| Wie gehe ich als Co-Elternteil mit den Kindern um? Hilfen? • Wer kann mir einen Tipp geben, was ich tun soll? |
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32802 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 16.06.2009, 08:51 Titel: Vorwürfe - Vorwurf |
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Hallo,
ich lese hier ab und an, das Angehörige Hass haben und wütend auf den Süchtigen sind.
Da Vorwürfe für den Süchtigen ja weniger hilfreich sind, möchte ich mal erfragen, welche Gedanken ihr zum Thema Vorwürfe dem Süchtigen gegenüber habt?
Gruß
Karsten |
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Aurora sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.05.2007 Beiträge: 5771 Alter: 53 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 16.06.2009, 09:23 Titel: Re: Vorwürfe - Vorwurf |
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Hallo Karsten,
viele Jahre lang war ich wütend auf Männe, später habe ich ihn teilweise gehasst. Da gab es mehrere Gründe. Für mich...
Ich habe lange verdrängt, dass er alkoholabhängig sein könnte. Ich sah seine Trinkerei an als Schwäche, als Wegbeamen vor der Verantwortung. Verantwortung als Vater, Ehemann, Verantwortung für sein/unser Leben überhaupt. Ich sah, dass ich dagegen aber nichr ankam. Alles Betteln und Flehen, Zetern und Heulen hielt ihn ja nicht davon ab, sich bei nächster Gelegenheit wieder die Kante zu geben! Oft heimlich, ich habe ihn manches mal beobachtet, durch Zufall, wie er die Schnapsflasche vor dem Hals hatte... . Da kamen dann Wut und Hass hoch, Hass auf seine Schwäche und auf meine, weil ich es nicht schaffte, ihn davon wegzubekommen. Ich war wütend, weil ich mich selbst auch für unzulänglich hielt! Für unfähig, voller Fehler, dass er trinken musste, weil ich nicht in der Lage schien, ein gutes Leben zu gestalten. Für ihn und mich.
Ich fühlte mich jedes mal auch wieder betrogen, hintergangen, verar...t, weil er nach allen Beteuerungen doch wieder betrunken da saß. Wenn er wieder alle Versprechen gebrochen hatte. Das war jedes mal Wut und Hass für mich!
Ich habe ihm Vorwürfe gemacht, ihn angeschrien: "warum schon wieder, hör auf damit, es tut so weh, lass das sein, ich halt es nicht mehr aus, du bist ein Schwächling..." , ihn manchmal geboxt und gekniffen,ihn mit Alkohol begossen oder so. Oder wir zerrten zusammen an einer Bierflasche... Er voller Gier, dass ich ihm was wegnehmen wollte, ich voller Hass, weil ich ihn mir nicht wegnehmen lassen wollte... Vorwürfe wie: warum hörst du nicht endlich auf, später sagte ich, warum lässt du dir nicht helfen. Vorwürfe, du liebst den Alk mehr als mich, als unsere Kinder...
Ich könnte noch Bände schreiben .
Diese Wut ließ langsam nach, als ich begann, mich intensiv auseinander zu setzen mit den Themen Alkoholabhängigkeit/Co-Abhängigkeit. Als ich begann, mich abzunabeln aus dieser Beziehung. Als ich verstand, warum er heimlich trinken musste, lügen musste, verstecken musste. Da konnte ich ihm keine Vorwürfe mehr machen, außer dass ich sagte, lass dir helfen, es liegt in deiner Hand!
Eine Rettung für unsere Ehe brachte aber mein Verständnis nicht. Zu viel war doch schon aufgefressen worden von der Wut und dem Hass.
Das fällt mir gerade zu deiner Frage ein
Aurora |
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kaltblut sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 4741 Alter: 53 Wohnort: beiM
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Verfasst am: 16.06.2009, 10:02 Titel: Re: Vorwürfe - Vorwurf |
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Hallo Karsten,
für mich waren Alkoholiker Menschen, die nicht zu Gesellschaft gehörten, alles andere passte nicht in mein Klischee. Es war unvorstellbar, dass meine Frau dazu gehören sollte und geschweige denn ich auch.
Den Alkohol anzugehen, die Umstände anzugehen und je mehr ich mir meiner Anteile bewusst wurde auch meine Frau anzugehen, war meine innere Fehlprogrammierung, mein Unverständnis für die Umstände an sich, mein Alibi.
Zu akzeptieren, dass es sich um mich drehte, dass ich darin genauso verwickelt war wie der Alkoholiker entsprach nicht meiner Denkmöglichkeit und Abwehrhaltung zum Schutz meiner Ideale und erlernten Erfahrungen. Vielleicht vergleichbar mit einem mehrjährigen Fremdsprachenstudium und dann reist Du erwartungsvoll in das fremde Land, keiner versteht Dich und musst zähneknirschend nochmals von vorne anfangen.
Da die Beziehung auf beidseitigen Scheinbefriedigungen von Abhängigkeiten baute, deren Ursprung in unseren uns unbekannten Mängeln lag, konnte nur Konfrontation herhalten, um etwas gegen die aufkeimenden Verlustängste zu tun. Es war mir nicht möglich über den Tellerrand zu schauen und irgendwann auch noch zu differenzieren was meine Gedanken für mich waren und welche für und über andere.
Ich bin ja nicht dumm, deshalb war vieles für mich unbegreiflich, heute macht es mir nichts aus dumm, irre, verrückt zu sein, damals hätte das ins Auge gehen können.
Da war es einfach einfacher und nahe liegender meinen Frust anderweitig abzubauen.
LG Karl |
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Morgenrot sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.02.2008 Beiträge: 9972 Alter: 52 Wohnort: Hessen
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Verfasst am: 16.06.2009, 12:35 Titel: Re: Vorwürfe - Vorwurf |
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Hallo Karsten,
natürlich habe ich meinem Mann auch Vorwürfe gemacht, ihm und natürlich dem Alkohol die ganze Schuld gegeben.
Wenn ich an ihn dachte war es immer mit Wut verbunden, was er aus unserem Leben gemacht hat.
Die Wut mußte ja irgendwohin, und hat sich in Vorwürfen entladen.
Ich habe ihn als schwach gesehen, wie er sich einfach so der Flasche hingab, anstatt etwas zu ändern.
Ich habe ihn teilweise sicher auch bewußt verletzt, um ihn wach zu rütteln, ich wollte endlich einen Partner, und kein drittes Kind.
Den Gedanken das er krank ist, wollte ich nicht gelten lassen, obwohl ich es besser hätte wissen müßen, schon vom Beruf her.
Das hat sich erst geändert, als ich mir anfing Gedanken über mich zu machen. Mir meinen Anteil angeschaut habe.
Ich habe es schließlich zugelassen, das er mich so behandelt. Ich war diejenige die in diesem "Spiel" mitgespielt hat.
Dieses erkennen hat mich erst einmal ganz klein gemacht, und hat dazu geführt, das ich mir die Schuld gegeben habe.
Erst durch das erkennen, das es keine Schuldfrage ist, sondern das wir beide krank sind, konnte sich etwas ändern.
Das mal meine ersten Gedanken dazu.
lg Lämmchen |
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Gotti sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.02.2008 Beiträge: 3354 Alter: 51 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 16.06.2009, 16:06 Titel: Re: Vorwürfe - Vorwurf |
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Klar, habe ich meinem Mann Vorwürfe gemacht. Jede Menge.
Hat er doch sich um nichts kümmern müssen, weil er entweder nicht da oder nicht zurechnungsfähig war. Hatte ich doch alles an der Pelle.
Schulprobleme der Kinder, Finanzsorgen, meine Sorgen - das war mir alles irgendwann zu viel und wem sollte ich da meine Wut meine Enttäuschung zuschreiben, wenn nicht meinem trinkenden Mann?!
Irgendwie ist aber alles an ihm abgeperlt.
Nachdem er trocken wurde, habe ich angefangen, mir Vorwürfe zu machen. Weil ich nicht früher gehandelt habe.
Bis ich "dahinter" gekommen bin, dass alle Vorwürfe egal sind.
Vergangenes ist vorbei, kann keiner mehr ändern.
Jetzt kann ich alles besser machen.
Und das zählt!
Ich habe meinem Mann verziehen.
LG Gotti. |
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Thelma Gast
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Verfasst am: 16.06.2009, 18:41 Titel: Re: Vorwürfe - Vorwurf |
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Lieber Karsten,
einfach ist's nicht, einem stets betrunkenen, aggressiven und gewalttätigen Partner keine Vorwürfe zu machen.
Das ist die Krankheit, klar.
Nicht jeder Alkoholiker wird gewalttätig, nehme ich mal an.
Lässt man sich die Gewalt über Jahre hinweg allerdings gefallen, kann man eigentlich nur sich selbst den Vorwurf machen, nicht zu gehen.
Durch Opferhaltung fördert man die Gewalt nur zusätzlich.
Meine Krankheit war es, zu glauben, ihn retten zu können, meine Stärke aus seiner Schwäche zu ziehen.
Letztendlich hab ich meinen Mann auch missbraucht, auf meine Weise.
Vorwürfe seinerseits wären also genauso berechtigt und natürlich genauso sinnlos gewesen.
Wo ist die Henne, wo das Ei bei solch einer ungesunden Konstellation Akloholiker - Co-Abhängiger?
Der eine ist schuld, dass es dem anderen schlechtgeht und der andere ist schuld, dass der eine säuft.
Jeder sucht Gründe, keiner Wege. (ich zitiere wieder mal Spedi)
Ich hab auch gekämpft, um uns beide da rauszuziehen, das schon. Mit Eheberaterin, Gesprächen im nüchternen Zustand und ja, auch Liebe. Die war und ist da, trotz allem.
Wie eine tibetanische Gebetsmühle hab ich immer wieder an ihn und seine Restvernunft appelliert. Wenn ich ihn dann so verzweifelt sah, mit sich und dem Suff hadernd, lösten sich meine zurechtgelegten Vorwürfe oft in Luft auf.
Ich sah oft den Mann hinter der Sucht, dann konnte ich ihm wieder nicht böse sein.
Kamen dann wieder verbale Rundumschläge im Suff, war es vorbei mit der Einsicht, dass er "nur" krank ist. Dann kämpfte ich und schlug verbal zurück.
Oder ich schlug präventiv (verbal), um Schlägen seinerseits vorzubeugen. Ein einziger Wahnsinn zweier Kranker Seelen.
Er tat mir genauso oft leid, wie ich ihn hasste. Beides weder förderlich für ihn noch für mich, auch klar.
Vorwurf und Verständnis wechselten sich ab. Liebe und Hass. Hoffnung und Verzweiflung. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber ich kannte das nicht anders, konnte diese Extreme durch ihn Ausleben bis zum Exzess, bis zum Zusammenbruch.
Lange war ich der Meinung, er zerstöre mein Leben.
Natürlich Quatsch. Die Einzige, die mein Leben an den Rand des Absturzes lenkte, war ich, sonst niemand.
Die Vernunft weiß, dass Vorwürfe keinen Halt und keine Berechtigung haben, aber da Sucht, auch die Co-Abhängigkeit, nichts mit Vernunft zu tun hat, vergaß ich das oft.
Stets auf den trinkenden Partner fixiert zeigte der Finger in die falsche Richtung.
LG
Thelma |
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| Thelma hat zum Thema: Re: Vorwürfe - Vorwurf geschrieben
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Nele 43 aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.09.2008 Beiträge: 859 Alter: 47 Wohnort: Chemnitz
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Verfasst am: 16.06.2009, 23:21 Titel: Re: Vorwürfe - Vorwurf |
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Lieber Karsten, ja, ich bin eine von denjenigen die momentan beim Schreiben immer noch mit diesen Wörtern Haß und Wut umgehen.
Mit der Einsicht die ich nun schon seit paar Jahren habe das Alkoholismus eine Krankheit ist und das ich ihn wegen des Trinkens nicht Hassen sollte bin ich ja schon ein ganzes Stück voran...aber in den ersten Jahre habe ich ihn schon deswegen gehasst, Vorwürfe sind dan natürlich gekommen Eben weil auch ich mit allen anfallenden Dingen alleine dagestanden habe, im Gegenteil, ich hatte auch schnell diese Rolle übernommen das ich auch noch seine Dinge geregelt habe, Ämter, Post etc.
Das Trinken alleine ist es ja meist nicht und das er mich auch in anderer Hinsicht sehr oft verletzt hat diese Vorwürfe habe ich ihm erst vor ein paar Monaten gemacht als wir noch zusammen waren und er eine längere Trinkpause hatte. Viell. war das auch nicht richtig von mir, aber ich fühle mich auf Grund der vielen Jahre von den typ. Suchtverhalten eben auch sehr verletzt und kann nicht alles so nach kurzer Zeit "vergeben und vergessen" Mir mache ich aber auch Vorwürfe, die gehn dann in meine Richtung und stehen im Zusammenhang was ich mir und auch meinem Sohn (er ist nicht von ihm) angetan und zugelassen habe.
Gute Nacht und liebe Grüße Nele |
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| Nele 43 hat zum Thema: Re: Vorwürfe - Vorwurf geschrieben
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Spanijoggel Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.02.2008 Beiträge: 8589 Alter: 70 Wohnort: Schweiz
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Verfasst am: 17.06.2009, 07:07 Titel: Re: Vorwürfe - Vorwurf |
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Hallo Karsten,
Mein Vater war ja Alkoholiker.Da ist die Perspektive sicher anders als wenn es der Partner ist.(habe ich ja auch erlebt)
Meine Mutter war unheimlich frustriert und schimpfte heftig mit ihm und über ihn.Sie gab uns Kindern ein ganz negatives Bild unseres Vaters.Dies,wie ich jetzt weiss,weil sie einfach nicht damit zurecht kam und todunglücklich war.Wen wunderts!
Ich habe auch gelitten und hatte meine Ängste wenn er alkoholisiert noch ein Familien-Fährtchen startete.Er wurde sehr wütend wenn wir nicht mitgehen wollten.Und so sassen wir jeweils zitternd im Auto und waren glücklich,wenn wir wieder heil zu Hause waren.
Aber ich konnte meinenm Vater nicht böse sein,ich konnte ihn nicht verachten.Wenn Mutter ihren Frust heraus schrie tat mir das einfach weh.
Und doch habe ich mich dazu hergegeben die Whiskey-Flasche zu markieren um zu wissen wieviel er davon in sich hineinschüttete.
Das war so ziemlich in der letzten Zeit seines Lebens.
Ich schämte mich und hatte ein schlechtes Gewissen dabei.
Mein Vater hat uns Kinder nicht angerührt.Er war immer hinter der Mutter her.
Und, nüchtern, hat er sehr viel für uns getan.
Habe ich meiner Mutter zu wenig geholfen?
Mit dieser Frage ist klar,dass ich als EKA reagiert habe.
Huch,das ist glaub viel Text geworden!
Yvonne |
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| Spanijoggel hat zum Thema: Re: Vorwürfe - Vorwurf geschrieben
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