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Der "Drei-Jahres-Faden"

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Autor Nachricht
Manfred
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BeitragVerfasst am: 19.07.2010, 17:48    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Peter,

für mich klingt das sehr konstruktiv wie Du mit der Situation umgehst.

So ein kompletter Wechsel der Lebensumstände ist ja keine Kleinigkeit.

Spontan fallen mir dazu noch folgende Fragen/ Anregungen ein:

- Gibt es möglicherweise eine Organisation in Hamburg, die Erfahrungen mit dem Arbeitsplatzwechsel nach Norwegen hat?
Ich kann mir gut vorstellen, dass das schon einige gemacht haben.

- Wenn Du im September vor Ort bist, dann könntest Du Dich dort ja auch schon mal nach einer SHG erkundigen. AA-Gruppe oder ähnliche.

Vielleicht weißt Du das Alles aber auch schon Winken

Grundsätzlich kann ich Deinen Wunsch (bei so einer Arbeitsplatzatmosphäre) nach Veränderung gut nachvollziehen.

Es arbeitet sich um Einiges leichter, wenn man das Gefühl hat am Arbeitsplatz auch willkommen zu sein.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Mut und Klarheit bei allen anstehenden Entscheidungen.

Liebe Grüße
Manfred
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Manfred hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben
Petter
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 08:21    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

moin zusammen,

danke für den freundlichen zuspruch - kann ich immer sehr gut gebrauchen Smilie

noch wird bei mir nichts konkreter... im moment ist es, als wenn ich alles in einen riesentopf werfe und darin herumrühre... alle gedanken kommen da hinein, aber etwas vernünftiges scheint aus diesen suppenzutaten nicht rauszukommen. ich kenne das von mir.... es ist wie ein "sammeln" der argumente, auch wenn das reichlich unstrukturiert abläuft.

immerhin ist der sprachkurs das erste, was ich angegangen bin. ohne die sprache läuft sowieso nichts, also war das nummer eins meiner liste.

nummer zwei sind zwei ärztliche atteste über meine chronische leukämie. die muss ich haben für notfälle und für den betriebsarzt. beide muss ich übersetzen lassen. ich hoffe doch, dass diese krankheit keine einstellungsbremse ist... das wäre sehr schade.

tausend dinge schwirren durch den kopf: "packe ich das alles" - "wie komme ich allein in einem fremden land zurecht" - "finde ich neue freunde" - "werde ich gemocht" - "stelle ich mich nicht zu dusselig an" - "habe ich mich genug vorbereitet" - "undundund" ...... das mag ja alles nach pillepalle klingen, aber es sind richtige hürden für mich. vor allem sind es zeitgleiche hürden - und so etwas kann gefährlich werden, wenn ich an mehreren hürden scheitere. aus diesem grund werde ich mich als erstes dort in eine gruppe begeben... und dann weiss ich wieder: "ich bin nicht allein!" ...

immer wieder muss ich mir in erinnerung rufen, was ich in den vier jahren meiner trockenheit gepackt habe - und vor allem, wie ich mit heiklen situationen fertiggeworden bin... damit mache ich mir etwas mut. ich plane diesen riesenschritt und merke, wie anstrengend das ist und noch wird. am ende wünsche ich mir ein ankommen... wo auch immer, hauptsächlich aber einmal bei mir.

auf alle fälle ist das trockene und nüchterne leben spannend. wenn ich dran denke, wie ich mir mein leben weggesoffen und mich selber fast totgesoffen habe - au weia. da sind mir doch meine oben angesprochenen "problemchen" tausendmal lieber Lachen
nur zu dem einen großen problem darf es eben auch nicht führen... einen rückfall will ich mir nicht antun.

vor allem aber hätte ich mir zu meiner saufzeit über solche schönen dinge nie und nimmer gedanken machen können, denn ich war nur mit dem alk und meinem grässlich traurigen leben beschäftigt. das ist gottseidank vergangenheit - und ich werde es nicht vergessen.

danke fürs lesen!

peter
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Petter hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben
Petter
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 01.07.2006
Beiträge: 327
Wohnort: Zwischen Hamburg und Hannover

BeitragVerfasst am: 01.08.2010, 08:29    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

guten morgen zusammen.

gestern hatte ich spätschicht und war sehr froh, nicht in der city arbeiten zu müssen. am wochenende die betrunkenen menschen zu befördern, ist immer eine belastung. daher war ich froh, weit draussen meine linie zu haben.

zu früh gefreut: irgendwo mitten in der pampa lief eine merkwürdige party, zu der massenhaft junge menschen wollten. bei meiner letzten fahrt dorthin war mein bus voll betrunkener junger menschen, die noch zur party wollten. ich verstehe gar nicht, wie man schwer betrunken zu einer party hinfährt - ich dachte immer, man kommt betrunken von einer party. teilweise waren sie nicht mehr in der lage, sich festzuhalten und benahmen sich reichlich daneben. einigen habe ich in die augen gesehen und gemerkt: die sind schon völlig neben der kappe..

ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als jugendlicher meinen eltern versucht habe, zu verheimlichen, wenn ich stockbesoffen von einer party kam. diese menschen, die ich gestern erlebt habe, fahren sturzbetrunken zu einer party hin und machen sich anscheinend keine gedanken mehr, wie sie nach hause zurückkommen. als elternteil würde ich mir da große sorgen machen Traurig

diese öffentliche trinken und sich betrunken zeigen - ich bin nicht sicher, ob es das zu meiner jugendzeit so gab. ich denke aber eher nicht... und ich begreife auch nicht, warum das so geduldet wird.

euch einen schönen tag!

peter
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Petter hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben
Petter
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 01.07.2006
Beiträge: 327
Wohnort: Zwischen Hamburg und Hannover

BeitragVerfasst am: 16.08.2010, 09:01    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

guten morgen zusammen.

ich habe drei tage frei und bin mit dem motorrad nach berlin gefahren, in meine "alte" heimat. ein paar freunde von früher treffen und einfach mal wieder die belastete luft dieser stadt schnuppern. nach der ankunft gestern traf ich mich mit einem alten freund, der nach einem halbwegs ermutigenden anfang des nichttrinkens wieder vollkommen im suff steckt. ich habe mich erschrocken, obwohl ich ahnte, was mich erwartete. es tut mir weh zu sehen, wie sich ein schlauer kerl so zugrunde richtet. neben ihm sass ein "kumpel", den ich auch noch vom sehen kannte... der ist nur dick und unbeweglich und schüttet sich ausschliesslich alkohol und würste in seinen schlund, anders kann ich das nicht ausdrücken. zähne sind kaum noch da und was die beiden reden ist ein verzweifelter, purer unsinn. als ich so da saß und über mich selber nachdachte merkte ich, wie sehr ich mit dieser welt gebrochen habe. ich habe keinen kontakt mehr in diese welt, bis auf den einen, der sich gerade zu tode säuft. ich werde den kontakt nicht abbrechen, aber ich werde auch nichts aktiv tun. er trinkt sich um kopf und kragen und ich kann es nicht ändern. wenn er aufhören möchte und ein offenes ohr braucht, will ich da sein. aber ich denke nicht, daß er wirklich will. also ist es nicht mein ding, mich darum zu kümmern.

aus diesem grauenhaften sauf-dasein herausgekommen zu sein und auch draussen zu bleiben, macht mich immer noch unendlich glücklich.

nun werde ich rausgehen und gucken, wie sich die stadt in meinen drogenfreien jahren verändert hat.

peter
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Petter hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 16.08.2010, 09:45    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf peter

Petter hat Folgendes geschrieben:
aus diesem grauenhaften sauf-dasein herausgekommen zu sein und auch draussen zu bleiben, macht mich immer noch unendlich glücklich.
ich wünsch dir ne sehr lange glückliche zeit

Petter hat Folgendes geschrieben:
nun werde ich rausgehen und gucken, wie sich die stadt in meinen drogenfreien jahren verändert hat.
viel spass in der hauptstadt

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben
Nele 43
aktiver Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 07.09.2008
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BeitragVerfasst am: 16.08.2010, 09:56    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Peter,
Ich warte immer wieder auf Deine Zeilen im "Faden" und ich freu mich das Du dies jetzt alles so sehen kannst und das es Dir gutgeht.
Viel Spaß in der "City" und alles Gute,
lieben Gruß Nele
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Nele 43 hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben
Petter
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 01.07.2006
Beiträge: 327
Wohnort: Zwischen Hamburg und Hannover

BeitragVerfasst am: 02.09.2010, 07:16    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen zusammen,

ab heute tippe ich wieder GROSS und klein. Ich habe mich gefragt, warum ich eigentlich zur Kleinschreibung gewechselt bin... und habe nur eine Erklärung gefunden: meine Faulheit! Das geht natürlich nicht - Schluß damit Verlegen

Gestern war ich in einem Bekleidungsgeschäft, um mir ein neues Sakko zu kaufen, schliesslich habe ich diesen Monat ein paar Bewerbungsgespräche gut zu überstehen. Bei der Anprobe habe ich mich erstmal gefreut, weil der Bauch fast weg ist und ich eine Nummer kleiner nehmen kann als sonst. Dann aber sah ich mich genau an und entdeckte, wie kaputt ich im Gesicht aussehe: traurig und übermüdet. Ich habe mich ziemlich erschrocken, muss ich sagen. Vom positiv dreinblickenden Peter war nur noch mit gutem Willen etwas zu sehen.

Das erste Mal seit zwei Jahren bin ich gestern nicht zur Arbeit gegangen, weil ich mich nicht "fühlte"... und es war die richtige Entscheidung.
Die Anstrengungen der letzten Monate, um des "Lieben Friedens willen" gute Mine zum bösen Spiel zu machen, haben Spuren hinterlassen. Die Chefin versucht viel, um die noch neuen Mitarbeiter zu verunsichern und ängstlich zu machen. Ihre dummdreiste und prollige Art geht mir nur noch auf die Nerven. Aber ich lächle - noch. Am 7.9. hat sie mich zu einem Gespräch beordert. Es wird um meine Vertragsverlängerung gehen oder um die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Selbst wenn der Vertrag verlängert wird, werde ich gehen. Aber das sage ich natürlich nicht.

Am 15. September fliege ich nach Norwegen und habe die schon erwähnten zwei Vorstellungsgespräche. In letzter Zeit ist mir auch der deutsch-sprachige Raum in den Sinn gekommen - und so habe ich einfach noch einige Bewerbungen nach Österreich und in die Schweiz geschickt. Aus der Schweiz habe ich schon zwei ganz ermunternde Reaktionen und die könnten noch im September zu Vorstellungsgesprächen führen. Es ist eine blöde Situation: Ohne meine chronische Leukämie hätte ich gute Chancen - aber wenn es zu einer ärztlichen Untersuchung im Vorfeld kommt, wird mich keiner mehr einstellen befürchte ich.

Vielleicht mache ich mir auch zu viele Sorgen deshalb, aber ich bin da ohne Rezepte oder Ideen. Was ich aber ganz sicher nicht mehr will, ist diese ordinäre und bescheuerte Chefin. Deshalb ist das Gespräch mit ihr am 7.9. und eine eventuelle Übernahme nur noch gut - oder schlecht für meine Psyche und mein Ego. Im Grunde kann es mir egal sein, ist es aber natürlich nicht. Wenn mein Vertrag verlängert wird, werde ich natürlich unterschreiben und erst dann kündigen, wenn ich einen neuen Vertrag, egal ob aus der Schweiz, Österreich oder Norwegen, unterschrieben habe.
Dann aber freue ich mich auf ihr bescheuertes Gesicht, wenn ich nach Vertragsverlängerung kündige Smilie

Die letzten Monate haben mich wirklich ganz schön weich gekocht. Oft habe ich nur funktioniert und die Tage und meine Arbeitsdienste einfach und ohne Interesse runtergespult. Aber schon der Umstand, daß ich genau dazu in der Lage bin, und zwar über einen recht langen Zeitraum, zeigt mir, wieviele körperliche und seelische Reserven ich im Grunde habe: eine ganze Menge, finde ich! Wenn ich zurückdenke und mal ganz vorsichtig an meine Grenzen zu Saufzeiten denke, kann ich mir heute ziemlich lange auf die Schultern klopfen. Als ich soff, hatte ich keine Grenzen: weder kannte ich am Ende meine Trinkgrenze noch hatte ich eine halbwegs klare Einstellung zum Leben, noch konnte ich mich gegen "gut" oder "böse" abgrenzen.

Egal was gerade ist: wir können trocken und nüchtern eine ganze Menge bewältigen. Viel, viel mehr, als wir zu unseren Saufzeiten je gedacht oder uns zugetraut hätten.

Allen eine gute Zeit und danke fürs Lesen.

Peter
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Petter hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2009
Beiträge: 4063
Alter: 60
Wohnort: Wilkau-Haßlau

BeitragVerfasst am: 02.09.2010, 07:25    Titel: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf peter

ich wünsch dir das alles so läuft wie du willst - damit du auch bald wieder mit deinem gesichtsausdruck zufrieden sein darfst


schöne zeit + geduld

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Der "Drei-Jahres-Faden" geschrieben

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