sitze gleich doppelt in der Falle – eine Säuferin und Hartz IV – da kommste nicht so schnell wieder raus. Trotz Alkohol war der Wille zu arbeiten da. Nach einem missglückten Call-Center-Job (Kundenservice Ja – aber Telefonverkauf ging gar nicht bei mir), bewarb ich mich um einen sogenannten 1-EURO-Job. Das war im April 2006. Der machte zwar Spaß – aber davon leben?? Ein halbes Jahr später einen befristeten Job bei einer Zeitarbeitfirma. Im Februar 2007 dann wieder arbeitslos. Ich war fertig und natürlich am Saufen Traurig

Zu der Zeit begab ich mich in Behandlung einer hier bekannten Suchtmedizinerin. Sie setzte sich mit mir zusammen, erklärte mir geduldig, was der jahrelange Alkoholmissbrauch in meinem Gehirn bewirkt hat bzw. bewirkt, Suchtgedächtnis, Dopamin etc. Sie nahm sich wirklich sehr viel Zeit, zeigte sich sehr einfühlsam – so sehr, dass ich dachte, ich habe das doch nicht verdient… Verlegen Eine Woche lang kam ich täglich in die Praxis zum Entgiften. Dann verschrieb sie mir ein Medikament, dass ich ein paar Monate nehmen sollte, um den Saufdruck zu mindern , um das Gehirn „zur Ruhe“ kommen zu lassen – N…….. (Namen darf ich hier ja nicht nennen – aber vielleicht gibt es welche von Euch, die auch Erfahrungen mit derartigen Medikamenten gemacht haben. Wenn ja, dann würde mich bei Gelegenheit Eure Meinung bzw. Erfahrung interessieren). Mir ging es ganz gut, ich war mal wieder euphorisch, Nebenwirkungen des Medikamentes nahm ich kaum wahr. Ich besorgte mir als Übergang (wieder) einen 1-Euro-Job und bewarb mich nebenher für „richtige“ Jobs.

Und im Juni 2007 hatte ich dann Glück. Ich fand endlich einen Job, den ich gelernt hatte (Bürokaufmann/frau). Meine Einarbeitungszeit sollte ich allerdings in der Niederlassung in Sachsen machen, also drei Wochen weg von zuhause. Das wurde problematisch für mich. Ich hatte Angst – weg von zuhause. Und dabei hatte ich Monate vorher noch großspurig die Überlegung geäußert ganz aus Deutschland wegzugehen. Und nun geriet ich in Panik, weil ich in eine fremde Stadt musste. Am Abend bevor ich in den Zug stieg trank ich eine Flasche Wein. Um fünf Uhr morgens saß ich wie ein Lamm, dass zur Schlachtbank geführt wird im Zug. Die Einarbeitungswochen gingen schnell vorüber – ich „erleichterte“ sie mir mit Trinken. Mein Glück / Pech war, dass es nicht groß auffiel, denn hier wurde während der Arbeitszeit auch mal ein Bier oder ein Glas Wein zum Mittagessen getrunken. Und in der Niederlassung in meiner Heimatstadt (also mein künftig, fester Arbeitsplatz) war es noch schlimmer. Mein erster Arbeitstag wurde mit einem Sektfrühstück eingeleitet. Fragt nicht wie ich um die Mittagszeit drauf war, hatte ich doch vor dem Sekt- schon ein „Wodkafrühstück“ zu mir genommen – zur Beruhigung. Es war vor allem der Niederlassungsleiter, der den Alkoholgenuss im Büro forcierte. Oft wurde schnell noch ein Sekt geholt – Gründe zum Feiern fand man immer. Wein und Weißbier waren – in erster Linie bei ihm an der Tagesordnung (ob er abhängig war, weiß ich nicht, gesoffen hätte er dafür genug.) Oft wurde man (meine Kollegen und ich) „fast“ genötigt zum Mittrinken. Und in so einem Umfeld trocken zu werden, geschweige trocken zu bleiben war ein schier aussichtsloses Unterfangen. Auch merkte ich, dass nicht alles Gold war, was glänzte. Im Juni – zu Beginn der Arbeitsstelle – wurde die gute, lockere und kollegiale Atmosphäre immer gelobt. Das täuschte –und so einen Chef möchte ich nie wieder haben, der einmal besoffen mit dir im Bierzelt auf der Bank steht, dir kameradschaftlich den Arm um die Schulter legt (er war nur ein Jahr älter als ich) – und ein anderes Mal den Chef raushängen lies, immer wenn ihm etwas nicht gefiel (und ich spreche nicht nur von Dingen, die die Arbeit betreffen). Seitdem bin ich vorsichtig mit dem „Du“ am Arbeitsplatz. Ich kürze die Geschichte dann ab, denn der Kerl ist es nicht wert, dass ich mich an dieser Stelle nochmals über ihn ärgere. Im Februar 2008 bekam ich wegen einer Lappalie (es war wirklich eine!) eine Abmahnung (die erste in meinem Leben) – einen Monat später wurde die Tochter eines Freundes eingestellt und wieder einen Monat später, als diese eingearbeitet war, bekam ich die Kündigung (wieder wegen einer Lappalie – der wahre Grund war, dass ich mich nicht in das Gesamtbild des Teams einfügen konnte, zudem kam raus, dass ich lesbisch war und mein Chef war ein „Randgruppen-Hasser“ – naja…). Das war Ende April 2008. Ich war geschockt, am Boden zerstört – Arbeitslos! Hartz IV!!!!! – Ich sah einen (noch dunkleren) Abgrund vor mir. Heute weiß ich, dass die Kündigung meine Rettung war.

Zu dieser Zeit kannte ich meine jetzige Freundin gerade mal zwei Monate. Bei Ihr habe ich mich bereits nach vier Wochen unseres Kennenlernens geoutet. Begeisterung stand ihr nicht unbedingt ins Gesicht geschrieben, aber sie wollte es versuchen.

Mit der Kündigung und meiner Freundin beginnt das bis jetzt letzte Kapitel meines „Werdegangs“. Aber mehr davon beim nächsten Mal mehr.

Ich wünsche Euch ein ruhiges, besinnliches und natürlich trockenes Adventswochenende - Schön, dass es Euch gibt Sehr glücklich

Alles Liebe Mary Smilie
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Mary69 hat zum Thema: Re: Kampf an vielen Fronten geschrieben
Pittchen
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 17.10.2009
Beiträge: 653
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 18.12.2009, 16:14    Titel: Re: Kampf an vielen Fronten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Mary,

puh, ... also, Deine Geschichte liest sich gut, weil Du so schön schreibst!
Aber sie erschreckt mich auch!
Wie verträgt man 4 Langzeittherapien ohne Erfolg??
Muss frustrierend sein ... ??!

Ich habe mit Bier und Wein meinen Pegel gehalten –
Wodka hatte ich auch mal probiert um Zeit zu sparen und nicht so viel trinken zu müssen.
Das habe ich aber schnell wieder gelassen, weil ich die höheren Umdrehungen, selbst für meinen „nassen“ Geschmack, nicht einschätzen konnte.

Bin gespannt auf den dritten Teil Deines „Werdeganges“ und wünsche Dir einen schönen trockenen 4. Advent!!

Gruß
Pittchen
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Pittchen hat zum Thema: Re: Kampf an vielen Fronten geschrieben

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