| Freunde • Immer wieder Suchtdruck... |
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Fräulein B. neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.10.2009 Beiträge: 36
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Verfasst am: 23.10.2009, 20:11 Titel: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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Nachdem ich nun ein paar Tage als Gast hier mitgelesen und mich heute registriert habe, möchte ich ein bisschen was über mich erzählen; ich weiß ja auch ganz gern, mit wem ich es so zu tun habe.
Ich bin 28, ledig, keine Kinder, keine Haustiere aber einen Lebensgefährten und bin heute den 23. Tag abstinent, stehe also noch ganz am Anfang. In letzter Zeit habe ich viel nachgedacht, was ohne 1,5 Promille oder Katerstimmung erstaunlich gut funktioniert
Rückblickend habe ich wohl schon als Teenager Alkohol dazu missbraucht, mich locker zu machen um anderen zu gefallen, nicht so gehemmt und ernst rüberzukommen. In gewisser Weise ist es mir auch heute noch (zu) wichtig, wie ich auf andere Menschen wirke. Daran muss ich arbeiten.
Während des Studiums hat mich der Alkohol dann in meiner Einsamkeit getröstet (ich war zum ersten Mal von Zuhause weg, hatte unheimliches Heimweh und Schwierigkeiten mit den ganzen Veränderungen klarzukommen). Vor vier Jahren wurde ich schwer depressiv und auch in dieser Situation war es der Alkohol, der mir wenigstens minimale Linderung verschafft hat (ich war damals vier Monate stationär und der behandelnde Arzt bescheinigte mir zu der Zeit schon eine Alkoholabhängigkeit, aber als es psychisch wieder aufwärts ging wusste ich es natürlich besser, im Sinne von „Der übertreibt ja maßlos!“).
Die letzten Jahre gab es dann immer irgendwelche Gründe, zu trinken. Wie ich bisher hier gelesen habe, kennt das jeder. Auch zwei Beziehungen und ein paar Freundschaften, die durch meine Sauferei in die Brüche gegangen sind, ließen in mir keinerlei Bewusstsein entstehen, ein Problem zu haben. Schuld waren immer die anderen.
Wann genau und weshalb es letztendlich klick gemacht hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich weiß nur, dass ich so nicht mehr leben möchte. Ich möchte mich nicht durch den Tag hangeln und dem Abend entgegenfiebern, weil ich mir dann wieder die Birne zuballern kann. Ich möchte morgens nicht mehr aufwachen und mir die schlimmsten Szenarien vom Vorabend ausmalen, weil ich mich an nichts mehr erinnern kann. Ich möchte nicht mehr nach sieben Halben nachts um eins zur 24h-Tanke torkeln, weil ich immer noch nicht genug habe oder meinen Freund anpampen, weil er sich ein Bier von „meiner“ Tagesration nimmt …
Und deshalb trinke ich seit Anfang des Monats nichts mehr, war bei der Suchtberatung und besuche eine Info- und Motivationsgruppe. Und deshalb bin ich auch hier. Weil ich hoffe, dass mir die Teilnahme an diesem Forum helfen kann, standhaft zu bleiben und mein Leben so zu verändern, dass ich ohne Alkohol glücklich sein kann.
Und hier kommt das Herz-Hirn-Dilemma ins Spiel:
Mein Verstand weiß mittlerweile, dass ich abhängig bin und es nur zwei Möglichkeiten gibt:
Saufen bis zum bitteren Ende oder nie mehr einen Tropfen anrühren. Aber mein Herz kann das noch nicht fühlen.
Mir sitzt grade permanent ein äußerst penetrantes Teufelchen im Nacken, das mir zuflüstert:
„Nur ein paar Monate durchhalten, abstinent bleiben, dann renkt sich das alles wieder ein, dann kannst auch Du hin und wieder ein gemütliches Feierabendbierchen zischen, Du kriegst das in den Griff, keine Sorge.“
Rational gesehen ist das der absolute Humbug. Erstens weiß ich, dass es mir nicht ums Genusstrinken geht (darum ist es wahrscheinlich nie gegangen), sondern ums „Zuschütten“, zweitens kenne ich mittlerweile auch die biochemischen Vorgänge im Körper und schon allein deshalb kann das nie funktionieren.
Aber emotional wünsche ich es mir sooo sehr. Es fällt mir grade einfach verdammt schwer, mit mir selbst und diesen ganzen Gedanken umzugehen und mir ein erfülltes Leben ohne Alkohol vorzustellen . Ich hoffe einfach, dass es leichter wird, wenn ich mich aktiv damit auseinander setze …
Solange versuche ich, mir immer wieder die positiven Aspekte der Abstinenz einzuhämmern und mir hier Tipps und Anregungen zu holen.
In diesem Zuge auch vielen Dank an alle, die dieses Forum möglich machen, an alle, die mich hier an ihren ganz persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen.
Und danke auch fürs Lesen. Ist ein bisschen viel geworden. |
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| Fräulein B. hat zum Thema: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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dorothea Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.08.2006 Beiträge: 7472 Alter: 48 Wohnort: Salzgitter
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Verfasst am: 23.10.2009, 20:39 Titel: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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hallo fräulein b.
schön das du hergefunden hast.
über die sucht kann man noch so viel wissen, man kann noch so viel verstand haben, das hilft einem alles nichts. sucht hat ihre eigenen regeln. aber das teufelchen kriegen wir hier schon von deiner schulter. das viech kennen wir alle nur zu gut.
doro |
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| dorothea hat zum Thema: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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Feengesicht neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.09.2009 Beiträge: 196 Alter: 46
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Verfasst am: 23.10.2009, 20:41 Titel: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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Hallo junge Frau und herzlich Willkommen!
Ich kenne den Gedanken sehr gut, ich muss etwas verstehen und im Herzen fühlen, nur so kann ich es leben. Ich kann es heute, aber das braucht seine Zeit, die du dir auch geben solltest!
Alles liebe Pia |
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| Feengesicht hat zum Thema: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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Fräulein B. neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.10.2009 Beiträge: 36
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Verfasst am: 23.10.2009, 20:43 Titel: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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| dorothea hat Folgendes geschrieben: |
aber das teufelchen kriegen wir hier schon von deiner schulter. das viech kennen wir alle nur zu gut.
doro |
Danke, Doro. Irgendwie wollte ich genau das hören.
Ich bin hier schon richtig  |
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| Fräulein B. hat zum Thema: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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Fräulein B. neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.10.2009 Beiträge: 36
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Verfasst am: 23.10.2009, 20:51 Titel: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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@ Pia:
Schön zu hören, dass doch gelingen kann, was man im Moment für kaum möglich hält.
Dieses Sich-selbst-Zeit-lassen, sich nicht unter Druck setzen, die Ansprüche an sich selbst "einfach" ein paar Etagen runterschrauben, das muss ich auch lernen. Und wieder mal weiß ich das, kann es aber (noch) nicht umsetzen. Ich vermute mal, dass mir in nächster Zeit viel Arbeit ins Haus steht ...
Wie mein Freund (mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor) so schön sagt:
"Mit Dir wird's auch nie langweilig." |
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| Fräulein B. hat zum Thema: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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dorothea Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.08.2006 Beiträge: 7472 Alter: 48 Wohnort: Salzgitter
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Verfasst am: 23.10.2009, 21:03 Titel: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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deine ungeduld ist irgendwie auch normal. geduld ist hier ein viel gebrauchtes wort. es ist nicht einfach trocken zu werden, aber es ist möglich und es lohnt sich. wenn man die erste schwierige zeit hinter sich hat ist man einfach ein neuer mensch und staund was man alles schaffen kann.
doro |
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| dorothea hat zum Thema: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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Feengesicht neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.09.2009 Beiträge: 196 Alter: 46
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Verfasst am: 23.10.2009, 21:08 Titel: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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| Fräulein B. hat Folgendes geschrieben: | @ Pia:
Schön zu hören, dass doch gelingen kann, was man im Moment für kaum möglich hält.
Dieses Sich-selbst-Zeit-lassen, sich nicht unter Druck setzen, die Ansprüche an sich selbst "einfach" ein paar Etagen runterschrauben, das muss ich auch lernen. Und wieder mal weiß ich das, kann es aber (noch) nicht umsetzen. Ich vermute mal, dass mir in nächster Zeit viel Arbeit ins Haus steht ...
Wie mein Freund (mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor) so schön sagt:
"Mit Dir wird's auch nie langweilig." |
Ich weiß nicht, aber ich glaube das mit der Geduld habe ich immer noch nicht aber wie du auch schreibst, wir lernen das.
Sich unter Druck sezten, es direkt zu erkennen, ist ein weiteres schweres Thema von mir. Es kommt weil ich mich nicht gut genug fühle, weil ich gelernt habe mich beweisen zu müssen, weil ich den Erfolg zuspät spüre, oder garnicht spüre. Aber ich bin mir schon einen riesen Schritt entgegen gekommen.
Nenne es nicht Arbeit, nenne es kennen lernen, dann fällt es nicht so schwer!
Arbeit haben wir genug, oder nicht?
lg Pia |
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| Feengesicht hat zum Thema: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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Fräulein B. neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.10.2009 Beiträge: 36
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Verfasst am: 23.10.2009, 21:36 Titel: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma |
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| kwiep hat Folgendes geschrieben: |
| Zitat: | | Solange versuche ich, mir immer wieder die positiven Aspekte der Abstinenz einzuhämmern |
Das geht einfacher.
Es gibt keine negativen Aspekte derAbstinenz. |
Hast Du das ganz am Anfang auch so empfunden?
| kwiep hat Folgendes geschrieben: |
Allerdings - Abstinenz alleine genügt nicht !
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Oder, wie ich hier oft gelesen habe:
Es reicht nicht, nichts zu trinken. Das habe ich verstanden. Und ich versuche auch, mein Leben zu ändern. Aber schrittweise. Zur Zeit fühle ich mich oft überfordert, mache mir selbst sehr viel Stress und Druck und dann wird das Verlangen nach dem entspannenden&beruhigenden Schluck aus der Flasche umso größer.
Der nächste Schritt für mich wird sein, meine Familie aufzuklären. Davor habe ich Angst. Aber es muss sein, schon allein um das Hintertürchen, an das ich mich blödsinniger Weise immer noch ein wenig klammere, ein für alle Mal zuzuschlagen. |
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| Fräulein B. hat zum Thema: Re: Ein paar Worte zu mir oder Das Herz-Hirn-Dilemma geschrieben
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