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Bestrafung oder Selbstschutz?

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Autor Nachricht
Karsten
Administrator
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32802
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 08.06.2009, 09:16    Titel: Bestrafung oder Selbstschutz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich möchte hier mal ein Thema eröffnen, was sich mit den Gedanken Bestrafung oder Selbstschutz beschäftigt.
Als ich merkte, dass meine damige Freundin wieder trinkt, habe ich sie ja verlassen, weil ich mich selbst nicht der Gefahr aussetzen wollte.

Wie seht ihr das als Angehörige bzw. Coabhängige?
Ist es für einen trockenen Alkoholiker ein Selbstschutz oder glaubt ihr, wenn ihr such so handelt, den trinkenden Angehöriger oder Partner zu bestrafen, weil er oder sie trinkt?

Auch wenn ich mich über Antworten freue, soll dieses Thema mal zum nachdenken der eigenen Verhaltensweisen anregen.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Bestrafung oder Selbstschutz? geschrieben
Melinak
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 5012
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 08.06.2009, 12:16    Titel: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo karsten,

der gedanke ist ein so guter, denn ich frage mich oft selbst was ich machte.

zum einen habe ich meinen partner damals zum selbstschutz verlassen gehabt, auch zum schutz der kinder.

doch ein bischen an meiner eigenen nase gefasst habe ich damit sicher auch eine bestrafung damit begangen. denn weil er nicht so getan hat, wie ich es von ihm verlangt hat bin ich gegangen, habe die therapie abgebrochen. im nachhinein betrachtet, klare sache.

doch im vordergrund steht immernoch der selbstschutz, darum hab ich dabei kein schlechtes gefühl damit. dann kommt noch zudem, das er ja innerhalb der ehe, auch wärend der therapie ein verhalten gezeigt hat, was nicht partnerschaftsorientiert war. wäre die ehe im vordergrund gestanden und der erhalt der partnerschaft, wäre es ihm möglich gewesen, sich darauf einzulassen. mitzumachen um seiner selbst wegen. hat er nicht.ich lese hier von einigen paaren die das sehr wohl geschafft haben. da müssen aber nunmal beide an einem strang ziehen und nicht nur einer.

ich kann damit leben. Winken

lieben gruß melanie
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Melinak hat zum Thema: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? geschrieben
Emilie_AllEin
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 15.08.2008
Beiträge: 1257
Alter: 31

BeitragVerfasst am: 22.06.2009, 19:15    Titel: schutz Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

ich habe irgendwann - vor etwa einem jahr - einen punkt erreicht, an dem ich drei möglichkeiten sah. bildlich gesprochen: möglichkeit 1 war: ich lege mich neben meinen partner auf den boden und krieche mit ihm. möglichkeit 2 war: ich schaue zu, wie er auf dem boden herum kriecht. möglichkeit 3 war: ich entscheide mich dafür, mein eigenes leben zu leben und zu gehen. möglichkeit 1 und 2 waren für mich keine möglichkeiten. ich ging also aus selbstschutz, um möglichkeit 1 und 2 auszuschließen. es war sehr schwer, aber ich denke, das war die einzige alternative, um nicht daran kaputt zu gehen.

ABER: ich war erschrocken darüber, was WIR angerichtet haben. nicht darüber, dass er drogen nahm bzw. süchtig ist. ich erhielt unter anderem die basis für sein tun aufrecht. das war mir eigentlich sofort klar. ich würde sagen, ich sah in dem schritt zu gehen nicht nur selbstschutz, sondern auch schutz für ihn vor mir.

bestrafen wollte ich ihn nicht. niemals. ich musste erkennen, dass ich ihn bestrafte, unbewusst. aber nicht im gehen, sondern im ständigen vorherigen bleiben und an ihm ziehen und an ihm drücken. möglicherweise empfand er mein stilles gehen als bestrafung. aber ich wollte ihn einfach auch vor mir schützen und mich davor, mit unterzugehen.

k.
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Emilie_AllEin hat zum Thema: schutz geschrieben
Ette
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.01.2007
Beiträge: 1660
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 23.06.2009, 07:09    Titel: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen,

Karsten, das ist ja eine interessante Fragestellung. Ich hab eine ganze Weile darüber nachdenken müssen. Für mich war es Selbstschutz, ihn vor die Tür zu setzen und doch hab ich mich dabei gequält ohne Gleichen. Obwohl ich die Nase irgendwann gestrichen voll hatte von dem ganzen Chaos und den Achterbahngefühlen, fiel es mir nicht leicht, den Schlussstrich zu ziehen. Von daher war er auch erst einmal noch nicht so dick, weil ich immer gehofft hatte, durch meine Aktion würde er aufwachen, trocken werden und zu mir zurück kommen. Die ersten beiden Dinge sind eingetreten. Zurück gekommen ist er nicht, denn er hat erkannt und viel früher als ich akzeptiert, dass wir einander nicht gut tun. Inzwischen haben wir uns BEIDE weiterentwickelt und sind in der Lage, miteinander umzugehen, ohne dass wir unsere Grenzen voreinander verlieren. Diese Fähigkeit hätten wir nicht erlangt, wenn wir zusammengeblieben wären. Ich wollte ihn nicht strafen, sondern mich schützen. Und das hat sich letztendlich zum Guten entwickelt.

LG
Ette
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Ette hat zum Thema: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? geschrieben
Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 23.06.2009, 08:44    Titel: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten,

als mein Exfreund mich immer wieder *verließ*, begründete er es als Schutz für mich und meine Kinder.Aber unter dem Strich war es eine Bestrafung für mich und für ihn selbst. Er selbst strafte sich, damit er weiter trinken konnte. Für mich war es eine Bestrafung, weil er in meiner damaligen Denke sich für den Alkohol entschied.

Erst, als ich verstand, daß ich mich von meinem immer noch nass denkenden Freund trennen muß, um mich selbst vor meinem persönlichen Untergang zu schützen, konnte ich ihn verlassen. Er sah dies wieder als Bestrafung an, als Opfer für unsere Trockenheit, aber es war für mich schlicht und einfach ein Überlebenstrieb, denn meine Co-Abhängigkeit hatte ein Stadium des *mit auf dem Boden kriechen (wie ein Käferchen)* erreicht, das fast zum Suizid geführt hätte.

Ich bin fest davon überzeugt, daß es in meinem Fall ein reiner Selbstschutz war, denn, obwohl mein Exfreund nichts mehr trank, war er nass, es kam zum Rückfall, und somit war für mich klar, daß ich gehen mußte, um mein Leben zu retten.

Lieben Gruß

S.Käferchen
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Susanne hat zum Thema: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? geschrieben
Lil
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 07.06.2009
Beiträge: 16
Alter: 45

BeitragVerfasst am: 23.06.2009, 14:40    Titel: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten,

Bestrafung und Selbstschutz können sehr eng bei einander liegen. Ich glaube es kommt auch auf die Konstellation der Beteiligten an.
Da ich selbst abstinent lebende Alkoholikerin bin, kann ich beide Seiten beleuchten, die des CO.-Abhängigen und die des Süchtigen.
Vorab, mein Zwillingsbruder starb vor knapp 2 Jahren, damit ich nicht zu Grunde ging, habe ich den Kontakt zu ihm nur sehr knapp gehalten und dann meist auch nur telefonisch. Manchmal war es die Hölle zu hören wie er leidet und ich ihm nur aus Schutz für mich selbst, Nichthilfe als Hilfe anbot.
Das war mein Selbstschutz, Bestrafung war für mich der Tod meines Bruders. Ich weiß, dass ich richtig gehandelt habe, aber es hilft mir nicht immer, wenn ich an ihn denken muss.
Meine Mutter hat ihn bis zu seinem Tod gepflegt, sie hat es nicht geschafft, aus der CO. Abhängigkeit raus zu kommen und hat noch bis zum Schluss, seine unbezahlten Rechnungen bezahlt. Sie hat sich damit bestraft, jeden Tag sehen zu müssen, wie er zu Grunde geht. Meine Erfahrungen und das es auch anders geht, habe ich ihr vor gelebt, hat leider nicht geholfen.
Mein Fazit:
Selbstschutz sollte vielleicht nicht mit Bestrafung verglichen werden!

Liebe Grüße
Lil
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Lil hat zum Thema: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? geschrieben
Gotti
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 3354
Alter: 51
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 23.06.2009, 17:47    Titel: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Für mich wäre es eindeutig Selbstschutz gewesen, wenn ich mich getrennt hätte.
Ich war psychisch und physisch am Boden und wollte nicht noch tiefer kommen. Ausserdem wollte ich endlich ( Verlegen ) meine Kinder schützen, herausholen.
Früher, als ich noch Wut und Ärger verspürte, weil er mich so oft mit Problemen usw. alleine gelassen hatte, hätte ich eine Trennung schon als Strafe sehen können. Ich erinnere mich schon an Sätze wie:
Geschieht ihm gscheit recht, wenn er vor die Hunde geht! -- die mir damals durch den Kopf gingen.
Zuletzt war mir alles nur - egal.

LG Gotti.
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Gotti hat zum Thema: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? geschrieben
caro1969
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 01.09.2007
Beiträge: 5934

BeitragVerfasst am: 23.06.2009, 20:37    Titel: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo zusammen!

hm, hab auch nen bisschen überlegezeit gebraucht...nun weiss ich wie es bei MIR war...

als co-eka hab ich auf anraten meinen selbstschutz "aktiviert"(therapeutin,ärtzin)...mit dem eigentlichen sinn(von meiner seite aus) des bestrafens.klingt komisch doch war es so

ich bestrafe dich,indem ich dir meine liebe vorenthalte.du willst trinken,ich will das nicht!im hinterkopf IMMER die hoffnung das sie`s dann lässt...

erst lange lange lange zeit danach,setzte bei MIR der selbstschutz,der WAHRE SELBSTSCHUTZ ein..

einsicht das ALLES nichts bringt/hilft und das ICH MICH RETTEN WILL;mich selbst schützen will...

das waren so meine gedanken dazu...

liebe grüsse caro

Winken
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caro1969 hat zum Thema: Re: Bestrafung oder Selbstschutz? geschrieben

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