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Co-Erfahrungsbericht von birdie

 
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birdie
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 05.05.2008
Beiträge: 2
Alter: 35
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 25.05.2009, 15:41    Titel: Co-Erfahrungsbericht von birdie Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen

Schon vor einem Jahr hatte ich mich hier im Forum angemeldet, jedoch ausser meiner Vorstellung noch nichts über meine Situation geschrieben. Ich gehöre zu der anscheinend eher seltenen Gattung der männlichen Co-Abhängigen. Ich weiss im Moment nicht so recht, wie’s weitergehen soll, deshalb danke schon mal für jeden Kommentar.

Zu meiner Geschichte:

Ich bin jetzt 2 Jahre mit meiner Freundin zusammen. Kennen und lieben gelernt haben wir uns am Arbeitsplatz, wir sitzen uns direkt gegenüber. Während zwei Jahren ist so aus einer Kameradschaft zuerst Freundschaft und schliesslich Liebe geworden. Das heisst, wir kennen uns nun schon 4 Jahre. Seit letztem Herbst wohnen wir zusammen und alles lief gut, aber scheinbar nur vordergründig, wie sich nun herausstellte. Viele Dinge wurden unterdrückt, aber dazu später mehr.

Schon als sie „nur“ eine Kollegin war ist mir aufgefallen, dass sie ein sehr ungezwungenes Verhältnis zu Alkohol hat. Mit anderen Worten, im Ausgang hatte sie nie Probleme, mit den Männern mitzuhalten. Lange hielt ich dies für ok und sogar cool, endlich mal eine Frau, mit der „Mann“ auch mal feiern kann. Erst als ich dann mit ihr zusammen war und die erste grosse Verliebtheit und das Schweben auf Wolke sieben etwas nachliess, realisierte ich, dass sie nicht nur ab und zu im Ausgang, sondern eigentlich jeden Tag ihr Feierabendbier brauchte. Wenn es nur eines gewesen wäre, hätte ich dies wohl auch noch als normal bezeichnet. Jedoch waren es dann je nach Gemütslage 1 bis 3 Liter, in ganz schwierigen Situationen sogar noch mehr. Wenn ich dann am Wochenende vorbei ging oder unter der Woche am Abend nach meiner Bandprobe, war sie meistens schon ziemlich voll, toll…

Immer wenn es ihr nicht so gut geht, sei es wegen der Arbeit, familiären Problemen, braucht sie ihr Bier, um herunter zu kommen. Ja, sie hatte eine schwierige Kindheit und ja, sie ist ohne Vater aufgewachsen, aber entschuldigt das ihr Verhalten? Ich meine nein. Vor ca. 1 Jahr hatte sie ihre bis anhin schlimmste Phase, wo sie auch mehrmals „krank“ war und sich nach einem Absturz von der Arbeit abmeldete. Ich machte mir immer mehr Sorgen und verfiel der Co-Abhängigkeit. Ich fing an, für sie zu denken, mich aufzugeben, sie zu kontrollieren, durchwühlte den Müll nach Bierdosen, zählte die Weinflaschen, alles erdenklich mögliche. Auch konfrontierte ich sie wegen ihrem Alkoholkonsum, natürlich stritt sie alles ab, es sei nicht schlimm, und ich habe ihr sowieso nichts vorzuschreiben. Eben, dabei wollte ich doch nur, dass es ihr gut geht und ich mir nicht die ganze Zeit Sorgen machen muss. Das ganze eskalierte in einem Streit und schliesslich hielt ich den Mund, um den Frieden wiederherzustellen.

Ca. vor einem halben Jahr habe ich sie das zweite Mal konfrontiert, dieses Mal energischer und bestimmter, dass ich das sch**sse finde und es meine Liebe zu ihr langsam aber stetig zerstöre. Doch auch dann zeigte sie keine Einsicht, wieder wurde ich als der Böse hingestellt, der Vorschriften und Bedingungen macht, anstatt mich um meine Probleme zu kümmern. Wieder war ich zu schwach und renkte alles wieder ins Lot. Das Leben ging weiter, sie trank mal weniger, manchmal eine Woche sogar gar nichts, mal wieder ein bisschen mehr, so wie’s halt gerade ging. Ich sass auf meinen Mund, hörte auf, im Müll zu wühlen, distanzierte mich ein wenig (was mir dann auch zum Vorwurf gemacht wurde). Bis schliesslich:

Vorletzte Woche waren wir in England in den Ferien, ihr Lieblingsland, sie hat auch einige Kollegen dort. Wie konnte es auch anders kommen. Nach den Ferien war sie total down. Schliesslich musste sie wieder zurück in ihren ungeliebten Job, in ihr ungeliebtes Land, und hat sich jeden Abend die Kante gegeben. Am Freitag Abend ist mir dann schliesslich, nachdem ich die ganze Woche zugesehen und meinen Frust runtergeschluckt habe, der Kragen geplatzt: Als unsere Nachbarn vor der Türe standen und uns den Wohnungsschlüssel zurückgaben (haben unsere Pflanzen gegossen während den Ferien) war es mir so peinlich, weil sie schon 2 Liter Bier intus hatte, dass ich sie nicht an die Türe gehen lassen wollte.

Nachdem die Nachbarn wieder weg waren, ging’s richtig los. Natürlich und verständlicherweise war sie voll angepisst, weil ich ihr nicht mal mehr zugetraut habe, mit den Nachbarn zu kommunizieren ohne zu lallen und weil sie mir einfach nur noch peinlich war. Ich packte dann meinen ganzen Frust aus und sagte ihr, dass sie es noch immer nicht kapiert habe und dass ich sie früher oder später verlassen werde, wenn sich das nicht ändere mit ihrer sogenannten „Self Medication“ alias Alkohol trinken. Und dass sie mich abtörne, wie eine alte Bierdose stinke, dass sich ihre Persönlichkeit zum Schlechten ändert, dass sie die ganze Zeit nur rumlallt, alles viermal wiederholt um danach auf dem Sofa in den Tiefschlaf zu fallen, wovon ich gar nix habe ausser meine Ruhe.

Tja, sie meinte, es sei wohl besser, wenn ich sofort gehe, bevor ich ihr noch mehr weh tue, ich soll mir doch eine abstinente Kindergärtnerin suchen (meine Ex war Kindergärtnerin). Das war letzten Freitag Abend. Natürlich hatte ich nicht den Mut und die Kraft alles hinzuschmeissen. Unser Wohnungsvertrag läuft noch mindestens bis Oktober (da Neubau, 1 Jahr Mindestvertrag), Ferien sind schon gebucht für Juli (natürlich ohne Annulationsversicherung, 2000,-/Person), finanziell ist’s auf der knappen Seite und das Schlimmste: Wir sitzen uns noch immer gegenüber im Büro!!

Wie auch immer, irgendwie haben wir das Wochenende über die Runden gebracht, ich habe ihr gesagt, ich sei nicht bereit sie zu verlassen, da ich sie noch zu sehr liebe und ich mir ihr zusammen sein will, einfach ohne den verfluchten Alkohol. Ich habe ihr auch gesagt, dass ich mich künftig auf meine eigenen Probleme konzentriere und sie nicht mehr anspreche auf den Alkohol. Trotzdem ist sie so stark verletzt, dass sie mich eigentlich nicht mehr ansieht. Wir reden zwar noch, jedoch nur über alltägliches. Auch habe ich das Gefühl, dass sehr vieles schon kaputt gegangen ist oder kaputt gemacht wurde. Gibt’s noch eine Happy End? Ich weiss es nicht und weiss nicht wie weiter im Moment…

Ich habe Angst, sie zu verlassen. Angst dass sie sich was antut, sich zu Tode säuft, wenn ich sie jetzt „auch noch“ verlasse. Bevor wir zusammen gekommen sind, hat sie die Trennung von ihrem Exfreund aus der Bahn geworfen, fast ihr komplettes soziales Umfeld brach weg, bis auf eine gute Freundin…

Da steh‘ ich nun, ratlos und abwartend, was wohl als nächstes geschieht.
Birdie
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birdie hat zum Thema: Co-Erfahrungsbericht von birdie geschrieben
kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4741
Alter: 53
Wohnort: beiM

BeitragVerfasst am: 25.05.2009, 22:53    Titel: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Birdie,

herzlich willkommen hier "wieder" im Forum und danke für Deine ausführliche Schilderung.

Ich kann Dich sehr gut vestehen, wahrscheinlich die Meisten.

Du liest ja schon 1 Jahr und weißt ja sicher einiges, zumindest was o. r. in den Informationen steht.

Vor einem Jahr hat Deine Freundin auch schon getrunken. Geändert hat sich nichts, außer, daß eine Menge neuer Knete verheizt wurde und die Krankheit etwas fortgeschritten ist, bei ihr und bei Dir.

Bei mir war damals die Angst sie zu verlassen und das sie durch dreht auch ein gutes Alibi für mein nicht mehr gebraucht werden.

Ich konnte damals weder 24 Stunden wachen , noch 24 Stunden Gedanken kontrollieren, irgendwann war ich müde und fertig. Da ging es nur noch darum etwas für mich zu tun, zu leben.

Mein Happy End ist, daß meine Frau bald 2 jähriges Trockenjubiläum feiert, daß ich auch auf einem gesunden Weg bin und daß wir zum Glück noch rechtzeitig getrennt wurden.

LG und hast Du schon mal einen Plan gemacht, was Du für Dich tun willst? Kaltblut
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kaltblut hat zum Thema: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie geschrieben
skybird
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 07.01.2008
Beiträge: 4106

BeitragVerfasst am: 26.05.2009, 07:27    Titel: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Birdie,
Deine Geschichte können hier ganz viele Coabhängige nachvollziehen, Du bist nicht alleine damit.

Gut hast Du sie konfrontiert und auch Deine Bedürfnisse geäussert. Bleib dabei, nach Deinen Bedürfnissen zu leben und nicht mehr für ihre dazusein.

Und mach Dir keine Vorwürfe. Sie findet immer einen Grund zum saufen und wenn es die Fliege an der Wand ist, die sie gerade jetzt dort stört. Du kannst nichts mehr "richtig" machen, also beschränke Dich auf das, was Du hast - nämlich Dich mit all Deinen Bedürfnissen.

Jetzt geht es darum zu schauen, welche Du Dir davon erfüllen kannst.

LG Skybird
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skybird hat zum Thema: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie geschrieben
Rosita
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.03.2009
Beiträge: 391

BeitragVerfasst am: 26.05.2009, 07:43    Titel: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Birdie,

deine Geschichte gleicht der meinen! Willkommen im Boot.
Mir fällt es auch schwer, den Partner mit seiner Sucht loszulassen. Ich habe auch lange Zeit für ihn alles aus dem Weg geräumt, für ihn gedacht usw...........genau das, was du auch beschreibst.
In ganz kleinen Schritten versuche ich mich zu lösen und meine Sachen anzugehen.
Es fällt oft schwer - ich weiß es - aber, wir können es mit Pfeil Abstand Pfeil schaffen.

Wünsche dir für deinen Weg viel Erfolg und Zuversicht.
Rosita
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Rosita hat zum Thema: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie geschrieben
skybird
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 07.01.2008
Beiträge: 4106

BeitragVerfasst am: 28.05.2009, 09:47    Titel: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Birdie,
wartest Du noch oder lebst du schon? Winken
Wie geht es Dir?

LG Skybird
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skybird hat zum Thema: Re: Co-Erfahrungsbericht von birdie geschrieben

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