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Autor Nachricht
Maria
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.10.2007
Beiträge: 5412

BeitragVerfasst am: 17.06.2009, 17:44    Titel: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo @all,

wie oder woran habt ihr erkannt, daß es nicht reicht weniger zu trinken, sondern eine Suchterkrankung vorliegt und eine Abhängigkeit besteht?

Ich habe mehrere Jahre Trinkpausen hinter mir (weiß ich erst jetzt), um meine Abhängigkeit überhaupt anzuerkennen. Habe mich immer wieder mit anderen verglichen und so meinen Konsum gerechtfertigt. Irgendjemand hat ja immer mehr getrunken und es war auch immer jemand da, mit mehr Promille, der auffälliger war, als ich.

Erst als ich begann mich mit der Alkoholkrankheit zu beschäftigen und mich mit der Suchterkrankung auseinander gesetzt habe, konnte ich die Abhängigkeit für mich annehmen.

Wie war das bei Euch?
Kam der Impuls von euch selbst oder auf Drängen von außen?
Was hat Euch veranlasst, vor dem Alkohol zu kapitulieren?

Lg Mieken
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Maria hat zum Thema: Alkoholabhängig? geschrieben
zerfreila
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 01.01.2009
Beiträge: 9813
Alter: 54
Wohnort: Deutschland

BeitragVerfasst am: 17.06.2009, 21:41    Titel: Re: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Mieken,

auch ich habe über Jahrzehnte nie regelmäßig gesoffen, sondern sporadisch. Wenn für mich alles gut war, habe ich kaum getrunken oder auch gar nicht. So waren bei mir abstinente Phasen von zwei Wochen bis drei Jahren möglich. In Krisenzeiten war mein Trinkverhalten so, dass ich zur vermeintlichen Erleichterung soff, auch nicht täglich, aber insgesamt eben häufiger. In meinem letzten Alk-Jahr soff ich so zweimal die Woche Vollrausch, ich konnte dann nicht mehr aufhören, damit war die Woche eigentlich gelaufen, da ich zwischen den Saufabenden mit Regeneration, körperlich wie seelisch zu genug zu tun hatte. Das gefiel mir nicht mehr, das war mir zu häufig und zu heftig. Ich fühlte mich niedergeschlagen und schwach. Das wollte ich nicht mehr. Es war mein eigener Entschluss, dauerhaft abstinent zu leben. Wieder die volle Lebensqualität zurückzugewinnen. Von außen gab es keinen Impuls, ich hatte mir ja auch angewöhnt, mich abends zuhause allein zu benebeln, während ich auf Feiern oder Veranstaltungen oft der einzige Nüchterne war. - Dass ich zu Saufzeiten keine Entzugserscheinungen, keinen Zittern und so kannte, nicht täglich und morgens saufen musste, war mir zum Zeitpunkt meines Entschlusses vollkommen unwichtig, früher war mir dies im Vergleich mit anderen Trinkern vielleicht Alibi, weiß ich aber nicht mehr so genau. - Durch die Arbeit und den Austausch hier im Forum kam ich eigentlich erst so nach und nach zu der Auseinandersetzung mit meinen Suchtstrukturen. - Gut, dass Du so interessante Themen eröffnest.

-zerfreila-
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zerfreila hat zum Thema: Re: Alkoholabhängig? geschrieben
ClaudiA
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 28.06.2007
Beiträge: 2578
Alter: 40
Wohnort: in meinem Nestchen in Bayern

BeitragVerfasst am: 17.06.2009, 23:45    Titel: Re: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Mieken,

yo - find ich auch - gute Frage ;o)

Vor meiner Zeit als tatsächlicher Alkoholiker war ich sicherlich einer der Menschen, die Alkohol teils mißbraucht haben. Ich habe ihn auch regelmäßig getrunken, allerdings war diese Regelmässigkeit eben ca. 2 mal im Monat wenn es um Party machen ging. Am näxten Tag war mir dann meist recht übel und das Thema Alkohol hatte sich wieder erledigt.

Nie habe ich Alkohol als Genussmittel angesehen (Glas Wein zum Essen oder so), sondern immer als Rauschmittel. Ich wurde lustiger etc... macht ja auch mehr "Spass", wenn ich um die Häuser gezogen bin...

Okay, ich seh schon, ich kann meinen obigen Satz
Zitat:
teils mißbraucht
schon wieder revidieren: ich habe den Alkohol als Rauschmittel eingesetzt - ergo Missbrauch.

Der Knackpunkt, als ich ihn dann WISSENTLICH mißbraucht habe, war der, als ich aus Frust angefangen hab zu trinken. Ich wollte benebelt durch die Welt gehen, die mir nicht gefallen hat. Als sich meine Welt dann wieder zu der Welt entwickelte, die mir gefallen hat, dachte ich, daß ich den Alkohol nun ja auch wieder sein lassen könnte (nach ca. 1.5 Jahren).

Aber es ging nicht mehr. Denn mein Körper verlangte bereits danach. Da habe ich dann auch gemerkt, daß ich mir wohl ein neues "Problem" zugelegt hatte. Aber nachdem Verdrängung ja alles war, habe ich weitere 1.5 Jahre damit verbracht, mich zu berauschen. Die Dosis stieg immer höher... Tage ohne Alkohol gab es so gut wie keine.

Mein Umfeld bemerkte nicht viel, bzw. hat mich auch nicht darauf angesprochen, wenn sie es denn doch bemerkt hatten. Mein damaliger Freund merkte ab und an was....und das auch mit der Zeit eben öfter, das ganze Ausmaß war ihm aber keinstenfalls bewußt, wie er mir später in Gesprächen mitteilte. Er wollte mich nur frühzeitig warnen, daß das, was ich da mache, gefährlich sein könnte.. ich könnte Alkoholikerin werden. Dabei war ich es ja bereits seit ...keine Ahnung... wohl 3 Jahre lang, eben als ich mich das erste Mal wissentlich betäuben wollte. Definitiv sicher war ich mir aber darüber nach diesen 1.5 Jahren.

Und irgendwie wußte ich von vornherein, daß ich da alleine nicht mehr rauskomme, denn ich war mir gegenüber zu schwach und zu nachgiebig. Nichtsdestotrotz hatte sich aber von einem Tag zum anderen der Wunsch aufgedrängt, daß ich weg vom Alkohol wollte. Also abrupt aufgehört, mich durch´s I-net gelesen, hier gelandet, und mit Hilfe des Forums meinen trockenen Weg bis heute beschritten Winken


Liebe Grüße
ClaudiA
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ClaudiA hat zum Thema: Re: Alkoholabhängig? geschrieben
dorothea
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 7383
Alter: 48
Wohnort: Salzgitter

BeitragVerfasst am: 18.06.2009, 08:07    Titel: Re: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo

wo ist eigentlich der unterschied zwischen mißbrauch und süchtigem trinken? vielleicht sollten wir hier mal ein paar punkte zusammen tragen die für euch den unterschied ausmachen, wo seht ihr die schwelle überschritten? es ist ja niemand süchtig weil er sich mal total betrinkt.

für mich gibt es folgende punkte die mir aber erst nach jahren des saufens klar wurden.
1. ich wurde unruhig wenn kein alkohol im haus war, mein ganzes denken drehte sich nur darum alkohol zu bekommen.
2. wenn ich angefangen hatte mußte ich trinken bis zum stillstand der augen.
3. ich habe meine termine so gelegt das ich abends in ruhe saufen konnte.
4. ich habe alles hinter den alkohol angestellt, nichts war so wichtig wie das ich alkohol greifbar hatte, dafür bin ich sogar nachts zu fuß kilometerweit zur tankstelle gelatscht.

das sind erstmal so die sachen die mir spontan eingefallen sind und für mich den unterschied ausmachen.

doro
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dorothea hat zum Thema: Re: Alkoholabhängig? geschrieben
Maria
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.10.2007
Beiträge: 5412

BeitragVerfasst am: 18.06.2009, 08:41    Titel: Re: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich habe Gründe gesucht und mein Leben so ausgerichtet um entschuldigt trinken zu können. So habe ich mich grundsätzlich überfordert und mit dem Alkohol belohnt.

- mir ging es ausschließlich um die Wirkung
- das erste Glas habe ich gierig in einem Zug gelehrt
- habe mir Zeiten gesetzt, an denen ich anfangen durfte (wurde im Verlauf von der Uhrzeit immer früher)
- habe Rituale celebriert, um trinken zu dürfen

Ich sorgte dafür, genug Vörrate zu Hause zu haben, ansonsten wurde ich unruhig.

Außerhalb (auf Feiern) trank ich eher wenig, aus Angst aufzufallen.

Ich zog mich mehr zurück, um unbeobachtet trinken zu können.

Das Trinken selbst verschaffte mir keine Erleichterung mehr.

Rückblickend erkenne ich, daß der Übergang vom missbräuchlichen Trinken bis hin zur Abhängigkeit schleichend erfolgte.
Jedoch musste ich immer wieder bis zum totalem Absturz zu trinken, schon bei den ersten Kontakten mit Alkohol in meiner Jugendzeit. Eine Grenze nach dem ersten Glas oder geringeren Mengen aufzuhören, fehlte mir komplett. Ich hatte stets den Drang mehr zu trinken.

Mieken
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Maria hat zum Thema: Re: Alkoholabhängig? geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 10069
Alter: 49

BeitragVerfasst am: 18.06.2009, 12:45    Titel: Re: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Mieken,

mal schnell aus dem Kur-Internetcafé meine Gedanken dazu. Winken

wenn ich freiwillig kontrolliert Alkohol trinke um einen gewissen Zustand zu erreichen betreibe ich einen Missbrauch. Wenn ich jedoch Alkohol trinken muss und es nicht mehr unter Kontrolle habe, um diesen Zustand zu erreichen, bin ich abhängig.

Da nun der Übergang fliesend ist , wird es schwer zu unterscheiden sein, wann das freiwillige ,in ein Muss übergeht. Mit meinem damaligen ,suchtorientiertes, nassen Denken war es mir nicht möglich, realistisch genug beurteilen zu können ,das ich schon krank war.

Erst als zusätzliche , erkennbare, körperliche und geistige Folgen dazu kamen war es mir klar. Bis ich es für mich kapieren wollte ,das es keinen Ausweg mehr gab , außer die Abstinenz ,vergingen noch leidvolle Jahre un dTiefpunkte.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Alkoholabhängig? geschrieben
leben
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.06.2008
Beiträge: 1329
Alter: 50
Wohnort: Rheinland-Pfalz

BeitragVerfasst am: 19.06.2009, 15:14    Titel: Re: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Mieken,

wann genau der Zeitpunkt war wo ich für mich bemerkt habe dass ich abhängig bin?? Gute Frage, weiss ich nicht. Ich habe vor Jahren schon versucht mal ein paar Tage oder Wochen nicht zu trinken habe das damals aber nicht als Sucht angesehen. Später dann habe ich direkt nach der Arbeit getrunken und als ich dann auch schon in der MP getrunken hab war mir das schon klar. Nur tat ich das noch als "Ritual" ab. Dann kamen so Phasen wie Urlaube, wo ich mir einredete ich trinke nichts und bin dann gesund!! Wie gefährlich dies war, daran darf ich gar nicht denken. Dann die Heimlichkeiten. Spätestens jetzt wurde es Zeit. Aber falsch gedacht: Morgen, Morgen, Morgen, Morgen und immer so weiter. Und dann gings ganz schnell (als hätte jemand einen Schalter umgelegt): Bin nach der Arbeit zur Chefin (betrunken!!!!) und habe es ihr erzählt. Dann Arzt. Hätte ich ..... wäre usw. Jahre hätten es sein können wenn ich mir nicht in die Tasche gelogen hätte. Wenn mir aber jemand gesagt hätte ich wäre abhängig, den hätte ich gefre.....

LG
Leben
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leben hat zum Thema: Re: Alkoholabhängig? geschrieben
Maria
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.10.2007
Beiträge: 5412

BeitragVerfasst am: 19.06.2009, 21:17    Titel: Re: Alkoholabhängig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Zitat:
Da nun der Übergang fliesend ist , wird es schwer zu unterscheiden sein, wann das freiwillige ,in ein Muss übergeht.


In meiner trinkenden Zeit hätte ich das auch nicht unterscheiden können. Ich weiß es auch bis heute nicht; ist mir auch nicht ganz so wichtig.
Auf jeden Fall war es lange Zeit bevor ich mir überhaupt Gedanken drum gemacht habe, daß was mit meinem Konsum in soweit nicht stimmt, daß die alleinige Abstinenz die einzige Möglichkeit ist.

Falls ich Gedanken in dieser Hinsicht hatte, hab ich sie mir weggetrunken. Habe ich eh mit allen Gedanken oder Gefühlen gemacht, die mich in irgendeiner Form geängstigt haben.

Zitat:
wo ist eigentlich der unterschied zwischen mißbrauch und süchtigem trinken? vielleicht sollten wir hier mal ein paar punkte zusammen tragen die für euch den unterschied ausmachen, wo seht ihr die schwelle überschritten?


Jedoch führt regelmäßiger Mißbrauch zur Abhängigkeit.
Ich war noch nicht körperlich abhängig. Bin aber nun im Zuge Abstinenz immer wieder extrem erstaunt, wie sehr ich psychisch abhängig war. Welche Macht der Alkohol über mich hatte und wie fest verwurzelt das ist.

In unserem Pfarrheim gab es damals eine Aufklärung über Alkohol und den Folgen des Alkoholmissbrauchs. Unser Jugendleiter kam aus einer größeren Stadt und war entsetzt, wie sorglos wir Jugendliche auf dem Dorf mit Alkohol umgingen.
Dort wurde auf die ersten Anzeichen aufmerksam gemacht, bei welchen Trinkgründen man hellhörig werden sollte. Ich habe mit 15 Jahren bereits die dringende Empfehlung gehabt meinen Konsum zu überprüfen.

Zitat:
es ist ja niemand süchtig weil er sich mal total betrinkt.


Ich weiß nicht. Auch wenn man sich (mal) total betrinkt, heißt es doch, daß keine natürlich Grenze vorhanden ist, die einen warnt. Somit muß doch eine gewisse Anlage da sein, zumindest für den Mißbrauch. Warum sollte ich mich sonst betrinken?

Zitat:
Wenn mir aber jemand gesagt hätte ich wäre abhängig...


Ich habe zuletzt drauf gewartet, daß es mir jemand sagt. Ich habe regelrecht provoziert, noch mehr getrunken. Habe mich (weil mich niemand drauf ansprach) noch mehr in mein Selbstmitleid begeben und wieder mehr getrunken.

Es hat keine Erleichterung mehr gebracht.
Aber vlt. dadurch die Erkenntnis, entweder weiter Selbstmord auf Raten oder endlich mit Leben beginnen.

Mieken
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Maria hat zum Thema: Re: Alkoholabhängig? geschrieben

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