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alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe

 
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Autor Nachricht
sahira
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 06.11.2009
Beiträge: 23
Alter: 50

BeitragVerfasst am: 08.11.2009, 17:58    Titel: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Zusammen,

möchte mich hier heute auch im Bereich Alkoholiker vorstellen. Im Co-Bereich hatte ich mich ja schon vorgestellt und darauf hingewiesen.

Ich habe jahrelang Alkohol getrunken/genossen, auf Feiern, im Freundeskreis, in der Firma, so wie das eben ist. Von daher vertrage ich mittlerweile gut eine Flasche Wein, je nach körperlicher Verfassung. Also in dem Kreis, wo ich mich bewege.

Erst in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass ich nach den immer mehr werdenden Streßphasen auf/nach der Arbeit erst zur Entspannung und dann auch zum Einschlafen Wein fast jeden zweiten oder dritten Abend getrunken habe. Je nach dem -mal mehr oder weniger- wie ausgepowert ich war. Konnte dadurch gut "runter zu kommen" und schlafen.
Mittlerweile greife ich manchmal dann am Abend ausschließlich zu harten Sachen, was ich vorher nie tat. Hatte gemerkt, der erwünschte Effekt kam schneller. Die Probleme von der Arbeit wollte ich nicht auch zu Hause haben. Auch Depressionen konnte ich gut „wegzuschlafen“. Ich konnte letztendlich einfach nicht mehr abschalten.
Ausschlaggebend für den schleichenden Prozess war aus meiner Sicht, die ständigen (seit Jahren) Überstunden im Büro, der Druck, immer 200 Prozent bringen zu müssen, immer für zwei arbeiten zu müssen, unregelmäßige/gar keine Pausen und letztendlich auch der fehlende (zusammenhängende) Urlaub, aufgrund der anfallenden Arbeitsflut. Auf viele Jahre gesehen fing dann mein Körper auch immer mehr an, zu streiken. Depressionen und Ausfälle waren die Folge. Treffen mit Freunden habe ich in der Woche immer weniger wahrgenommen, am Wochenende letztendlich nur noch geschlafen. Ich war vollkommen ausgelaugt.
Irgendwann, als ich eines Abends -völlig am Boden- mal wieder Revue passieren ließ, merkte ich plötzlich, das geht so nicht weiter. Ich stellte mir die folgenden Wochen vor und wusste, ich packe das so nicht mehr, ich musste etwas ändern. Das war der Moment, wo ich mich dann ins Krankenhaus einliefern ließ. War deshalb also lange in stationärer Behandlung, Antidepressiva hat nichts gebracht (verschiedene Sorten und Dosierungen ausprobiert). Diese wurden dann auch vom Arzt vollkommen abgesetzt. Therapeutische Gespräche waren für mich bisher nicht wirklich produktiv.
Das ist mein Problem, was mich sehr beunruhigt und sogar Angst bereitet. Ich merke, das ich ausschließlich in Streßsituationen und in depressiven Phasen zum Alkohol greife. Ich bin über diese Situation sehr unglücklich.
Anders verhält es sich, wenn ich in entspannter Atmosphäre mit Freundinnen/Freunden/Kollegen sitze, kann ich auf Alkohol verzichten, oder aber auch nach 2 Gläser Wein aufhören. Es animiert mich auch nicht, wenn ich sehe, dass andere Alkohol zu sich nehmen.
Was ich damit sagen möchte ist, ich will das ganze jetzt nicht herunterspielen, aber ich merke, daß ich mich hier wohl auf auf einem Grat bewege, der mich grübeln lässt. Vielleicht sollte ich mir aber auch gar keine Gedanken machen oder grübel einfach zu viel. Aber aufgrund der Situation, dass ich mich gleichzeitig in einer Co-Situation befinde, stimmt mich das ganze sehr sehr nachdenklich.

Ich hoffe, ich finde nun hier mit Eurer Hilfe Unterstützung bei meiner Selbstfindung und bin für jeden Strohhalm dankbar, um das Übel an der Wurzel zu packen.
Also keine Scheu, schreibt mir einfach und auch für jede aufrichtige Kritik bin ich offen.

Liebe Grüße an Euch alle

sahira
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sahira hat zum Thema: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe geschrieben
Backmaus
Gast






BeitragVerfasst am: 08.11.2009, 18:19    Titel: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo sahira

Herzlich willkommen !
Ich habe dich schon bei den Co's gelesen...

Nun,ich weiß nicht,was war zuerst da:
Der Alkoholmißbrauch oder die Depression.
Ich höre (in meiner realen SHG) oft,das wenn der Alkohol weggelassen wird,die Depressionen weniger werden bzw. nach längerer Abstinenz ganz verschwinden.
Eine ganze Flasche Wein "mühelos" auszutrinken und der Griff zu "härteren" Alkohol spricht für eine hohe Toleranzschwelle und damit -in meinen Augen-für süchtiges Verhalten.
Der Alkohol wird von dir als Stresslöser mißbraucht und naja,Gründe zu trinken haben wir Süchtigen immer gesucht und auch gefunden!Winken
Ich denke,du bist dir bewußt,dass dein Umgang mit dem Alk" nicht normal" ist ....?
....und du gibst dir eine Portion Mitschuld (und dem Alk) bei deinen Problemen mit dem Partner.

...einfach mal meine Gedanken dazu...
liebe Grüße von
Backmaus
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Backmaus hat zum Thema: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe geschrieben
Maria
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.10.2007
Beiträge: 5582

BeitragVerfasst am: 08.11.2009, 19:28    Titel: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sahira,

herzlich willkommen im Forum.

Ich habe mich sehr lange Jahre daran festgehalten, daß ich trinke - weil ich depressiv bin. Wenn ich die nicht hätte - würde ich auch nicht trinken.

So bin ich für mich fast 20 Jahre rumgeeiert - bis eine Therapeutin mich gezielt darauf ansprach, daß der Alkohol die Ursache ist und nicht jeder der Depressionen hat trinkt - jedoch fast ausschließlich jeder der trinkt - an Depressionen leidet.

Vor etwa 6 Jahren war das. Ich wollte davon nix wissen und bin noch lange rumgeiert. Mein Konsum wurde immer mehr - die Kontrollverluste häuften sich. Die Spirale drehte sich unaufhörlich. Täglicher Konsum, schlechtes Gewissen - das ganze Programm halt.

Bis mein Tag X kam und ich den Alkohol als Auflösungsmittel meiner Selbst angenommen habe. Ich habe mich hier erkundigt und etliche Bücher zum Thema Alkoholismus gelesen, um zu erfahren, wie diese Droge überhaupt wirkt und es mit meinem Leben reflektiert.

Ich bin für mich dankbar, daß ich nicht erst eine körperliche Abhängigkeit entwickeln musste, um zu erkennen, daß ein Aufhalten lediglich die vollkommene Abstinenz ermöglicht. Heute bin ich erstaunt, wie tief der Alkohol in mein Leben eingriffen hat.

Schau für dich genau hin... werde achtsam dir selbst gegenüber, denn der Grat ist extrem schmal.

Liebe Grüße
Maria
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Maria hat zum Thema: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe geschrieben
sahira
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 06.11.2009
Beiträge: 23
Alter: 50

BeitragVerfasst am: 08.11.2009, 21:27    Titel: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo liebe Backmaus, hallo liebe Maria,

vielen Dank für Euren herzlichen Empfang!

Ich bin froh, dass Ihr da seid und natürlich auch Ihr alle da draußen. Es hilft mir ungemein, an Eurer Seite hier mal zu posten. Einfach mal darüber zu schreiben.
Ich fühle mich langsam wohl in Eurem Kreis und auch wahrgenommen.

Ja, das Hin- und Her mit den Depressionen kenne ich zu gut. Ich kopiere mal hier ein Post von mir aus dem Co-Forum, was ich vorhin verschickt hatte. Brauch ich mich nicht doppelt bemühen... Smilie
--------------------
Ich weiß, dass Alkohol nicht der Dinge Lösung ist. Ich sah/sehe das aber momentan als (dummerweise) naheliegendste kurzfristige Möglichkeit, mir wenigstens für kurze Zeit eine Art Linderung zu verschaffen. Weinen
An Depressionen litt ich schon als Kind. Das wurde aber zu dieser Zeit nie wahr- oder ernstgenommen und ich konnte mich als Kind darüber auch garnicht mitteilen.
Vor ca. 5Jahren habe ich Antidepressiva inklusive Gesprächstherapien bekommen, allerdings ohne Erfolg. Etliche Präparate haben nicht angesprochen. Ich hab das Zeug dann (nach langem Einschleichen und Ertragen der Nebenwirkungen) weggeschmissen. In diesem Jahr habe ich mich während der Stationären vorbehaltlos wieder auf Antidepressiva eingelassen. Wieder verschiedene Präparate, teilweise sogar mit massiver Verschlechterung, bis der Arzt diese dann entgültig abgesetzt hatte.
Wenn ich andere Alternativen aufgezeigt bekäme, würde ich sie nutzen, allerdings ohne dabei wieder "Versuchskaninchen" zu sein.
------------------Ende-

@ Maria: sind Deine Depressionen jetzt völlig weg?
Ich weiß nicht, also wenn Alkohol Depressionen verursacht, muss ich ja quasi als Kind mit Alkohol konfrontiert worden sein. Mhm. Also meine Eltern hatten kein Problem damit und ich kann mich auch nicht erinnern, dass sie mir Alkohol verabreicht hätten.

@ Backmaus: Du schreibst „Der Alkohol wird von dir als Stresslöser mißbraucht“ und „spricht für eine hohe Toleranzschwelle“.
Genau, als Streßlöser und mißbraucht. Einfach Deckel zu und Ruhe. Der Griff zu härteren Sachen kam erst, als ich eines Abends mittels Wein nicht den gewünschten schnellen Effekt erzielen konnte. So dachte ich mir, hochprozentiges muss es jetzt bringen. Brachte es aber nicht...!
Zum Glück, sage ich. Das war dann der Tag, wo ich mich selbst ins Krankenhaus eingeliefert habe.

Eure Zeilen machen mich ganz schön nachdenklich. Und je mehr ich hier im Forum lese, desto tiefer gehen meine Gedanken. Emotionen werden angepiekt. Manches muss ich auch erst einmal sacken lassen und verinnerlichen.

Ich fühle mich aber jetzt, gegenüber gestern und heute vormittag, ganz gut und bin guter Hoffnung.

Ich danke Euch, Ihr habt mir ein Stück Licht geschickt. Ich freue mich auf weitere Postings.

Viele liebe Grüße von mir und bis bald,
sahira
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sahira hat zum Thema: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe geschrieben
Maria
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.10.2007
Beiträge: 5582

BeitragVerfasst am: 12.11.2009, 19:36    Titel: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Sahira,

ich habe durchaus noch depressiven Phasen, die auch mehrere Tage anhalten können. Es fällt mir aber wesentlich leichter durch diese Zeiten zu gehen bzw. mich daraus zu befreien. Außerdem erkenne ich Tief´s eher und kann so eher gezielt dagegen wirken.

Mit Alkohol habe ich verharrt und auf der Stelle gestanden... regungslos und handlungsunfähig. Wenn ich mal durch große eigene Anstrengung einen Lichtblick in mir erarbeitet habe, habe ich ihn aus dieser Euphorie darüber durch das Draufkippen schnell wieder ausgelöscht. So befand ich mich in meinem Kreislauf.

Trinken und hereinfallen ins Loch... durch große eigene Anstrengung wieder herauskrabbeln... Freude drüber es geschafft zu haben... Trinken und wieder hereinfallen.

Lg Mieken
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Maria hat zum Thema: Re: alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe geschrieben

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