Maria sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.10.2007 Beiträge: 5582
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Verfasst am: 11.08.2009, 18:23 Titel: Re: ohne alkohol ist alles anders! |
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| Zitat: | | Hab mich zu oft verrannt und mag das net aber es ist eben unumgänglich |
Nö... das seh ich anders.
Ich habe mich auch oft verrannt, denn ich habe eine sehr ausgeprägte Orientierungsschwäche. Die zeigt sich in allen Bereichen.
Was ich lernen musste war, einfach nach dem Weg zu fragen
Was du beschreibst mit den Gefühlen... ja... sie können einem schon echt Angst machen - mit ihrer Wucht. Doch ich finde immer noch besser als nichts zu fühlen, weil alles tot oder betäubt ist.
Ich sehe es mittlerweile so, daß wenn ich ehrlich sage, wie es in mir drinnen aussieht, niemanden weh tue. Ich tue nur weh, wenn ich nicht die Wahrheit sage und meine Leute im Glauben lasse, ganz anders zu sein. Das tut weh. Aber nicht nur meinen Leuten, vor allem tut es mir weh. Weil ich mich nicht zeige, wie ich bin.
Lg Mieken |
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espoir sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.11.2008 Beiträge: 1150 Alter: 44
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Verfasst am: 11.08.2009, 20:47 Titel: Re: ohne alkohol ist alles anders! |
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Hallo Nine,
deine Schilderung über deine Freundin, die offensichtlich mit der veränderten Nine nicht zurecht kommt, hat mich sehr stark angesprochen. Ich erlebe nahezu dasselbe mit meiner "besten Freundin" und hatte mir dazu schon Ende Februar Gedanken gemacht:
| Zitat: | Ich hatte gestern ein Telefonat, im Laufe dessen mir zwar nicht im Wortlaut, aber sinngemäß vorgeworfen wurde, ich müsse aufpassen
1. kein militanter Abstinenzler zu werden
2. nicht so häufig "zu psychologisieren".
Warum piekst mich das so an?
Nun, was meine Abstinenz angeht, bin ich persönlich der Ansicht, dass ich das gut hinkriege. Meine Wohnung ist absolut alkoholfrei und weder Supermarktregale noch Restaurant-Besuche triggern mich. Bei privaten Anlässen unterscheide ich sehr wohl den Anlass - geht es ohnehin nur darum, sich ordentlich zu betrinken, bleibe ich fern, ansonsten, also bei eher "normalen" Zusammentreffen, suche ich bewusst oder unbewusst die Nähe anstinenter Menschen und fahre gut damit.
Etwas, das mich schon immer abgestoßen hat, sind Menschen, die missionarisch unterwegs sind.
[...]
Staubtrockene Abstinenz-Päpste langweilen mich eher mit ihren gebetsmühlenartig heruntergeleierten Parolen. Ich möchte das Recht haben, auf mich aufzupassen und mein Leben mit Herz und Verstand zu meistern, ohne dabei Achtsamkeit und Wachsamkeit zu vernachlässigen. Und so wie ich behandelt werden möchte, behandele ich eben auch andere Menschen. Natürlich bleibt es nicht aus, dass mein Blick geschärft ist und ich vieles beobachte, wozu ich mir dann meine eigene Meinung bilde. Das finde ich auch gut so, das ist für mich ein Teil meiner Trockenheitsarbeit und entspricht eben der o.g. Wachsamkeit. Aber ich muss eben nicht um jeden Preis missionieren, dazu bin ich viel zu sehr mit mir selber beschäftigt.
Nun, was ich sagen will, ist, dass ich mir sehr wohl im Klaren darüber bin, dass die eine oder andere Freundschaft auf der Strecke bleibt, warum sollte das nur anderen Ex-Trinkern so gehen? Ich hatte aber gehofft, dass diese besagte Freundin unbefangener mit meiner Sucht umgeht, dass sie neugierig Fragen stellt, anstatt sich verschreckt zurückzuziehen und notfalls Vorwürfe zu formulieren.
Dasselbe gilt für mein "Psychologisieren". Ich bin so froh und dankbar, dass sich meine Gesprächskultur im Laufe meiner Therapie verändert hat und ich bei Bedarf ernsthaft und konstruktiv an ein Problem herangehen kann und es dabei weder bagatellisiere noch dramatisiere. Nun heißt es, ich sei zu sachlich, es fehle die Wärme und das Mitgefühl. Da bin ich dann fast schon wütend geworden. Ich dachte, da bräuchte jemand einen Gedankenschubser, eine andere Sichtweise, einen Impuls - kurz: Hilfe zur Selbsthilfe. Und dann sowas.
Ich bin schlichtwegs ent-täuscht. Ich habe mich selber getäuscht, indem ich mir ausgemalt habe, wie toll sachlich und vernünftig wir meine Krankheit in unsere weitere Freundschaft einbauen können. Aber so wie es aussieht, hätte ich ihr eher eröffnen können, dass ich künftig im Rollstuhl sitzen werde und wir unsere komplette Wohnung umbauen müssen. Hauptsache, es betrifft nicht ihr goldenes Kalb.
Wie geht ihr mit so etwas um?
In meinem Kopf dämmern erstmals so Gedanken wie "Verabschiede dich sicherheitshalber schon mal. Euer gemeinsamer Weg scheint zu Ende zu sein!" Kann ich irgend etwas tun, damit es doch nicht soweit kommt? Ohne dabei meine Seele zu verkaufen? |
Weißt du, Nine, gerade weil du es so formulierst:
| Zitat: | Oder das Gefühl mit meiner Freundin.....mit jedem gespräch wird es kühler und flaut immer ab.......aber genauso auch von der anderen seite......
fühl mich oft unverstanden. |
... trifft es voll ins Schwarze - zumindest bei mir.
Ich habe einfach im Laufe meiner Abstinenz begreifen müssen, dass sich nicht nur die Lebenswege an sich auseinander entwickelt haben, sondern die beteiligten Frauen. Ich bin ihr fremd geworden, und ich kann sie in vielen Punkten nicht mehr verstehen. Unsere Freundschaft hat sich nicht mit einem Paukenschlag aufgelöst, aber wo früher mal proseccogeschwängert von soulmate die Rede war, ist heute nur noch ein freundliches Geplänkel. Es macht nicht wirklich Spaß, aber es tut auch nicht weh, also lasse ich es einfach laufen.
Das ist übrigens eine ganz einschneidende Erfahrung, die ich im Laufe meiner Abstinenz machen musste. In meiner SHG z.B. sagen viele, dass "die echten Freunde" trotz Abstinenz geblieben seien. Und die unechten, auf die man ja bekanntlich sowieso pfeifen kann, die hätten sich vom Acker gemacht. Bei mir ist das völlig anders. Ich habe nahezu keinen Kontakt mehr aufrecht halten können, und noch Anfang des Jahres hat mir das einen dicken Kloß im Hals beschert. Mittlerweile bin ich soweit, mir endlich mal die Leute anzuschauen, die ich erst nach meiner Entgiftung kennen gelernt habe. Und weißt du was? Das sind erstens gar nicht einmal so wenige, und zweitens sind das einfach tolle Leute, die mich so akzeptieren, wie ich bin. Denn alkoholbedingt verändert haben die mich ja nicht mehr erlebt - und werden sie auch nicht!
Liebe Nine, ich hoffe, ich habe jetzt nicht völlig an deinem Thema vorbeigeschwafelt... Ich möchte dir nur sagen: Warte ab! Entweder eure Freundschaft überlebt das, oder du lernst neue Leute kennen. Setzt dich da nicht so unter Druck und akzeptiere deine Trauer oder dein Unwohlsein. Manche Dinge regeln sich - manchmal - auch von alleine.
Alles Gute dir weiterhin
espoir |
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