Sonnenblume27 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.08.2009 Beiträge: 9 Alter: 29
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Verfasst am: 03.09.2009, 13:05 Titel: Meine alkoholkranke Mutter - meine ganze Geschichte |
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TEIL 1
Wie oben schon beschrieben, möchte ich vor allem mal meine Geschichte loswerden... und gerne auch Meinungen dazu von anderen hören, die ähnliches durchgemacht haben.
Ich habe schon in anderen Foren versucht, mich mit anderen auszutauschen und da hieß es dann, wenn ich nicht (mehr) coabhängig wäre, dann gäbe es dafür ja wohl keinen Grund, auch das Interesse an einer realen Selbsthilfegruppe wurde mir mit diesem Argument madig gemacht... /images/sniff.gif Ich habe aber dennoch das Bedürfnis danach, weil ich zwar immer jemanden hatte zum reden, aber niemanden, der selbst schon in so einer Situation war, und hoffe, hier auf mehr Verständnis zu treffen.
Wird ein extrem langer Text (tut mir wirklich leid, aber ich habs nicht kürzer hingekriegt ), da mir wichtig ist, nicht nur die aktuelle Situation zu schildern, sondern alles von Anfang an und bei der Erzählung sicher auch mehr zutage kommt als nur Alkoholproblem meiner Mutter, sondern auch das ganze Drumherum.
Ich hoffe, jemand macht sich die Mühe, sich das durchzulesen...
Damit der Text etwas strukturierter ist, habe ich versucht, ihn etwas zu unterteilen.
Kurz zu mir: Ich bin 27 Jahre alt, habe drei Kinder, von denen eins (fast 10 J.) aufgrund einer Behinderung in einer Pflegestelle lebt und lebe mit den anderen beiden (9 und 1einhalb J.) und meinem Mann zusammen, bin z. Z. Vollzeitmama und erwarte mein 4. (und letztes) Kind.
MEINE KINDHEIT MIT MEINER MUTTER
Es geht um meine Mutter. Sie ist Alkoholikerin. Sie trinkt (Bier) schon seit ich denken kann. Als Kind war mir das natürlich nicht bewusst, dass es da ein Problem gibt, habe auch bei meinem Vater gelebt und bin erst mit 13 zu meiner Mutter u. meinem Stiefvater gezogen.
Da war Alkohol schon ein Problem - aber nicht bei meiner Mutter, sondern bei meinem Stiefvater, der dann einen Entzug gemacht hat und danach einige Zeit trocken war.
Den Alkoholkonsum meiner Mutter habe ich nie als problematisch bewertet, meine Mutter ging (und geht noch immer) Vollzeit arbeiten und ist da immer nüchtern, daher war für mich immer alles ok.
NACH MEINEM AUSZUG
Als ich mit 16 schwanger wurde, zog ich von daheim aus. Mit 18 wurde ich zum zweiten Mal schwanger, da waren meine Eltern (also Mutter und Stiefvater) gerade in einer Krise - meine Mutter hatte sich in einen Kollegen verguckt (mit dem aber nichts lief außer ein paar SMS), mein damals krankhaft eifersüchtiger Stiefvater fing wieder an zu trinken und auch meine Mutter war häufiger betrunken. Da ich ja alleine lebte, hatte ich glücklicherweise die Möglichkeit, unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen, also wenn mir die Stimmung dort nicht behagte, ging ich halt nach Hause.
Eines Nachts ist der Streit eskaliert, mein Stiefvater hatte eine unbekannte Nummer auf dem Handy meiner Mutter gefunden (ein Freund von mir, den ich von ihr aus angerufen hatte), holte in seinem Suff seine Pistole (er ist Polizist) fuchtelte damit herum und drohte, "den anderen" damit zu erschießen. Meine Mutter ging hin, wollte ihm die Waffe aus der Hand schlagen, dabei löste sich ein Schuss, der sie in den Oberschenkel traf und sie kam ins KH (Die Geschichte ging durch die ganze Presse)
Danach war mein Stiefvater erstmal suspendiert, machte nochmal eine Therapie, auch wegen der Eifersucht und war dann wieder trocken. Statt dessen trank aber meine Mutter vermehrt - nicht extrem viel mehr, aber schon auffällig - und geriet dadurch mit meinem Stiefvater immer wieder aneinander. Die Ehe ist seitdem mMn im Ar***.
Ich war nach der Geburt meiner Tochter, das war kurz nach "der Sache", 3 Monate im Mutter-Kind-Haus; als ich rauskam, hatte ich erstmal keine Wohnung. Meine Eltern wollten mich nicht aufnehmen (obwohl genug Platz gewesen wäre), ich kam bei Freunden unter, meine Tochter nahmen meine Eltern aber gerne. Ich glaube, sie war ihnen eine schöne Abwechslung von ihren eigenen Problemen, so mussten sie sich nicht mit ihrer verkorksten Ehe auseinandersetzen. Vor allem für meinen Stiefvater, der ja nun aufgrund der Suspendierung den ganzen Tag nix zu tun hatte, war sie glaube ich eine willkommene Aufgabe.
Auch als ich nach zwei Monaten wieder eine Wohnung hatte, waren sie ziemlich auf meine Tochter fixiert. Ich fand das ganz angenehm, hatte ja am WE immer einen Babysitter und wusste meine Tochter gut aufgehoben (zumindest schätzte ich das damals noch so ein).
DAS ERKENNEN DES PROBLEMS MEINER MUTTER UND MEINE CO-ABHÄNGIGKEIT
Ende 2003, da war meine Tochter 2J. alt, machte ich eine stationäre Therapie wegen Depressionen und Borderline. Meine Tochter war in der Zeit bei meinen Eltern untergebracht. Dort lernte ich einen Mann kennen, mit dem ich ein halbes Jahr später auch zusammenkam. Es war eine ziemlich destruktive Beziehung - ich war aufgrund der Borderlinestörung typisch klammernd und eifersüchtig und habe mich von ihm regelrecht abhängig gemacht, er bipolar und eher Typ Bindungsangsthase, bloß nicht zuviel Gefühl investieren. Allerdings war er der erste, der mir im Hinblick auf den Alkoholismus meiner Mutter langsam die Augen öffnete. Er hatte - im wahrsten Sinne des Wortes - einen Riecher dafür, wann meine Mutter getrunken hatte und wies mich jedesmal darauf hin. Ich machte mir erstmal keine großen Sorgen, fing aber an, es zu beobachten.
Anfang 2005 war ich dann wieder stationär in Therapie, da ich aufgrund meiner kranken Beziehung ständig Nervenzusammenbrüche hatte. Ich wurde nach vier Monaten entlassen, obwohl ich nicht wollte, weil ich fühlte, dass die Beziehung nicht mehr lange halten würde und ich Angst hatte, was passiert, wenn ich kein Netz habe, das mich dann auffängt. Ich wurde trotzdem entlassen. Ging dann aber auch ziemlich böse aus - ich versuchte mich mit Tabletten umzubringen, kam erst auf die Intensivstation und dann ein paar Tage auf die Geschlossene. Den Sommer über nahm ich die Unterstützung meiner Eltern stark in Anspruch und versuchte, irgendwie die Zeit zu überleben, bis ich Ende 2005 wieder stationär aufgenommen werden konnte. Für meine Eltern war ich nun die Rabenmutter, der ihr Kind egal ist und die sich in der "Klapse einen faulen Lenz" machte.
In dieser Zeit wurde mir erstmals der übermäßige Alkoholkonsum meiner Mutter bewusst. Mir fiel es jetzt auf, wenn sie mal wieder betrunken war. Da fingen die Probleme an. Mein Sohn lebt eine Autostunde entfernt, ich war immer drauf angewiesen, dass mich jemand hinfährt, um ihn besuchen zu können. Obwohl mir jetzt manchmal auffiel, dass meine Mutter sonntagsvormittags, wenn sie mich für den Besuch dort abholte, betrunken war, fuhren meine Tochter und ich mit. Ich hatte Angst, das Thema anzusprechen.
Mir fiel jetzt auch öfter auf, wenn meine Tochter am WE dort war, dass sie dann mit ihr in die Kneipe ging, sich dort betrank und auf das Betteln der Kleinen, sie sei müde und wolle nach Hause, keine Rücksicht nahm.
Meine Tochter fing in dieser Zeit an, im Kindergarten und auch bei meiner Mutter zu erählen, sie bekäme bei mir nichts zu essen, hätte immer Hunger. Keine Ahnung warum, sie war wohl auch psychisch belastet durch meine Störungen und das ständige Hin und Her und suchte damit Aufmerksamkeit. Der Kindergarten glaubte das natürlich und meldete es dem Jugendamt. Meine Mutter, die es eigentlich besser wusste, sagte dort auch, das würde stimmen, außerdem würde meine Tochter bei mir komplett verwahrlosen. Ich erfuhr das vom JA, wenn ich meine Mutter darauf ansprach, stritt sie es ab, das dort erzählt zu haben.
MEIN VERSUCH, MICH ZU DISTANZIEREN UND VERANTWORTUNG FÜR MICH UND MEIN KIND ZU ÜBERNEHMEN
Dann war ich ja wieder stationär und meine Tochter bei meinen Eltern. Zum ersten Mal fühlte ich mich gar nicht wohl mit dem Gedanken, sie dort zu lassen und sprach auch in der Therapie darüber.
Ich hatte einen sehr guten Freund, der meine Tochter für die paar Wochen aufgenommen hätte und den meine Tochter auch sehr gern mochte. Das Jugendamt hielt davon gar nichts, sie meinten, meine Tochter sei doch bei meinen Eltern gut aufgehoben. Mein Hinweis auf den Alkoholismus meiner Mutter wurde ignoriert. Meine Mutter stellte mich dort als die arme Irre dar, die sich das alles nur einbildet. Ich glaubte das schon fast selbst und sagte das auch meinem Therapeuten, dass ich mir das vielleicht doch nur einbilde; der wurde beinahe sauer und meinte, ich könne mich ruhig auf meine Wahrnehmung verlassen (zumal es ja auch andere Bekannte von mir gab, denen das auffiel)
Am WE durfte ich immer nach Hause, da hatte ich meine Tochter dann bei mir. Sonntags ging ich zurück in die Klinik und meine Mutter holte sie dann dort ab. Einmal kam sie total betrunken dort an. Es war das erste Mal, dass ich es nicht ignorierte. Ich bat eine Pflegerin, mit mir zusammen meine Mutter darauf anzusprechen; diese sagte, sie hätte es alleine im Vorbeigehen schon gerochen. Ich sagte also meiner Mutter, dass ich nicht möchte, dass sie so mit meiner Tochter Auto fährt. Die Pflegerin riet ihr, meinen Stiefvater anzurufen, damit der sie abholt. Er war nicht erreichbar, also bat ich sie, mit dem Bus zu fahren. Sie war natürlich nicht begeistert, sagte aber zu. Ich verließ mich dummerweise einfach darauf.
Meine Tochter erzählte mir ein paar Tage später, sie seien dann doch mit dem Auto gefahren.
Ich überlegte, meine Therapie abzubrechen, damit ich meine Tochter wieder zu mir holen konnte. Rief nochmals beim JA an und erzählte dort von dem Vorfall. Da wurde ich dann gefragt, ob ich denn einen Zeugen dafür hätte, dass das auch stimmt Die Pflegerin rief also dort an, um es zu bestätigen. Meine Mutter und ich wurden zum JA geladen, die Sachbearbeiterin wollte immer noch nix davon wissen, meine Tochter die letzten zwei Wochen, um die es noch ging, zu meinem Freund zu geben und fragte meine Mutter, ob sie nicht einfach die zwei Wochen, um die es noch ging, das Trinken unterlassen könnte, damit ich in Ruhe meine Therapie zu Ende machen konnte. Meine Mutter platzte raus: "Das kann ich nicht versprechen!" Ich meinte daraufhin, wenn sie doch wirklich kein Alkoholproblem habe, sei das doch wohl machbar. Sie meinte, sie versuche es und damit war fürs JA die Sache erledigt. Ich traute mich auch nicht weiter zu widersprechen.
Nach diesem Aufenthalt fing meine Mutter an, sich... wie soll ich sagen... irgendwie gestört zu verhalten. Sie machte mich beim JA schlecht und als meine Tochter mal wieder übers WE dort war und ausgemacht war, dass sie sie sonntagabends wieder bringt, da wartete ich vergebens. Ich rief immer wieder an, erreichte niemanden und bekam irgendwann eine SMS, sie könne die Kleine nicht mehr zu mir lassen, sie würde ja bei mir verwahrlosen, ich könne nicht für sie sorgen. Da es schon spät war und die Kleine schon bettfertig war, schrieb ich nur, dass es mein Kind ist und ich sie am nächsten Tag holen werde. Dachte, bis dahin hätte sich meine Mutter beruhigt. Am nächsten Tag erreichte ich wieder niemanden, als ich hinkam, war keiner da. Ich lief zu meiner Oma, weil ich mir dachte, dass sie dort waren. Mein Onkel kam raus und machte mich an, was ich hier wolle. Ich bekam richtig Angst. Meine Familie wollte meine Tochter nicht rausgeben. Ich rief dann einfach in fröhlichem Ton nach ihr, sie kam raus und glücklicherweise wollten sie wohl vor dem Kind keinen Streit entfachen. Trotzdem merkte ich, dass sie versuchten, sie bei sich zu behalten und nicht mir geben zu müssen. Erst als ich mit der Polizeit drohte, ließen sie mich mit meiner Tochter gehen.
Danach weigerte ich mich, meinen Eltern die Kleine nochmal zu geben. Erstens wegen dem Alkohol und zweitens, weil ich ja befürchten musste, dass ich meine Tochter nicht wiedersehe! Meine Mutter machte mir dann ein schlechtes Gewissen, zählte auf, was sie schon alles für mich getan habe, machte SMS-Terror und letztendlich wollte ich einfach nur, dass wieder alles in Ordnung kam und gab nach.
Beim Jugendamt war das alles nun natürlich auch ein Thema. Wenn die eigene Mutter dort erzählt, das Enkelkind sei bei der Tochter nicht gut aufgehoben, weil ich ja so psychisch gestört sei, dann glauben die das natürlich. Obwohl ich schon Hilfe in Anspruch nahm in Form einer DBT (spezielle Therapie für Borderliner mit Einzel- und Gruppengesprächen) und einer Betreuerin vom sozial-psychiatrischen Verein, waren sie der Meinung, ich bräuchte eine Familienhilfe. Ich sagte dann zu, weil es hieß, dass meine Tochter sonst nicht länger bei mir bleiben dürfe. Mir wurde aber alles zuviel, da ich dann insgesamt 5 Termine die Woche hatte und gar nicht mehr wusste, wo ich schon was besprochen hatte. Mir ging es psychisch dadurch nur schlechter. Meine Therapeutin sprach mit der SB vom JA, erklärte ihr, dass ich ja Hilfe bekäme und mich eine weitere Hilfemaßnahme überfordere und somit keine Hilfe sei, sondern meinen Zustand verschlimmere. Es war ihr aber egal. Ich brach dann irgendwann trotzdem die Familienhilfe ab. Daraufhin zog das JA vor Gericht.
Meine Mutter bot dort gleich an, sie könnten meine Tochter ja zu sich nehmen. Ich dagegen sagte beim JA deutlich, wenn es überhaupt nicht möglich ist, dass sie bei mir bleibt, dann solle man bitte versuchen, sie in der Pflegefamilie meines Sohnes unterzubringen, aber keinesfalls zu meinen Eltern, weil meine Mutter zuviel trank. Das wurde so akzeptiert. Meine Mutter flippte völlig aus, fragte, wie ich sowas erzählen könne, ich wüsste doch, dass dann die Kleine gar nicht mehr in unserer Familie sei. Dass meine Mutter erst Lügen über mich erzählte, um das JA dazu zu bringen, mir meine Tochter wegzunehmen und dann selbst erwartete, dass ich ihren Alkoholproblem herunterspielte, zeigte mir, dass es ihr eigentlich nur darum ging, die Kleine an sich zu binden. Sie sah sich nicht als Oma, sondern als ihre Mutter, zumindest gefühlsmäßig, sie war total fixiert auf die Kleine.
WEG VON DER CO-ABHÄNGIGKEIT
Dann war Anfang 2007, ich war so fertig mit den Nerven, dass ich wieder stationär in Behandlung musste. Ihr könnt euch denken, wo meine Tochter untergebracht war... Es war diesmal nur ein kurzer Aufenthalt von 6 Wochen. Ich nahm mir währenddessen eine Anwältin, dort sagte ich, dass ich anbieten könne, nochmal in ein Mutter-Kind-Haus zu gehen, damit meine Tochter bei mir bleiben könne. Beim Jugendamt wurde dieser Vorschlag angenommen. Ich suchte mir selbst verschiedene Häuser aus dem Internet aus - eins weiter weg als das andere, mein Therapeut fand die Idee gut, weiter weg zu ziehen, um neu anzufangen, mit einem JA, das noch keine Vorbehalte hatte und vor allem: weit weg vom Einfluss meiner Eltern. Die waren nicht begeistert von der Idee, konnten aber nun ja nichts dagegen sagen, weil das JA die Sache ja unterstützte.
Es kam dann nicht so weit. Es gab kein Mutter-Kind-Haus, das mich aufnehmen konnte - entweder sie nahmen keine psychisch kranken Mütter oder ich war zu alt oder meine Tochter war schon zu alt oder sie hatten einfach keine Plätze frei. Das JA wollte mich eigentlich nicht mit einem Kindesentzug dafür bestrafen, da ich ja nichts dafür konnte, dass diese Möglichkeit wegfiel. Aber ich merkte, dass es wohl doch so kommen würde. Gerade zu diesem Zeitpunkt kam ich mit meinem jetzigen Mann zusammen. Wir waren gerade mal zwei Wochen zusammen, von meinen Problemen hatte ich mich noch nicht getraut zu erzählen - ich hatte behauptet, ich wolle in ein Mutter-Kind-Haus, um die Möglichkeit zu haben, noch eine Ausbildung zu machen, weil ich aufgrund dessen, dass ich alleinerziehend war, diese Möglichkeit nie hatte und dass ich vom Einfluss meiner Eltern wegwolle und darum ein Haus weiter weg suchte.
In meiner Verzweiflung erzählte ich beim JA von der neuen Beziehung und wie es denn aussähe, wenn ich mit meinem Freund zusammenziehe und nochmal eine Familienilfe annehmen würde... Die SB fand das gut... daheim musste ich dann natürlich meinem Freund davon erzählen; der war aber entgegen meiner Befürchtungen überhaupt nicht abgeschreckt von der ganzen und fand die Idee, mit mir zusammen zu ziehen, sogar schön.
Ab da ging es für mich bergauf. Die Familienhilfe kannte ich schon, ich hatte sie schon kurz nach der Geburt meiner Tochter als Betreuerin gehabt, bevor ich ins Mutter-Kind-Haus kam und daher war gleich Vertrauen zueinander da. Sie kannte auch schon meine Eltern und im Gegensatz zu mir hatte sie schon damals die Alkoholprobleme erkannt. Ich wurde endlich ernst genommen.
Wir suchten eine gemeinsame Wohnung und ich wurde dann gleich am Anfang schwanger. Es war geplant, wir hatten irgenwie von Anfang an das Gefühl, dass es passt. Klingt naiv und in dieser Situation gänzlich unverständlich, aber die weitere Entwicklung hat unserer Entscheidung recht gegeben.
Die Familienhilfe sah im Gegensatz zum JA überhaupt keine Probleme bei der Versorgung meiner Tochter, aber das hatte keine Familienhilfe, alle hatten immer nur positive Berichte geschrieben.
Das JA befürwortete ja immer noch den regelmäßigen Umgang mit dem Enkelkind, da meine Tochter auch sehr an meinen Eltern hing. Aber sie erzählte immer häufiger, dass die Oma immer Bier trinkt und der Opa Colabier (war also auch schon eine Weile nicht mehr trocken, behauptete aber, es im Griff zu haben), dass die Oma ins Gebüsch gefallen ist und sie sie rausziehen musste, sie schrieb Geschichten, in denen Alkohol ein Thema war und malte Bilder mit Bierflaschen, Sektflaschen und Sektgläsern. Und nachdem auch meine Familienhelferin beim JA bestätigte, dass ich mir das nicht nur einbilde, sondern das schon lange ein Problem sei, nahmen die mich auch endlich ernster.
Ich fühlte mich immer unwohler dabei, meine Tochter am WE zu meinen Eltern zu lassen, vor allem wegen meiner Mutter, meinen Stiefvater schätzte ich da schon etwas verlässlicher ein, nahm ihn auch nie als betrunken oder auch nur angetrunken war, aber vielleicht merkt man es bei ihm nicht so.
Es gab dann irgendwann nicht nur Probleme wegen des Alkohols, sondern auch, weil meine Mutter sich massiv in die Erziehung meiner Tochter einmischte. Sie verwöhnte sie extrem, nicht nur so, wie es normal ist, und gerade bei einem so engen Umgang hat das natürlich auch starke Auswirkungen. Sie überschüttete sie mit Geschenken, für meine Tochter waren die schon selbstverständlich, sie freute sich nicht auf Oma, sondern auf die Geschenke. Ich musste ihr nie was kaufen an Klamotten - sie hatte zu ihren besten Zeiten schätzungsweise 40 Hosen, 50 T-Shirts, 30 Pullis, 25 Paar Socken und genauso viele Unterhosen, 5 Paar Schuhe usw. Außerdem gabs immer Zeitschriften und Süßigkeiten in Massen. Die Grenzenlosigkeit wirkte sich auch auf ihr Verhalten aus. Zu Hause kam ich zusehends schlechter mit ihr zurecht, weil sie die Regeln nicht akzeptierte - bei Oma gabs ja keine. Wenn sie bei Oma war, setzte sie sich auf ihren "Thron" (den Sessen im Wohnzimmer) bekam die Fernbedienung gebracht und wenn sie etwas wollte, fragte sie nicht, sondern rief herrisch: "Hunger! Durst!" und Oma sevierte ihr auf einem Tablett ein in mundgerecht geschnittenes Stück Brot. War das leer, hieß es entweder "Noch eins!" oder "Bin fertig, räum weg!"
Wir versuchten mit meiner Mutter zu reden, die hatte aber kein Einsehen (wie schon in vielen, vielen Gesprächen vorher). Da Erziehungsmaßnahmen auch boykottiert wurden (Tochter hatte Süßigkeiten- oder Fernsehverbot, Opa sah das nicht ein und ließ sie trotzdem fernsehen und Eis essen, oder wir sagten ihr etwas und meine Eltern machten vor ihr deutlich, dass sie das nicht richtig fanden, so dass die Kleine das Gefühl bekam, auf die Mama brauch ich nicht zu hören), beschlossen wir, den Kontakt zu reduzieren. Meine Tochter durfte nur noch alle zwei Wochen hin.
2008 - KONSEQUENZEN
Mit dem Alkohol wurde es schlimmer, ich fühlte mich immer unwohler, zumal ich immer öfter Geschichten von meiner Tochter hörte - "die Oma ist die Treppe runtergefallen, die Oma konnte nicht mehr gerade laufen und ich musste sie festhalten, damit sie nicht auf die Straße fällt" usw. Das Jugendamt fand es jetzt auch nicht mehr so toll, dass meine Tochter so oft dort war. Wir wollten es also so regeln, dass sie nicht mehr über Nacht dorthin durfte und wollten das mit Unterstützung der Familienhilfe bei meinen Eltern ansprechen. Eigentlich hätte das JA das auch allein gemacht, sich also als Sündenbock zur Verfügung gestellt - das Angebot haben wir leider nicht angenommen...
Wir machten einen Termin, meine Eltern wussten nicht worum es ging, aber mein Stiefvater ahnte wohl, dass es nicht Gutes war und drückte sich davor. Da saßen wird dann also mit meiner Mutter alleine, drei gegen einen sozusagen. Meine Mutter tat mir leid und ich hatte das Gespräch nicht so gewollt, sah es aber auch nicht ein, das Gespräch zu verschieben. Ich sagte ihr also, dass ich mir Sorgen mache um sie, weil sie soviel trinke und natürlich auch darum, dass sie dann auf meine Tochter nicht richtig achten könne, wenn diese bei ihr war. Sie stritt es natürlich wieder ab, aber ich sagte, ich sehe es so und kann die Verantwortung nicht mehr übernehmen. Meine Mutter reagierte recht ruhig und ich war sehr froh darüber, aber auch überrascht.
Wir trafen uns danach dreimal, sie kam mal zu uns und wir zu ihr und einmal waren wir Eis essen. Die Stimmung war leicht angespannt, aber es war ok und ich freute mich, dass sie es offensichtlich so akzeptierte... Pustekuchen!
Wie schrieben an einem Abend ganz normale, sogar liebevolle Mails miteinander, sie schrieb noch HDL usw.... und plötzlich, die nächste Mail, nur eine halbe Stunde später, war total ausfallend. Sie warf mir vor, sie vor der Familienhilfe angeprangert zu haben, hielt mir mal wieder alles vor, was sie für uns getan hatten (dummerweise hatten wir uns auch noch für ein Auto eine Menge Geld von meinem Stiefvater geliehen), mein Freund sei nur auf ihr Geld aus und kümmere sich nicht gut um meine Tochter, der hätte ja in seinem Leben noch gar nix erreicht, aber wie auch - bei so einer Mutter usw. usf.... Ich war total entsetzt. Da ich mich erst durch die Beziehung zu meinem Freund stark genug gefühlt hatte, mich durchzusetzen, war er nun wohl der Böse. Ich solle mal darüber nachdenken, ob er der richtige fü mich sei. Ich ließ das alles natürlich nicht auf mir/uns sitzen, war verletzt und sauer und mein Freund auch. Er versuchte, mit ihr am Telefon zu reden, aber es war kein vernünftiges Gespräch möglich und als im Hintergrund mein Stiefvater noch drohte, ihm die Türken vor die Tür zu hetzen, platzte auch ihm der Kragen. Dann wurden wir noch von meinem Stiefbruder bedroht! Auch bei der Verwandtschaft machte sie mich schlecht. Ich weiß nicht, was sie dort erzählt hat, aber bei WKW (kennt ihr sicher) strichen mich immer mehr Tanten und Cousinen/Cousins von der Liste. Auf Nachfragen bekam ich keine Antwort. Es war sehr schlimm für mich. Immer wieder kamen beleidigende Mails, dazwischen kamen von meiner Mutter immer mal wieder freundliche Mails, sie wolle doch keinen Streit, was denn mit mir los sei... also total widersinnig... man wusste gar nicht, woran man mit ihr war. Sie schien sich zeitweise tatsächlich keine Ahnung zu haben, warum wir sauer waren...
Wir brachen dann den Kontakt völlig ab. Drei Monate gingen wir auf Abstand - dann stand unsere Hochzeit an, von der Planung wussten meine Eltern nichts. Ich wollte natürlich meine Mutter gern dabei haben. Als sie sich wieder einmal meldete und mit mir reden wollte, stimmte ich zu, in der Hoffnung, dass etwas Einsicht käme und auch eine Entschuldigung. Aber sie tat erstmal so, als wäre nix gewesen. Ich fragte dann, ob wir nicht nochmal über die ganze Sache sprechen sollten und sie meinte dann allen Ernstes: "Also von meiner Seite aus ist alles vergeben und vergessen." Ja, was denn auch?? Wir hatten ja nix falsch gemacht. Dieser Satz machte mich echt sprachlos. Ich ließ mich dann mal wieder darauf ein, weil ich mir einfach wünschte, dass unser Verhältnis wieder so werden würde, wie es mal war. Ich lud sie zur Hochzeit ein. Da es nun extrem kurzfristig war (drei Tage vorher) wusste sie nicht, ob sie frei bekam, sie rechnete nicht damit.
Am Tag der Hochzeit tauchte sie dann doch auf. Sturzbetrunken. Das schränkte meine Freude über ihr Kommen dann doch beträchtlich ein.
Danach wurde das Verhältnis auch wieder besser, zumindest oberflächlich. Meine Tochter durfte immer noch nicht wieder dort übernachten. Es wirde nicht mehr über das alles gesprochen. Meine Mutter versuchte sich zusammen zu reißen mit dem Trinken, was aber wohl weniger an der Einsicht lag als eher daran, dass sie weiteren Diskussionen mit mir aus dem Weg gehen wollte. Wenn wir sie was trinken sahen, sagten wir nichts, hatte ja keinen Sinn - sie rechtfertigte sich aber von sich selbst aus immer gleich: "Ich hab seit Wochen nichts getrunken, jetzt gönn ich mir wieder mal eins" Aber das erzählte sie irgendwie jedes WE...
Der Kontakt wurde wieder enger, wenn sie uns besuchte, war das meist kurz nach der Arbeit, da hatte sie noch nichts getrunken und dann war ich auch immer gern mit ihr zusammen.
Als der Kleine Anfang 2008 geboren wurde, hofften wir, das mit dem Verwöhnen meiner Tochter würde nun etwas nachlassen. Aber nix da. Sie wird weiterhin überschüttet mit Geschenken, auch wenn wir deutlich sagen, sie soll das jetzt nicht bekommen, dann macht sie es einfach, die Menge wurde auch nicht weniger, sie kauft jetzt halt zusätzlich für unseren kleinen Sohn auch noch was dazu. Er zählt aber nicht wirklich. Meine Tochter ist die Prinzessin, der Kleine interessiert nicht wirklich, die Geschenke sind lieblos ausgesucht, das sieht man - ich glaube, meine Mutter sieht was Schönes für meine Tochter, kauft es, und aus Pflichtbewusstsein sucht sie dann halt für den Kleinen auch irgendwas aus. Ist sie zu Besuch, verzieht sie sich mit meiner Tochter in deren Zimmer, macht die Tür zu und der Kleine ist bei mir. Oder sie gehen in den Garten, der Kleine wird nicht mitgenommen und heult dann natürlich, weil er dabei sein möchte, daraufhin kommt dann immer nur der Spruch: "Bist du aber ein böses Kind!"
Weiterhin wurde ich - wenn auch jetzt zurückhaltender - immer wieder darauf hingewiesen, dass die arme Prinzessin sich ja so ungeliebt fühlt, dass wir zuviel schimpfen, dass sie (meine Mutter) das Gefühl habe, wir würden den Kleinen bevorzugen. Erklären wir, warum sie geschimpft wird und dass sie nicht vernachlässigt wird, aber natürlich ein kleines Kind anfangs noch mehr Aufmerksamkeit benötigt, während meine Tochter mit ihren inzwischen 8 Jahren schon recht selbstständig ist, heuchelt meine Mutter Verständnis ("Achso, ja, das verstehe ich...") Man sieht aber, dass es gelogen ist.
DIE AKTUELLE SITUATION
Alles in allem waren wir aber ganz zufrieden, wie es die letzte Zeit gelaufen war.
Dann, vor ca. anderthalb Monaten, plötzlich wieder das gleiche Spiel... wir waren bei meinen Eltern, meine Tochter hatte Süßigkeitenverbot für ein paar Tage (wegen ständigem Manschen beim Essen), mein Stiefvater wollte ihr ein Eis kaufen und sie sagte von selbst, sie dürfe momentan nicht. Klar findet sie das nicht toll - sonst wärs auch keine Strafe - aber sie akzeptiert es ohne groß zu murren. Mein Stiefvater meinte aber, er hätte ja nix damit zu tun, wir könnten das Verbot ja auf unser zu Hause beschränken, wo es Probleme gegeben hätte, bei ihm hätte sie ja nix angestellt. Ich entgegnete dann, dass ich seine Meinung nicht teile, weil ich es dann gleich lassen könnte - denn in der Schule, in der Nachmittagsbetreuung, im Eiscafé und bei Freunden hat sie ja auch nix angestellt, da könnte sie ja trotzdem den ganzen Tag naschen. Daraufhin wurde er richtig wütend, verließ den Raum und schien sich regelrecht persönlich angegriffen zu fühlen.
Ein paar Tage später riefen meine Eltern meine Tochter an. Wir hatten in diesen Tagen gerade ziemliche Probleme mit ihr und daher kam zum Süßigkeitenverbot noch Zimmerarrest - was sie natürlich am Telefon erzählte. Und wie Kinder so sind, erzählte sie natürlich nicht, warum und wieso und schon gar nicht, dass das nicht so durchgeführt wurde wie man das bei Teenagern macht, sondern sie noch jeden Tag zu den Ferienspielen ging und wir sie auch nie allein daheim ließen, sie also bei Zoobesuchen, auf der Kirmes und beim Einkaufen auch immer dabei war, sich der Arrest also auf die kurze Zeit beschränkte, die wir im Sommer drinnen verbrachten; meistens waren wir eh draußen und unterwegs.
Nun erwartete ich eigentlich, dass meine Eltern erstmal nachfragten bei mir. Aber nein. Meine Tochter kam nach dem Gespräch auf mich zu und erzählte, der Opa wäre total sauer gewesen und habe gesagt, er ließe sich das nicht länger gefallen (ER - wohlgemerkt!) und würde sich da schon durchsetzen und immer zu ihr halten.
Sowas geht natürlich gar nicht. (Wir hatten als Konsequenz am Abend dann auch einen richtigen Terror, weil meine Tochter sich nun bestätigt fühlte, dass sie zu Unrecht behandelt würde und sie randalierte und schrie stundenlang bis spätabends herum!)
meine Mutter rief eine halbe Stunde nach dem Telefonat nochmal an. Ich erklärte ihr die Verbote und dachte, sie hätte nun Verständnis. Aber nein, sie war mal wieder betrunken und dramatisierte... die arme Kleine, wird immer nur geschimpft und bekommt ja auch nie was zum Anziehen (weil sie nie die Dreckwäsche zur Wäsche bringt, sondern versteckt und dann selbst nicht mehr findet), mein Mann würde wohl immer nur die Wäsche machen und nur für sein eigenes Kind waschen, als sie da war, hätte nur Wäsche vom Kleinen an der Leine gehangen (stimmt gar nicht) und sie hätte ja gar keine Bilder an den Wänden in ihrem Zimmer und überhaupt. Sie brach tatsächlich in Tränen aus und übertrieb dermaßen, dass ich nicht mehr weiterwusste. Ich sagte ihr auch, dass wir jetzt wieder schauen müssten, wie es mit dem Kontakt weiterhin aussieht, wenn sie sich schon wieder einmischen und solche Probleme machen. Meine Mutter wollte diskutieren, ich nicht, sagte ihr, sie solle nicht nochmal anrufen und legte auf. Sie rief wieder und wieder an. Dann schrieb sie Mails, machte da wieder meinen Mann schlecht. Sie wisse ja, dass das alles gar nicht von mir käme, ich solle mich nicht unterbuttern lassen, ich sei schließlich auch wer und lauter solche Sachen.
Ein paar Tage später hatte ich einen Termin mit unserer Familienhelferin und erzählte ihr alles. Sie war sofort auch der Meinung, wir sollten da nicht mehr lange rummachen, eine Kontaktsperre wäre angesagt. Wir wollten das aber nochmal beim Hilfeplangespräch beim JA ansprechen, das auch in dieser Woche stattfand. Bis dahin wollte ich noch keine klare Entscheidung treffen, um nichts zu überstürzen.
Meine Mutter rief immer wieder an, wollte mit meiner Tochter sprechen und ich sagte ihr, ich wolle erstmal das Gespräch abwarten und dass ich sie mindestens solange nicht mehr mit ihr telefonieren lassen würde, weil ich mir ja nie sicher sein konnte, was sie am Telefon erzählt.
Sie meinte dann, sie wolle aber doch mal vorbeikommen. Ich sagte ihr, dass ich sie nicht sehen will. Sie schrieb mir daraufhin, sie käme trotzdem, um mir Kleidung für die Kleine vorbeizubringen - sie bräuchte schließlich auch mal frische Wäsche! Ich hatte keine Lust mich ständig zu rechtfertigen und schrieb, sie solle bitte das Essen und Trinken nicht vergessen, da meine Tochter ja sonst jämmerlich verhungern und verdursten müsse.
Sie brachte dann auch die Sachen vorbei, sie hängte sie vor die Tür.
Beim Hilfeplangespräch wenige Tage später wurde beschlossen, dass es erstmal keinen Kontakt (außer brieflichen) geben dürfe, bis auf weiteres. Ich teilte das meiner Mutter dann mit und schrieb, wenn sie noch weitere Fragen habe, solle sie sich ans JA wenden oder das Hilfeplanprotokoll abwarten.
Daraufhin fing ein richtiger Telefon- und SMS-Terror an, vorwiegend am WE, wenn meine Mutter sich schon morgens dem Alkohol widmete. Und immer traf es meinen Mann. Er könne nix und sei nix, er sei nur ein Weichei, wir sollten sie doch bitte zu unserer Scheidung einladen, denn er würde ja doch nie zu mir halten und sie wollten nun das restliche Geld, das sie uns geliehen hatten, was noch offen ist und zwar sofort, sonst Anwalt. Eine sinnlose Drohung, da wir schriftlich vereinbart haben, es in monatlichen Raten abzubezahlen. Und immer wieder die Frage, warum sie denn nicht mit der Kleinen telefonieren dürfe. Wir wären wohl zu feige ans Telefon zu gehen. Es gäbe eine gesetztliche Regelung für den Umgang von Großeltern und Enkelkindern, sie hätten ein Recht darauf; wir würden dem Kind alles nehmen, was ihm wichtig ist und wollten uns dann noch in Rechnung stellen, dass sie uns beim Umzug beim Renovieren geholfen hatten... Wir antworteten irgendwann nicht mehr, schrieben nur noch zweimal, sie solle den Terror unterlassen, da wir sonst rechtliche Schritte einleiten würden.
Dann kam eines Morgens eine SMS: "Nachruf S.M. (meine Initialen), 1982 - 2009. Amen."
Da reichte es mir endgültig, wir gingen zur Polizei. Für eine Anzeige wegen Beleidigung reichte es zwar nicht, aber der Polizist meinte, wir sollte weiterhin alles sammeln, dann könnte es irgendwann für eine Anzeige wegen Mobbing ausreichen. Er würde auch einen Bericht ans JA schicken und versuchen, meine Mutter zu erreichen, um mit ihr mal zu reden. Er rief mich dann später zurück, er hatte sie erreicht, sie hatte auch nichts abgestritten - aber behauptet, wir hätten sie ja auch beleidigt und verleumdet.
Danach hörte es aber nicht auf. Sie rief jeden Tag an, ich ging aber nicht ran. Sie schrieb immer wieder SMS, immer wieder das Gleiche, sie wolle mit der Kleinen reden. Und dann der Spruch: Die ganze Familie könnte mein Verhalten nicht verstehen... d. h. sie hat mich da wieder schlecht gemacht!
Zu guter letzt behauptete sie noch, die Nachbarn hätten angerufen, wir sollten doch mal zusehen, dass bei uns allen in Ordnung ist! Die Nachbarn kennen meine Eltern gar nicht und auch nicht deren Namen und ich glaube das auch ohnehin nicht. Ich wies sie daraufhin, wenn sie bei dieser Behauptung bliebe, würden wir eine Anzeige gegen unbekannt machen wegen Verleumdung und sie als Zeugin angeben, da sie ja dann der Polizei sagen könne, welcher Nachbar das gewesen sei. Darauf ging sie nicht mehr ein.
Vor zwei Wochen hab ich ihr das Hilfeplanprotokoll geschickt, in dem ganz deutlich steht, dass auch das JA es als Gefährdung für meine Tochter ansieht, wenn sie weiterhin Kontakt zu meinen Eltern hat aufgrund der Alkoholkonsums und der ständigen Boykottierung unserer Erziehungsmethoden, da meine Tochter sich so nicht richtig in die Familie mit all ihren Regeln integrieren könne.
Danach bekam ich eine letzte Mail von ihr. Ich sei für sie gestorben, sie sei ja so entsetzt von mir und könne das alles überhaupt nicht verstehen...
FRAGEN, GEFÜHLE, GEDANKEN
Seitdem ist Ruhe und langsam gehts mir nervlich wieder besser. Trotzdem belastet mich die Situation. Es ist nunmal meine Mutter und ich vermisse sie bzw. unser früheres gutes Verhältnis zueinander.
Ich weiß, dass ich an ihrem Verhalten nichts ändern kann und dass es richtig ist, wie ich handele, aber es ist trotzdem schwer für mich, damit klarzukommen, weil es ja auch nicht absehbar ist. Vielleicht kommt sie irgendwann mal zu sich und merkt, dass sie ein Problem hat, wahrscheinlich eher aber nicht... ich frage mich, ob ich jemals wieder Kontakt mit ihr haben werde.
Und dann gibts da eine Frage, die mir seit Tagen schwer zu schaffen macht: Warum bin in der Familie ich die einzige, die erkennt, dass meine Mutter ein Problem hat? Es ist ja nicht so, dass sie es verheimlicht, dass sie Alkohol trinkt. Sie trinkt gern und viel, steht dazu, behauptet aber, kein Problem zu haben. Also andere bekommen auch mit, wie sie betrunken Auto fährt. Finden das aber anscheinend völlig normal. Ich muss dazu sagen, dass in meiner Verwandtschaft jeder gern mal einen übern Durst trinkt und das da nicht so eng gesehen wird - allerdings habe ich einen Onkel, der auch ein Alkoholproblem hat, nicht unbedingt mehr trinkt als meine Mutter, aber da findet es die Verwandtschaft nicht mehr ok. Bei meiner Mutter aber sieht da keiner ein Problem. Wie kann man bei einem Verwandten das Problem erkennen und benennen und beim anderen so konsequent wegschauen??
Ich frage mich auch, was genau das eigentliche Problem meiner Mutter ist... Alkoholismus ist ja immer nur ein Symptom. Sie scheint eine extrem verzerrte Wahrnehmung zu haben, sieht nur das, was sie sehen will...
Tja, weiß jetzt gar nicht so genau, was ich hier erwarte... Wer sich die Mühe gemacht und den gesamten Roman gelesen hat, kann mir ja vielleicht mal seine Gedanken dazu schreiben...
Ich danke schonmal im Voraus. Werde wohl erst einige Zeit später wieder reinschauen, da es wohl eine Weile dauern wird, bis sich jemand hier durchgeackert hat...
LG, Sonnenblume |
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