| Was würdet ihr an meiner Stelle machen? • Entzug und gleich wieder der Rum |
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Neraa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.05.2009 Beiträge: 94 Alter: 40
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Verfasst am: 03.06.2009, 11:39 Titel: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Hallo,
Auch ich habe mich entschlossen mich hier in einem eigenen Thread vorzustellen.
Gestern Abend ist mir nach dem nochmaligen Durchlesen eines meiner Kommentare ein Fehler in meiner Denkweise klar geworden und das veranlaßt mich nun dazu mich hier vorzustellen.
Als ich mich vor ein paar Tagen hier angemeldet habe, habe ich im Vorstellungsbereich geschrieben, daß ich mit Hilfe dieses Forums in den letzten drei Monaten, in denen ich hier mitlese, wieder zu mir selbst gefunden hätte. Mittlerweile habe ich allerdings erkannt, daß das garnicht stimmt.
Ich denke, ich habe es lediglich geschafft zur Ruhe zu kommen.
In den letzten zwei Jahren hatte ich, nach ständigen Auseinandersetzungen, die ich immer verloren habe,nur noch das Gefühl zu fallen. Mein ganzes Leben, meine Einstellung, meine Sichtweise und mein Selbstbewußtsein, sowie mein Selbstwertgefühl gerieten vollkommen aus der Bahn.
Hier habe ich dann etwas gefunden, das mich aufgefangen hat. Als ich das Wort Co-Abhängigkeit gelesen habe und mich in so vielen Punkten erkannt habe, konnte ich quasi mit meinem Verhalten in dieser Situation Frieden schließen.
Ich dachte, in den letzten Wochen, daß ich schon ein Stückchen wieder hoch geklettert wäre. Ich war wieder ruhiger und ausgeglichener, konnte wieder ein paar klare Gedanken fassen, hab sogar mal wieder gelacht. Ich hielt mich einfach wieder für lebensfähig. Ich habe das Gefühl bekommen, daß mein Verhalten zumindest nachvollziehbar ist und konnte es mit meinem Gewissen vereinbaren.
Und genau das ist der Punkt weshalb ich nicht sagen kann, daß ich zu mir selber gefunden habe.
In meinem Kommentar habe ich geschrieben, daß ich zu allem, was mein Mann macht, will und sagt Ja und Amen sage.
Ich konnte nur mit meinem Gewissen vereinbaren, daß ich mich aufgegeben habe, um wieder zur Ruhe zu kommen.
Die Erkenntnis ( nachdem mir jemand gesagt hat, daß das Verhalten meines Mannes typisch wäre), daß auch mein Verhalten, trotzdem nicht gegangen zu sein, und mich und somit die ganze Familie ihm unterzuordnen, typisch sei, hat mich soweit ruhig gestellt, daß ich zwar darüber nachdenke, ihn evtl. zu verlassen, aber im Großen und Ganzen habe ich nur mein Gewissen beruhigt und damit die Panikattaken abgestellt.
Mir gegenüber bin ich eigentlich nur gleichgültig geworden. Nur weil ich mir wegen meine Töchter Sorgen mache, denke ich über eine Trennung nach. Nur für den Fall, daß ich wieder drohe abzurutschen und in dieses Tiefe Loch zu fallen.
Meine erste Frage hier war, "Ist mein Mann ein Alkoholiker oder nicht?"
In den letzten drei Jahren ist sein Alkoholkonsum so stark angestiegen, da er am Wochenende und an freien Tagen schon nachmittags sein erstes Bier getrunken hat und abends sturzbetrunken war. Auch unter der Woche gab es keinen Abend mehr, an dem er nüchtern ins Bett gegangen ist.
Ebenso oft, wie er betrunken war, hatten wir Auseinandersetzungen. Ich sage extra nicht Streitereien, weil es eher ein einseitiges Beschimpfen war. Niemals vorher hat mich jemand so böse angefunkelt und ich war mir sicher, wenn ich etwas falsches sagen oder tun würde, würde er handgreiflich werden. Also habe ich mir die Nächte mit seinen Beschimpfungen um die Ohren gehauen und nur kleinlaute Einwände abgegeben, bis er sich irgendwann beruhigt hat.
Kurz vor Weihnachten, habe ich dann eine Bemerkung gemacht, die ihn zum Umdenken bewegt hat.
Er hat mir hoch und heilig versprochen, sich mir gegenüber nie wieder so zu verhalten. Er hat allerdings auch gesagt, daß er sich das Trinken von mir nicht verbieten lassen würde.
Er trinkt zwar jetzt wesentlich weniger aber immer noch fast jeden Abend mindestens eine Flasche Bier und häufig noch einen Absacker nach dem Essen.
Bei mir steigt dann jedesmal die Spannung und wenn er mehr trinkt und sein Pegel steigt, zieht sich bei mir alles zusammen.
Ausraster hat es seit Dezember keine mehr gegeben, aber ich habe ihn vor paar Wochen darraufhingewiesen, daß sein Alkoholkonsum wieder ansteigt. Es ging dann ca. drei Wochen einigermaßen gut und jetzt am Pfingstwochenende ist er um 21.00 Uhr im Bett verschwunden, weil ihm wohl selber rechtzeitig bewußt geworden ist, daß er wieder anfing zu stänkern. Vor einem halben Jahr hätte das in einer Auseinandersetzung geendet.
Das war der Abend an dem ich mich entschlossen habe, mich hier anzumelden.
Auch meine Mädels erkennen langsam die Zusammenhänge und zeigen Co- Verhalten.
Sie stellen Fragen oder geben Kommentare zu seinem Alkohokonsum ab, auf die ich ihnen nicht zu Antworten weiß.
Gerade für sie möchte ich es notfalls schaffen rechtzeitig den Absprung zu schaffen.
Im Moment bin ich allerdings hin- und hergerissen. Schließlich waren wir vorher 15 Jahre ein glückliches Paar und er ein sehr lieber Ehepartner.
Ich möchte ihm gerne noch eine Chanse geben, aber ich traue ihm nicht mehr und kann mich nicht mehr wirklich auf ihn einlassen. |
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| Neraa hat zum Thema: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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kaltblut sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 4741 Alter: 53 Wohnort: beiM
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Verfasst am: 03.06.2009, 13:27 Titel: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Hallo Neraa,
herzlich willkommen hier im Forum und einen guten Austausch.
Die Chance richtig genutzt, kann Dir viel Freiraum verschaffen.
LG Kaltblut |
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| kaltblut hat zum Thema: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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Thelma Gast
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Verfasst am: 03.06.2009, 14:37 Titel: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Liebe Neraa,
ein herzliches Willkommen auch von mir.
Du schriebst schon in meinem "Kinderthread" von Deinen Sorgen, die Du Dir um Deine Mädels machst.
Tut mir leid, dass Du keine Antwort erhalten hast.
Ich schrieb Dir gestern abend einen langen Beitrag, dann verschwand er plötzlich im Nirvana.
Umso mehr freut es mich, jetzt einen eigenen Thread von Dir vorzufinden.
Die Kinder und meine dramatisch schwindende Kraft waren letztlich der Motor, etwas zu ändern.
Ich erkannte, dass ich meinen Mann nicht ändern kann, dass unser fünftes Familienmitglied, der Alk, die Übermacht hatte.
Erst kam er, dann lange nichts, dann nochmal er.
Ich konnte immer weniger die Mutter sein, die ich gerne sein wollte.
Ich hatte keine Nerven mehr.
Mein persönlicher Tiefpunkt war dann letzten Sommer erreicht.
Ich hielt keine verbalen Attacken mehr aus, konnte nicht mehr kämpfen, war nur noch ein Häufchen Elend.
Vielleicht suchst Du mal eine Suchtberatung auf, die können Dir Tipps geben, was du für Deine Töchter tun kannst.
Es gibt Selbsthilfegruppen und spezielle Therapien für Kinder aus Alkoholikerfamilien.
Was gedenkst Du denn für dich zu tun?
Wie geht es Dir, wenn Du Dich so passiv verhältst?
Es gibt hier immer wieder einen schönen Satz zu lesen:
Wer nicht handelt, wird be-handelt.
Schreib Dir ruhig alles von der Seele, such Dir evtl. Hilfe von aussen.
Dann kannst du ein bisschen Ballast abwerfen.
Liebe Grüße
Thelma |
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| Thelma hat zum Thema: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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Neraa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.05.2009 Beiträge: 94 Alter: 40
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Verfasst am: 03.06.2009, 15:38 Titel: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Danke Kaltblut
für Deine nette Begrüßung. Nachdem ich alleine offensichtlich nicht wirklich weiterkomme, erhoffe ich mir hier wirklich eine Chance, mit der Situation umgehen zu können.
Hallo Thelma,
Danke auch Dir für die herzliche Begrüßung.
Ich habe den Beitrag von Dir leider nicht lesen können.
Dein Thread war so zusagen, der Anstoß mich endlich hier anzumelden.
Da ich immer nur kurz dazu komme hier reinzuschauen, weil mein Mann in letzter Zeit sehr viel zuhause war, ist er mir erst Samstag nacht aufgefallen.
Die Veränderungen meiner Mädels und das Reflektieren meines eigenen Verhaltens in den letzten Monaten, machen mir große Sorgen.
Bis vor zwei Jahren, denke ich, habe ich meine Sache ganz gut gemacht, aber in den letzten zwei Jahren ging es mir dann wohl genauso wie Dir. Ich hatte einfach nicht mehr die Nerven mich wirklich mit ihren Problemen und Zickereien auseinander zu setzen und bin auch den Auseinandersetzungen mit ihnen aus dem Weg gegangen und habe vieles schleifen lassen.
Vor allen Dingen auf ihre Fragen und Kommentare weiß ich oft keine Antwort. Einerseits will ich ihnen erklären , was los ist, damit sie nicht alles auf sich beziehen, andererseits möchte ich auch nicht offen mit ihnen darüber reden, was in meinem Kopf vorgeht. Zum einen um meinen Mann vor ihnen nicht schlecht zu machen, zum zweiten, habe ich angst sie noch mehr zu verunsichern, wenn sie hören, wie unsicher ich bin. Und ich glaube das größte Problem liegt wohl darin, daß ich nicht möchte, daß sie sich verplappern und ich unangenehme Fragen beantworten muß. |
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| Neraa hat zum Thema: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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Neraa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.05.2009 Beiträge: 94 Alter: 40
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Verfasst am: 03.06.2009, 15:54 Titel: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Ich sehe gerade, daß ich Deine eigentlichen Fragen garnicht beantwortet habe.
Wo mein perönlicher Tiefpunkt war kann ich im Moment garnicht sagen.
Ich denke, daß war Mitte Dezember, da hab ich nur noch geheult, wegen jeder Kleinigkeit, da hab ich dann endlich mal den Mund aufgemacht und meinem Mann mit ganz klaren Worten gesagt, wie es mir ging.
Seit dem läuft es hier auf jeden Fall schon viel besser.
Was ich für mich im Moment tue, ist genau das, was ich jetzt gerade mache, ich lasse meine jüngste fernsehen, um es zu nutzen hier reinzuschauen, solange mein Mann unterwegs ist.
Und wie es mir mit meiner Passivität geht, im Moment ganz gut, wie es mir ging bevor ich auf Euch gestoßen bin möchte ich jetzt nicht näher erläutern,
so viel Zeit habe ich jetzt nicht.
Nochmals herzlichen Dank für Deine schnelle Antwort. |
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| Neraa hat zum Thema: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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Thelma Gast
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Verfasst am: 03.06.2009, 16:00 Titel: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Hi Neraa,
diese Zwickmühle machte mich verrückt.
Einerseits merkte ich, dass die Kinder alles mitbekamen, andererseits wollte ich sie so lange wie möglich aus der Sache raushalten.
Natürlich kamen mit der Zeit die Fragen nach seinen "Spaziergängen", nach seinem Bierbauch, seiner dauernden Fahne, seiner ständigen Abwesenheit, seiner Aggressionen, meinen dauernden Heulkrämpfen und und und .
Letzes Jahr stand alles auf der Kippe.
Da ich am Ende war, bat ich meinen Mann, auszuziehen. Ich wollte nicht mehr.
Dann redete ich offen und ehrlich mit meinen Jungs.
Ich versicherte ihnen ganz oft, dass meine Gereiztheit nichts mit ihnen zu tun hat, dass sie prima Kerle sind und ich sie über alles liebe.
Unserem gemeinsamen Sohn, der so sehr litt, sagte ich, dass der Papa ihn sehr liebt, aber sehr krank ist und zur Zeit nicht mehr anders kann, als trinken.
Das sei die Sucht, sie ist stärker als alles andere.
Als meinem Mann mehr und mehr klar wurde, dass ich es ernst meine, wachte er langsam aber sicher auf.
Erst stürzte er total ab und fiel in unendliches Selbstmitleid und Selbsthass.
Auch damit erreichte er bei mir nichts mehr. Es war aus.
Ich wurde krank, schwach und weinte früh, mittags, abends und nachts.
Erkannte ich doch, dass auch ich seelisch krank bin.
Meine Beziehungssucht ließ mich so tief sinken.
Ich wusste nur, dass es SO nicht weitergehen kann, weil meine Jungs eine stabile Mama brauchen.
Meine Idee war, die Kinder irgendwie großzuziehen und dann hoffentlich bald zu sterben.
Ich war mir sicher, niemals mehr glücklich zu sein im Leben.
Und das mit 40 Jahren!!!
Liebe Neraa, ich kann Dir nur raten, Dir gut zu überlegen, welches Leben Du Dir für Dich vorstellst.
Da Du Dir im Umgang mit Deinen Mädels in Bezug auf den Alk so unsicher bist, rate ich Dir nochmal, eine Beratungsstelle aufzusuchen, um wieder ein kleines Stück Land zu sehen.
Auch ich ließ mir helfen. Es tat so gut.
Ausserdem fand ich dieses großartige Forum.
LG
Thelma |
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| Thelma hat zum Thema: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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Neraa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.05.2009 Beiträge: 94 Alter: 40
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Verfasst am: 04.06.2009, 00:26 Titel: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Hallo Thelma,
Jetzt habe ich etwas mehr Zeit, da bei uns jetzt alle schlafen, heute nachmittag mußte ich jederzeit damit rechnen, daß mein Mann herein kommt, und ich möchte im Moment nicht so gerne, daß er sieht, was ich hier mache.
Daß was Du gerade geschrieben hast, waren in den letzten zwei Jahren genau meine Gedanken. Die Kinder groß kriegen und dann endlich allem ein Ende setzen.
Nachdem mein Mann im Dezember zumindest die Einsicht bekommen hat, daß er es im Umgang mit mir übertrieben hat, und mir zur Liebe seinen Alkoholkonsum eingeschränkt hat, bin ich dann wieder etwas zur Ruhe gekommen.
Eigentlich hatte ich mir damals fest vorgenommen, mir nach den Feiertagen eine Wohnung zu suchen und mit den Mädels auszuziehen.
Aus genau den gleichen Gründen, die Du gerade genannt hast.
Nach unserer Aussprache folgten noch weitere Gespräche und ich habe mich bereit erklärt, ihm noch eine Chance zu geben.
Daß versuche ich nun gerade umzusetzen.
Der erste Tiefschlag kam schon Ende Januar, als er sich entgegen meinen Einwänden ein Mororad gekauft hat.
Toll hab´ ich gedacht:"Soviel zum Thema Respekt!"
Er hat sich wie ein kleines Kind gefreut und ich habe gedacht, na gut, gönn ihm den Spaß, dann geht es ihm hoffentlich besser, wenn er etwas für sich tut.
Irgendwie findet man für alles eine Entschuldigung.
Nur mir ging es aber doch schlecht dabei, weil er meine Meinung und meine Wünsche, meine Bedürfnisse immer außer Acht läßt.
Ich fühle mich nicht mehr geliebt und weiß auch nicht, ob ich ihn noch liebe. Ich denke ich fühle eher wie eine Mutter für ihn.
Dann denk ich an meine Mädels und denke, für die beiden trage ich auf jeden Fall die Verantwortung, mein Mann ist alt genug, er muß seine Verantwortung selber tragen.
Aber trotzdem fällt mir im Moment eine Entscheidung schwer.
Er bemüht sich ja und hat sich in fast allen Punkten gebessert, vielleicht können wir so doch weiterleben. Schließlich hätte mich sein jetziger Alkoholkonsum, vor der Krise nicht gestört.
Aber wenn die Mädchen dann mit einer Bitte kommen, mit der ich sie zu ihrem Vater schicke, weil ich mich nicht überwinden kann, ihnen die Antwort zu geben, oder mich rausrede,
anschließend dann die Reaktion meiner Tochter sehe, "Ja, Papa will das sowieso nicht!", dann denke ich, daß es so nicht weiter geht.
Nach den ewigen endlos langen Debatten die wir wegen solcher Kleinigkeiten geführt haben, mag ich so oft keine Entscheidungen mehr treffen, weil ich immer wieder im Kopf habe, beim nächsten Saufgelage bekommst Du es aufs Brot geschmiert.
Ich halte ständig meinen Ärger oder meine Wut zurück, weil ich vermeiden will, daß er deswegen trinkt.
Ich denke, solange nur ich diejenige bin, die mit dieser Situation nicht umgehen kann, warum soll ich dann, nur wegen mir, den Mädchen einen Umzug, ein ganz neues Leben mit sehr vielen Abstrichen und evtl. eine Menge zusätzlich für sie bedrückende und verunsichernde Situationen
zumuten und ihnen womöglich noch schlimmere Erlebnisse zumuten, als sie bisher mitbekommen haben.
Bisher sehen sie nur, daß ich traurig bin, mich für sie irretierend und unkonsequent verhalte, daß ich mit ihnen Schimpfe und ihnen anschließend, genau wie Du es auch gemacht hast, erkläre, daß es mir im Moment nicht gut geht, und mein Verhalten eigentlich nichts mit ihnen zu tun hat, sondern sie ganz liebe und für ihr Alter ganz normale Kinder sind.
Bisher haben sie nichts wirklich schlimmes sehen müssen, sie haben nur so einiges gehört. Aber was passiert, wenn ich unsere Situation oute und die Konfrontation mit ihrem Vater eingehe, der sich sicherlich in seinem Stolz sehr getroffen fühlen würde.
All sowas geht mir im Kopf herum, ich habe die schlimmsten Horrorvorstellungen wie es weiter geht, wenn ich auf Konfrontationskurs gehe.
Das mit der Beratung habe ich auch schon vorher überlegt, auch ob ich für mich eine Therpiemöglichkeit suche.
Ich denke für die Mädchen werde ich etwas machen.
Mir persönlich fällt es allerdings sehr schwer, jemandem gegenüberzustehen und das "hilflose kleine Mädchen" zu spielen. Daß meinte ich auch heute nachmittag mit dem:" unangenehme Fragen beantworten".
Ich habe eine Bekannte, mit der ich über unsere Probleme spreche, aber so wirklich ins Detail gehen kann ich bei ihr auch nicht. Und daß, obwohl sie Sozialarbeiterin ist, und ich weiß, daß das was ich sage bei ihr gut aufgehoben ist.
Umso mehr ich über mich nachdenke, umso unsicherer werde ich.
Ich sollte mich einfach auf die Mädchen konzentrieren, ihnen zuliebe werde ich wohl zu einer Entscheidung kommen, wenn ich weiß wie es hier weitergeht.
Liebe Grüße auch an Dich
Ps. Wie alt sind Deine Jungs? Ich habe zwar auch von Dir hier schon einiges gelesen, aber ich weiß nicht wie schnell ich es jetzt wiederfinden würde.
Meine Mädels sind 9 und 12 Jahre. |
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| Neraa hat zum Thema: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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Morgenrot sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.02.2008 Beiträge: 9972 Alter: 52 Wohnort: Hessen
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Verfasst am: 04.06.2009, 01:07 Titel: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis |
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Hallo Neraa,
herzlich willkommen im Forum.
| Zitat: | | Ich halte ständig meinen Ärger oder meine Wut zurück, weil ich vermeiden will, daß er deswegen trinkt. |
Das kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe auch sehr lange gedacht, durch mein "Wohlverhalten" kann ich sein Trinkverhalten positiv beeinflussen.
Das ist ein Trugschluß, denn ein Alkoholiker wird immer einen Grund finden, um zu trinken.
Auch ich habe mich immer weniger wichtig genommen, das gleiche lese ich aus deinen Beiträgen.
Erst seitdem ich hir im Forum bin, habe ich wieder gelernt, etwas für mich zu tun.
Deine Kinder bekommen sehr viel mehr mit, als du denkst. Das haben mir meine inzwischen erwachsenen Kinder bestätigt, nachdem ich jetzt offen mit ihnen reden kann.
Ich war der Meinung alles von ihnen ferngehalten zu haben.
| Zitat: | | Aber was passiert, wenn ich unsere Situation oute |
du wirst überrascht sein, wieviele Menschen aus Rücksicht auf dich geschwiegen haben.
Als ich begann darüber zu reden, habe ich oft gehört: "Das haben wir uns schon gedacht."
| Zitat: | | der sich sicherlich in seinem Stolz sehr getroffen fühlen würde. |
wenn du beginnst etwas für dich zu tun, und dein Mann Veränderungen an dir spürt, wird er sicher nicht begeistert sein.
Denn es wird dann für ihn unbequem werden, wenn du dich in den Mittelpunkt stellst, und beginnst an dich zu denken.
Aber das sollte dich nicht von Veränderungen für dich abhalten.
lg Lämmchen |
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| Morgenrot hat zum Thema: Re: Nach ein paar Tagen schon eine Erkenntnis geschrieben
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