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-Smilla-
Gast






BeitragVerfasst am: 24.11.2009, 10:48    Titel: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe EKAs,

unser Gebot aus der Kindheit: „Nichts hören, nichts sehen, nicht sagen.“ bringt mich dazu, mich hier zu öffnen. Gestern habe ich das Buch Familienkrankheit Alkoholismus gekauft und bin mir beim Lesen ein Stückchen näher gekommen. Und immer wieder geht es weiter vorwärts. In den letzten Monaten habe ich im Forum nur gelesen und es ist toll, eure Entwicklung zu begleiten. Echt super, wie ihr das macht!! Wie wir das machen... Cool

Zu meiner Geschichte:

Meine Mutter ist Alkoholikerin und trank, seitdem ich denken kann. Ich bin die jüngste von drei Kindern, ich bin heute Mitte 30. Meine Mutter trank täglich, überwiegend Bier. Sie hatte immer ihren Level, fing mit dem Bier morgens an, ging im Familienbetrieb arbeiten und kam dort auch an Bier ran und trank weiter. Abends war sie meistens betrunken und es gab oft Streit mit meinem Vater. Aber auch wir Kinder mischten uns ein, weil wir (besonders ich) für Harmonie sorgen wollten. Genaue Erinnerungen habe ich nicht mehr, ich habe vieles von dem Unangenehmen „vergessen“. Ihr wisst was ich meine.

Recht früh bin ich ausgezogen und habe mein eigenes Leben auf die Beine gestellt. Natürlich habe ich alles alleine geregelt, denn ich habe nie Unterstützung von meiner Mutter bekommen. Auch von meinem Vater kam nur sehr wenig, da er beruflich eingespannt war und natürlich co-abhängig ist. Ich habe meine Erfahrungen mit Partnern gesammelt, habe mich beruflich weiterentwickelt, bin mehrmals umgezogen und lebe nun – mal wieder – allein und es fehlt mir materiell an nichts.

Meine Mutter hat nie mit dem Trinken gestoppt. Mitte 50 lies ihr Gedächtnis immer mehr nach. Mit 60 hatte sie am Frühstückstisch einen Zusammenbruch, so ähnlich wie ein Schlaganfall. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, erst in die Schlaganfall-Aufnahme. Dort wurde sie sehr aggressiv, ihr Alkohol wurde „gerochen“ und sie haben sie sofort in eine andere Klinik zur Entgiftung zwangseingewiesen. Das alles mit Polizeiaufgebot und unter Anwesenheit meines Vaters. Sie lag mehrere Wochen auf der Intensivstation, war nicht ansprechbar, wurde mit Medikamenten stillgestellt und es war furchtbar, sie so zu sehen. Sie scheint sehr stark zu sein, denn sie hat überlebt. Das ist jetzt ca. 1 Jahr her. Heute hat sie, ähnlich wie bei einer Demenz, kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Sie kann nicht mehr allein leben. Sie ist ein Pflegefall und wird von meinem Vater, der nicht mehr berufstätig ist, zuhause betreut.

So – und jetzt habe ich so viel geschrieben, aber ich habe nicht gesagt, wie es mir als EKA geht! Und genau das ist der Punkt: Ich kann wunderbar sachlich berichten und es fällt mir leicht, zu schreiben. Aber ich sage nicht, WIE es MIR geht. Das möchte ich in diesem Forum lernen. Dazu habe ich mich angemeldet.

Ich freue mich auf den Austausch und bitte schiebt mich an, sollte ich mich rar machen. Denn das ist eine meiner Strategien, die ihr bestimmt auch kennt: Unsichtbar werden... Cool Cool

Danke fürs Lesen

Alles Liebe
Smilla
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-Smilla- hat zum Thema: Weiterkommen geschrieben
sonnenblume1a
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 18.10.2009
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 24.11.2009, 13:26    Titel: Re: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Smilla,

ja, das kenne ich auch gut, keinen hinter die eigene Fassade blicken lassen, immer gut Miene machen, obwohl es mir schlecht geht und ich das am liebsten rausschreien möchte.
Ich habe auch erst hier im Forum ehrlich über mich geredet, über meine Gefühle und Empfindungen. Und jetzt kann ich es auch einem lieben Menschen gegenüber, der sehr viel Veständnis für mich hat und der meine Verhaltensweisen natürlich auch jetzt erst richtig versteht. Diese Öffnung hat mir sehr sehr gut getan.
Ich habe auch das Buch "Familienkrankheit Alkoholismus" gelesen und lese jetzt das Buch "Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit", das mir sehr viel über mich erzählt und mir hilft, mich immer besser zu verstehen und zu lernen, aus meinen alten Verhaltensmustern auszubrechen. Ich bin auf einem guten Weg, und das gibt mir soviel Lebensmut und Lebensfreude zurück.

Schreibe ruhig alles auf, was in dir vorgeht, es tut so gut, endlich drüber zu reden.

LG Sonnenblume
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sonnenblume1a hat zum Thema: Re: Weiterkommen geschrieben
-Smilla-
Gast






BeitragVerfasst am: 24.11.2009, 17:44    Titel: Re: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sonnenblume,

wenn ich nur wüsste, welche Gefühle ich habe. Ich habe mich so sehr angepasst, dass ich meine Gefühle komplett zugemauert habe. Mir fällt keine Situation ein, in der ich etwas rausschreien möchte. Ich bin immer beherrscht und kontrolliert. Was möchte ich erzielen? Meine innere Mauer, die Fassade, einreißen. Aber wie geht das? Frage

Hin und wieder, vielleicht 2x im Jahr, habe ich einen depressiven Anfall. Da lieg ich einen Tag lang am Sofa, kann mich nicht aufraffen, irgendwas zu tun, mich nicht waschen, nicht aufräumen, Tee trinken oder ein Buch lesen. Finde mein Leben sinnlos, kann mich nicht mal aufraffen, zum Telefonhörer zu greifen. Es gibt einige enge Freunde, die meine Familiengeschichte kennen. Die mich innerlich sehr gut kennen und mich auch wieder aufbauen würden. Aber ich schaffe es nicht, aus meiner Lethargie rauszukommen. Hinterher, wenn es mir wieder normal geht, kann ich darüber reden. Aber in der Situation selber geht es nicht.

Ich kann mich nicht erinnern, mal wütend gewesen zu sein. Negative Gefühle sind nicht vorhanden.

Ich kenne keine Vorfreude mehr. Ich freue mich nicht mehr auf den Urlaub, auf ein Treffen mit Freunden, ein romantisches Date...

Dass es mit einer Partnerschaft natürlich nix wird, ist mir klar. Ich verliebe mich ja auch nicht. Wie komme ich denn wieder an schöne Gefühle?

Und jetzt beim Schreiben frage ich mich, warum schreibe ich das? Das Schreiben hilft mir nicht, und es interessiert wahrscheinlich auch niemanden. Hmmm... Und ein konkretes Gefühl JETZT habe ich auch nicht. Oder ich kann es nicht benennen. Wie auch immer. Ich schick das jetzt ab...

LG an alle Lesenden
Geschockt Smilla
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-Smilla- hat zum Thema: Re: Weiterkommen geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 13698
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 24.11.2009, 17:56    Titel: Re: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Smilla,

beschreib die Wand.

Vielleicht wird es dann für dich etwas konkreter.


Lieber Gruß, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: Weiterkommen geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 13698
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 24.11.2009, 18:04    Titel: Re: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

P.S. Nochmal nachträglich herzlich Willkommen jetzt im offenen Bereich vom Forum! Winken
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Linde66 hat zum Thema: Re: Weiterkommen geschrieben
lavandula
Gast






BeitragVerfasst am: 25.11.2009, 09:09    Titel: Re: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Smilla,

ganzganz sicher hilft Dir das Schreiben hier, vielleicht dauert es etwas. Es ist ein Weg zu seinen Gefühlen. Wut und Trauer haben mich auch lange Zeit verstopft und ich habe mich dadurch einige Jahre lang nur so dahin geschleppt. Aber das Ausgraben der Gefühle hat sich sehr gelohnt Smilie
Bitte gib nicht auf.

Liebe Grüße,
Lavandula
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lavandula hat zum Thema: Re: Weiterkommen geschrieben
-Smilla-
Gast






BeitragVerfasst am: 25.11.2009, 20:11    Titel: Re: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo ihr Lieben,

Danke für den herzlichen Empfang. Ihr habt recht, ich werde nicht gleich wieder aufgeben.

Mit dem Buch bin ich noch nicht fertig, werde heute weiterlesen. Es regt schon zum Nachdenken an, ich erkenne mich in Vielem wieder.

Übrigens: Heute gab es eine Gefühlsregung bei mir!!! Eine Kollegin wollte von mir in einer - meiner Meinung nach - nichtigen Sache im EDV-System eine Korrektur. Ich hatte keinen Nerv und wollte mich nicht aus meiner Arbeit reißen lassen. Da fühlte ich mich plötzlich total ungeduldig und hab pampig geantwortet, dass ich die Änderung nicht machen werde. (in Gedanken ergänzt: Basta!!!) Ich war zwar nicht besonders höflich, aber die Ungeduld und mein Unwille waren draußen. Interessant!! Schön, dass sich so schnell was bewegt, nachdem ich gestern erst hier gepostet habe. Und mich gestern zum ersten Mal offen mit meinen Gefühlen beschäftigt habe.

@Linde: Meine Wand ist eine Art Kapsel, kugelrund, hat eine glatte Oberfläche und noch kann ich keinen Riss oder eine Öffnung sehen.

LG Smilla
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-Smilla- hat zum Thema: Re: Weiterkommen geschrieben
lavandula
Gast






BeitragVerfasst am: 26.11.2009, 12:47    Titel: Re: Weiterkommen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Smilla,

Krokodile haben einen Eizahn, mit dem sie ihre schützende Hülle, in der sie heran gewachsen sind, zu einem für sie richtigen Zeitpunkt der Reife durchstoßen.

Viel Spaß dabei.

Habe mal eine Geschichte über ein rotes Krokodil geschrieben und illustriert, das im Kreise der grünen ja nun wirklich einzigartig ist. So ist das mit uns EKAs ja auch. Das rote Krokodil ging gern in seine Blumenwiese und hatte einen kleinen Vogel als Freund, der es unterstützte.

LG,
Lavandula
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lavandula hat zum Thema: Re: Weiterkommen geschrieben

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