| Bin am noch ganz am Anfang • alte Pfade - ich suche neue Wege und brauche Eure Hilfe |
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Wilson neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.08.2009 Beiträge: 35 Alter: 42 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 20.08.2009, 20:56 Titel: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Ich möchte mich erst mal kurz vorstellen:
Ich bin alkoholkrank und seit zwei Tagen nüchtern.
Ich konsumierte jahrelang 100g reinen Alkohol pro Tag.
Transportmittel: Bier und Wein.
Ich stecke mitten in der Entgiftung (ambulant) und suche mir gerade einen Therapieplatz zwecks Ursachenforschung.
Ich bin euch allen hier sehr zum Dank verpflichtet, insbesondere seien hier mal Karsten, kommal, Jana66 und liv genannt, die mir sofort nach meiner Vorstellung geholfen haben.
Viele Berichte haben mich vollkommen schockiert.
Jetzt bin ich entschlossen, nüchtern zu bleiben. Und zwar für den Rest meines Lebens. Damit das auch noch ein langer und schöner Rest wird.
Das berühmte Bild vom LKW, der mich ja übermorgen überfahren könnte, greift nicht mehr. Ich will hier und jetzt nüchtern das Leben mit allen Sinnen genießen.
Aber der Thread den ich heute las, in dem "spiegel" seine Haltung zum Comingout gegenüber seinem Arbeitgeber darlegt, hat mich sehr nachdenklich gemacht.
Er ist sich darin total sicher, dass er seinen Job los ist, sobald sein Arbeitgeber von seiner Alkoholkrankheit erfährt...ganz gleich wie progressiv er sich verhält und sich hat helfen lassen.
Ich finde, dass ist eins der größten Probleme der Alkoholsucht:
Die Gesellschaft, die einen oft emotional insofern erpresst, doch bitteschön zumindest aus reiner Höflichkeit mal "einen mitzutrinken", ist die selbe Gesellschaft, die einen sofort meidet und ausgrenzt, wenn man sagt: Ich bin Alkoholiker.
Klar, eigentlich ist das ja ein alter Hut.
Aber genauer betrachtet erkenne ich darin mein ganz persönliches Hauptproblem. Ich habe große Sorge, dass mich mein Freundes- und Bekanntenkreis nicht mehr für voll nimmt (entschuldigt bitte diesen unfreiwilligen Zynismus), wenn sie merken, dass ich ganz und gar keinen Alkohol mehr trinke. "Mal ein Bierchen" ist ausgeschlossen, weil ich alkoholkrank bin und nicht mehr aufhören würde zu saufen bis nichts mehr da ist oder ich nicht mehr kann.
Ich habe einfach Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden.
Ganz egal, wie stolz ich auf mich wäre.
Man ist auf Lebenszeit gebrandmarkt.
*seufz. Das musste ich einfach mal loswerden. |
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| Wilson hat zum Thema: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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spiegel neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.08.2009 Beiträge: 121 Alter: 51
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Verfasst am: 20.08.2009, 21:35 Titel: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Hallo Wilson,
ich wünsche dir, dass aus den 2 Tagen der Rest deines Lebens wird.
Und zwar DEINES Lebens, nicht das Leben deiner Feunde.
| Zitat: | | Ich habe große Sorge, dass mich mein Freundes- und Bekanntenkreis nicht mehr für voll nimmt |
Wenn das wirklich dein Hauptproblem ist (entschuldigung, das ich das jetzt so hart sage), hast du schon halb verloren. Von deinen trinkenden Freunden
| Zitat: | | nicht mehr ernst genommen zu werden |
sollte nicht dein Problem sein.
Wie wärs mit anderen Freunden (ich weiß, leicht gesagt) ? Ich habe den Kontakt zu nahezu allen früheren "Kumpels" weitgehend abgebrochen.
Ich glaube, vielleicht ist das aber nur mein persönliches Problem, dass ich ohne alkoholfreies Umfeld irgendwann einen Rückfall hätte.
Und Wilson, es ist für dich nicht lustig, in bechernder Runde nüchtern zu sein (du wirst dich wundern, welches Niveau Gespräche bei 2 Promille annehmen), aber es ist auch für deine Freunde nicht lustig, eine "Spaßbremse" am Tisch zu haben - deswegen weden sie dich immer wieder animieren. Nicht weil sie dir was Böses wollen, sondern weil sie es einfach nicht verstehen.
Ich denke, das trockene Leben kann nicht zu 100 % wie das nasse sein, nur ohne Alk. Das funzt nicht.
Und noch was (ich hör schon, wie im Hintergrund die Therapeuten und die, die es gern wären, aufschreien):
| Zitat: | | Therapieplatz zwecks Ursachenforschung. |
Woher weißt du, dass es eine Ursache gibt ? Bei mir sehe ich z.B. keine Ursache (mein Therapeut bislang auch nicht), sondern das folgerichtige Ende eines schleichenden sehr langsamen Vergiftungsprozesses. Da gibt es keinen Schuldigen und keine einzige Ursache (außer der, da hast du Recht, dass Alk in unserer Gesellschaft anerkannt ist und dazugehört).
Wilson, ich wünsche dir alles Gute und dass du es schaffst. Noch ein letzter, persönlicher Ratschlag:
Ich mache gerade, aus Gründen, die du kennst (kein outen bei der Arbeit ohne üble Nachteile möglich), eine ambulante Therapie. Ich bin mir inzwischen sicher, dass eine stationäre (möglichst lange) für mich besser wäre. Nicht so sehr wg. Saufdruck, sondern wg. der körperlichen Probleme, die mit dem Wegfall des Alks kommen (nicht bei allen aber bei mir. Und damit meine ich nicht Entzugserscheinungen, die wird man in der Entgiftung los).
Also nochmal, bleib trocken und denk über ein alkoholfreies Umfeld in einer alkoholgeschwängerten Gesellschaft nach.
Alles Gute
spiegel |
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| spiegel hat zum Thema: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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Gotti sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.02.2008 Beiträge: 3354 Alter: 51 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 20.08.2009, 21:39 Titel: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Hallo Wilson und Herzlich Willkommen hier im Forum!
Du wirst auf diesem Weg auf jeden Fall erkennen, wer ein echter Freund sein kann. Entweder sie finden es gut, was du für dich machst, unterstützen deine Trockenheit, oder sie werden es vlt. später od. nie begreifen.
Bei uns ist es auch ruhig geworden. Bei uns wird nicht mehr so "gefeiert", obwohl wir auch mit Verwandten und Freunden viel Spaß haben können.
Mit Saft und Wasser und so weiter.
Es ist am Anfang vlt.traurig, vlt. einsam.
Aber du darfst nicht verbittern.
Was ist ein Freund wert, der einem nicht mal in einer Krankheit beisteht?
Arbeite an deiner Zufriedenheit - Therapie finde ich sehr gut - und nur das zählt.
Alles andere findet sich.
Ich schicke dir eine Portion Geduld, Kraft und Mut um deinen neuen, trockenen Weg für DICH zu gehen. Ganz egal was kommt.
Liebe Grüße, Gotti. |
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| Gotti hat zum Thema: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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spiegel neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.08.2009 Beiträge: 121 Alter: 51
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Verfasst am: 20.08.2009, 21:44 Titel: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Hallo Wilson,
habe eigentlich das Gleiche gemeint wie gotti, schreib nur immer etwas komisch.
Alles Gute
spiegel |
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| spiegel hat zum Thema: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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zerfreila sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.01.2009 Beiträge: 10355 Wohnort: trocken seit: 07-06-2008
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Verfasst am: 20.08.2009, 21:57 Titel: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Hallo Wilson,
herzlich willkommen im Forum. Mit der gesellschaftlichen Doppelmoral hast Du sicherlich recht, aber was bringt es Dir, Dich daran zu reiben oder gar aufzureiben?
"Die Gesellschaft" würde ich bei Deiner persönlichen Trockenheitsarbeit mal ganz außer Acht lassen, zumal Du noch ganz am Anfang Deiner Trockenheit stehst.
Du schreibst, dass Du Dich von *"der Gesellschaft" emotional erpresst* fühlst und *man auf Lebenszeit gebrandmarkt* sei. Mit dieser Einstellung kannst Du Dir m.E. ziemlich großen Druck aufbauen, und zwar Du Dir selbst aufbauen.
"Die Gesellschaft", Doppelmoral hin oder her, sollte Dir erstmal ziemlich wurscht sein. Denn es geht ja um Dich ganz persönlich und um Deine ganz persönliche Trockenheit.
Und noch 'was zum Schluss. Es wimmelt ja in unserer Gesellschaft nur so von süchtigen Menschen. Glaub mir, viele wären froh, suchtfrei zu leben und ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir das Gegenteil von Ächtung oder Verachtung entgegenkam auf meinem trockenen Weg, sondern vielfach Lob und Anerkennung und sogar Bewunderung, auch wenn ich darauf nicht angewiesen bin, so nehme ich dies doch nicht ohne Freude zur Kenntnis.
Du bist das Wertvollste, was Du hast. Du bist wichtig und gesellschaftliche Doppelmoral, finde ich, sollte Dir erstmal ein untergeordnetes Thema, vielleicht für später, sein.
So meine Meinung. Ich wünsche Dir einen guten Weg.
Liebe Grüße
zerfreila |
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| zerfreila hat zum Thema: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32803 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 20.08.2009, 21:57 Titel: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Hallo Wilson,
wenn Freunde nicht akzeptieren können, deine Krankheit nicht achten, dann können es keine Freunde sein, denn Freundschaft macht mehr aus, als früher mal gemeinsam gesoffen zu haben.
Gruß
Karsten |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14427 Alter: 46
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Verfasst am: 20.08.2009, 22:18 Titel: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Hallo Wilson,
nochmal herzlich Willkommen außerhalb des Vorstellungsbereichs! Ich bin zwar nicht Jana, aber eine 66 hab ich auch hintendran, grins.
| Zitat: | Ich will hier und jetzt nüchtern das Leben mit allen Sinnen genießen.
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Da genau kannst du ansetzen. Lecker kochen und essen, Blumen auf den Tisch, Photographieren, Hund kraulen - was auch immer das für dich ist, DEINE Sinne satt zu machen und den Tag gut und sinnvoll zu gestalten.
Den Fokus auf DICH lenken ist wie die anderen schon geschrieben haben wichtig, denn die Gesellschaft ist draußen...
DU bist jetzt dran.
Lieber Gruß und gutes Ankommen hier,
Linde |
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| Linde66 hat zum Thema: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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kommal sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.06.2007 Beiträge: 6388 Alter: 53 Wohnort: Niederrhein
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Verfasst am: 21.08.2009, 05:07 Titel: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. |
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Hallo Wilson,
| Zitat: | | Man ist auf Lebenszeit gebrandmarkt. |
DU bist auf Lebenszeit krank.
Ich habe gleich nach meinem Arztgespräch meine Firma besucht und mit den Kollegen und Vorgesetzten gesprochen. Respekt und Zuspruch waren das Echo,genau wie im privaten Umfeld.
Ich hab´s für mich getan, denn ich war mir bewusst: DIE Hintertür habe ich mir zu gemacht.
LG kommal |
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| kommal hat zum Thema: Re: Gesellschaftliche Doppelmoral: Eine harte Nuss. geschrieben
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