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Freitod eines Sportlers

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gerd47
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 10:04    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

Schweigen ist keine Lösung - meist ist das Bekennen einer Krankheit sprich Depressionen und/oder Alkoholismus schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Eine Lösung im Freitod ist verständlich aber nicht entschuldbar - meist ist es erst der letzte Schritt nach einer Reihe von nicht verstandenen Hilferufen. Die "Tumbheit" der Gesellschaft, Umgang miteinander, Geld und Karrieregeilheit, Geltungsbedürfnis, Egoismus usw. trägt dazu nicht unerheblich bei.

Was mich auch ärgert ist die Schwierigkeiten eine richtige Diagnose, eine angemessene Behandlung und eine fairer Umgang mit diesen Problemen zu bekommen - ich kenne das aus persönlicher Erfahrung, wie schwierig es ist eine Kostenerstattung von den Krankenkassen zu bekommen und einen Therapieplatz zu erhalten und das in einer Zeit, wo man denkt die ganze Welt bricht auseinander
Grüße
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gerd47 hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben
Hartmut
Moderator
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 10681
Alter: 49

BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 12:19    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo

Freitod ist vielleicht der verkehrte Ausdruck bei einem Selbstmord der auf einer Depression beruht. Aus der Sicht des Kranken war es eine Lösung die durch die Krankheit hervorgerufen wurde und nicht nach freien Willen.

Umso mehr ist es wichtig und notwendig diese Krankheit gleich von Anbeginn offensiv anzugehen.

mal meine Gedanken dazu.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben
Linde66
Moderatorin
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Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14428
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 15:43    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Hartmut,

es liegt im Wesen der Depression, daß man nicht offensiv sein kann und nicht genau spürt, wenn sie beginnt, die Schübe kommen schleichend. Man findet sich in ihr wieder, ist handlungsunfähig, ohnmächtig und nicht in der Lage einen Schritt zu tun - selbst wenn er noch so hilfreich wäre und dies einem bewußt ist. Das Blickfeld verengt sich, "positive" Sinneseindrücke erreichen einem nicht mehr, "negative" Sinneseindrücke werden überdeutlich wahrgenommen. So erlebe ich diese Krankheit.

Mein aktiver Weg aus der Depression heraus geht nur in den Phasen, in denen die Depression gerade ruhig ist. In dieser Zeit arbeite ich an meiner Stabilisierung, an meiner Resilienz. In Phasen eines depressiven Schubs geht's ums Überleben...so wie früher. Hm. Ich denke mal, daß da der Zusammenhang zu sehen ist. Völliges Herunterfahren auf basale Funktionen, um ein kindliches Trauma (hochgradiger Streß, Angst, Ohnmacht..) überhaupt zu überleben. Wenn die traumatisierende Situation vorbei war, dann konnte wieder gelebt werden. Es gibt da wohl eine Verbindung von einer aktuellen Streßsituation mit einer alten traumatisierenden Situation. Was auch immer mich heute triggert, es löst dieses Herunterfahren auf Null aus, das damals hilfreich war um zu überleben, aber heute zum Krankheitssymptom wird.


Ich verstehe deinen Denkansatz sehr gut. Offensiv angehen, machen, tun und aktiv sein - "normalerweise" kommt man genau so weiter.

Wo im nebelgrauschwarzen Nichtspüren der Depression ist der Ansatzpunkt?

Grüße, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben
lavandula
Gast






BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 16:17    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Linde,

Deine Gedanken finde ich total interessant und es ist sicher auch der beste Weg, bis zur Wurzel der Depression voran zu graben.
Ich habe mich auch schon oft gefragt, wie sie wirklich zustande kommen - und auch einige biochemische Erklärungen erhalten. Aber die ganzheitliche Methode, mit der ich mich behandle / behandeln lasse, ist das einzige, was mir ein Weg zu sein scheint. Und dafür muss man sich sehr genau kennen und seine Geschichte im Blick haben.

LG,
Lavandula
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lavandula hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 10681
Alter: 49

BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 17:08    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Linde,

danke für deine Erfahrung. Da sehe ich für mich als "gesunder"wie schwierig es ist , schon von Anbeginn, der Krankheit "Herr" zu werden.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben
Micha
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 4416

BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 21:26    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich habe das auch mit Interesse verfolgt wie der Selbstmord Robert Enkes in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Betroffenheit allenthalben.

Mich persönlich macht glaube ich am betroffensten, wie gut ich meine, mich in Leute reinversetzen zu können, die diese letzten 100 Meter auf dem Gleis der Lok entgegen gehen. Ich habe auch den Sinn des Lebens nicht so richtig mit der Muttermilch aufgesogen, wie mir zu Zeiten meines persönlichen Tiefpunktes bewusst wurde. Ich kenne das Gefühl aussichtloser Sinnlosigkeit. Ich muss allerdings sagen FAST aussichtloser Sinnlosigkeit, ansonsten wäre ich ja auch schon tot.

Robert Enke hatte von seinem sozialen Umfeld her noch die besten Voraussetzungen für lebenserhaltende Hilfe. Hatte eine Frau die zu ihm stand, einen Therapeuten und war auch sonst voll sozial eingebettet. Jede erdenkliche Hilfe wäre im Bereich des Möglichen gewesen. Aber er ließ die Hilfe letztlich nicht zu und wollte das alleine regeln.

Mich erinnert das an meine eigene Krankheit und wie wichtig der Schritt der Kapitualtion ist. Und ich denke dabei an die vielen vielen Alkoholiker, die diesen Schritt nicht gehen wollen und einen ganzen Katalog mit Ausreden mit sich herumtragen, warum sie diese oder jenen lebenswichtigen Schritte nicht einleiten können.

Am Ende solcher Überlegungen steht dann die Dankbarkeit darüber, dass ich aus irgendwelchen Gründen diesen entscheidenden Schritt der Hilfesuche und -annahme plötzlich gehen konnte, obwohl damals (fast) genauso zu mir gepasst hätte, mein Leben wegzuwerfen.


Micha
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Micha hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben
Rose2
Gast






BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 21:59    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

hier bei mir in der REHA gibt es im Moment auch kaum ein anderes Thema,....fast jeder ist betroffen,...ganz besonders betroffen sind die, die selbst BETROFFENE sind und an dieser Erkrankung leiden.

Depressionen mit der Alkoholkrankheit zu vergleichen halte ich für vermessen.
Ein zutiefst in der Krise steckender Depressiver sieht kein Licht mehr am Ende des Tunnels und alle Hilfen von außen prallen an ihm ab....
Robert Enke war seit langem in therapeutischer Behandlung, er hatte sich also zunächst Hilfe geholt,.....bis ihn anscheinend die Aussichtslosigkeit einholte.

Diese Krankheit ist tückisch, ....Gedanken aus dem Leben zu scheiden sind fast immer latent vorhanden, werden aber oft vor der Familie, Bekannten, Freunden, Arbeitskollegen "gut" verborgen bzw. weg-geschauspielert.

Traurige Grüße, Rose
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Rose2 hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben
Skye
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2009
Beiträge: 293
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 22:19    Titel: Re: Freitod eines Sportlers Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Zusammen,

ich leide immer wieder an depressiven Schüben und das rückblickend schon sehr lange. Inzwischen sind es wenige geworden, aber nur weil ich etwas dagegen unternommen habe. Meine Empfindungen dann sind ähnlich denen, die Linde beschrieben hat.

Ich weiß wie es ist morgens aufzustehen und mich zu fragen, warum bin ich eigentlich noch hier, was soll das alles, wen stört es wenn ich nicht mehr da bin. Nur mit dem Unterschied, dass mir das letzte bisschen Verzweiflung für den endgültigen Schritt immer gefehlt hat und wohl auch zukünftig fehlen wird, denn ich habe mir Hilfe gesucht und sie angenommen. Ich habe gelernt damit umzugehen, dass für mich richtige zu unternehmen. Das ist nichts was einfach geht und leicht fällt und etwas das nur ich ganz allein tun und leisten kann. Ich trage kein Schild auf der Stirn, aber ich gehe inzwischen relativ offen mit dieser meiner Krankheit um. Auch das muss gelernt werden und auch das ist nicht einfach. Die Angst abgelehnt und abgestempelt zu werden ist, vor allem anfangs, groß.

Dem Umfeld und der egoistischen, oberflächlichen Umwelt den schwarzen Peter zuzuschieben ist es sich einfach machen. Wenn ich nicht wollte, dass jemand mitbekam, dass es mir dreckig ging, dann hat es auch niemand erfahren. Dafür hat die Kraft immer gereicht. Höchstens Menschen in meinem allernächsten Umfeld hätten dann auf den Gedanken kommen können, das etwas nicht stimmt. Es liegt auch hierbei allein an mir ob ich dazu stehe Depressionen zu haben und ob ich mir helfen lasse. Das kann nicht jeder und daraus sollte man weder ihm noch seiner Umwelt einen Vorwurf machen.

Es hat lange gedauert, bis Alkoholismus als Krankheit anerkannt wurde und auch das ist bis heute nicht in allen Köpfen angekommen. Depressionen sind zwar als Krankheit anerkannt, aber das ist in den meisten Köpfen noch nicht mal ansatzweise angekommen.

Wenn ich mir anschaue, was dieser Tod im Moment losgetreten hat, allein das offen über das eigentliche Tabuthema Depressionen gesprochen wird, dann habe ich die Hoffnung, dass der Tod von Robert Enke nicht vollkommen sinnlos war. Ich habe die Hoffnung, dass dadurch zumindest einige wenige aus ihrem Schneckenhaus kommen, zu ihrer Krankheit stehen und damit verhindert wird, dass sie den gleichen Weg gehen wie er.

Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Freitod eines Sportlers geschrieben

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