| Mora´s Thread • Freiheit oder Einsamkeit? |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
julchenazul neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.06.2009 Beiträge: 81 Alter: 27
|
Verfasst am: 17.06.2009, 16:40 Titel: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr |
|
|
Hallo,
mein Mann ist Alkoholiker und ich bin glaube ich Co-Abhängig. Das Problem ist, dass mein Mann nicht täglich trinkt und daher denkt, er wäre nicht abhängig, alle paar Wochen hat er seine "Saufphase", das ist immer unterschiedlich, mal ist es so 3-6 Wochen, mal ist es auch alle zwei Monate nur. Zur Zeit ist es mal wieder wöchentlich und dann auch immer über ein paar Tage, so in der Regel sind es drei. Er sagt, ab und zu das er Süchtig ist oder ein Probelm hat, aber er versteht nicht, dass wenn man einmal abhägig war immer abhägig bleibt. Er trinkt halt gerne mal, so seine Aussage. Ich versuche ihn so sehr zu überzeugen, aber ich rede mir meinen Mund fusselig. Letztes Jahr habe ich ihm gesagt, dass er sich eine Therapeutin suchen muss, er war auch da so ungefähr 3 Monate, hat dann aber gesagt, er geht da nicht mehr hin, weil es so langweilig ist. Die Zeit, die danach kam, war die schrecklichste in meinem Leben, von da an, hat er fast jedes Wochenede getrunken und ich habe ihn noch nie so sehr besoffen gesehen, er hat gegen die Haustür gepinkelt, ins Bett, hatte Filmrisse usw. Es war so schlimm, bis er eine Woche lang 5 Tage nur getrunken hat. Seit dem lebe ich überwiegend bei meinen Eltern. Ich hab es nicht mehr ausgehalten, diese Machtlosigkeit, ich habe alles versucht, mit ihm zu reden, seine Familie zu informieren, ihm sein geld weggenommen und ich selber habe mit ihm überhaupt nichts mehr getrunken. Ich habe ihm dann im Herbst letztes Jahr zu einer Gruppe Anonyme Alkoholiker mitgeschläppt, ich bin zu anfangs immer mitgenagen und er ist alleine rein, dann habe ich ein paar mal auch bei der Gruppensitzung mitgemacht, ich fand es sehr hilfreich und in der Zeit hat mein Mann auch nicht getrunken. Die Gruppenteilnehmer haben ihn ganz gut analysiert und uns oder mir sehr viel Mut gemacht, er ist ein Quartalssäufer. Aber er will es nicht einsehen, er denkt, dass ein Alkoholiker quasi ein Penner ist und ohne Job und täglich trinken muss. Nun ja, diese Gruppenthearpie hat also auch nicht lange gewährt. Ich hab ihm ein Ultimatum gestellt und gesagt, dass wenn er nicht aufhört, dass ich ihn verlasse, ich oder der Alkohol. Natürlich hat er sich nicht für mich entschieden. Seid Weihnachten lebe ich eigentlich wieder bei meinen Eltern, wir sehen uns wenig, höchstens mal am Wochenende oder wenn wir irgendetwas erledigen mussten.
Ich habe mir selber eingestanden, dass er Alkoholiker ist und das ich ihm nicht helfen kann, es war auch für mich sehr schwierig, dies so zu akzeptieren. Seine Familie ist überhaupt keine Hilfe, sie interessieren sich nicht für ihn und er findet immer irgendwelche Ausreden/Entschuldigungen, warum seine Familie ihm nicht hilft. Ich bin die einzige, die sich um ihn kümmert. Er ist sogar selber zum Arzt gegangen, weil ihm seine Nieren weh getan haben, dabei hat sich herausgestellt, das er bereits eine Fettleber hat, auf grund des exsessifen Alkoholkonsums. Daraufhin hat er 8 Wochen kein Schluck mehr getrunken, da der Arzt ihn aufgeklärt hat so nach dem Motto: wenn Du weiter säufst, dann ist es für Deine Familie besser, wenn Du Dich selber gleich umbringst, denn so sind die Schmerzen weniger, als wenn Du Dich langsam selber umbringst. Es wird wohl auch nicht mehr lange dauern, bis er Medikamente braucht. Naja, diese acht Wochen sind nun vorbei und er redet sich wieder ein, dass er kein Problem hat.
Ich selber, ich kann nicht mehr, ich habe ihm heute gesagt, dass ich die Scheidung will, da ich nicht mehr umgehen kann mit dieser ganzen Sche***. Ich hab ihm immer gesagt, dass er sich entscheiden muss, ich oder der Alkohol und er hat sich ganz klar gegen mich entschieden und ich hab ihm auch gesagt, dass er alleine davon nicht weg kommt, er braucht hilfe und ich kann ihm diese nicht geben, ich kann ihn nur unterstützen, aber nur, wenn er auch wirklich damit aufhören will.
Wenn er nicht trinkt, dann können wir auch ein bisschen darüber reden und da hab ich ihm immer alles gesagt, wie ich die Sache sehe, er hat mir fast immer zugestimmt und auch gesagt, dass er was machen will, aber er macht es einfach nicht und jetzt denk ich halt, dass er sich nicht ändern wird, weil er weiß, wie schwierig der Weg sein wird und den will er deshalb nicht gehen. Er hat mir heute gesagt "Wenn es eine Spritze dagegen geben würde, dann würde ich sie nehmen, aber die gibt es nicht, sondern nur eine Möglichkeit die ungalublich schwierig sein wird", was soll man dazu sagen? Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen kann. Ich hab den Kontakt auf ein Minimum herunter geschraubt, hab alle wichtigen Sachen zum Leben hier bei meinen Eltern. Seine Familie hilft mir überhaupt nicht, ich glaube, dass es ihnen egal ist, sie sind total Sensationsgeil und wollen immer Hilfe haben, aber für uns waren sie noch nie da, seine Mutter denkt, dass wenn er 2 Wochen nichts getrunken hat, dass er wieder geheilt ist.
Ich habe schon soviel gelesen über Sucht und auch die vielen Geschichten hier im Forum, aber es ist doch immer die gleiche Frage: WAS SOLL ICH MACHEN? WIESO WILL ER SICH NICHT HELFEN LASSEN? WIESO SIEHT ER NICHT, WIE KRANK ER SCHON IST? WARUM BIN ICH IHM NICHT SO WICHTIG, WIE SEIN ALKOHOL? Und ich weiß, dass die Sucht stärker ist, als alles andere in seinem Körper und die Ausreden Suchtausreden sind und sie nicht wirklich von ihm kommen, aber trotzdem, kann mir jemand helfen, wie seid ihr über diese schlimme Zeit hinweggekommen, wie habt ihr es geschafft, dass euer Partner eine Therapie gemacht hat?
Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit,
lieben Gruß,
julchenazul |
|
| Nach oben |
|
| julchenazul hat zum Thema: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr geschrieben
|
|
 |
kaltblut sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 4741 Alter: 53 Wohnort: beiM
|
Verfasst am: 17.06.2009, 16:53 Titel: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht |
|
|
| julchenazul hat Folgendes geschrieben: |
WAS SOLL ICH MACHEN? WIESO WILL ER SICH NICHT HELFEN LASSEN? WIESO SIEHT ER NICHT, WIE KRANK ER SCHON IST? WARUM BIN ICH IHM NICHT SO WICHTIG, WIE SEIN ALKOHOL? |
Hallo julchenazul,
herzlich willkommen hier im Forum und danke für Deinen Mut zu schreiben.
Weil er es nicht sehen kann und andere Dinge wichtiger sind.
Vielleicht genügt Dir diese Antwort ja nicht, deshalb frage ich Dich einfach mal zurück: was willst Du tun, damit Du gesund wirst und nicht weiter unter den Dir jetzt bekannten Umständen leidest?
LG Kaltblut |
|
| Nach oben |
|
| kaltblut hat zum Thema: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht geschrieben
|
|
 |
julchenazul neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.06.2009 Beiträge: 81 Alter: 27
|
Verfasst am: 17.06.2009, 19:57 Titel: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr |
|
|
Hallo Kaltblut,
ja, auch für mich ist es nicht so einfach von ihm weg zu kommen! ich habe es immerhin schon geschafft quasi ausgezogen zu sein, also, viele dinge sind noch in der wohnung, aber alles was ich brauche habe ich hier. aber ich bin ja mit ihm verheiratet, ob ich ihn noch liebe, da bin ich mir mittlerweile nicht mehr so sicher, aber er ist doch mein mann, irgendwie muss ich ihm doch helfen können. ich will, dass er mich nicht mehr in meinem leben zurück hätl und mich nicht mehr so sehr enttäuscht und traurig macht. es ist so kompliziert alles und so schwer....
viele grüße,
julchenazul |
|
| Nach oben |
|
| julchenazul hat zum Thema: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr geschrieben
|
|
 |
kaltblut sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 4741 Alter: 53 Wohnort: beiM
|
Verfasst am: 18.06.2009, 08:41 Titel: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr |
|
|
Hallo julchenazul,
ja, das ist alles unverständlich und kompliziert und schwer und es wird von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat verständlicher und leichter.
In der Sucht heißt es Hilfe durch Nichthilfe, dass ist das Einfachste und das Schwierigste, indem Du ihm nicht hilfst, hilfst Du doppelt, Dir und ihm.
LG Kaltblut |
|
| Nach oben |
|
| kaltblut hat zum Thema: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr geschrieben
|
|
 |
malola75 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 28.04.2009 Beiträge: 84 Alter: 36
|
Verfasst am: 18.06.2009, 14:12 Titel: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr |
|
|
Hallo,
ich kann deine Ohnmacht und Hilflosigkeit sehr gut nachvollziehen. Man möchte und möchte und es kommt dabei nichts raus. Bei mir ist das so,dass ich sehr viel Zeit im Forum verbringe und es hilft mir wirklich sehr, mich zu verstehen und auch weiterzuentwickeln. Es ist so,als ob man das erste mal wirklich sieht,was in unserem Leben vor sich geht. Ich bin genauso wie du enttäuscht und traurig aber ich begreife langsam,dass es wichtig ist,dass ich auch glücklich sein darf und das ich auch ein Leben habe und noch lange nicht alles akzeptieren muss. lg |
|
| Nach oben |
|
| malola75 hat zum Thema: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr geschrieben
|
|
 |
julchenazul neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.06.2009 Beiträge: 81 Alter: 27
|
Verfasst am: 18.06.2009, 20:35 Titel: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr |
|
|
Hallo kaltblut, hallo malola75,
ich habe schon so viel über alkohol sucht gelesen, dass ich weiß, das ich so oft das falsche tue, in dem ich die zeit, in der er nicht trinkt mit ihm verbringe und es auch wirklich so tolle zeiten sind. dann nach wochen bin ich auf einmal wieder glücklich mit ihm und könnte mir vorstellen wieder mit ihm zusammen zu ziehen, naja, und dann kommt jedes mal die wirklichkeit und er hat mal wieder drei tage durchgetrunken. es hat sehr lange gedauert, bis ich mich hier angemeldet habe und mich "getraut" habe, meine geschichte zu erzählen, bei sovielen beiträgen denke, ich oh man, wie bei mir! und ich denke es hilft mir wirklich sehr, ich kann mit einigen menschen ganz gutüber das thema reden, ein freundin hat sich gerade von mir abgewendet, sie hat nicht verstanden, dass mein mann süchtig ist und ich auch wenn ich es nicht kann, ihm versucht habe zu helfen. heute hat er mich angerufen und mich gefargt was wegen unserer wohnung und ich habe ihm gesagt, dass es nicht mehr meine wohnung ist, er muss seine sachen selbst klären, ich aknn ihm da nicht mehr helfen. er sagt immer nur, es tut mir leid und ich wollte nicht, dass unsere beziehung so endet, ich sage ihm da immer nur, dass er es so wollte, denn er hat es so gemacht. ah ja, seine beste begründung für das trinken diesmal war, dass am montag, nach dem er getrunken hatte, die geister gekommen sind (er glaubt an geister und sowas) und deswegen musste er am montag und dienstag weiter saufen. er merkt gar nicht, dass er sich schon selber ausreden sucht, um sich sein trinekn zu erklären. naja, ich versuche wirklich, mich nur noch auf mich und mein leben zu konzentrieren, mein uniabschluss ist jetzt das wichtigste und ich versuche mir mit jedem tag, an dem ich stark geblieben bin, mir was zu schenken.
ich danke euch für euer gutes zureden, es hilft sich mit betroffenen darüber zu unterhalten, die verstehen einen doch besser also die anderen...
viele grüße,
julchenazul |
|
| Nach oben |
|
| julchenazul hat zum Thema: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr geschrieben
|
|
 |
julchenazul neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.06.2009 Beiträge: 81 Alter: 27
|
Verfasst am: 19.06.2009, 19:36 Titel: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr |
|
|
Heute habe ich wieder einen Tag überstanden. Ich bin froh, dass ich gar keine Zeit hatte, irgendwie an meinen Mann zu denken. Ich kann es immer noch nicht so richtig begreifen, dass er einfach alles so akzeptiert, dass er nichts merkt. Bis jetzt habe ich ihm immer gesagt, was als nächstes passieren wird und er hat im Nachherein immer zu mir gesagt, du hattest recht. Irgendwann muss man doch mal lernen, dass man dem anderen in bestimmten Dingen vertrauen kann, besonders seiner Frau. Es macht mich immer noch sehr traurig, dass er mir so wenig vertraut auf diesem Gebiet, aber auf der anderen Seite weiß ich auch, dass es nicht an mir liegt, sondern an ihm, dass er süchtig ist. Diese Hilflosigkeit ist das schwerste.
Am traurigsten macht mich, dass unsere Ehe darunter kaputt gegangen ist, wir sind noch nicht lange verheiratet, knapp drei Jahre, ich habe das Gefühl, dass ich gescheitert bin. Wir haben sehr viel durchgemacht und dass all diese Anstrengungen umsonst waren, dieses Gefühl macht mich richtig fertig.... |
|
| Nach oben |
|
| julchenazul hat zum Thema: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr geschrieben
|
|
 |
Nordlicht sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 09.04.2009 Beiträge: 4459 Alter: 52 Wohnort: kiel
|
Verfasst am: 19.06.2009, 20:57 Titel: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr |
|
|
Hallo liebe Julchen,
das klingt so niedlich, das fast hallo liebes Julchen geschrieben hätte, damit möchte ich Dir natürlich nicht zunahe treten.
Herzlich willkommen hier, sicher hast Du schon Einiges gelesen hier, wenn nicht, kann ich es Dir nur empfehlen.
Du bist nicht gescheitert, Du bist der Mensch, der Du bist.
Deine Ehe ist vielleicht gescheitert, aber bestimmt nicht wegen Dir.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf deinem Weg zu Dir.
Herzliche Grüße
Gesche |
|
| Nach oben |
|
| Nordlicht hat zum Thema: Re: Mein Mann will kein Alkoholiker sein und ich kann nicht mehr geschrieben
|
|
 |