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Wege in die Freiheit

 
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tanya
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 16:45    Titel: Wege in die Freiheit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo miteinander,

Ich war möchte nich kurz vorstellen. Es geht bei meiner Geschichte eigentlich mehr um Sucht allgemein als um Alkohol im einzelnen. Alkohol kommt aber auch vor und somit denke ich, bin ich vielleicht richtig hier.

Ich hatte eine schöne Jugend und meine Eltern gehören zu den tollsten Menschen die ich kenne. Trotz allem geriet ich relativ früh auf Abwege. Mit 13 begann ich zu rauchen, mit 14/15 hab' ich schon mal vor dem Ausgang edit - bitte keine Medikamente nennen - edit und Martini konsumiert um danach bereits gut drauf zu sein. Während dieser Zeit begann ich zu kiffen, mit 16 kokste ich gelegentlich (zusätzlich) und verliebte mich in einen Jungen, der als erster meiner Lieben meine Gefühle erwiederte. Leider war er drogensüchtig, das heisst konsumierte Heroin, Kokain etc. iV. Es begann eine Zeit des von grossem Leid geprägten Glücks. Irgendwann, so Anfangs 18 hab' ich mich dann soweit gebracht dass ich auch Heroin ausprobierte und siehe da, es war der Retter in der Not. Ich weiss noch genau wie es sich anfühlte: Ich wusste, das ist genau das was mir gefehlt hatte! Der regelmässige Konsum begann, erst nasal, dann i.V. dann zusammen mit Kokain und schlussendlich das Ganze zusätzlich zu einer täglichen Dosis Methadon die mir mein Hausarzt verschrieben hatte. Ich tat alles für die Drogen, worauf ich nun gar nicht weiter eingehen möchte. Ich fand mich auch zwischenzeitlich kurz im Gefängnis und gegegentlich auf der Intensivstation wieder. Mit 22 war ich dann an einem der wenigen lichten Entscheidungsmomente kurz zu mir gekommen und rannte Hals- über Kopf in eine Entzugsklinik. Ich machte einen kalten Entzug. Darauf war ich 2 Jahre in einer stationären Drogentherapie, die ich auch erfolgreich abschloss. Nach dem Austritt kiffte ich bald wieder und begann meine Alkoholkarriere. Ich trank definitiv zuviel, jeden Abend Rotwein oder Bier und am Wochenende etwas mehr. Ich musste mich richtig dazu durchringen einen Abend pro Woche nichts alkoholisches zu mir zu nehmen. Es war eigentlich nie speziell viel, 1-2 Gläser, aber dies immer!
Nun sind 12 Jahre her seit ich aus dieser Therapie ausgetreten bin und ich habe stetig geraucht, gekifft und getrunken. Dies in voller sozialer Integration. Ich hatte immer eine regelmässige Arbeit, Hobbies und Freunde. Vor 4 Jahren hatte ich mal das rauchen aufgegeben, als Kompensation hatte ich mein Trinken verdoppelt. Es hielt 2 Jahre und ich rauchte wieder und trank weiter. Nun, am 10.01.2005 habe ich wieder aufgehört zu rauchen und zu kiffen, und diesmal auch den Alkohol, um eine erneute Suchtverlagerung auszuschliessen. Und da ich auch schon lange wusste dass ich auch mit Alk ein Problem habe. Wie gesagt, nicht die Menge aber eben täglich. Mir ist in diesen Tagen nun so vieles bewusst geworden. Es plagen mich leichte Panikattacken und eine tiefe Leere. War ich doch seit 13 nie nie nüchtern (auch in der Therapie hatte ich geraucht und ich bin nun überzeugt dass Zigaretten einem ebenso weit in's Nebelmeer befördern wie andere Drogen) Nun bin ich nüchtern und ziemlich am Ende. Aus diesem Grund habe ich ein Forum gesucht wo ich mich etwas beteiligen kann, mich mitteilen kann und Leute antreffe die sich ebenso mit der Sucht auseinandersetzen. Ich möchte endlich die Suchtspirale unterbrechen. Mit 13 hat's bei mir begonnen und nun bin ich 34. Ich möchte endlich frei werden.

Vielen Dank für's zuhören und ich würde mich über Reaktionen enorm freuen.

Liebe Grüsse von Tanya
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tanya hat zum Thema: Wege in die Freiheit geschrieben
Robert
aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.03.2005
Beiträge: 557
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 17:37    Titel: Re: Wege in die Freiheit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Tanya,

Deine Geschichte steht sicherlich als Beispiel für viele "klassische" Suchtkarrieren, gerade das Einstiegsalter ist nichts ungewöhnliches, denn ab einem bestimmten Alter fängt das ausprobieren an, dass begegnet mir auch ständig wärend meiner Aufklärungsstunden an Schulen. Der grosse Unterschied ist der, dass viele beim probieren bleiben und einige, so auch ich "hängenbleiben"!
Auch wenn ich selbst nie Heroin "H" konsumiert habe, erkenne ich vieles wieder. Erstkonsum durch Kontakte im "Freundeskreis", meinen das gefunden zu haben, was einem fehlte und damit so etwas wie Freiheit zu geniessen, ohne sich im klaren darüber zu sein, dass es sich um Selbstgeisselung bzw. sich um ein selbst Einsperren handelt!
Wie auch, in frühem Alter, macht sich kaum eine/r Gedanken um das, was noch kommt, oder kommen kann.
Bei mir selbst, kam diese Erkenntniss erst mit 41 Jahren, nun bin ich fast 2 Jahre Konsumfrei, aber die Sucht bleibt!
Die von dir beschrieben Leere, kenne ich sehr gut, denn wenn der Haupbestandteil des bisherigen Lebens darin bestand zu konsumieren, oder sich "Stoff" zu besorgen, unabhängig davon, um welches Suchtmittel es geht, fehlt etwas. Plötzlich ist Zeit zum Nachdenken da, langeweile, Angst vor dem was kommt, die Frage, ob das durchgehalten werden kann etc.!
Nimmst du professionelle Hilfe in Anspruch? Besuchst du eine SHG? Oder hast es vor?
Den Weg der zufriedenen Abstinenz zu gehen, ist einer der schwersten und ich bin der Meinung ohne Fachberatung und Hilfe schwerlich zu meistern! Wie du ja selber erfahren hast, reicht oft "eine" Therapie nicht, um wieder Selbstkontrolle zu erlangen. Das Thema Sucht wird dich den rest deines Lebens begleiten und der ist hoffentlich noch sehr lang.
Ich habe mich entschlossen, meine Geschichte, so oft es geht "öffentlich" zu machen, um einerseits immer daran erninnert zu werden, was ich aufgeben würde, würde ich wieder konsumieren, andererseits diese Energie positiv zu nutzen und wenn möglich anderen zu helfen, oder sogar davon abzuhalten, "meinen" Weg einzuschlagen, auch wenn das "hochgestochen" klingt, ich helfe mir damit selbst, immer und immer wieder!
Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden, welchen willst du weiter gehen?

Die besten wünsche für dich,

Gruß Robert
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Robert hat zum Thema: Re: Wege in die Freiheit geschrieben
Shakti
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 12.01.2006
Beiträge: 260

BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 17:43    Titel: Re: Wege in die Freiheit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Tanya,

willkommen im Forum, und ich hoffe, es unterstützt Dich auf Deinen Weg in die Freiheit. Du hast ja schon einiges hinter Dir, und ich kann so gut nachvollziehen, dass Du die Spirale durchbrechen willst. Habe ich das richtig verstanden? Jetzt konsumierst Du gar nichts Gifitiges mehr? Angesichts Deines multitoxischen Lebensweges eine bewundernswerte Leistung! Davor habe ich großen Respekt!

Ich bin auch ziemlich neu hier. Mir geben diese Beiträge sehr viel. Ich lese, schreibe, reflektiere und lerne.

Das wünsche ich Dir auch. Für mich ist dieses Forum eine hilfreiche Plattform, eine Form der möglichen Unterstützúngen unter den vielen, die ich annehmen will.

Vielleicht hilft es Dir hier, dem Suchtdenken etwas wirklich Konstruktives, Lebenswertes entgegen zu setzen (oder zumindest darüber zu lesen), Deine Leere mit Gutem und Gesundem zu füllen, und mit Deinen Panikattacken so umzugehen, dass Du sie als Warnsignale akzeptierst und im Vorfeld abmindern kannst.

Alles Gute für Dich, wir lesen voneinander,

Colibri
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Shakti hat zum Thema: Re: Wege in die Freiheit geschrieben
Annika
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.12.2005
Beiträge: 3847
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 17:49    Titel: Hallo Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Robert,

das klingt ganz und gar nicht " hochgestochen "

Wenn du dir selbst noch damit hilfst umso schöner.

Ich bin froh über jedes Kind, dass durch deine "Öffentlichmachung " möglicherweise nicht in eine Sucht gerät.

Du hast meine vollste Bewunderung dafür.
Ich bin nämlich auch Mutti, wenn auch schon von "erwachsenen" Kindern.

Alles Gute für deinen Weg wünscht dir

Annika,2 Monate, 1 Tag trocken
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Annika hat zum Thema: Hallo geschrieben
Teufelchen
Gast






BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 18:52    Titel: Re: Wege in die Freiheit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Tanya,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Na, da hast Du schon ganz schön was hinter Dir. Ich freue mich sehr, dass Du Dich für das abstinente Leben entschieden hast.

Als Polytoxabhänige solltes Du Dir jedoch unbedingt professionelle Hilfe suchen, wenn Du das bisher noch nicht gemacht hast.

Ich wünsche Dir viel Mut, Kraft und Glück dabei, den richtigen Weg für Dich zu finden.

lg
Simone, Alkoholikerin
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Teufelchen hat zum Thema: Re: Wege in die Freiheit geschrieben
tanya
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 19:42    Titel: Danke Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Vielen Dank für Eure Postings

@ teufelchen : Ich nehme im Moment keine Hilfe in Anspruch.

Das Problem ist dass ich nicht weiss welche. Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Musiktherapie usw. ich habe absolut keine Motivation dazu. Ich habe Horror vor einem Therapeuten der zuhört, mich anschaut und verständnisvoll nickt. Am ehesten kommt eine Selbsthilfegruppe in Frage. Aber eben, ich zögere. Momentan zähle ich voll auf's Netz. Ich flitze durch Nichtraucherforen und bisher hat mich das ganz gut über Wasser gehalten. Ausserdem ist mein Mann auch süchtig. Wir haben uns in der Therapie kennengelernt, sind also über 12 Jahre zusammen. Er ist mein Hauptreflektor und hat gleichzeitig mit mir allem abgesagt. Wobei, Er hat mehr Mühe als ich, also ist die Situation momentan zwischen uns ganz und gar nicht einfach.

@ colibri : nein, das giftigste was ich heute zu mir genommen habe war ein Teller Fritten mit Ketchup Winken

Vielen Dank für das Kompliment. Effektiv seit 01.01.06 keinen Alkohol, am 08.01.06 der letzte Joint und am 09.01.06 die letzte Zigarette. Keine Medikamente.

Genau das ist der Grund weshalb ich nicht zum Arzt gehe, was könnte der Arzt denn schon tun ausser Medis verschreiben? Nichts grundsätzlich gegen Ärzte. Bei Unfällen und Notfällen sind sie absolut unverzichtbar...

Wobei, ich nehme seit vorgestern Johanniskraut. Scheinbar dauert es zwei Wochen bis eine Wirkung eintritt.

@ Robert : Super bist du in Schulen aktiv. Finde ich toll, dass Du in Richtung Prävention tätig geworden bist. Welchen Weg ich weiter gehe?
Im Moment einfach nicht trinken und keine Zigi anzünden, das heisst im Moment bleiben.

Der Moment hat sich mir erst mir dem Nichtrauchen wirklich erschlossen! Vorher war das pure Theorie:-)

Und ich werde weiterhin Foren "terrorisieren" das heisst armen ahnungslosen Forümlern meine Themen aufdrängen Winken

Jetzt gehe ich aber spazieren und einen alkfreien Cocktail geniessen. Es ist schliesslich Samstagabend und mit Wein und Zigi vor dem Fernsehern wegdröhnen, irgendwann einschlafen und gerädert in's Bett wechseln gibt's nicht mehr. Winken

Liebe Grüsse und bis später
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tanya hat zum Thema: Danke geschrieben
Teufelchen
Gast






BeitragVerfasst am: 21.01.2006, 20:06    Titel: Re: Wege in die Freiheit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Tanya,

wenn Du nicht weißt, welche Therpieform die Richtige ist, dann geh doch in eine Suchtberatungsstelle. Ich persönlich finde ja, Ärzte sind für alle Erkrankungen gut, eben auch für Suchtkrankheiten.
Therapeuten, die verständnisvoll nicken, sind mir leider noch nie begegnet. Und dabei kenne ich schon eine ganze Menge.

Du wirst schon das Richtige für Dich machen. Viel Erfolg dabei!

lg
Simone
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Teufelchen hat zum Thema: Re: Wege in die Freiheit geschrieben
tanya
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 17:11    Titel: 12 Punkte Programm Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich habe mir gerade das 12 Punkte Programm ausgedruckt und werde mir das nochmals zu Herzen nehmen. Nach meinem Therapieaustritt war ich eine Weile bei den NA. Und auch mein Dauerbuch "Im Zeitalter der Sucht" von Anne Wilson-Schaef rät zu diesen Schritten.

Solange es mir einigermassen gut geht mit nicht rauchen und nicht trinken suche ich keine professionelle Hilfe auf. Ich zähle auf mein Lebenskonzept das auch sehr gut mit einer nüchternen Tanya, sogar noch besser, gelingt. Ich übe mich in tibetischen und chinesischen Körperübungen und dies 4-5 Mal pro Woche. Das mache ich schon seit 12 Jahren und das tut mir ganz nüchtern noch viel besser, bin auch noch motivierter wie vorher.

Mal schauen wie es weitergeht. Ich halte alle die es interessiert auf dem laufenden. Liebe grüsse von Tanya
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tanya hat zum Thema: 12 Punkte Programm geschrieben

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