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Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen

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dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 11:46    Titel: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Leute,
erlaubt mir mal an dieser Stelle eine "saudumme" Frage zu stellen.

Wir ihr wisst wohne ich in einer Minigemeinde mit 400 Einwohnern, ich fühle mich hier wohl, kenne den/die einen oder andere und man geht sehr offen auf mich zu, nimmt mich mit offenen Armen auf.

Ich selber bin es gewohnt einen Menschen als Menschen zu schätzen, ohne, dass dieser mir Leistungen erbringt, hilft oder oder oder.

So, nun habe ich hier gleich zu Anfang eine liebe Seele kennengelernt, die mir gleich Hilfe anbat, egal bei was. Ein schüchternes, zurückhaltendes aber liebes Wesen. Der Mensch wirkt auf mich unsicher und selber recht inaktiv, nimmt jedoch alle angebotenen Kontaktmöglichkeiten zu mir an. Nun, vor kurzem nahm ich dann doch mal Hilfe an, weil ich dankenswerter Weise überrumpelt wurde.

Der nächste Kandidat schenkt mir einiges an Brennholz um mich als Affaire zu gewinnen. Nun gut, war ein amüsantes Erlebnis, bei welchem ich 30 Sekunden nach Erörterung bereits ein so klares NEIN abschoss, dass alle weiteren Versuche recht kläglich endeten, jedoch ohne Knatsch.

Jetzt habe ich mich gefragt, ob ich als Städter einfach nicht kapieren kann - oder aber als der Mensch, der ich bin - dass es zuweilen in einer Ortstruktur so ist, dass Hilfe anbieten und diese anzunehmen, gleichzusetzen ist mit Kontakt. Dass hier eben auf Grund der anderen Struktur auch andere "Techniken" der Kommunikation zu Tage treten.
Ist das nämlich so, dann muss ich irgendwie jonglieren zwischen der Tatsache "eigentlich alles alleine hinkriegen zu wollen was möglich ist". Eigentlich nämlich möchte ich selber so viel wie möglich erledigen damit ich nicht ohne fremde Hilfe aufgeschmissen bin. Auf der anderen Seite wäre es schade, wenn ich mir durch diese Eigenheit und dadurch, dass anderen ein solches Verhalten fremd ist, auf Abstand halte. Den Eindruck habe ich nämlich gewonnen bei einem Menschen, den ich sehr schätze. Da gewinne ich fast den Eindruck, erst durch das Geben von Hilfe ist man/frau in der Lage sich selber als wertvoll darzustellen. Ich selber hantiere eben genau anders rum: ein Mensch ist mir viel wert und wertvoll wenn er schöne Werte hat und einfach kleine Dinge schätzt und ein Herz hat, das am richtigen Fleck steht (auch ohne es mir zu beweisen).

Ich würde mich echt über Antworten freuen, weil ich da jetzt tatsächlich ins Denken gekommen bin.

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben
Julchen148
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 23.12.2008
Beiträge: 2962

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 12:06    Titel: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar

der Pinguin bringt seiner Angebeteten einen Stein, du kriegst Brennholz, da konnt ich jetzt richtig drüber lachen!

Aber um auf deine Frage zurückzukommen: die Kommunikation zwischen Städtern und Landmenschen ist eine Kunst für sich! Ich wohn auch auf einem kleinen Dorf, seit meiner Geburt und hier kennt jeder jeden. Als wir vor einigen Jahren unser Haus renoviert haben, da war das normal, dass auf einmal mehrere Nachbarn mit auf dem Gerüst standen. Wenn jemand Dach deckt, kurzer Rundruf (mittlerweile Telefon und keine Rauchzeichen mehr!!) und wer Zeit hat ist da.
Bei uns gibt es auch eine Dorfgemeinschaft in der Sachen, die das Dorf betrifft, gemeinsam entschieden werden.
Ich bin ja eher zurückgezogen (kann sich noch ändern!) , auch das wird akzeptiert. Wird auch kein Vorwurf deswegen gemacht.
Muss bestimmt nicht erwähnen, dass das ganze feuchtfröhlich über die Bühne geht!

S.G.

julchen
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Julchen148 hat zum Thema: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben
dagmar007
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.05.2008
Beiträge: 2896

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 12:14    Titel: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Sehr gut,
dann kannst Du in etwa nachvollziehen wieviele ? mich begleiten (2 m Brennholz, auch wenn es Fichte sind, die bringen mich über den Winter - auch wenn die Hormone des armen Herrn dennoch nicht befriedigt sind, aber so sind halt manche Städter Winken

Ich würde auf eines der Angebote schon ganz gerne ab und zu zurück kommen. Aber ich habe immer etwas Bedenken - auch wenn ich den Kontakt von mir aus ankurble - dass sich derjenige ebenso belagert fühlt wie ich mich hier von einigen Menschne. Bisher war es von der anderen Seite recht inaktiv, hat sich zwar nun auch am Freitag geändert, aber ich stehe so ein bischen mit Fragezeichen im Gesicht da.

Revanchieren kann ich mich als Verwaltungshengst ganz wenig. Ich kriege Pflanzen, die aber, die ich gegenschenken könnte, die haben sie selber hochgezogen. Schenke ich etwas orignelles (hatte da etwas im Auge Winken dann wirkt das wieder wie Anmache. Aus dem Gefühl raus hätte ich das Originelle "geschenkt" aber das ist wieder Städter-/meine Art, die dann auch eventuell falsch ankommt.

Ich denke schon, dass Du verstehst, dass es mir nicht darum geht wie mache ich was richtig! Mir ist einfach eine "andersartigkeit" bewußt, die beileibe nicht schlecht ist, aber anders als ich eben bin. Es wäre einfach schade, wenn ich jemanden verletze (habe ich schon getan ohne es zu wissen.

Lieben Gruß von Dagmar
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dagmar007 hat zum Thema: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben
Julchen148
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 23.12.2008
Beiträge: 2962

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 12:34    Titel: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Also wenn ich jetzt von uns hier aus geh, wieso solltest du nicht auf das eine oder andere Angebot zurückkommen? Du kannst doch sagen, wenn derjenige mal bisschen Zeit hat, könnt er dir helfen. Wenn er dann Lust hat, hilft er dir. Wenn nicht, dann halt nicht.
Und wieso kannst du dich als Verwaltungshengst nicht revanchieren? Ich kenn Leute hier, die können halt besser Briefe für Ämter schreiben. Oder andere sind die Profis für Computerarbeiten.
Und wenn mir jemand Pflanzen oder so schenkt, reicht ein Danke schön. Im nächsten Jahr erzähl ich dann, wie schön sie geworden sind und gut ist.
Wir sind halt einfach gestrickt hier in Franken!

julchen
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Julchen148 hat zum Thema: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben
bigbee
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.05.2009
Beiträge: 16

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 12:59    Titel: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo liebe Dagmar,

ich dachte auch immer, was denken die, wenn ich dies oder jenes mache, schenke usw.

Übrigens ich bin in einer 400-Seelengemeinde aufgewachsen, als Kind war das toll, viel Wald- und Wiesenfreiheit... als ich dann in die Pubertät kam, hat mich diese soziale Kontrolle sehr gestört, immer den Blick auf die Nachbarn haben, wenn irgendwas zu tun war wie z.B. samstags Straße kehren. Unsere Straße war kein Durchgangsverkehr und dementsprechend, zumindest in meinen damaligen 15-jährigen Augen, sauber. Wenn da mal ein paar Blätter rumlagen, wurde der Besen von rechts nach links geschwungen und immer schön den Nachbarn im Blick haben, damit er es auch sieht Cool wie da gefuhrwerkelt wird.

Ich habe meiner Mutter den Vorsclag gemacht, die 3 Blätter doch aufzuheben, nein es wurde weiter gekehrt....

Mit 18 ging ich dann in die Großstadt, ich dachte, das ist die weite Welt.
War es aber auch nicht. Ich kenne also beide Seiten. Und heute lebe ich so, wie es für mich richtig, d.h. stimmig ist. In der Provinz schön im Grünen, aber keine 15km entfernt die Großstadt, einfach herrlich für mich als "weltstädtisches Landei." Sehr glücklich .

Alles hat seine 2 Seiten, im Dorf wird niemand nach 2 Wochen gefunden, weil er oder sie tot ist und zu stinken anfängt, andererseits muss ich mich so anpassen, wie es mir wiederum widerstrebt. Ich glaube nicht, dass die Kommunikation anders ist, sondern die Frage, will ich mich an das dörfliche Leben anpassen, d.h. mithelfen, mitfeiern. mitmachen...
Ich war als Jugendliche "außen vor" ich gehörte nicht dazu, weil ich vieles eben nicht mitmachte und habe da schon Repressalien gespürt, aber als kleiner Rebell hat mich das nicht weiter gestört, da war ich eher trotzig, jetzt erst recht ..

Etwas schenken oder auch annehmen war bei mir oft mit Scham besetzt. Heute kann ich den größten "Kitsch" ohne Scham weitergeben als ein liebes Zeichen und vergebe mir nichts dabei. So gebe ich heute her, was mir grad in die Finger gerät und schenke es weiter. Und habe endlich nicht mehr das verschämte Gefühl von früher, mal wieder nicht "richtig" gehandelt zu haben oder auch, das gehört sich nicht...

Ich brauche keine Zensur mehr 1 mit * oder 6 Setzen! Ich kann eher bei mir bleiben, bin dadurch auch nicht mehr so bewertungsabhängig und das wiederum schenkt mir eine große Freiheit. Aber dazu gehörte auch Mut und der kam nicht von jetzt auf sofort, aber ich habe klein angefangen und geübt und mittlerweile fahre ich ganz gut damit. Wo ich auch vieles abgekuckt habe, ist von Kindern, die schenken frank und frei ohne Hintergedanken, was der andere denkt. Sie wollen einfach Freude weitergeben und nehmen entsprechend gerne auch Geschenke und Freude an. So einfach ist es manchmal Sehr glücklich das ach so komplizierte Leben.

lG
BigBee
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bigbee hat zum Thema: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben
Doro
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.01.2009
Beiträge: 2521
Alter: 41
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 13:00    Titel: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hochinteressanter Thread!

Ich fühl mich ja so dermaßen unsicher hier in der Provinz, das macht mich ganz verrückt.

Schreibt mal schön weiter, vielleicht hilft mir das.
Gruß
Doro
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Doro hat zum Thema: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben
Skye
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2009
Beiträge: 293
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 13:50    Titel: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar,

den größten Teil meines Lebens habe ich in dörflich, ländlicher Umgebung verbracht. Als ich im Kindesalter aus der Großstadt hierher verpflanzt wurde, war das schon sowas wie ein Kulturschock für mich. Auf einmal grüßten mich auf der Straße wildfremde Menschen, sie kannten sogar meinen Namen. Geschockt Ich hatte keine Ahnung wer sie waren. Das kann anfangs schon sehr verwirrend sein. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und fühlte mich gut aufgehoben oder auch beobachtet, je nachdem was ich so gerade tat. Winken

Ich bin damit groß geworden, dass Nachbarn einander helfen. Damit meine ich nich nur die, die links und rechts wohnen, Nachbarn waren mindestens mal ganze Straßen. Jeder hat, kann oder weiß irgendetwas was anderen nützlich ist. Es wird auch sehr aufeinander aufgepasst, was ich erst die letzten Tage wieder erfahren konnte. Auf der einen Seite schön, auf der anderen weniger. Denn wie BigBee schon schrieb, es wird auch sehr genau geschaut wer da was so macht oder auch eben nicht. Das kann auch als einengend empfunden werden.

Für mich waren die „Nachteile“ bisher immer größer als die „Vorteile“, deshalb habe ich mich, egal wo ich nach dem Auszug aus meinem Elternhaus wohnte, immer weitestgehend raus gehalten. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich habe die Erfahrung gemacht, das auch das akzeptiert wird. Gedanken machen meine Nachbarn sich trotzdem über oder um mich. Cool

Ebenso habe ich die Erfahrung gemacht, dass Hilfe und Gefälligkeiten nicht eins zu eins zurück gegeben werden müssen. Manchmal kann es auch ein Jahr dauern, bis man sich revanchieren kann. Oder man hilft nicht dem der einem selbst geholfen hat, sondern einem Familienmitglied. Was ich damit sagen will, einfach mal auf den Bauch hören, wie man es selbst für sich wollen oder machen würde und nicht wie man meint das andere es erwarten würden. Ein ehrliches, offenes Danke als „Lohn“ reicht oft schon aus. Es geht dabei eher darum den Zusammenhalt zu fördern und damit der Gemeinschaft einen Dienst zu erweisen, weil von dieser Gemeinschaft alle profitieren und nicht nur einzelne. Ich hoffe, ich konnte mich einigermaßen verständlich ausdrücken.

Ich kann Deine Unsicherheit verstehen, wenn man so etwas nicht gewohnt ist, kann einen soviel Aufmerksamkeit von im Grunde Fremden schon mal erschrecken oder auch erschlagen. Ich hatte es als Kind etwas einfacher mich einzugewöhnen.

Wie wäre es denn, wenn Du die gute Seele von der Du sprichst oder jemand anderen einfach mal ansprichst und das so wie hier oder ähnlich erzählst, einfach mal nachfragst wie es auf dem Dorf so läuft, einfach, weil Du es nicht kennst.


Gruß
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben
Gotti
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.02.2008
Beiträge: 3354
Alter: 51
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 24.05.2009, 19:11    Titel: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dagmar!

Du bist ja ganz schön aus deinem Gleichgewicht geworfen. Machst dir ganz schön Gedanken.
Ich denke aber, dass deine Nachbarn und Dorfleute dich schon kennen. Und dich auch schon einschätzen können. Denn das ist doch das erste, was man von einem Neuling im Dorf wissen muss!!! Ich kenne mich da aus, weil ich auch in einem - jetzt aber großen - Dorf lebe.
Die "Zug`greisten" haben es immer schwer, und manche machen immer alles falsch. Werden nicht akzeptiert.
Ich würde aber auch erst mal schön Danke sagen, wenn ich was bekomme, und dann vlt. noch sagen, dass, wenn ich mal was Schönes im Garten habe, sie gerne wiederkommen und haben können. Vielleicht findet ihr in diese Richtung ein lockeres Gespräch, ohne dringende Verpflichtungen, aber mit Gegenseitigkeit im Hintergrund.

Hoffentlich findest du bald wieder zu Dir zurück, zur Ruhe in deinem Häuschen! Viel Kraft dazu wünscht dir Gotti.
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Gotti hat zum Thema: Re: Kommunikationsstruktur/helfen und helfen lassen geschrieben

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